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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-16 · 16 (16.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
16 (16.11.1932)
Date
1932-11-16
Page
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PERSER-Tupieh« Matban Vaitraaaaaaacha. darum kn mar — xu U#\ne NCCKARSTR. 47 VlUrr KO MIO »TR. 3« dt-ti stillem Betrachter an. als ob die Steine leise .weinten und ein weher Klagelaut über die Gräber ginge. \ ielleicht stammt die sinnvolle Bezeichnung ,.d e r gute Ort'" aus jener Zeit, da der Schwarze Iod über Deutschland hinwegbrauste und ein verirrtes und verwirrtes \<dk unschuldige jüdische Menschen zu Tausenden vernichtete . .. Leise verläßt der Besucher die Ruhestätte der Toten. Die eiserne Tür des Gottesackers kreischt in den Angeln — und hinaus treten wir in die Welt der Lebenden, erfüllt von den Liudrückeu einer der Kinkehr gewidmeten Stunde. * Ls war ein B u eil . das uns veruulalile. alle diese Lmpfindungen und Gedanken hier wiederzugeben. ein verdienstvolles, ausgezeichnetes Bilderwerk. das den I itel dieses Artikels trägt. Ls ist aus den langjährigen Bemühungen des Übel r a t s der Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs erwachsen, ..die kulturgeschichtlich wertvollen Güter der jüdischen \ orzeit in Württemberg vor dem Schicksal der \ ergessenheit und vor dem Untergang zu bewahren". W ie unsere oberste jüdische Lanclesbehorde unermüdlich für die Lrhaltung un-crer altehrwürdigen Svnagogen und Friedhofe besorgt war und ist. so hat sie »ich auch um die Schaffung eines umfangreichen Bildera r <h i v s bemüht, aus dem in Buchform als IJ. Publikation der ..Sone in,» Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches" eine reiche Auslese geboten w ird. Man muß dem Israel. Oberrat für dieses anläßlich seiner Hundertjahrfeier vom letzten Jahre herausgegebene Werk dankbar sein. Ls gibt in prägnanter Kürze einen ausgezeichneten Leberblick über die Geschieht, der jUdi-chen ''iedinngeu in Württemberg - der beschreibende Teil der \ eröffentlicfiung wurde vom theologischen Mitglied des Oberrats. Stadtrabbiner Dr. Rieger. verfaßt — die drei Perioden umfaßt: die Zeit der römischen Siedlung, die Zeit der \ erfolgungen bis 1498 und die Zeit der Neusiedlung von 1?13 an. Sind nun von der ältesten Siedlung bis auf eine Inschrift keine Spuren vorhanden, so stellt dieser Kulturrest, der sich in Heilbronn befindet, doch ein monumentales Zeugnis der Frühzeit dar: die Inschrift des Nathan Ha-Parneß (Nathan ,l, r Gemeindevorsteher) im Keller des Hauses Lohtorstraße -D (Wirtschaft ..Zur Fischerstube"). Hier ->>11 sich die Synagoge der Juden in Heilbronn nach 1348 befunden haben. Grabsteine aus Lhingen. Sontheim. Ulm. künden von der zweiten Siedlungsperiode, aus der auch spärliche Bauten erhalten sind. Non der Neusiedlung aber zeugen viele Friedhöfe und Synagogen, und diese nehmen auch den größten Teil des Bilderanhangs ein. Dem historischen, einleitenden Abschnitt folgt eine außerordentlich gründliche Zusammenstellung der mittelalterlichen jüdischen Siedlungen unseres Landes, ln alphabetischer Reihenfolge werden hier die einzelnen Stätten aufgeführt und das frühest nachweisbare Auftreten von Juden angegeben. Dr. Rieger behandelte neben der mittelalterlichen Siedlung auch die nicht mehr bestehenden jüdisch-württembergischen Gemeinden vom 16. Jahrhundert an: ebenso unsere derzeitigen israelitischen Religionsgemeinden. Mit diesen historischen Angaben sind wertvolle bibliographische Hinweise verbunden, unter denen wir mit Freude die „Gemeindezeitung“ oftmals fanden. Eine Karte der jüdischwürttembergischen Siedlungen und ein Verzeichnis der benutzten Bücher ergänzen den textlichen Teil vorteilhaft. — Und nun noch ein Wort über die veröffentlichten Bilder selbst, die mit wenigen Ausnahmen der Stuttgarter Lichtbildner Willi M ö g 1 e aufgenommen hat. Diese