Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 18 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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leistete zurückblickt*». Man braucht sich um die Zukunft der Loge nicht zu sorgen, wenn man an die Emsigkeit und an das Verantwortungsgefühl denkt, mit denen in alle» Ausschüssen des Bruderbunds gearbeitet wurde. Insbesondere der F rauen Vereinigung der Stuttgart-Loge zollte der Präsident herzlichen Dank. Hauptziel der Loge sei nach wie vor die Wohltätigkeit im Sinne der alt jüdischen ..Zedokoh“. jener schönen Art. Not zu lindern, ohne daß der Empfänger der Gube iu ihr ein Almosen erblicken muß. Auch in Zukunft bedürfe die Loge ideale r Menschern als wahre Präger des Brudergedankens. — Der Abend selbst erhielt durch ein erlesenes künstlerisches Programm, das von ersten Kräften getragen wurde, eine: besondere Note. Die Vortragsfolge wurde durch die Fantasie ('-Moll von Buch, ein Menuett (nach Uumeuul und ein Presto (nach Iluydn) in freier Bearbeitung von James Kwast eingeleitet: diese Stücke wurden ton Alice S ch m u ck 1 e r - II e R in bravouröser Weise gespielt. Immer wieder muß man den kraftvollen Anschlag, die prachtvolle Technik und die meisterhafte Einfühlungsgabe dieser Pianistin bewundern, die jede Komposition sozusagen von ihren seelisch-geistige» Wurzeln her aufspürt und. ohne die stilistischen Eigenarten des Werks zu beeinträchtigen, den Vortrag doch mit dem Fluidum der eigenen kraftvollen Musikalität erfüllt. Dies gilt auch für \lico Sthmitckler-Hc'ß als Begleiterin. Wie für den Referenten so dürften noch für v ich- Anwesenden die Darbietungen von Opern- '.mgerin Else S e v f f e r t - G r ii n w u I d eine l ebbrraschnng gewesen sein. Und zwar insofern, als sich Else Seylfert-Grünwalds dunkel gefärbter Mezzosopran jetzt zu einer blendenden Höhe entwickelt hat. die mühelos gehalten und von einem herrlich tiinbrierten, gleichmäßig strömenden Stimmaterial getragen wird. Dies trat in der luuhdramutischen Arie der Eboli aus Verdis. Don tärlos“ ganz besonders iu Erscheinung. Einen weitere» Beweis ihrer reifen Gesuiigskunst bot l.lse SeyfTert-Grünwald mit einem Lied von Bruckner (..Im April“) und dem „Blauen Sommer“ von Richard Strauß, einer auch kom|M)sitorisch interessanten Schöpfung. Höchst eindrucksvoll gestaltet auch das anmutige Richard Strauß- Lied „Wie sollten wir geheim sie halten ..." Als Zugabe s|H-ndete die Künstlerin die Romanze der Santuzza aus „Cavalleria rusticana“. Als feinsinniger Begleiter, der den Klavierukkord mit geradezu orchestraler Leuchtkraft zu erfüllen weiß, gebührt Kapellmeister Otto Sev ffert hohes Lob. — Opernsänger Hermann Horner, als Mitglied unserer heimischen Bühnen bestens bekannt. sang die Arie des Sutustro aus der „Zuuberflöte“ und drei biblische Lieder von Dvorak. Mit breitströmendem, klupgsatten Baßton wurden die feierlichen Worte dieser ernsten Schöpfungen erfüllt und durchglüht von dem inneren Miterleben des Künstlers. Tief ergreifend so Dvoraks Vertonung des 07. Psalms („An den Wassern Babylons ...) — in Horners Interpretation ein Erlebnis. Großartig Horner auch in der humorigen Arie des Kc-zul („Verkaufte Braut“). Als Zugabe spendete der Künstler Schumanns „Grenadiere“ —; wie mitreißend hier der markante Schlußsatz mit dem Murseilluise-Motiv! und das Porterlied aus „Martha“. — Für den programmäßig vorgesehenen, aber verhinderten Ope rnsänger Lohalm war im letzten Augenblick Opernsänger S u t h u u s von den Wiirtt. Landestheatern eingesprungen — ein besonderer Genuß, diesen hervorragenden lyrischen Tenor auch einmal im Konzertsaal zu hören. Suthaus sang das bekannte „Ständchen“ von Schubert, dann den „Morgen“ und „Zuneigung“ von Richard Strauß. Ganz herrlich insbesondere die „Zuneigung“, diese reinste Inkarnation Strauß scher Liedkomposition! Zu voller Entfaltung seiner großartigen stimmlichen Mittel kam der Künstler aber vor allem in der Arie des Rudolf aus der „Boheme“ und in dem immer wieder mitreißenden Monolog des Bajazzo aus Leoncavallos gleichnamiger Oper. Wir bewunderten die prachtvollen Ansätze und die meisterhaft gebildeten Schwelltöne, die besonders bei der als Dreingabe gesungenen Blumenarie aus „Carmen“ entzückten und im Konzertsaal besonders zur Geltung kamen. Alle diese Lieder und Arien begleitete A lice S ch m u ck 1 e r - H e li in ausgezeichneter Weise. Unnötig eigentlich, zu erwähnen, daß sämtlichen Künstlern stürmischer Beifall gezollt wurde — Nun spielte die erstklassige Kapelle Krämer zum Tanze auf — und sie waltete fleißig ihres Amtes. Der gewissenhafte Chronist muß noch von einem humorvollen Dialog „ä la Piseator“ berichten, der auf der Bühne zwischen Frau L u c i e B c ii a r i o und dem Marschall der Loge, Herbert Riese, stattfand. Dieses Zwiegespräch leitete zum gemütlichen Teil des Abends über, der allen Anwesenden erlesene künstlerische Genüsse und einige Stunden frohgemuter Geselligkeit vermittelt hatte. H. St. Stuttgart. Der B e r t h o I d A ii e r b a ch - V e re i n veranstaltete um 22. November im Festsaal des Hinelenburgbaus einen gutbesuchten Gern ü 11 i ch e n Abend mit Tanz, bei dem sich alle Anwesenden bestens unterhielten, um so mehr, als einige Mitglieder des B.A.V. durch verschiedene Darbietungen für gute Stimmung sorg- - 201 — ten. f rl. L e a F i s di m a ii n erfreute durch einen Solotanz, und Lehrer Weil, Eßlingen, trug Anekdoten vor; Max B ae ck und Haus Bon heim sprangen bereitwilligst ein. wenn der Klavierspieler eine wohlverdiente Pause machte. Einen äußerst interessanten Vortrag hielt Regierungsrat S t ä b I e r vom Städt. Arbeitsamt um 20. No\ einher über „Berufswahl in der gegenwärtigen Krise*“. Der Redner entwarf einleitend ein Bild der allgemeinen soziologischen Lage, die durch den Geburtenrückgang eine besondere Note erhält. Er stellte dann fest, daß die jungen Kräfte rarer werden lind im Augenblick wieder größere Berufsaussichten hüben. Sehr wertvoll war die Darlegung der Grundsätze, die von der Stadt. Berufsberatung für Schüler der \olksschulcu und der Höheren Lehranstalten aufgestellt werden. Regierungsrat Stühler brachte hier zum Ausdruck..daß es unbedingt notwendig sei. sich einen beruflichen Schwerpunkt zu schaffen, d. h. den gewählten Beruf w i r k I i ch zu erlernen. Darüber hinaus müsse aber der Lernende sich von vornherein jene Elastizität schaffen, die es ihm ermöglicht. sich ohne größere Schwierigkeiten beruflich uinziistellen, wenn der erlernte Beruf keine Existenzmöglichkeiten mehr bietet. — An den mit großem Beifall uiifgenominenen Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an. die erneut -bewies, daß das Berufsproblem heute im Mittelpunkt de r jugendlichen Interessen steht. - Am 6. Dezember sprach Dr. med. Paul Boilern über „Der Jude als Problem der m » d e r ii e u P s y ch o I o g i e“. Der Redner behandelte sein Thema von einer besonderen Seite: Er versuchte nämlich, den geistigen Typus des Juden aus dem sogenannten „jüdischen Witz" heraus durzustelleit und zeigte an einzelnen Beispielen. wie dieser jüdische Humor der Ausdruck einer besonderen geistigen Haltung des Juden ist. Die Ausführungen des Redners bedeuteten an vielen Stellen auch eine Kritik Cannstatt' Verbandstoffe + Artikel zur Krankenu. 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