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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-03-16 · 24 (16.3.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
24 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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— 265 — Der jüdische Friedhof in Baisingen Mit freundlicher Genehmigung des Israel. Oberrats veröffentlichen wir aus seinem Bilderwerk .Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg" ein Bild des Baisinger jüd. Friedhofs, dyr 1778 angelegt wurde. Sein ältester erhaltener Grabstein stammt -aus dem Jahre 1779. Aufnahme Mögt« Er beschreibt in seinem Reisebuch in recht phantastischer Weise das abessinische Judenreich, dem er selber entstammte. Es lag nach seinem Berichte im alten Goldlande Chawila im Süden und Osten Aethiopiens jenseits der Flüsse von Kusch. Er nennt sich einen Bürger dieses freien jüdischen Staates in Ostafrika, dessen Könige und deren Volk vor allem vom biblischen Stamme Dan herrühren. Auch der Reisende Benjamin aus Tudela erzählt im 12. Jahrhundert allerdings nur vom Hörensagen, von diesem Judenreich der Daniten. Im 16. Jahrhundert waren König Badet und sein Bruder Kalef Könige der Falascha. Aus dieser Zeit rühren zwei Gutachten her, die der Rabbiner von Alexandrien und Kairo David ihn Simra (1513—53) erteilt hat. In ihnen werden die Falaschas Chabischisdi im Lande El-Chabasch oder Aethiopien (Hubesch) genannt. Dem Gutachter gelten sie ebenfalls als Nachkommen des Stammes Dan. Er beurteilt sie milder als die Karäer. die unter den rabbinischen Juden leben und dennoch von ihren Irrtümerp nicht lassen. Du diese Chabischisch von der jüdischen Gemeinschaft abgeschlossen leben und deshalb keine Kenntnis des rabbinischen Gesetzes besitzen, sind sie einem jüdischen Kinde gleich geachtet, das gefangen unter Nichtjuden lebt. Er glaubt, daß sie zur Sekte des Zadok und Boethus, den Stiftern der Sadduzäergemeinschaft, gehören. Es traf sich, duß diese abessinischen Juden beim Beton angegriffen wurden. Die in der Synagoge anwesenden Männer wurden getötet, die Frauen und Kinder als Sklaven verkauft. Ein Jude kaufte eine solche Frau mit zwei Kindern. Er nahm sie zum Weibe. Aus der Ehe erwuchs ein Sohn. Galt dieser als Jude? Rabbi David ibn Simra entschied, daß die Frau als verheiratete Frau galt und daß ihr Kind als legitimer Jude zu betrachten wäre. Aus dem Gutachten geht hervoK daß diese abessinischen Juden in andauernden Kriegszeiten lebten, so daß täglich Gefangennahmen unter ihnen vorkamen und Verkäufe als Sklaven auf der Tagesordnung standen. Es gab damals in Aethiopien neben dem jüdischen Reiche auch ein christliches und mohammedanisches, von deren Kämpfen auch das zweite Gutachten berichtet. In ihm wurde die Frage beantwortet, ob die ' Juden verpflichtet wären, einen solchen abessinischen Sklaven wie einen jüdischen freizukaufen. David ibn Simra entschied, daß ein solcher abessinischer jüdischer Sklave freigekauft werden müßte, da die Falascha nur aus Unkenntnis des rabbinischen Gesetzes sich lediglich an den Buchstaben der Bibel hielten. Hätte man sie belehrt, so würden sie das ganze Gesetz halten. Er hätte nur Bedenken gegen die Heirat mit einer geschiedenen Falasdiafrau. Ihre Ehebündnisse wären als jüdische anzuerkennen, dagegen verletzten sie. allerdings aus Unkenntnis, bei ihren Scheidungen die rabbinischen Vorschriften. Die beiden Gutachten des ägyptischen Rabbiners, der 1573 in Safed verstorben ist. zeigen, daß die ägyptischen Juden die Falascha als vollwertige GlaubensbrUder betrachtet haben. 