Bilder loben den Meister. Mit einem außerordentlichen künstlerischen Einfühlungsvermögen in den Stimmungsgehalt von Landschaft und Innenraum hat Mögle die Synagogen und Friedhöfe unserer Heimat wiedergegeben Seine außerordentliche Aufnahmetechnik kommt auch in hervorragender Weise in der Wiedergabe von alten Grabsteinen zum Ausdruck. die auch die feinsten Strukturmale des Materials noch erkennen läßt. Aus den drei Siedlungsperioden bringt, wie schon erwähnt, das Buch, das in vorbildlicher Ausstattung im Dr. Benno Filser Verlag. Augsburg, erschienen und durch jede Buchhandlung zum Preise von 10 Mk. erhältlich ist, viele wunderbare Bilder von württembergischen Synagogen und Friedhöfen. Hohe Anerkennung verdient auch die Graphische Kunstanstalt U. L e v i in Stuttgart, die den Druck besorgte; auch die Herstellerin der Klischees, die Firma Löffler & Bock in Stuttgart, hat an der typographischen Vorbildlichkeit des Werkes verdienten Anteil. — Wir geben noch der Hoffnung Ausdruck, daß das Bilderwerk „Jüdische Gotteshäuser und - 170 - Friedhöfe in Württemberg“ in vielen jüdischen Familien Eingang findet und appellieren in diesem Sinn an alle unsere Leser. H. St. Im Lichte der Ewigkeit. Zum 300. Geburtstage Spinozas. Am T4. November werden es 500 Jahre, daß Baruch Spinoza in Amsterdam geboren wurde'. Mit seltener Einmütigkeit feiert die ganze Kulturwelt diesen Tag. ein Zeugnis, daß -ie Spinoza zu dem Ihrigen gemacht hat. Er ist so -ehr in das Weltdenken hineingewachseu. daß es fast überflüssig erscheint, seine Bedeutung für das Denken der Menschheit zu umschreiben. Mit ernsten Empfindungen fühlt die Judenheit die Ehrenpflicht, den Geburtstag ihres großen Sohnes zu feiern. Ihres Sohnes? Ist nicht Spinoza ein Abtrünniger von Israel gewesen, einer, der sich von der Mutterlehre gelöst und sie sogar verworfen hat? Das mag bis zu einer gewissen Grenze richtig sein. Aber deshalb bleibt doch Spinoza der Sohn einer jüdischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Mag Splitterrichterei. mag Ketzerriecherei feststellen, wo er sich um Fingerlange oder gar um Lußesbreite vom Judentum entfernt hat. Mag dann und wann einmal ein überhastiges Wort gegen die alte Religion in Zorn und Gegenwehr ihm entschlüpft sein er ist sogar in seiner Lösung vom Judentum nur als jüdischer Mensch zu betrachten. Man wirft den Juden so oft und so gern ihre minderwertige Rasse vor. Nun. die Rasse, aus der die Poeten und Propheten der Bibel, aus der ein Jesus von Nazareth, ein Paulus von Tarsus und ein Spinoza von Amsterdam entsprungen, kann doch nicht so gar schlecht sein! Wohl hat Friedrich Meinecke darauf hinge wiesen, daß ekein Volk, keine Entwicklungsstufe gibt, aus und auf der nicht große Menschen hervorwachseu können — aber das Judentum darf trotzdem mit »lein Stolze der Abwehr auf eine lauge Reibe von Edelcharakteren hinweisen. die aus seiner kleinen Gemeinschaft berv orgegangen sind. Spinoza i-l ja nicht nur als Meister im Reiche der W eit wei-heit ein Großer gewesen: er war ein Mensch v ,» n absoluter Reinheit, v o n s o heiliger Größe, von so'starker Sittlichk e i t. daß er auch ohne seine geistige Evv igkeit-- leistung ein Einzigartiger und ein Ein/igwerter genannt werden muß. Ls hat natürlich ein ernstes Interesse, festzustellen. woher diese und jene Gedankengänge Spinozas stammen, an welche Erkenntnis diese oder jene seiner Ideen anklingt. gleichsam die Lühlfäden seines geistigen Reifens freizulegen Ls war die wertvolle Arbeit eines Joel, eines Freudenthal bis hin zu Dunin Bork o w s k i in seinem herrlichen Buche „Der junge Spinoza”, -olche Zusammenhänge mit den Lehren de- Judentumaufzuzeigen. Fs ist ja schließlich selbstverständlich, daß der begabte, eifrige Schüler der ..Talmud Tora" in Amsterdam die Rabbiner studierte, ihre Gedanken gekannt und in ihrer Schule /um Weltweisen gereift ist. Lr zitiert ja'gar nicht selten die Lehrer