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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1933-01-01 · 19 (1.1.1933) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
19 (1.1.1933)
Date
1933-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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-207 - eine eifrige Werbe- und Sammeltätigkeit im Laufe von 40 Jahren einigermaßen ihre Existenz gesichert. Da kamen Weltkrieg und Inflation und vernichteten den Stiftungsfonds aller Anstalten fast vollständig, vernichteten aber auch das Vermögen der gebildeten Schichten, die für die Bedeutung dieser wissenschaftlichen Institute Verständnis hatten und sie zu unterstützen bereit waren. Als in der Inflation und unmittelbar nach ihrem Ende der Zusammenbruch drohte, kam Hilfe aus Amerika; mit wenigen Tausend Dollar war damals den Anstalten zu helfen. In Anerkennung der hohen Bedeutung, der jüdisch-wissenschaftlichen Forschung und der Heranbildung eines theologischen Nachwuchses wollten die neugegründeten Landesverbände die schützende Hand über die Anstalten ausbreiten und ihnen Sicherheit gewähren, aber der größte der Landesverbände, der Preußische, besitzt kein .Steuerrecht seine Leistungsfähigkeit ist begrenzt und besonders in dieser Krisenzeit sehr geschwächt.So sind die drei theologischen Bildungsanstalten arg in Mitleidenschaft gezogen worden, die ihnen von Gemeinden nnd Verbänden bewilligten Subventionen sind um zwei Drittel zurückgegangen. Das traf sie um so härter, als gleichzeitig auch die Gebefreudigkeit der Einzelnen nadiliefi oder völlig versiegte. Die Wirkung ist katastrophal, alle drei Institute leiden, obgleich sie ihre Ausgaben bis zur Grenze des Erträglichen eingeschränkt haben, unter einem Defizit, das ihre Existenz bedroht. Es ist bei allen ungefähr gleich hoch, schon dieses Zusammentreffen beweist, daß nicht Luxus oder Mißwirtschaft, sondern nur der Mangel an Einnahmen sic herbeigeführt hat. Bisher konnte das Defizit aus Stiftungskapitalien gedeckt werden, aber nun sind die Fonos erschöpft, die Institute sehen den Tag herankommen, an dem sic nicht mehr zahlen können und ihren Betrieb einstellen müssen. Sollen sic das tun? Darf die deutsche Judenheit es dulden? Wir sprechen nicht von den bedeutenden Leistungen der Anstalten in der Vergangenheit. von den hervorragenden Forschern. Rabbinern. Predigern und Lehrern, die an ihnen gewirkt haben und aus ihnen hervorge^angen sind, von der überragenden Stellung, die der deutschen Judenheit dank ihren berühmten Lehrstätten und geistigen Führern in der ganzen Welt willig zuerkannt wurde. Wir wenden unseren Blick nur auf die Gegenwart und erkennen die Lebensnotwendigkeit dieser Institute. Weit stärker als je ist ihr.Besuch und damit ihre Wirkung auf das jüdische Leben. Von allen Seiten her ist dieses bedroht, es bedarf dringend der Einwirkung, die von der wissenschaftlichen Arbeit ausgeht. Wir stehen heute mitten in grundlegenden, weltanschaulichen Auseinandersetzungen. in denen unser Judentum, in denen seine Führung mit geistigen und seelischen Waffen ausgerüstet sein muß. wenn es sich auf seipbot. Möffle, Stuttgart Alt« Jüdische Grabstein« ln Auffhausen Aus dem Bilderwerk des Israelitischen Oberrats .Jüdische Gotteshäuser und Friedhöle In Württemberg" nem Platze behaupten soll. Nur die Wissenschaft kann diese Aufgabe erfüllen, darum dürfen wir in dieser Notzeit ihre Pflanzstätten nicht verkümmern lassen, sondern müssen sie erhalten. An unseren Gemeinden ist es, in einem konstruktiven Plan Maßnahmen zur Kettung der hohen Schulen des Judentums zu ergreifen, die die Lehre erforschen und die Träger der Lehre heranbilden! An allen Geineindemitgliedern ist es. ihr Scherflein dazu beizutragen, daß den Instituten, deren Lebens Wichtigkeit wir erkennen, auch Lebensmöglichkeit gegeben werde! Es handelt sich nicht um ein Interesse der einen oder anderen religiösen Richtung, es handelt sich nicht um ein Interesse von Breslau oder Berlin, sondern um eines der deutschen, ja der gesamten Judenheit. Denn die Lehre, die Moses uns gegeben hat. ist ein Erbe der gesamten Gemeinde Jakobs! (Beiträge zu Gunsten der bedrohten Kubbinerseminare können auf das Postscheckkonto Berlin 103 50 überwiesen werden.) Unser Recht auf Arbeit. Die „Vereinigte Zentrale für t'üdische Arbeitsnachweise in ’entschland“ gab vor kurzem eine äußerst instruktive Broschüre mit dem Titel „Unser Recht auf Arbeit*4 heraus, der wir den nachfolgenden Artikel entnehmen. Besonders sei darauf hingewiesen, daß auch in Stuttgart (Hospitalstr. 