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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-16 · 16 (16.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
16 (16.11.1932)
Date
1932-11-16
Page
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— ISS - WENNBERG Modeschmuck Juwelier KönigstraBe Nr. 40 Bestecke Juwelen, Gold- und Silberwaren Reich halt io es Lager In allen Preislagen mehr als die alten, ehrwürdigen Memorbücher. mehr als die Ehrentafeln für die Gefallenen, mehr als die Denkmäler auf unsere» Fried- Itöfeu — e k ist das E li r e u d e n k in a I der d e u t s di c n J u d e n h c i t. der blutige Erweis ihres mit diesem Blute erkauften 11 e i m a t r e di t e s a n d e u t s th e r Erde und an d e u t s th e r Ehre! Ein alter Weisheitslehrer hat den seltsamen Ausspruch getan: „Jedes Wasser versickert, nur nicht das Wusser der Tränen, das sammelt Gott in seinen Schatzkammern (Sabbath IO>a). Ein Strom von Blut, ein Meer von Tränen brandet durch dieses Buch, ein Tränenmeer, das von unseren Müttern, unseren Vätern, unseren Frauen, unseren hindern vergossen, ein Tränenmoer. unvergessen vor Gott: „J i s k u ii r e I u u h i in es nischmas" ... Es gedenke der Herr in Liebe der Seelen unserer heilugeguiigenen Brüder, unserer heimgegangeiien Kinder! R. Weg zum „guten Ort“. Ein Gedenkblatt für einen Früh vollendeten. *) An einem trüben Oktobertage bettete man Dich zur ewigen Ruhe ... Müde und wehmutsvoll glitten die ersten Blätter von den Bäumen die ein plötzlicher Frost hauch daran gemahnt hatte, dali die Zeit des Scheidend gekommen. Und Deine Freunde hatten sich mit allen, die Dich geliebt und geachtet, versammelt, um Dich aus Deinem Hause zu geleiten, jenem Hause, das von Frohsinn und Lebensglück erfüllt war. Wir verstandest Du es auch. Deine Freunde in Ehren zu empfangen und Dein Hans zu einer Stätte warmherziger Gastfreundschaft /ii machen! lud nun trug man Dich aus jenem /immer, dessen W ände auf Deine schmerzvollen Leiden geschaut, hinab über die schmale Treppe, auf der Dein Kind nicht mehr tollen durfte, da doch der Vater so krank. — Im Garten, den der Herbst schon bunt geschmückt, der aufllainmte im Glutton der Astern, stand dann der Schrein, der einen schwer f geprüften Menschenleib umschloß. Aus dem großen, weltfrohen Haus legte man Dich in ein kleines, ach so bescheidenes Gemach, in das nicht einmal die fahle Herbstsonne hineinlugen konnte, weil ein todestraurig dunkles Tuch Deine letzte Behausung verhängte. Und da mußte ich an Deine Bücher denken, an denen Du so sehr gehangen. an alle die schönen, geistvollen Schriften, die Du jetzt nicht mehr lesen solltest, die Dich aber auch auf dem Krankenlager über manche schwere Stunde brachten. Siehst Du. Du toter Freund, eine Erkenntnis trat mir in dieser Abschiedsstunde noch einmal so recht vor die Seele: Du warst ein Mensch, in dem — wenn audi von manchen nicht erkannt - ein göttlicher Funke glomm, in seiner Leuchtkraft stark genug, um Dir auch im Dunkel den Weg aufzuhellen. Du warst einer von den ..ewig strebend sich Bemühenden“. die der innere geistige Impuls immer wieder aus den Niederungen auf die Berge trägt und hineinsdiaueu läßt in die Dinge dieser Welt. Was ich immer an Dir in der Stille bewunderte — es war die Gotteskraft des Geistigen. die^Dich. deu Kaufmann, unermüdlich zum *| Der