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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · X. Jahrgang Nr. 1 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 1
Date
1933-01-01
Page
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— 9 — cineu ziemlidi plötzlichen Uebergung zur Kinderhcschrankung lest. In rasdier böige fiel die sogenannte Geburtenziffer beim deutschen Juden in den letzten 50 Jahren von etwa 38 auf etwa augenblicklich 8 Promille — eine in der Geschichte aller Völker fast beispiellos niedrige Ziffer. Da ({•eichzeitig sich die Sterbeziffer kaum verringerte und ungefähr so hoch sein dürfte, wie ungefähr vor 50 Jahren, wo sie um 17 Promille schwankte, so ergibt sich: Zurzeit sterben in Deutschland alljährlich doppelt soviel Juden, als geboren werden, also eine einzigartige Auflösungserscheinung. Das ist offenbar keine vorübergehende Erscheinung, im tiegenteil: Dieses Mißverhältnis zwischen Geburt und Tod dürfte sich in der nahen Zukunft noch krasser gestalten, denn unaufhaltsam nimmt die Zahl der Alten zu und die der Jungen ab: Die Todeskandidaten steigen, die Heiratskandidaten, und damit die Zeugungsfähigen, werden rarer: wurden vor vierzig Jahren noch etwa 12—13 000 Juden in Deutschland geboren, so waren es vor 20 Jahren nur mehr 9—10000, vor etwa 10 Jahren etwa 8000 und heute sind es nur mehr deren >000. Man kann sich also lebhaft vorstellen, wie mindestens in den nächsten Dezennien die Eheschließungen rasch weiter abnehmen müssen — selbst, wenn alle erwachsenen Juden heiraten und zwar Jüdinnen heiraten würden. Mischehe. Beides trifft nicht zu. Die Juden heiraten später und seltener als die Nichtjuden, und sie neigen immer mehr zur Mischehe. Trotz der Judenfeindschaft hat die Verbindung mit Andersgläubigen in einer verblüffenden Weise zugenommen. (Auch hie r führt leider Behr die Ziffern nur bis 1925. weshalb sie nachstehend vervollständigt seien). Zahl der geschlossenen Ehen Jahr Jad. Ehen Mischehen Mann Jude Frau Jüdin 1901 3878 658 342 316 1911 3814 1068 635 453 1921 >617 1890 1126 764 1922 >025 2038 1085 753 1923 4833 2008 1306 702 1924 3310 1547 1019 528 1925 >904 1413 908 505 1926 >656 1315 815 500 1927 >789 1505 969 536 1928 2983 1604 1002 602 1929 2817 1663 1052 611 1930 2851 1644 1035 609 Das heißt also, daß heute bei uns auf 100 rein jüdische Eheschließungen fast 60 Mischehen kommen gegen etwa 18 zu Anfang des Jahrhunderts. Oder etwas weniger pointiert ausgedrückt: Von zehn Heiratenden heiraten knapp vier andersgläubige Partner. Diese vermutlich einstweilen noch weiter um sich greifende Neigung wirkt doppelt auflösend. Fürs erste bleiben derartige Mischehen aus soziologischen Gründen äußerst kinderarm, und (-^ Die Neuheiten für Frühjahr in Cocse&els / Cocsels!BüstenhaÜec/IDäsche sind in großer Auswahl und entzückender Ausführung eingetroffen Erstkl.Maßanfertigung in eigenem Atelier H. GREVE Königstraße 43B Eingang: Breitestraße FRIEDRICH BACHMEIER FEINE HERRENSCHNEIDEREI STUTTGART Telefon durch 20006 / Augustenstraße 2 FORSTSTRASSE S», TELEFON «2000 Abholung und Zustellung /ederseit kostenlos $1• kSansn zatahaa. mit Ihn Wischt gtwtschtt mini WASCHANSTALT Abholung und Zusenden kostenlos Stickerei / Kantennähte/ Hohlsau PLISSEE Gartenstr. 