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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 10 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 10
Date
1933-01-01
Page
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4>r ^mfralrteQr für jü0r<ä>r Wirrüdafksbilfe, Berlin. gibt einen regelmaßrßen wtrtscdafrlichen VermirNongsdienst deraus, in sem^Xaptralbereiligungen für i*w rrrfcbirtw arcmftm Untern^mungen gesucht unfc an geboten Mer den. Oer Verm»ttlun^sctenst kann eingeseben werden bei der Utldttmaittlaiii, 9(nftftfritaii| Ml A»»U»»ft»ßeeLe »er IL». «Rothilfe, SL»tt-act, -afpitalftcaße SS. Hirfian Prival-Pcnstoi Kßr1»ß fenioi , vl. 3.M *. lut* Tirpfl«(ni- .\tm i'rnfr. Lnfr. unk. iS. VLS a. k. mdt«r» Sch»«n»«>b»kt niion. P FKEUDBN STADT Inh.; FrL fl. Kahn / direkt am Hodrwald empfiehlt itdi für den Sommer - Anfenthalt j Zionsliebe und Heimattreue. Dualte Frajrcist wieder Geprenwartsfrafre gev\••rdi-ii: können’ vollwerti:re Ju<l*-n zugleich ganzel.tc-itt-ihr m-su' I'ti'> in ci g I i tli . tl e tt t - - tii >- I >f e i I e . dii e I. i c It e zur <1 e 11 t s ch «• n I: i „i a t. S p r ujch e und K u I t 11 r mit 1 e - i (aii ii i f; c ui J i| <1 c ii t ii in / ii r i n ii i‘ r c ii I i n ii e i t / ii paaren:' kaim man dem I >• - ii t-tti t ii m treu >und doch nicht nur Nametejucle. -ondern \cjlljudo -ein:' Vielleicht gehört ein gt häufte- Mafi echter Iebensweisheit du/u. den Am-gleich des|-theinl)ar Gegensätzlichen und I nvereinharen iiii eigenen I.elien /u schaffen. \l>er die Möglichkeit der Vereinbarkeit ist gegeben. Sie ist lebendig in Tausenden, die volledialtliih deiit-ch und jiidi-cii eni|)fiuden und (eben. I.in-t hatte Ilern; an t <> h e n ans die inneien (deichhi'ilen deut-cher und jüdischer \rt hingew ie-en. -eine Liebe zu beiden mag ihn zu -ülihcr Lin-chiitzung verleitet haben. Liebe -acht und findet'ja im geliebten Gegenstand alle \ oraii—etzuiigen der Sehnsucht. Aber Menschen wie er. in denen Deutschtum und Judentum Linheil geworden. sind /.engen fiir die Möglichkeit ihres V»-gleich-, der ohne Schaden für das eine - der daandere, ja. zur Steigerung und Festigung Mm beiden möglich i-l. I )ie alte Krage’ ist aber zur Stunde noch in einem anderen dringenderen Sinne Gegenwartsfrage. Sie lautet heute: k II II II e II w i r Z i n n s - lieb e III i t II e i m a I t r e u e \ e r b i n den? I\ila-:ina wird heute fiir einen grollen Keil der deut-chen Juden die Ileiin-tall. In solcher Stunde fordert die Alternative Zionsliebe oder Heimats¬ — 84 - treue besonders streng die Entscheidung. Für den Zionisten ist die Frage längst dahin beantwortet. daß er im Lande Israel das Heimatland seines Volkstums erblickt und in Deutschland die Heimat seiner Persönlichkeit, und daß er stets versucht hat, in Treue zu beiden zu leben. Ebenso hat für den.religiösen Juden Erez Israel stets den Nimbus der Urheimat und des Sehnsuchtsziels seiner betenden Seele bewahrt. Ihm war Deutschland das Vaterland mit allen seinen see lischen Werten. Palästina das Ursprungsland und das letzte Ziel religiöser Offenbarung. Die W andlung in Deutschland hat die Frage zur wichtigsten Judenfrage gemacht: Die Erde ist verteilt — es gibt keinen Ort für die Juden, denen .Deutschland die Heimatsrechte versagt. Neben wenigen Ländern öffnet allein Palästina den deutschen Juden die Tore. Erez-Israel wird für die Heimatlosen die Heimat. Palästina wird wieder Mutterland für viele Juden. Hunderte greifen zum Wanderstabe, uni dort Ruhe für den müden Fuß und für die müde Seele zu suchen; Hunderte sehen ihre Kinder dorthin ziehen und damit statt Deutschlands Palästina die Heimat ihrer Kinder werden: Hunderte sehen Frez- Israel als die Heimat lieber Freunde und teurer Anverwandter im Lichte einer neuen Liebe. Palästina ist nicht mehr Asien, es ist kulturell in die Lebensphäre und den Arbeitskreis Europas einbezogen: es wird fast ausschließlich von europäischen Menschen betreut und bebaut, von einer europäischen Weltmacht geleitet und organisiert. Palästina gehört nicht mehr zum romantischen Orient, sondern ist auch seelisch Europa ei »verleibt. East unwillkürlich und naturnotwendig ist die deutsch-jüdische Einstellung zu Palästina eine andere geworden, als sie es