Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 11
- Date
- 1933-01-01
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- [Seite] (sequence 4)
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in.um. dir jüdischeliitelljgrn/ brauchen konnte. Wenn heute noih im < Men in der jiddischen "'[iiiiche die deutschen Lunte c-rtönc II so erinnern »ie an jene grode KrisL und die daran an »chlic-llende XX amle-rung in ausgehenden Mittelalter. i W emi in Hre«lau in qer Mitte de» 16. Jahrhundert« iui Anschluß an eine neue Krise die Juden ..auf rwipe /eitenf" aus der Stadt gewie- 'in wurden, und sie »[Hiter doch wieder eine irr.ille und stattliche Gemk-indc bildeten, »o zeigt dies mit aller Deutlichkeit tröstend, dal! es auch in den /eiten härtester Judennot ein ..Niemals" nullt gibt. I' ist lieinei keusw ert.j dal? der Anf-ttc-g des Judentums in Polen nur »»lange erfolgte. wie 111an die berufe, die man, den Juden ztigew iest-it hatte, nicht selbst aii'iiltte. In dem Augenblick .diel. in dem das polnische \olk größer wurde iiii.I selbst in Berufe eindgang. die es vorher ver- '.liiiiaht hatte, set/te die Gegc-nbew egung ein. 11 I es kam /u X erfolgungon derer, die man eiii'tinal' in- I.atul gerufen hatte. Es entscheiden nun einmal in der Geschichte keine Gefühle, sondern lediglich die harten Notwendigkeiten, und dem heillt es. suh belegen. Da« erschütterndste lind gleichzeitig trci't- ■fejdtite Beispiel jüdischer Geschichte seit der /ei 'torung de-' zweiten Tempel» bietet zweifellos da' Schicksal der spanischen Juden. Wer um da» Jahr 10(11 einen auf der IW rc u.e uhalbitisel gefragt hätte, ob jemals eine /eit kommen konnte, in der in diesem Lande kein Jud.- mehr weilen dürfte, er hätte sicherlich an Mi llc c im r \ntwort nur ein mitleidiges Lächeln erfahren, und man hätte,ihn mit dem Gedanken \eriu"en. es mit einem armen Geisteskranken zu t„u zu haben. Denn itl diesen Ländern waren du- Juden zu denkbar größter Stellung gekommen. Mo hatten nicht mehr das Gefühl, in der F r. mdu zu sein, sichatten auch keineeinzelnen von den anderen verschmähten Berufeal« Er w. rliscpielle erhalten, man hatte ihnen jede Möglichkeit gegeben, und sic-hatten sich überall bewährt, keinerlei entehrende Abzeichen auf ihrer Gewandung brauchten -je zu tragen, -ie b-bt.-n frei unter Freien. Und sicherlich glaubten 'ie. hu r für die Fwigkeit ihr Haugegründet zu haben. \11.-1 ekam da« Jahr 1402. und e« war kein Jude lll. Ill auf der l’v I e U.teCI ha lllill'l'l. c|er sich ziiiii Judentum bekanntet. Wer zum ( hri-tentum ubei g. t n len war. dürft)- als M.traiine ein stets be-di.n Veto» und mit Milli rauen verfolgtes Dasein füllten. \ber alle anderen mußten das Land »ei lassen. |)ei Ersuchen für diese Entwicklung 'i'iii :uuti"igfavhe gewesen. Neben dem Gegeit- ' a i / im (da al» n werden c-s auch hic-r \X irisch.ift'iioie gewesen sei,,, die mit dem allmählichen I ebcig.mg zu eitler neuen Ordnung zus.iiii m* -ii Ii a ii gelt. Wh wissen, unter welchen fur.htbaieu k .impfen -jich tlic-'i- Aii'gliederimg der Juden .ei' dein laben der Pv renaenhalbiii'el vollzog. Es i't bei iiuptet worden, dal* das W irtsch.ifi'leben dieses Landes seitdem zu einem Mdl«t.i.