36) ein jüdischer Arbeitsnachweis besteht. i Die Schriltleitung. Angesichts des gigantischen Umfanges der Arbeitslosigkeit (die amtliche Statistik rechnete Ende Juni 1932 mit 5.39 Millionen Arbeitslosen, dazu kommen 1,77 Millionen „unsichtbare** Arbeitslose, somit ist eine Gesamtzahl von 7,16 Millionen Arbeitslosen, die Angehörigen hinzugerechnet, 15 Millionen, festzustellen) fällt es fast schwer, auf die besondere Notlage eines so verschwindend kleinen Teils der Bevölkerung, wie es das Judentum in Deutschland darstellt, hinzuweisen. Das Märchen vom Re ichtum der Juden, wenn es überhaupt jemals zutraf, ist durch die wirtschaftliche Entwicklung restlos zerstört worden. Die Juden sind wie alle anderen Teile der Bevölkerung vom Niedergange der!Wirtschaft mit betroffen, darüber hinaus aber inLolfte ihrer eigenartigen beruflichen i^nd sozialen Gliederung in weit größere Not geraten als ihre) nichtjüdischen Mitbürger. Die früher selbständigen Kaufleute sind jetzt als nicht mehr konkurrenzfähige Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt: geworfen, ihre Söhne und Töchter, denen früher der Aufstieg zu den freien und akademischen Berufen offen stand, mußten sich ebenfalls in das Heer der Arbeitsuchenden einreihen. Dieser vermehrten jüdischen Arbeitnehmerschaft steht ein durch besondere Umstände eingeengter ArReitsmarkt gegenüber. Eine große Zahl von Positionen ist den Juden von vornherein versperrt. | Die Hetze gegen die Juden in der Wirtschaft droht bereits zu einer schweren Gefqhr für die wirtschaftliche Existenz des deutschen Judentums zu werden. Es gibt fast keine Sparte der Wirtschaft mehr, in der die Juden nicht bedrängt, nicht mit den verwerflichsten Mitteln des Boykotts bekämpft werden. Es begann mit dem angeblichen Kämpf gegen Warenhäuser und Konzerne*. die fälschlich zu jüdischen Machtpositionen gestempelt wurden. Es folgte die Parole ..Kauft nicht bei Juden!“ Mit allen Mitteln einer, raffinierten Propaganda, die auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt, wird gegen jüdische Firmen gehetzt, werden Posten vor jüdischen Geschäften aufgestellt, um nicht jüdische Käufer am Besuch dieser Geschäfte zu hindern. In der antisemitischen Presse werden die Namen der in jüdischen Geschäften kaufenden Personen veröffentlicht. oft die Bilder von Personen, die gerade ein jüdisches Geschäft betreten oder verlasset». In den kleineren Städten mußten jüdische Geschäftsinhaber vielfach ihre Geschäfte schließen und die Orte verlassen, in denen sie jahrzehntelang an der wirtschaftlichen Entwicklung mitgewirkt hatten. Gleiche Formen nimmt der Kampf gegen das jüdische Handwerk an. Ge- ' radezu tragisch ist die Lage der jüdischen Chemiker und Techniker, denn hier hat der Boykott fast alle großen Betriebe erfaßt. Juden werden in diesen Industrien fast kaum noch beschäftigt. Dort, wo man auf ihre Leistungen noch nicht verzichten kann, werden sie gesellschaftlich geächtet. Der Kampf gegen jüdische Aerzte und Rechtsanwälte nimmt oft groteske Formen an. In den Anwalts- und Aerztekanunern bestehen Nazizellen. In den kleineren Städten wird jüdischen Akademikern die Ausübung ihres Berufes fast unmöglich gemacht. In den heiligen Hallen der Literatur. Presse, bildenden Kunst und Musik macht sich das Vordringen des Antisemitismus immer stärker bemerkbar. Bedeutende Verlage, die einen großen Teil ihrer Erfolge und ihres Ansehens ihren jüdischen Mitarbeitern verdanken* säubern ihre Redaktionen und Unternehmungen von Juden. In den Theatern werden jüdische Bühnenkünstler aus den Engagements ausgeschaltet. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den Musikern, vom Rundfunk ganz zu schweigen. Schlimmer als überall wirkt jedoch die Verdrängung der Juden als Angestellte. Arbeiter und sonstige Arbeitnehmer, denn hier befindet sich die antisemitische Hetze auf der Linie des § Stellen Sie eine schöne Käseplatte auf den Tisch. Eine solche stellt sich nicht teuer und Ihre Gäste werden Ihnen besonders dankbar dafür sein. Wir beraten Sie gerne bei der Zusammenstellung. Münxstraße 2 s CharloCtenstr. 9! Nedcac Straße 11S Cannstatt / EssBngen Büromaschinen u. -Möbel Moderne Registraturen sowie den gesamten BQrobedarf nur Im Fachgeschäft jiSex £ittdet? Ausstellung Stuttgart j Rotestraße Nr. 7 Telephon Wer hier inseriert, legI Werl auf Ihre Kundschaft! Weinhaus SCHULE Inhaber: ARTHUR MELMS, Küchenmeister Stuttgart, Sdiulstr. 11 / Tel. 2S390 mmmraMtBrnmiiiiimtinmimantiirammmiiiiimiimmtuiiniii - empfiehlt reine gemütlichen lohnUtüten VorsügHche Küche / Bestgepflegte Weine Aufmerksamste Bedienung Wir fi Sie ln unserem neu eingerichteten modern umgebauten Verkaufsraum begrüben zu dürfen u. sichern Ihnen auhnerks. 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