noch vor wenigen Jahren gewesen ist. Allerdings. Heimatstatt ist noch nicht Ileimut! Die Heimstatt, die Zufluchtsstätte, hat noch nicht die Werte- und Rechteder Heimat. Die Wanderer nach Palästina sind Auswanderer, nicht Heimkehrer. In wie vielen mag das Heimweh nach deutschem Lande weinen. Sie haben Deutschland verlassen müssen, aber entdeutscht sind sie dadurch wahrlich nicht. Sie haben als Juden und iiiii ihres Judentums willen Deutschland lassen müssen, in ihrem Wesen und Denken sind «je Deutsche geblieben. Vielleicht wird ihnen Erez- Israel zum Heiniatlunde werden, vielleicht werden ihre Kinder in ihm bodenständig wurzeln: sie selbst sind vorerst noch Fremdlinge, verpflanzt in fremden Boden. Eines bleibt in jedem Falle die Voraussetzung ihrer Ansiedlung: das Altnc uland hat ein Recht auf die ungeteilte Arbeit und volle Treue seiner Siedler. Sicher wird sich aus Dankbarkeit zur neuen Heimstatt und aus der wachsenden Aiigleicliiing an ihre Bedingungen Heimatliebe entfalten. Vorerst aber werden Heimat und Heimstatt geschiedene Begriffe bleiben. Die alte Bindung zwischen Zionsliebe und Heimutstreiie. die für die Juden in der Galuth galt und gilt, wird auch für sie weiter Geltung naben. Unter den Importzahlen nach Palästina stellt eine besonders bedeutsame. Die Budieinfuhr nach Erez-Israel betrug in den acht Jahren von 1923—1931 etwa 178 000 ägyptische Pfund. Von diesen Büchern wurden aus Deutschland allein für 46 800 Pfund, also für ein Drittel des Gc samtbetrages, Bücher eingeführt. Die Zahl 1» zeugt besser als theoretische Auseinandersetzui - fen die Innigkeit der geistigen Beziehungen de inwandercr zu Deutschland. Sie haben den Zu sammenhang mit der Heimat nicht zerrissen. Da wird auch in Zukunft voraussichtlich so bleiben Die Zeit und wir. Mehr als uns Juden lieb ist, befaßt sich heut' die Oeffentlidikeit mit uns. Meist freilich i t mehr davon die Rede, was mit uns geschieht, als davon. was wir tun, tun können und tun sollen. Auch in unseren eigenen Reihen meinen viele mit Schmerz, wir seien so sehr ausgeschaltet, daß es gar nicht mehr auf uns und unser Verhalten entkomme. Dem soll widersprochen werden: Ek o ni in t auf uns an. Das Judentum hat sich ohne eigenen Boden durch Jahrtausende erhalten und es ist in ihm auch heute noch lebendige Kraft genug. Diese Kraft hat vielleicht ihre tiefste Wurzel in de-i Fähigkeit, Druck von außen nicht nur als Leid zu empfinden, sondern dieses Leid zu gestalten und zu formen, und damit in ihm selbst den Weg zu seiner inneren Ueberwindung zu finden, Daheißt: Nicht billigen, was nicht gebilligt werden kann, nicht hinnehmen, was nictit hinzunehmeu ist. aber ja sagen zu dem. w a s s e i n muß. Unsere Gegner glauben vielfach, in den Juden einen Typus von großer Einheitlichkeit zu sehen während wir selbst wissen, daß es schwer Ist. in der Verschiedenheit unter uns gemeinsam Gleiches zu finden. So ist auch naturgemäß die Wirkung der deutschen Ereignisse in unseren Reihen sehr verschieden gewesen. In Trauer und Schmerz sind wir alle einig, nicht aber in dem. was dadurch in uns wachgerufen wird. Von völligem Nichtverstehen der Geschehnisse bis zum Bedauern, an ihrem aufbauenden Teil nicht mit wirken zu dürfen, sind gewiß alle Stimmungen vorhanden. Die Menschen der älteren Generation zumal empfinden nicht nur als Juden, sondern mit ihrer ganzen Persönlichkeit den Zusammenbruch einer Welt, deren Grundpfeiler die Ideen dieser ihrer Generation waren. In manchen unter den Jüngeren besonders ist aber auch der Boden vorbereitet mit Gedanken, die den außer uns Wirkenden nicht so fern stehen, daß aus solcher Fremdheit die bestehende Kluft gegeben wäre. Wie auch die Zukunft sich entwickelt, ein vö! liges Zurück wird es nicht gelten. Darum darf das geistige Gesicht der deutschen Juden nicht abgekehrt bleiben, sondern es wird seinen Aufgaben innerhalb Deutschlands zugewandt sein müssen. Manche werden Deutschland verlassen: JÜD. LEHRHAUS STUTTGART Der neue Anfängerkurs in Heuhe&cäisch hat am Montag, 14. August 7 Uhr abends, begonnen. Bei genügenden Neuanmeldungen werden jeweils neue Anfängerkurse eingerichtet. Näh. Ausk. b. d. Geschäftsstelle, Hospitalstr. 36 Jfld. 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