|d gekommen' i'E Wir wollen dieser Behauptung au diese, Melle nicht nuchgehon. Aber im n; in m dl uns cLis >thitk'al ele-i vc-rtiiene n J a!r:i I» ~.i,at:ig.’ a. W II 'lad gewöhnt, jc-iie Juden als die 'c-phaili'.hen in fg. ii'.itz zfi den a'chkc-na'isihen zu be/eichn -n. I lei vv. nn vDt Ie ntc bei einer Fahrt durch du-.W*]t - phu rjli'chen Jude n In-gegnen. so wi:.i die Wieg,- ijiet X erfahr--!! irgendwo in M>-nt' n gestände ti iiublui. D> all in dein gleichen X geiibb.ke und »Ii~' M wicdri das XX IIn diia ein der judi'ilntii Geschichte öffneten da lo-i widere? itinder. M-Ili'tv cT'tändlidi 111:11:1• II \t 11 r * ■bemfn iM,.den neuen Staaten. M 1 * f D MDI ’k * 11 .wifri.Tnii. ',»11 neuem anfangc-n. W -r 's|m n i* ri « in nichei und angesehener Ml.iim „ - \X ( -<") i't. der jnwißte «ein Hau» in llwl- 1.1E.! ' >»: r; <. DU* lf- 'tt n an neu /inirne rn. Aber xxi iin t iii . i. ih'lifiiiclerte überschaut, wir Uiii-f .1 ti»- ri* ex « Ii und .will C » Öl-Stunden «chon XX I-'i. f l>!ii!ii‘tx!. ( ■ene Ente n Im den Mäelten der \ i< ■< i1 ■ 1 i nu ei die s, Ul hatte mall c-s nicht nur zu niarc-i leile-m XX ohl'tanele gebracht, denn n i i ge nd' und Illentals jj.it sich da« Judentum da- 111:1 be-nugt. »ein Haus allein auf der Sicherheil eh - I rilie» hinanizuiiauen. c-s lebte in diesen neuen <,-uieitidi-n alsbald ein jüdischer Gebt und cm eigenes geistiges | oben. Wenn auch Baruch ""piiioz.^ in seinem Denken eigene XX ege ginge so wäre sein«- nnstorbf.it: e I , istiwig nicht möglich gevve-c-u. ohne d.:ß ei. (.einein'chaft, aus de 1 ei hervorging, in den Niederlanden eine neue Mutte gefunden hätte. XL' den aufhliihenih 11 Njc .!.-r!,wulen und mit ihr.-n. gewaltigen k .hwwaliei.b .ging da» Judentum über die F.rele.! - bt ft sich iii Niederländisc! I-.ilii n und in f.ivaiia iii Südamerika tiic*eior. - wänderte in die grollen kolonial gebiete hin« a. die »ich auch unter umir,er E lagge ijc'nseit» eh Meere bildete 1 Mögen min bereit» unter kohwnbii» die ei-ton (uden lirriibr rjrrgangt-n »ein oder nicht, in p neu Gebieten Amerika» war Xrbe-it zu leisten. war Neues zii schaffen, lind mit der ungebrochenen I nlschlo"c‘tiheit von Meii»chen. die mit»: gui keinen l mf-tänden nntergehi-n wollten. ging man auch an den XX iecler.111fb.1u der I \i»tenz unter den aller»ehw ersten Bedingungen. E» sind im Grunde überall die gleichen Xh tische,,. und es sind die gleichen Verfolgten, die zu einem neuen I eben bereit sind, die au einer — 92 - anderen Stelle vertrieben wurden. Es ist dasselbe. das ewige Volk, mit jenem in der Geschichte kaum sonst beobachteten XX dien zum Leben! Als nach der Entstehung des niederländischen Kolonialreiches das riesige- Heidi der Briten allmählich das der Holländer ablöste, da fanden sie in den Gebieten, die sie übernahmen, bereits Juden vor. aber man wullte auch an der Ihetnse die zähe Energie jüdischen Aufbauwillens zu schätzen und hat sich seiner bewußt bedient. kehren wir von der Weltweite nach Europa zurück. Enter dem Grollen Kurfürsten bildete »ich im Norden Deutschlands ein noch kleines, aber von zähestem XX illc-n zur Behauptung durchdrungenes Staatsw c-sen. Noch ahnte c» nicht, dal! aus ihm einmal eines der mächtigsten Beiche Europas hervorgehen sollte. Aber eins ist sicher, der Mann, der es in diesem Augenblicke schuf, war gewillt, jegliche Hilfein Anspruch zu nehmen, die ihn im Aufbau unterstützte. Wieer den Hugenotten F rankreichs deswegen Heimstätten gewährte, weil er in ihnen einen gewc-rbefleißigen X olksteil sah. der Fähigkeiten mitbrachte, die seinem eigenen Xolke von grollten! Nutzen sein konnten, so rief er auch die Juden ins Land zurück, die ein anderer Hohen- /ollt-r. Joachim II.. einstmals vertrieb. Weil er sie brauchte, gewährte er ihnen jede Erleichterung in ihrem Dasein. Jahrhunderte ruhiger Entwicklung kamen für das preußische und deutsche- Judentum. Ein Friedrich der Große sah auch diese Probleme mit voller Schärfe. Ihm war es gewiß bewußt, welche Verschiedenheiten zwischen jüdischen und deutschen Menschen