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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-12-16 · 18 (16.12.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
18 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
[Seite] (sequence 8)
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rechtlichen Grundlagen für die Behandlung eines Finzelfalles. zur Verfügung steht. Sie teilte mit. daß'eine Eingabe durch den Israel. Oberrat an die Israel. Landesversammlung wegen einer größeren laufenden Beihilfe für den L.I.W. gerichtet worden ist. Die Versammlung beschloß dann auf Antrag des Rabbiners Dr. Cohn. Ulm. daß der Bedarf des L.IAV. (ni i f Ausnahme der Wanderfürsorge) durch einen \ oranschlag für das neue Jahr fest gelegt wird. Der zur Deckung n a ch einer event. Bewilligung der I.andescorsammlung noch fehlende Betrag soll dann auf die Mitgliedsgemeinden n a ch Maßgabe ihrer Seelenzahl um ge legt werden: auf welche V\ eise d,i.e Umlage innerhalb der einzelnen Gemeinden aufgebracht wird, bleibt den einzelnen Gemeinden überlassen. In der Aussprache betonte Erl Frieda W i'iiirei ch . die als Vertreterin der ..Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin“ an der Mitgliederversammlung teilnahm, daß die Gemeinden unbedingt den sozialen Ausgaben vor den Kultusausgaben den Vorrang geben müßten. Zur .Mittelaufbringung schlug sie die Methoden vor. die in den Rundbriefen des Zentral wohlfahrtsstelle näher ausgeführt sind. Die Herren Adolf Kons. Oberrechnungsrat Meter. Ieopold Kahn. Simon U. S t e iii e r und Hel-Oberl. Metzger sprachen sich dahin aus. daß es vornehmlich Aufgabe der Zentralkasse wäre, für den U LM. bezw. für die judi-ihen Annen in leistungsschwachen Gemeinden zu sorgen. Die Aach mittags Verhandlungen, die in einem erweiterten Kreidurch Hinzuziehung des Ge »amteorstands des Wiirtt.-Hohen/. Frauenbundes und einer Anzahl von Uogenmitgliedern stattfunden. waren sozialen Problemen gewidmet. Frl. F r i e d a W e i n r e i ch erstattete zunächst ein Referat über „Schaffung von Darlehenskasse n“. Nach einer Darstellung der gegenwärtigen wirtschaftlichin Situation der Juden in Deutschland schilderte sie als ein wichtiges Mittel zur Erhaltung des bedrohten jüdischen Mittelstandes die Schaffung von jüdischen Kreditinstituten. Sie teilte mit. daß die Zentralstelle für Jiid. Darlehenskassen in Berlin bereit wäre, aus ihr zur Verfügung gestellten Mitteln der Joint Foundation Kapital bei 5 9r Verzinsung unter der Voraussetzung herzu geben, daß ein gleicher Betrug in Württemberg selbst aufgebracht und der geliehene' Betrag durch die Gemeinde sicherge-tellt wird. \n das Referat schloß sich eine rege Aussprache. Dr. Cohn. Ilm. und Adolf Steckel- III a ch e r . Heilbronn. 1 verachteten über ihre örtlichen Erfahrungen bei Darlehensgewährungen und brachten zum Ausdruck, daß sie der Gründung einer 'Darlehenskasse mit schweren Bedenken gegen Überständer,, da entweder die Darlehensgewährung an der Stellung von Sicherheiten scheitern oder uneinbringlich sein würden. Dr. H a s g a I 1. Stuttgart, begrüßte dagegen die Einrichtung einer Darlehenskasse. Oskar R o t h s ch i I d war der Ansicht.' daß die württ. \ erhältnis-e durchaus die Gründung eines solchen — 200 — Kreditinstituts verlangten. Die Yersainmlungbesdvloßdarnachgrundsätzlich. eine Darlehenskasse für die Württ. Landgemeinden ins Leben zu rufen. Die Vorarbeiten soll eine durch den LI. W. zu bestimmende .Kommission vornehmen. In einem zweiten Referat sprach Frl. Weinreich über den „Ausbaudesjüd. Arbeitsnachweis wesen s“. Sie gab einen U eberblick über die zurzeit laufende Werbeaktion „Unser Recht auf Arbei t“. die von allen großen jüdischen Organisationen in Deutschland gefördert wird. Die Referentin richtete einen Appell an die Arbeitgeber, bei gleicher Leistung und gleicher Eignung jüdische Arbeitnehmer einzustellen und forderte die iüd. Organisationen und Gemeindemitglieder auf. persönlich für jüdische Arbeitslose zu werben. NicderlassungsmöglidiLeiten für Akademiker und Handwerker nachzugehen und die „Jüdische Zentralstelle für Berufsberatung und Arbeitsnachweis“ in Stuttgart nach Kräften zu unterstützen. In der anschließenden Aussprache sprach Frau Else Bergmann den Dank des Jüd. Frauenbundes für die Einladung zu dieser Versammlung aus und versprach, daß die Mitglieder des Frauenbundes sich jederzeit in den Dienst dieser Sache stellen wollen. Fabrikant S. Krautkopf regte eine Arbeitgeberversanimlung zur Besprechung der Frage an. Oberrechnungsrat Meyer, der inzwischen vertretungsweise den Vorsitz übernommen hatte, glaubte ebenso wie Frau Lucie Levi, daß eine solche Versammlung keine Besserung der Lage verspräche. Vorläufig sollte eine schriftliche und