32 /Tel. 23566 HAFNER Der älteste jüdische Kulturrest Württembergs. ■f Dieses interessante Bild — entnommen dem Bilderu)erl( det Israel. Obenais ,Jüdische Gotteshäuser and Friedhöfe in Württemberg" — zeigt, wie et In dem Vorwort det Bilderwerkt heißt, ,den ertten monumentalen Beweit für die Nlederlattung oon faden in Württemberg", Et handelt tlch um die Intdtrift det Nathan ha-Parneß (Nathan der Gemeindevorsteher), die lieh Im Keller det Hautet Lohtottiroße 22 tu Heilbronn (Wirtschaft „Zur Flteher- ■ stabe”) befindet. Nach einer Ortsüberlieferung, so heißt et tn ) dem Bilderwerk, toll hier die Synagoge der Juden in Heilbronn nach dem fahre 1348 gewesen sein.Die Inschrift ist über einer Nische eingegraben. Ihre Schriftform weht auf das 9. Jahrhundert hin. Gemäß der in den ältesten deutschen Judenstediungen üblichen Beitetzungsform, nach der die Toten unterirdisch bestattet wurden, darf angenommen werden, daß In der Heilbrunner Katakombe der Gemeindeooroteher Nathan oor Jahrhunderten beigesetzt and eine Inschrift mit seinem Namen über der viereckig ausgehauenen Stollennische, Ae einst seine sterblichen Beste barg, eingemeißelt wurde. die wenigen Kinder gehen meistens in der ersten, spätestens in der zweiten Generation dem Judentum verloren. Fürs zweite zeigt ein Blick auf obige Tabelle ein auffälliges Ueberwiegen der Mischehen eingehenden Männer gegenüber den Frauen: In den zehn Jahren, 1921—1930, war dieses Mißverhältnis 10617 Männer zu 6020 Frauen. Der Grund für diese merkwürdige Erscheinung liegt auf der Hand: Trotz aller Emanzipation sind die Frauen doch zum Teil noch mehr an Tradition und auch an die elterliche Scholle gebunden als die Männer. Diese verlassen sehr häufig das elterliche Haus und leben in einer fremden Umgebung und schließen sich dort auch ganz anderen Kreisen an. Die Mischehe ist dann nicht selten, auf jeden Fall wesentlich häufiger als bei den Mädchen. Die Wirkung für letztere ist naturgemäß ein Mangel an Partnern. Rund 4000 jüdisdie Frauen sind auf diese Weise in den letzten zehn Jahren um ihren Partner gekommen und mußten ledig bleiben. Diese Zahl ist relativ außerordentlich groß und birgt in sich fraglos eine Ueberzahl von menschlichen Tragödien und beschleunigt den Auflösungsprozeß unter den Juden. In dieser Beziehung bringt übrigens das Behr sehe Buch eindrucksvolles-Material, das auf einer Enquete von Teilhaber beruht. Es wird dort nämlich gezeigt, wie namentlich auf dem Lande in früher großen ländlichen Gemeinden die Juden allmählich aussterben und überall die alten und unverheirateten Mädchen Uberwiegen. Dort ist, nebenbei bemerkt, auch ein sehr großer Teil der Männer ledig geblieben. Austritte und Taufen. Zu den bisher besprochenen Erscheinungen der beispiellosen Kinderarmut, der verblüffend steigenden Mischehe, der unverhältnismäßig großen Zahl von Nicht hei ratenden treten dann noch Austritte und Taufen in großem Maßstab, so daß ohne Ucbcrtreibung von einem unaufhaltsam scheinenden Auflösungsprozeß gesprochen werden kann. Dazu ist seit Jahren die Auswanderung wesentlich größer als die Einwanderung: f Die ersten frischen Blaufüchse und Silberfüchse von RM. 150aan Die moderne Pelz-Jacke von RM. 50a— an S-Orljansky&Sohn Pelz-Moden K&nigstraBe 43 b Telephon 29112 Schloß* 'Parfümerie Ihr beratender Lieferant in allen Fragen der persönlichen Schönheitspflege und Hygiene.- FemTpredien 26918 STUTTGART / «IICIITA »4 AocjerA uf;[ '9-Aus Mal

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