Vetter tlc* Verfasser*. Hermann I liallieiiner, starb iui Alter von 40 Jahren am 19. Oktober il. |>. in Beiislieim a. tl. Bera*lraHe. Thallieimer wur auch in weiten Kreisen der toürttemberfiftdieii Oftdiäftswelt bekannt und hodi geschützt. Buche greifen ließ, zum Quell einer stillen, geistisch-seelischen Freude. — Langsam trug man Dich hinaus ... Verzweifelt klang die Kluge Deiner opferwilligen Gattin, herzergreifend der Wehrut Deines bejahrten \uters, der deu einzigen Sohn in der Blüte seines Lebens hingeben mußte. Auf Deiner Bahre lug ein sddiditer Lorbeerzweig, ein letzter Gruß des militärischen \crbands Demes Heimatstädtchens. Dumpf rasselten die Trommeln, als Deinen letzten Gang Du gingst. > ier Jahre lang leistetest Deinem Vaterland Du treue Dienste?. Man zeichnete Dich aus — unversehrt kamst Du in die Heimat zurück: Ein neues Leben des I’riedeus und des Aufbaus begann — Und nun geleiteten Deine Kriegskameraden Dich hinaus in jene Ebene, deren lichte Weite Du so geliebt, mit deren urwüchsigen Menschen Du so innig verbunden, deren Luft auch Deine Vorfahren geatmet. Langsam fuhr der Wagen mit der teuren Lust, und als er an einem f reundeshause vorbeikam. da sahst Du nicht den schmerzbewegten Mann, der hinter den W unden stand und Dir „Ade“ sagte, jenen Mann, der Dir liebend die Augen zugedrückt und Dich bis zu deinem letzten Atemzug wie sein eigenes Kind gehütet. Auch ihm. der vor Erschöpfung ob der harten l’flegelage Dir nicht die letzte Ehre erweisen konnte, sei in Ehren gedacht. Opferwilligkeit und Liebe sie wurden Dir. Du toter Freund, von allen bis zum Ende liezeugt. — Und dann erklang die ulte Weise vom „guten Kameraden“. Ehrend neigte sich die Fahne, für die Du im fehle stundest, vor Deiner Bahre und kurz duruuf schloß sich die Heimaterde über Dir. Als der erste „Kaddisch" für Dich erklang, da wurde uns allen so ganz die \ergäuglichkeit alles Irdischen bewußt. Mit Wucht stürzte die Erkenntnis auf uns herein: Du bist nicht in e Ii r unter uns! Aber Dein Andenken lebt weiter, und unvergessen wirst Du sein, in Deiner Gemeinde, der Du so werktätige Treue bezeugtest. unve rgessen überall, wo Du Liebe schenktest und Liebe empfingst. Hans Sternhein.. Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. Ein Bilderwerk des Israel. Oberrals. Es ist etwas Wundersames um unsere alten jüdischen Gotteshäuser und Friedhöfe ... -Schlendert man so besinnlich, wie man es in den Mauern alter Städte wird, durch die Straßen — wie oft haftet da plötzlich der Blick au Häusern, die sich irgendwie ans der Wände Front herausheben. die. sei es durch den harmonischen Rundbogen der Fenster oder den sonderbaren architektonischen Stil ins Auge fallen. Hat man Gelegenheit. in das Innere dieser Häuser zu spähen, wie gebannt ist man dann vom mystischen Halbdunkel des Innenraunis. in dem schlichte Bankreihen unwirklich wie W eidengebüsch im Novcmbernehel stehen. Lud dringt unser Blick weiter durch die Dämineriiis und haftet an einem Lichtfunken, in dessen mildem Strahlenkranz die Gold- und Silberstickerei eines > orhangs matt aufleuchtet, dann wissen wir. wem unsere Neugier gilt. — Es ist ein u 11 e s j ii d i s th e s Gotte s Ii u u s . in das wir blicken, ein dein Ewigen geweihter Raum, in dem Geheimnis und Offenbarung in weltweiter heiliger Stille schwingen. Zögernd fast schreitet der