1615 starb ihr letzter König Gideon. Aber die Kämpfe egen ihre feindliche Umwelt hörten auch in der ukunft nicht auf. Die Zahl der Falascha ist trotz der engeren Beziehungen, die gegenwärtig durch Faitlovitch angeknüpft worden sind, nicht genau festzustellen. Die Angaben schwanken zwischen 30 000 und 300 000. Vielleicht liegt die richtige Anzahl in der Mitte zwischen diesen beiden Angaben. Jedenfalls verdienen sie, als ein interessanter Bestandteil der jüdischen Gemeinschaft betrachtet zu werden. Nachrichten aus Stadt und Land werden von uns immer gern veröffentlicht. - Zuschriften an Gemeindezeitung, Stuttgart-N, Kascmenstr. 13 Wenn ich Rothschild wäre... Monolog eines Kinderlehrers in Kassrilewka. Von Scholem Alechem. Der unter dem Namen ,iS<holem Alechem14 berühmt gewordene russischjüdische Schriftsteller Sch. Rabinowitsch (1859—1916) gehört zu den Klassikern der jiddischen Literatur. Seine humorvolle Schilderung der Gestalten und Lebensformen des kleinen jüdischen Städtchen im früheren Rußland hat ihm den Namen des „jüdischen Mark Twain" eingetragen. Wenn ich Rothschild wäre — so begann eines Donnerstags ein Kassrilewker „Melamed“, als seine Frau ihn um Geld für Schabbos mahnte und er keins hatte — ach. wenn ich Rothschild wäre! Ratet, was ich tun würde? Zuerst. Anfang aller Weisheit, führe ich einen neuen Gebrauch ein, daß jede Frau immer einen Groschen bei sich hat, damit sie dem Mann nicht den Kopf mitsamt der Münze verdrehen muß, wenn der gute Donnerstag kommt und nichts da ist auf Schabbos. Und zum zweiten löse ich meinen Schabbosrock aus, oder nein — den Katzenfel Imantel meiner Frau, damit sie aufhört* mir in den Kopf zu hacken, daß sie kalt hat! Und dann kaufe ich dieses ganze Häuschen mit allen drei Stuben, mit der Kummer, dem Verschlag, dem Keller, dem Speicher, mit allem und jedem Winkel, damit sie nicht sagt, es sei ihr zu eng: da hast du zwei Stuben, koch dir, back dir, wasch dir. brock dir und laß mich in Ruh, daß ich mit meinen Schülern mit freiem Kopf pauken kann! Keine Nahrungssorgen, nicht darüber nachzudenken, wo man Geld hernimmt für Schabbos — ein Hochgenuß! Die Töchter alle verheiratet, eine Last von den Schultern herunter — was fehlt mir noch? — Ich fange an. mich ein bißchen in der Stadt umzusehen. Zuerst stifte ich ein neues Dach fürVlas alte Bethaus, damit es den Juden nicht mehr auf die Köpfe tropft, wenn sie beten. Und — nicht in einem Atem zu nennen — das Badhaus baue ich neu: warum nicht gleich heute morgen? Dort muß doch ein Unglück passieren, Gott behüte, vielleicht stürzt es gerade-ein, wenn Frauen dort baden. Und gleich nach dem Bad muß sofort ganz bestimmt das Asyl niedergerissen und ein Krankenhaus hingestellt werden, aber ein wirkliches Krankenhaus mit Betten, mit einem Doktor, mit Arzneien, alle Tage Hühnersuppe für die Kranked, wie es sich für feine Städte gehört. Und ein Altenheim errichte ich, damit alte gelehrte Juden nicht im Bethaus auf der Ofenbank herumliegen müssen. Und eine Genossenschaft ..Kleidung für Nackte“, damit arme Kinder nicht, mit Respekt zu sagen, mit bloßem Nabel umhergehen müssen: und eine Genossenschaft „Liebeswerk“, damit jeder Jude, sei er Kinderlehrer oder Handwerker oder Kaufmann, das 'Zahlen von Zinsen spart und nicht das Hemd vom Leibe verpfänden muß; und eine Genossenschaft „Brautaustattung“. damit man. wenn irgendwo nebbich ein armes herangewachsenes Mädchen ist, sie ausstatten und Hochzeit machen kann, wie es sich gehört: und noch andere derartige Genossenschaften führe ich bei uns in Kassrilewka ein ... Aber A. 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