im einzelnen bestanden, aber er hat bei der Eingliederung der Juden in den Staat doch vor allem die Tatsache itn Auge behalten, daß die Juden für seinen Staat nicht zu entbehren waren. Dies ist bis in die letzten Verzweigungen, vor allem an seiner Judeni>nlitik in Schlesien, nachweisbar. Hier sorgte er mit besonderer Sorgfalt, daß die polnischen Handelsjudc-n jede Erleichterung erfuhren. weil der Handel Breslaus von den X er Bindungen mit dem Osten abhing und weil diese nur durch die Juden aufrecht zu erhalten wan n. Auch das 10. Jahrhundert mit seinem zunächst attfbliihenden Kapitalismus hat den Juden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und Amerika Lebensraum gewährt. Die große nette Krisedes Judentums der jüngsten /eit ist von der Krise des Ilochkupitalismus nicht zu trennen. Man muß sich daran gewöhnen, die Juden frage nicht losgelöst von dem Zusammenhang der Geschichte zu betrachten Als im 10. Jahrhundert die schweren Verfolgungen über die Juden Rußland» nnil Rumäniens an»brachen. al» diese Länder »ich in einer schweren w irtschaftlichen Krise krümmten, da fanden die- X ertriebenen vor allein in Amerika Zuflucht, wo der gewandte und beschickte jüdische Arbeiter in den Werkstätten New Yorks den Wohlstand des Landes gründen half. Der Mensch, der gegenwärtig in den Nöten des Alltags zusammenzuDrechen droht, der wird vielleicht, wenn er dem Gesagten bis hierher gefolgt ist. nun erwarten, daß eine Prophezeiung für die Zukunft sich der Betrachtung der X er gangenheit anschließt. Aber muß sie wirklich erst im einzelnen gegeben werden? Die Geschichte ist gewiß die große Lehrmeisterin für die Gegenwart und für die- Zukunft, und die jüdische Geschichte im besonderen ist von einem großen und gewaltigen Rhythmus des Aufstiegs und des Niedergangs getragen. Aber bisher hat noch niemals ein absoluter Niedergang stattgefunden. Sicherlich sind uns unsere Vorfahren in einem überlegen gewesen. sie haben in der tiefen Verwurzelung mit ihrem Glauben und mit ihrer Art niemals einem über sie einbrechenden Verhängnis so innerlich verzweifelt gegenübergestanden, wie man das heute häufig bei Menschen trifft, die nur der Form nach noch Jude geblieben waren. Für skalier fließt aus der jüdischen Geschichte ein starker Trost. FTnmal naben wir erkannt, daß stets und immer Vertriebenen oder um ihre Existenz Gebrachten sich ein neues Land öffnete, daß. wenn der erste Ansturm der Verzweiflung überwunden war. sich die Möglichkeit zu einem neuen Dasein entwickelte. Man darf nicht glauben, daß unseren Vorfahren der Abschied leicht gefallen ist. Wenn heute noch die sephardischen Juden fast der ganzen Welt eine spaniolische Mundart sprechen, so zeugt das von einer großen Treue und von einer großen Liebe zu dem Lande, in dem man durch Jahrhunderte gewohnt hat. In sehr vielen Ländern hat sich der Jude nicht als Fremdstämmiger unter einem XVirtsdiaftsvolke gefühlt. Er glaubte, ein Heimatsrecht zu haben, und wenn er wundern mußte, so tat er es von tiefstem Schmerze erfüllt. Aber schließlich gab und gibt es ja nur zwei Lösungen: entweder ließ man den Juden, dem man das Bleiben nicht mehr gestattete, friedlich seines Weges ziehen, oder die Krise klang ab. und in der abklingc-ndc-n Krisefand er seine Daseinsmöglichkeit, und das Volk, unter dem er wohnte*, empfand ihn nicht mehr als lästig. Die Lösung der Judenfrage liegt in der Lösung der Wirtschaffsnot. In einem neuen Deutschland, das ungefesselt von drückenden Verträgen und als ein gleichberechtigtes Staatswesen unter den anderen der Welt seinen I.ebensruum findet! wird es auch für ein deutsches