Fuß über die Schwelte... über bald werden Leib und Seele? einbezogen in die Heimelichkeit des Raums, in dein wir uns rasch wie „zu Hause?" befinden. Wir verstehen auf einmal, warum das Gotteshaus im Osten wahrer Mittelpunkt des Gemeindelebens war und zum Teil uttch jetzt noch ist. wir fühlen aufs neue, warum unsere \erfuhren in Ost und West in der „Schul" das Zentrum ihrer leiblichen und geistigen Existenz erblickten. — Hier herrschte Peter Funk bei seiner Schul arbeiL „Nanu, schon wieder am Siemens-Gerat?! — Ich denke. Du machst Deinen Schulaufsatz.“ „Tue ich ja! Ich höre nur mal schnell alje Sender ab; irgendwo wird doch einer über den »Nutzen der Singvögel« reden Peter Funk war tttion immer ein Schlau* «eier. Was er vom Rond/unk welk, bat er vom Radtohflodler! Siemens Rundfunkgeräte werden Ihnen gerne tn Fachgeschäften vor geführt. f wahrer Friede, liier war die Seele dem Schöpfer nahe; hier strahlte der Thora Glanz aus uraltem Schrein mitten hinein in die Seele des Menschen, der uus des Tages Wirrnis sich in den Gottesfrieden flüchtete. Und unweit der Synagoge, angeschmie^t an Berges Hang, gebettet in den Teppich der W lesen oder eingesenkt in das Braun clef Ackerscholle, dort, unter einem hohen und weiten Himmelsdont. liegt u tt cfT eine Stätte des Friedens.-die in vielen deutschen Ländern der „gute Ort“ genannt wird der jüdische Friedhof. Keim» Blume ziert zu sommerlicher Jahreszeit den Gottesacker: nur der Wind geht über den Rasen und die Falter flattern in der unbesthwer-_ ten Sorglosigkeit der Kreatur um sonnenheiße uralte Grabsteine. Jüdische Hand pflanzt hier, alter 'Tradition getreu, eine schmückende Blume nicht. Nur Gott selbst läßt du und dort ein Kelchlein sprießen aber auch e s ist schlicht, wie es Feldblume» sind. Frieden herrscht hier, würdiger Frieden des Todes. — Und die Lebenden gehen über den Rasen, den ein Weg nicht kreuzt, und ihre Blicke hängen an den Steinen. Die stehen nicht in der geordneten Regelmäßigkeit unserer städtischen Friedhöfe — nein, kunterbunt oft sind die Steinmale über den Gottesacker verstreut und einen sich doch in wundersamer Harmonie ... Scharfkantige hebräische Quadratschrift erzählt von allen, die da oft seit Jahr hunderten ruhen. Fromme Jüdische Väter und Mütter deckt die Erde, gesinnungstüchtige Bekenner jüdischen Geistesgutes. Stumm pilgern die Nachfahren über das geweihte Land ... Wer die hebräische Grabsdirift zu lesen versteht, erfühlt au der Stätte des Todes nochmals die ganze qualvolle Schwere früheren jüdischen Seins. Die alten Steine beginnen zu reden: oft erzählen sie von Menschen, die mit einem „Sch’ma Jisroel“ auf den Lippen ein Märtyrerlehen heldenhaft besiegelten, von Männern, deren Dasein eine' stete Heiligung des göttlichen Namens war. Da ruhen Menschen, die ein rascher Tod auf der Flucht vor den Häschern ereilte. Erdenwanderer. - deren einziges Ziel Gott war. Und oft mutet es Die neuesten -Geräte liatLenlklanUer Fakrikei fahren wir Ihnen bereitwilligst lm eigenen Heim kostenlos u. ohne jeden Kaufswang vor. Alf WnscIi ZiMia|t«lil(itim|! Kupfer & Co-, Stuttgart-H. OartMstraSa 1t z Farnsprectiar I10U Nemvasdierei ilsenmann •tt.. Olgaatraße 103 ....- -uiiuimiiiiimiiiiiiitiiiiui'' SpczUdgefdiäflfa* Si&rkwAfchc Beste Bedienung, billigste Preise Abholung u. 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