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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-02-01 · 21 (1.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
21 (1.2.1933)
Date
1933-02-01
Page
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— ba DAS HAUS FÜR.JUWELEN, GÖLDu. SILEERWAREN. BESTECKE, UHREN, MODESCHMUCK Stuttgart / Kfoigatr. 17 J dem zaristische» Rußland vollkommen minimal geworden. Mit Litauen und den übrigen Randstaaten ist er auf Grund der valutarisdien Verhältnisse so gut w ie gänzlich unmöglich. Hierbei waren Juden in starkem Maße im wirtschaftlichen Austausch tätig. Mit Polen besteht noch immer der Hande lskrieg, so daß alle diese Wirtschaftsgebiete. mit denen früher reger Handelsverkehr bestand, ansfallen. Holz- und Getreidehandel, die früher hier eine große Rolle spielten, und deren hervorragende Exponenten so gut wie ausschließlich in Jüdischen kreisen zu suchen waren, liegen völlig brach. Der für die Juden früher recht bedeutsame Pferde- und Viehhandel leidet ebenfalls die grüßte Not und auch der Bekleidungshandel ist in sehr erheblichem Maße zurückgegangen. Hierfür bieten die' königsberger Aerhältnisse ein anschauliches Bild. Von den 30 größeren und mittleren königsberger Häusern des Bekleidet ngseiiizel handeis sind heute nur noch 13 zahlungsfähig. während die übrigen sich in Zahlungsschwierigkeiten befinden, darunter nicht weniger als vier große Firmen. ln der Provin/ sind die Zahlungseinstellungen und konkursc in noch trostloserem Maße vorhanden als in Königsberg. Die Verelendung der ostpreußischen Landwirtschaft hat zu einer ungeheuren Not in den kleingemeinden geführt. Ls gibt eine Reihe von jüdischen Gemeinden in der Provinz, die Zuschläge zur Staatseinkommensteuer in Höhe von 73. 100. ja sogar 125% von den wenigen zahlungsfähigen Glaubensgenossen erheben müssen. Selbst mit derartigen Steuersätzen vväre nicht auszukommen, wenn nicht die kleinen Gemeinden in Ostpreußen einen erheblichen Jahreszuschuß vom Preußischen Landesverband jiid. Gemeinden bekommen würden. Ostpreußen ist ein mit Juden sehr dünn besiedelte-' Gebiet. Einfällen auf den Gesamtdurchschnitt im Re ich 0.9 % der Juden auf den Bevölkerungsanteil. so sind es in Ostpreußen nur 0.5 bis 116%. Die königsberger Gemeinde, eine Mittelgetneinde mit 5500 Köpfen, ist in den Jahren 1910 bis 1925 um 10.7% zurückgegangen, in den Jahren von 1923 bis 1932 um 11.3%. In'erster "Linie wirkt sich dabei die starke Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen aus: bezeichnend - 230 - für den wirtschaftlichen Zusammenbruch sind auch der Geburtenrückgang sowie der Rückgang der Eheschließungen. Sicherlich ist auch unter den Juden in anderen Teilen des Reiches die Not groß. Die politische und wirtschaftliche Sonderlage der Provinz Ostpreußen hat aber gerade unter den dort wohnenden Juden eine Verelendung höchsten Grades hervorgerufen, die noch durch die judenfeindliche Hetze und deren wirtschaftliche Auswirkungen vermehrt wird. So sind alle Bestrebungen um Aufklärung und Verständnis bei der nichtjüdischen Bevölkerung nicht nur die Grundlage für die Sicherung der politischen, sondern auch der wirtschaftlichen Zukunft der Juden im deutschen Osten. Vom Beten in der Not. Das Sprichwort ist die Alltagsmünze volkstümlicher Weisheit nicht das Endergebnis kritischer Erkenntnis. Sein Gültigkeitsbereich ist zumeist weit von der Allgemeingeltung entfernt. Dafür erschließt das Sprichwort tiefe Einblicke in die Volksseele und die Zeitstimmung, in dem es entstanden. Der Römer hatte andere Sprichwörter als der Grieche, das Mittelalter eine andere* Lebensweisheit als die Neuzeit. Besonders aufschlußreich für das Seelenleben Israels ist seine Spruchweisheit in ihrer engen Beziehung zur Religion, in ihrem festen Zusammenhang mit der Gottheit. So konnte das salomonische Spruchbuch sogar kanonischen C harakter erhalten und ein biblisches Buch werden. Besonders