Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 11
- Date
- 1933-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4904101-5442805-5443308--3936-4907748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 91 — iK ,#*.*■•* Innenansicht der im Jahre 1809 erbauten Synagoge in Haii-Steinbach. Beide Bilder aus dem Bilderwerk des Ist. Oberrats .Jüdische Gotteshäuser u. Friedhöfe in Württemberg“ Oer alte jüdische Friedhof in Mühlen a. Neckar. Aeltester Grabstein 1815. ahfinden, daß das kleine Volk aus Palästina aufgehen würde unter dem großen Volke, das es weggeführt hatte. Aber es kam anders. Die Herrschaft der Babylonier wurde von der der Perser abgelöst. Und wer in dem Jahrhundert ,1er Verbannung den Willen zum Judesein nicht verloren hatte, in wessen Familie die Tradition lebendig geblieben war und die Treue erhalten wurde, der kehrte zurück. So entstand auf dem alten Boden unter der Führung von Esra und \ehemia eine neue Gemeinschaft. Nicht alle kehrten zurück; sicherlich wird ein großer Teil de r Verlockung unter den viel bequemeren Bedingungen Babyloniens weiterzuleben, nicht widerstanden haben. Aber die Wiedergeburt des \ olkes geschah stets aus den Wenigen. Jahrhunderte sind vergangen. Vor den Toren Jerusalems standen die Römer, und es war nur noch eine Frage von Tagen, daß der Tempelberg fallen würde. Wieder stand das Volk scheinbar vor dem Untergang. Aber in der großen Tat der Gründung der Schule von Jawne hot sich das um seine nationale Existenz gebrachte Volk eine neue Form des Daseins geschuffen. In dem Augenblick, in dem das Land der Väter sich dem Judentum verschloß, öffneten sich die Tore.der Welt. Und wenn auch von diesem Tage an das \olk der Bibel in den Ländern der Zerstreuung leben mußte, so hat es doch in jedem Augenblick. wenn ein Land es aus seinen Grenzen wies, in einem anderen Aufnahme gefunden. Der religiöse Mensch wird in diesem einzigartigen Gesdiehen sichtbar die Hand Gottes erkennen, die seine Getreuen niemals zugrunde gehen ließ. Gewiß, als der zweite Tempel zerstört war. da war die Welt dünn bevölkert. Ueberall war Platz zum Aufbau, überall brauchte man Menschen. die mit dein Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit gewillt waren, dem l,ancle, das sic aufnah in. zu dienen, und die glücklich gewesen sind, wenn man sie in der Ausübung ihres Glaubens, in der Treue zu den Gebräuchen ihrer Väter nicht behinderte. So kam es. daß die Juden sich nicht nur über das ganze Mittel meergebiet verteilten. daß sie an der afrikanischen Küste bis /ii den Säulen des Herakles, der heutigen Straße \<>n Gibraltar, vordrangen, sie gingen auch mit den römischen Soldaten an den Rhein, sie drangen pionierhaft vor in die unerforschten Länder des Nordens, sie mögen schon damals auf der uralten Bernsteinstraße bis ins Samland vorgestoßen sein, um neue Beziehungen anzukniipfen und um ihre Daseinsberechtigung im harten Kämpfe zu erringen. Solange die Welt leer war, lind die damalige Welt war ja noch klein, solange hat es nirgends Zusammenstöße zwischen den Juden und den sie umgebenden Völkern gegeben. Immer aber war eine Krise dann, wenn die Wirtschaftslage sich schlagartig veränderte und das Volk, unter dem die Juden lebten, selbst in Not geriet. Wir schreiben das Jahr 10%. Blühende Judengemeinden bestehen am Rhein. In Mainz, in Speyer, in Worms, in Köln sind die Juden seit nicht viel weniger als einem Jahrtausend ansäßig. Niemals waren die Beziehungen zur Umwelt gestört. Sie konnten in Frieden ihrer Beschäftigung nachgehen, und wenn sie vielleicht auch nicht alle Berufe ausübten, so hat niemand bisher daran gedacht, ihnen ihr Brot zu schmälern und sie in ihren