und Geistesgrößen Israels. Aber auf keinem Gebiete ist die Frage nach der Herkunft so kleinlich wie auf dem der Weltweisheit. Gedanken haben keine räumliche Heimat Schlagbäume hemmen sie nicht und Bannflüche können sie nicht verscheuchen. Kleinlicher Materialismus mag auf die Bluturspriinge der Gedanken Gewicht legen. Mau mag poch soviel von Rassenanlage plaudern Ideen sind heimatlos, ihr Feld ist die Welt. Nicht darauf sind die Juden stolz, daß diese oder jene Gedankenlinie Spinozas aus Jüdischem Geistesgut stammt, daß man den Nachweis versucht hat, daß Spinozas Ueberzeugung, daß die intellektuelle Liebe zu Gott aus der Erkenntnider ursprünglichen Göttlichkeit des Weltlaufcentspringt. daß philosophische Erkenntnis darin besteht, die Dinge zu schauen, wie Gott sie schaut, nämlich als Glied des unendlichen Ganzen, jüdisches Geisteseigentum gewesen sind. Nein, darauf sind sie stolz, daß aus ihrem Verbände der Mann hervorgegangen, welcher der Neuzeit den W eg zum neuen Denken gewiesen hat. und daß dieser Mann ein Idealmensch in des W orteheiligstem Sinn gewesen. Daß seine Zeitgenossen ihn verkannt und als Gottesleugner verketzert haben, beschränkt sich nicht etwa auf die jüdischen Kreise, sondern zeigt sich auch im gleichen Maße in der nicht jüdischen Welt. Noch ein Men dcl-sohn war lief gekränkt, daß man seinen ver- -torbeneu Freund 'Lessing des Spinozismus beschuldigt hatte'. Auf einem alten Kupferstiche müht -ich der Meister, iu den Mienen Spinozuden Zug des Gottesleugners festzustellen. Aber das sind kindliche Unarten der Weltgeschichte, über die man lächeln oder weinen kann, die abei eine bessere Zeit als überwunden empfinden lind ve rgessen sollte. .(»egen seine nadigelassenen Schriften erhub -ich alsbald alles, was Gottes Namen auf den Lippen trug, im zweiten Jahrhundert nach seinem Tode erglühten die Herzen neu. Die großen Seher der Zeit verkündeten ihn und aus der Laute des größten (Goethe) strömte die Harmonie seines großen Gottes und seine Gottesminne wieder (Kolbenheyer/Amor Del)." An seinem 3 0 0. Geburtstag huldigt ihm die ganze denkende Menschheit. „Juden haben keinenZutritt 1" Eine Angelegenheit, die dringend der Aufkl&rung bedarf. Wenn Personen jüdischen Glaubens zu politischen und sonstigen Versammlungen der NSDAP, bisher der „Zutritt verboten“ war, so wurde dies nur insofern bedauert, als hierdurch keine Gelegenheit geboten war. die gehässigen antisemitischen Angriffe der Gegner an Ort und Stelle ab/uwehren und die wirklichen Hintergründe der nationalsozialistischen Verneblungspolitik vor den Massen aufzudecken. Eine besondere Note erhält diese Verbotstaktik aber in dem Augenblick, wo ein sogenannter ..Kampfbund für d e u t s di e Kultur" auf großen Plakaten eine Konzert Veranstaltung ankündigt, deren musikalischer Teil von prominenten Mitgliedern unserer staatlichen Bühnen bestritten w i r d. Dieser Fall ereignete sich unlängst: R u - dolf Ritter. Maria R ö s 1 e r - K e u s di - n i g g und Max Roth sollten im Rahmen des Cannstatt Verbandstoffe Artikel znr Kranken' u. Kinderpflege S&mtlidie freigegebenen Arzneimittel Drogerie wegele, Komtur, ca ■CANNSTATT / SEELBERGSTRASSE 2> SCHNEIDERE Ernst Denner Elektn. Lichtu. Radio-Anlagen Beleuchtungs-Körper Schwerste. 4 / Tel. S01 ZS W B TAPEZIER U. DEKORATEUR WERKSTÄTTE FÜR INNENAUSSTATTUNG STUTTGART-CANNSTATT BADSTRASSE NR. 16 TELEFON NR. 212 OS HERMANN HICHER MALERMEISTER KARL FUCHS UND SOHN ROS E NAU STR. 38 B TELEPHON 50269 Walter Klett, g. m. b. h. Elektrische Anlagen > Radio - Varta-Dienst CANNSTATT Moltkestraße 9 / Telefon 50080 conditorei-caf£ CANNSTATT BAHNHOFSTR. 5, TEL 50036 MÜLLER nZtad"; Seelbergsiraije Nr. 11 eine Verkaufsstelle (Or unsere aberall bekannten Qual. In unseren Spex.-Artikeln i Cirub - listnkaltfr Tagni luttVb*« Isö lut« - Trikstag« - Strtapi« ni ■iiiiitik« Arnold Obcrsky

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