bezeichnend für die deutsche Volksweisheit ist die Würdigung der Not im Sprichwort. Drei deutsche Sprichwörter kennzeichnen die dreifach mögliche Einstellung zur Not: Not kennt kein Gebot. Not bricht Eisen.' Not lehrt beten. Das erste Wort entschuldigt die Tat in der Notzeit, das zweite zeigt die Macht der Not. das dritte spricht von ihrer demütigenden Kraft. Sogar der Stolze wird in ihr zum Bettler. Sein Gebet ist die Offenbarung seiner Mutlosigkeit. Das Gebet in der Not ist eben kein echtes Beten. Aus ihm spricht der heidnische Wunderglaube*. der Aberglaube an die Dämonie des Gebetes, die Anmaßung, den Willen Gottes umwandeln zu können, mehr Selbstüberhebung als Frömmigkeit. Der Beter glaubt: Gott müsse ihm helfen. Darum hat so mancher, den die Not be te» gelehrt, das Beten verlernt, wenn es nicht nach seinem Willen gegangen. Es gibt sicher mehr enttäuschte als erhörte Beter. Darum ist mancher, der in der Not gebetet, ein Gottesleugner geworden. wenn Gott ihm nicht zu Willen war. Das echte Gebet ist Ergebung in den Willen der Gottheit, das falsche BanktcsdiUf nr Hypelfeckcsvcrkekr FRIEDRICHSTRASSE 4 TELEPHON Nr. 28000 ein Betteln um das Wunder. Int ersten spricht der Beter, im anderen der Bettler. Das falsche Gebet mag verzeihlich sein, fromm ist es nicht. Der Fromme der Bibel betet: „Armut und Reichtum gib mir nicht, laß mir nur mein tägliches Brot. Im Reichtum könnte ich leugnen und zweifeln. daß ein Gott ist, in der Not könnte ich mich an fremdem Gut vergreifen und mich gegen Gott versündigen.“ Die Not muß, wie der Prophet sagt, nicht bis zum Halse, sie muß bis an das Herz gehen — sie muß dem Menschen seine ganze Ohnmacht offenbaren. Erst dann weckt sie das echte Beten. Die Nachwahlen zu Vorsteheramt u. Landesversammlung. Am 29. Januar fanden die Nachwahlen zum Israel. Vorsteheramt und zur Israel. Landes Versammlung statt. Nachdem diesmal nur ein einziger Wahlvorschlag vorlag, konnte über den Ausgang dieses zweiten W'ahlangs kein Zweifel bestehen. Aus der Wahl zum orsteheramt gingen folgende Herren hervor: Rechtsanwalt Dr. Eugen Flegenheimer, Fabrikant CarlLevi, Oberrechnungsrat Max Meyer, Rechtsanwalt Dr. Hermann Merzbamer (für drei Jahre), Fabrikant Oskar Rothschild. Direktor FelixSontheimer. Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer. In die Landesversammlung wurden gewählt: Dr. Ezechiel Hasgall und Fabrikant Dr Edgar Oppenheimer als Abgeordnete, Hugo Davidsohn und Fritz Benario als Ersatzleute. — Von 3424 Wahlberechtigten stimmten nur 371 ab. Nachdem eine vom Gemeinde verein für den 21. Januar einberufene Mitgliederversammlung. die der Besprechung der Wahlen dienen sollte, in letzter Minute abgesagt worden war, gelangten die Gemeindemitglieder erst am 24. Januar in den Besitz des neuen Wahlvorschlags, für den in Rundschreiben sowohl der Ausschuß des Gemeindevereins als auch eine überparteiliche Gruppe eintraten. I n einer Gemeindeversammlung am WIR SORGEN FÜR IHR AUTO! Ein gepflegter Kraftwagen spart Zeit, Geld und gibt Ihnen Sicherheit! AUTO-REIFEN Trinkner IHlllllllllllllllllllimilllllllllllllllllllllllllll Rölnsburgstr. 4ö - Telefon 63227 auch Nachf8chaiter DIPLOM-INGENIEUR ¥ BÜCHER Champignystraße 7 Telephon Nr. 40274 Auto - Reparaturen sämtlicher Systeme Von der Handelskammer vereidigter Sachverständiger ALFRED BROSE AUTO-SATTLEREI Polstern kompletter Carosserien sowie Anfertigung von Verdecken Verdeckhüllen, Kühlerdecken usw. Reparaturen Stuttgart, Möhtringer8tr.li2,Tel.72508 Karl Palmer - Stuttgart Lerchenstraße Nr. 5 9 — Fernruf Nr. 609 59 Autoreparaturen sämti. Systeme Gummi-Ersatzteile Abschleppdienst Tag und Nacht JHR MOTORRAD URO FAHRRAO bekommen Sie gut, billig repariert nur bei Spezialhaus für Motorräder LercfaenstraAe 33 — STUTTGART - Telefon Nr. 20840 Alles für Ihr Auto durch unsere Inserenten f Geben Sie denselben den Vorzug! KÜHLERFABRIK LÄNGERER & REICH A.G. 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