Judentum, das sich einzufügen weiß. Lebensmöglichkeiteii geben. Aus den Gemeinden des Landes. Stuttgart. F ii r A u s w u n d crer 11 a ch Palästina. Da» Palästina-Amt. Berlin, teilt mit: I11 diesen lagen erscheint die dritte erweiterte Auflageeiner Broschüre* ..A I i j u h”. Diese Broschüre enthält alle notwendigen Informationen über die Kill vv aniieriingsbedingtingen. über Zollniicl I )cv isc-n best im in 1111 gen. Lebensverhültnis»e. landwirtschaftliche Bedingungen Palästinas. Berufsaussichten. Fahrpreise usw. Außerdem ist das Titelblatt dieser Broschüre mit einer Karte- Palästinas versehen. Jeder, der «ich für die Finu.wielerung nach Palästina interessiert, sollte dieses Merkblatt c-rwerben. Die ..Alijalt” i»t gegen X oreinsenditng von 0.7* H M. zuzüglich Porto durch das Palästina-Amt. Berlin XX l>. Xlc-iiieke-'tr. 10. zu beziehen. Außerdem erschien in diesen Tagen das Merkblatt ..( hi 11 ttch" über die Lehrstätten in Palästina. Xusfiihrliche Berichte über die Universität. Seminare. Realschulen, das Technikum, die landwirtschaftlichen Schulen. Lehr- und Erziehungsaii'talten für Kinder usw. sind in diesem Heft enthalten. ..( hinuch" ist gegen Voreinsendung von O.vO RXI. -zuzüglich Porto, durch das Palästina-Amt. Berlin XX I*. Xlt-inekestr. 10. zu beziehen. Da» Palästina-Amt. Berlin, wird mit Anfragen überhäuft. XRo Anfragenden werde n deshalb gebeten. ihren Anfragen wenigstens Rückporto beiztilegcn. XX enn ausführliche Antworten verlangt werden, muß dem Brief I RM. in Briefmarken beigelegt werden. Stuttgart. Die Zi o n i s t i sch e Ortsgruppe- Stuttgart. die seit dem Wegzug von Dr. Paul Bonem unter der Leitung von Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer stellt, entfaltet eine rege Tätigkeit. Am 22. August fand eine Mitgliederv cr s a m 111 I 11 n g statt, die außerordentlich gut lK-sucht war. Der Vorsitzende gab einen allgemeinen Leberblick über den Prager Zionisten- Kongreß und beschäftigte sich dann eingehend mit Palästina als Einwanderungsland. Er stellte klar heraus, daß Erez Israel nicht mehr als rein religiöses Zentrum angesprochen werden könne, sondern daß es für Tausende Stätte neuen produktiven Lebens sei. Im ersten Halbjahr I9T5 sind ca. >000 jüdische Menschen aus Deutschland nach Palästina ausgewundert. Dr. Tänzer besprach. dann die einzelnen FTnwandererkategorien. betonte die Bedeutung der Kinder-Alijuh und wies insbesondere nochmals auf die Notwendigkeit einer vollkommenen geistig-seelischen Umstellung vor einer l'ebersiedlung nach Palästina hin. Seinemit großem Beifall uufgT-- iioniiiic-ncii Ausführungen klangen in einem Appell zur Stärkung des bewußten Judentums und zur Förderung Palästinas als Lebc-nszeiitriini des gesamten jüdischen Volkes aus. I111 Anschluß fand die Neuwahl des Ausschusses statt. Diesem gehören nunmehr an: Dr. Paul Tänzer (1. Vorsitzender). Oskar Roth s ch i I d (X'c-rtreter des Vorsitzenden). Dr. Paul Wolpe (Kassier). Bernhard N e u m u n 11 (Hechaluz) Lotte Metzger und Lisa Ein - QemeUidemUgtiedec! Mehr denn je ist heute eine jfld. Zeitung auf die Förderung ihrer Leser angewiesen. Auch Sie können die .Gemeindezeitung* fördern! Ueberlassen Sie ihr in Zukunft alle Anzeigen, für deren weiteste Verbreitung in den jüdischen Kreisen Stuttgarts und Württembergs Sie besorgt sind. Zu billigem Preis veröffentlichen wir alle einschlägigen Kleinanzeigen wie Stellen-, Zimmer-, Wohnungsgesuche und -Angebote. Auch Ihre Familienanzeigen — Geburten, Verlobungen, Eheschließungen, Sterbefälle usw. — sind bei tins an der richtigen Stelle. QwteindezeiUuu} Kasernen straße 13 z Telefon 23328