persönliche Werbeaktion, wie sie schon im Gange ist. bei den Arbeitgebern durchgeführt werden. Gemeindepfleger Dr. Cohn setzte sich sowohl für diese persönliche Finzel Werbung als auch für Abhaltung einer Arbeitgeberversainmlung ein. Frl. VV einreich berichtete schließlich noch über das seit kurzen, bestehende Lanelwerk Neuendorf. in dem Jugendliche im Rahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes aufgenommen werden; zurzeit befinden sich dort bereits 60 Personen, die vorwiegend landwirtschaftlich oder handwerklich beschäftigt werden. Der Vorsitzende schloß die Sitzung mit Dankc'sworten für die Referentin und die Erschienenen. Stuttgart. Am 29. Nov ember sprach im „Haus des Deutschtums“ Dr. Michael T raub. Berlin, über „Amerika .und Palästina — ein halbes Jahrhundert jüdischer Wände r b e w e g u n g“ vor einem großen und aufmerksamen Zuhörerkreis. Der Veranstalter des Abends, der „VVürttembergische Landesausschuß für das Jüdische Palästinawerk“, hat sich mit diesem Vortrag sicherlich viele neue Freunde geworben. In seinen einleitenden Worten gab der Vorsitzende. Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, dem Wunsch Ausdruck, daß den verdienstvollen Arbeiten Dr. Traubs sowie dem Aufbau-Werk in Palästina überhaupt ein guter Erfolg beschieden sein möge. — Fs gilt, so führte der Redner u. a. aus. wenn man sich mit den, Auswandererproblem der Juden befaßt, zunächst die Legende, die Juden seien von Natur aus ein Wandervolk, zu' zerstören und folgende Tatsachen festzustellen: Juden haben immer nur notgedrungen zum Wanderstab gegriffen. Die große jüdische Auswandererbewegung in Osteuropa vor und nach dem Kriege wurde in erster Linie durch die Rechtlosigkeit der Juden in den osteuropäischen Ländern bedingt. Der Auswanderungsprozeß wurde auch durch die anormale soziologische Struktur des Ostens begünstigt. Auch die Pogrome müssen in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Der größte Teil der jüdischen Auswanderer aus Osteuropa ließ sich in den Vereinigten Staaten nieder. Bemerkenswert ist, daß von keinem einzigen Volk soviel Frauen und Kinder mitausgewandert sind, als bei den Juden. Durch amtliche Statistiken läßt sich auch jene andere Legende vom „jüdischen Reichtum“ widerlegen. Aus diesen Statistiken ergibt sich, daß die jüdischen Amerikawanderer die ärmsten aller Auswanderer überhaupt waren. Trotzdem nun, Juden am wirtschaftlicnen und kulturellen Aufbau Amerikas mitgearbeitet haben, herrscht auch in den Vereinigten Staaten der Antisemitismus. Palästina, das vor dem Kriege bezüglich der jüdischen Einwandererzahl an sechster Stelle stand, ist im letzten Jahrzehnt an die zweite Stelle gerückt. Es hat sogar in den letzten zwei Jahren die jüdische Einwandererziffer Amerikas überholt und steht nun an erster Stelle der Einwandererländer. Bedauerlich ist aber, daß unter den palästinensischen Einwanderern, mit Amerika verglichen, ein wesentlich geringerer Prozentsatz Frauen ist. Festgestellt muß werden, so bemerkte der Redner zum Schlüsse seiner Ausführungen, daß zur gleichen Zeit, da in anderen Ländern jüdische Positionen immer mehr verloren gehen, es in Palästina unaufhaltsam vorwärts geht. Diese Feststellung richtete Dr. Traub vor allem an die Skeptiker. Als einziger Diskussionsredner wies Landgerichtsdirektor LudwigStern auf die Bedeutung der Araberfrage für Palästina hin. ln seinem Schlußwort ging der Referent ausführlich auf dieses bedeutsame Problem ein. Durch Fragen aus dem Zuhörerkreis. die der Redner mit aufschlußreichen Worten beantwortete, fand der Vortrag eine anregende und wertvolle Erweiterung. Die Hörerschaft dankte Dr. Traub für sein meisterhaftes Referat durch warmen Beifall. Stuttgart. Die Stuttgart-Loge feierte ihr 5 3. Stiftungsfest am 3. Dezember im Konzertsaal der Liederhalle. Eine große Anzahl von Mitgliedern der Loge und viele Gäste hatten sich zur Feier eingefunden. Der Präsident der Stuttgart-Loge. Fritz Benario, begrüßte die Anwesenden und brachte zum Ausdruck, daß die Logenleitung es trotz der Krisenzeiten als ihre Pflicht betrachtet habe, der 35. Wiederkehr des Gründungstags der Stuttgart-Loge zu gedenken und sich der Männer zu erinnern, die in hohem Pllichtbewußtsein das Werk begründet haben. Darüber hinaus, so führte der Redner weiter aus, darf die Loge einmal im Jahre aus ihrer stillen Wirksamkeit heraustreten und unter dem Motto der Freude mit Stolz auf das Ge Dies ist die Losung, die Ihren und Ihren Angehörigen frohe Festtage bereiten wird. — Denken Sie immer daran: Die vier fachmännisch geführten Geschäfte der Firma Schoko-Schwaben“ führen die besten Qualitäten der Süßwarenbranche stets frisch und zu zeitgemäßen Preisen. 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