Gewohnheiten zu beeinträchtigen. Da bricht Wirtschaftsnot in der Welt aus. Es verbindet sich mit ihr die Nachricht, daß das Heilige Land in die Hände der Ungläubigem gefallen ist. Scharen ballen sich zusammen, viele von edelsten Motiven erfüllt, andere aber auch von dem Bewußtsein getrieben, sich ihre materielle Lage zu verbessern. .Die letzteren brechen in die friedlichen, begüterten Gemeinden am Rheine ein. die ortsansäßigen Christen versuchen. die Juden zu beschützen, aber im Augenblick sind sie machtlos, eine Katastrophe von ungeahntem Umfange bricht über die Orte herein. die Gemeinden werden vernichtet. Und doch wenige Jahrzehnte später ist das alles vergessen. Gewiß, viele Menschen haben ihr Leben lassen müssen, und erschütternd sind die Berichte über das. was sie erlitten. Aber die Welt sah. daß sie Unrecht getan hatte, vor allem brauchte sie die Juden, und so wurde an das Vergangene wieder Die Zionistische Ortsgruppe Stuttgart veranstaltet für die Jugendlichen der hiesigen Gemeinde Arbeitsgemeinschaften, welche unter der Leitung des Herrn Rabbinatskandidaten Karl Richter stehen. Themen: «Die Geschichte des Zionismus" »Die Geschichte des Judenhasses" Teilnehmer an diesen Arbeits-Gemeinschaften werden gebeten, sich unter Bezeichnung der Arbeitsgemeinschaft, an welcher sie teilnehmen wollen, bis zum 5. September schriftlich an den Unterzeichneten Vorsitzenden zu wenden. Rechtsanwalt Dr. Tänzer STUTTGART I - Postfach 297 ungeknüpft und Neues gegründet. Wenn: man jedoch diese erste schwere Bedrückung verhältnismäßig leicht ertrug, so deshalb, wntl man tief und fest in seinem Judentum verankert war und weil einem in keiner Weise der Gedanke kam, die Treue zum Judentum aufzugeben. lin Auf und Ab der Geschichte kamen für das deutsche Judentum ruhigere Jahrhunderte, bis wiederum in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine schwere und neue Krise über die Welt und im besonderen über Deutschland kam. Es ist die Zeit des Schwarzen Todes.'es ist die Zeit, in der die Masse trotz fleißigster Arbeit zu ke iner wirtschaftlichen Sicherung kam. Es rächte sich, daß man den Juden nur noch eine bestimmte Art des Erwerbes, im wesentlichen Geldleihe. gestattet hatte. In der Beschlagnahme des jüdischen Leihkapitals. in der Abwertung der Schulden durch Tötung der Gläubiger sah die Masse die einzige- Müglichkeit. sich von drückender Wirtschaftsnot zu befreien. Gewiß eine fürchterliche Form der Herstellung einer neuen Grundlage des Daseins. Es ist müßig, danach zu fragen, wen die Schuld traf. Und so blieb den Juden, die der körpeilithen Vernichtung entgingen, nur der Weg. eine andere Stätte zu suchen, an der für sie die Möglichkeit des Lebens gegeben war. Es öffneten sich weit die Tore Polens, das damals im Aufbau begriffen war und sehr gut den jüdischen Kauf- Auitl.!BekamUmaduuiqeti. Isr. Gemeindevorsteheramt Stuttgart. Der II. Gottesdienst an den hohen Festtagen findet im Festsaal des Gustav Siegle-Hauses statt. ’ Gemeindemitglieder, welche Eintrittskarten wünschen, werden gebeten, dies bis spätestens Montag, den 4. September 1933, schriftlich der Gemeindepflege initzuteilen. Dabei ist anzugeben, wie viele Herren-, Damen-, Knaben- und Mädchenplätze gewünscht werden. Die Mietpreise für Synagogenplätze sind auch in diesem Jahr wesentlich herabgesetzt worden. Die Ausgabe der Karten für die Synagoge und für die Gottesdienste im Gustav Siegle-Haus erfolgt vom Montag, den 4„ bis Mittwoch, den 6. September 1933, vorm, von 9—12 Uhr und nachmittags von 3—3 Uhr bei der Gemeindepflege, Hospitalstr. 36 p. ' Die Karten können nur gegen sofortige Entrichtung des Mietbezw. Eintrittspreise* aus gehändigt werden.