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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-01 · 15 (1.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
15 (1.11.1932)
Date
1932-11-01
Page
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— 153 — zur Zurücknahme seiner Amtsniederlegung za veranlassen, vergeblich gewesen, woraaf die Versammlung Herrn Weil anter Aasdradt aufrichtigen Bedauerns die Zustimmung zum Ausscheiden ans dem Vorsteheramt erteilte. Der Vorsitzende gab hierauf Kenntnis von einem Erlaß des Oberrates, nach welchem die Wahlen zum Vorsteheramt gemeinsam mit den Ersatzwahlen zur Landsversammlung am 20. November stattfinden sollen. Die Mitglieder Friedrich L. Kiefe und Arthur Essincer wurden mit der Prüfung der Wählerlisten beauftragt Turnusmäßig scheiden aus dem Kollegium die Mitglieder Ludwig Ebstein, Dr. Engen Flegenheimer, Karl Levi, Oberrechnungsrat Meyer, Oskar Rothsdiild und Dr. Paul Tänzer aus, so daß im ganzen sieben Vorsteher zu wählen sein werden. — Der Vorsitzende machte sdiliefilich davon Mitteilung, daß am 3. August einhundert Jahre vergangen waren, seitdem die Stuttgarter Religionsgemeinde auf Grund königlicher Verordnung entstanden ist. Am t t. Dezember 1832 hatte die erste Wahl zum Vorsteheramt stattgefunden. Auf Beschluß des Vorsteheramtes soll im Dezember eine Festsitzung des Vorsteheramtes und ein Festgottesdienst ans diesem Grunde stattfinden, deren Vorbereitung der Kleine Rat veranlassen soll. Den Hauptberatungsgegenstand bildete die Besprechung des Hausnaltplanes, dessen einzelne Positionen der Vorsitzende der Finanzabteilang, Karl Levi, vertrat. Vor dem Eintritt in die Aussprache empfahl Rabbiner Dr. A u e t b a ch, vor der Aussprache zu den einzelnen Positionen des Etats in eine Generalanssprache einzutreten. Essinger und Weil traten für diese Anregung ein, die aber schließlich abgelehnt wurde. Bei der Position „Vermietung von Synagogenplätzen“ trat Dr. Auerbach dafür ein, daß jeder Steuerzahler ein Anrecht auf die unentgeltliche Ueberlassung eines Synagogenplatzes naben sollte. Meyer, Weil und Levi wiesen auf die praktische Undurchführbarkeit dieser Anregung hin, die protokolliert wurde und von der Gottesdienstabteilung durchberaten werden soll. Der Gemeind€- pfleger, Dr. Cohn, wies darauf hin, daß die Anregung in dem gegenwärtigen Haushaltplan keine Bedeutung mehr hätte; vielleicht wäre aber eine Freigabe der Plätze für den Filialgottesdienst im Sieglehans zu empfehlen. Bei Besprechung der Stolgebühren verlas Sanitätsrat Dr. Ries eine Zuschrift eines Gemeindemitgliedes über Beerdigungsreden in Fällen, bei denen Angehörige oder eine letztwillige Verfügung solche Nachrufe verbeten hatten. Beide Rabbiner erklärten, sich stets streng an die Anordnungen der leidtragenden Familien gehalten zu haben. Bei der Position Gemeindegrundstücke trat Ebstein für einige dringliche Reparaturen ein. Bei der Besprechung des Beamtenetats wurde beschlossen, daß dieser vom neuen Kollegium revidiert und auf Abbaumöglichkeiten geprüft werden sollte. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einer ausführlichen Besprechung des Stuttgarter Anteils zum Etat der Zentralkasse. Zu dieser Angelegenheit äußerten sich Essinger, Weil, Rothschild und Dr. Auerbach. Es wurde bedauert, daß ein praktischer Ausweg und greifbare Vorschläge zurzeit nicht gefunden werden konnten. Bei Besprechung der Chorkosten machte Ebstein Vorschläge zu Ersparnissen. Meyer empfahl eine erhöhte Pflege der Gemeindegesänge. Auf Antrag Rothschilds soll die Gottesdienstabteilnng entsprechende Vorschläge machen nach Ebsteins Anregungen und unter Zuziehung der Vorbeter. Bei dieser Gelegenheit wurde der Wunsch znm Ansdruck gebracht, daß der „Verein für täglichen Gottesdienst“ aufrecht erhalten werden soll. — Die Position „Jugendheim“ führte im Anschluß an einen Brief Dr. Flegenheimers zu einer erneuten Anssprache. Bei dieser Gelegenheit berichtete Dr. Tänzer, daß die Wandzeitungen im Jugendheim von jetzt an verboten sind und daß für die strenge Innehaltung der SabbathVorschriften im Jugendheim Vorsorge getroffen worden ist. Der Stadtrabbiner begrüßte diese Tatsachen, wies aber darauf hin, daß ein Jugendheim ohne Jugendpfleger undenkbar ist. Die einzige Lösung der Angelegenheit wäre die Verlegung des Jugendheims in das Gemeindehaus in dem durch die Rabbiner, Lehrer und Gemeindebeamten eine andauernde Beaufsichtigung des Jugendheims möglich ist Auf Antrag Rothschilds soll der Mietvertrag des Jugendheims auf ein weiteres Vierteljahr Geltung haben und dem kommenden Kollegium die weitere Beschlußfassung in dieser Anfelegenheit überlassen werden. Der laufende tat schloß mit Einnahmen von 49 209 Mk. ab, zu denen ein Ueberschuß aus dem Jahre 1931 in Höhe von 11700 Mk. kommt; die Gesamteinnahmen betrugen also 60 909 Mk. Diesen standen 156 830 Mk. als Ausgaben gegenüber, so daß ein Abmangel von 95 950 Mk. durch Steuern zu decken sein wird. Der Etat wurde dann in namentlicher Abstimmung einstimmig angenommen. Im Anschluß an ihn machte Karl Levi Mitteilungen über den derzeitigen Bestand des Gemeindevermögens. Die Sitzung schloß mit einem Berichte über die beiden Veranstaltungen der Jugendabteilang vom 13. und 29. Oktober. Stuttgart. Als ein Ruf an die jüdische Jugend zur tätigen Mitarbeit an Jugendaufgaben und zum Zusammenschluß zu gemeinsamem Handeln war der Werbenachmittag gedacht, den das Israelitische Gemeindevorsteheramt am 13.Oktober im Haus des Deutschtums veranstaltete. Er sollte bei der die Schule besuchenden Jugend vom 12. bis 15. Lebensjahr und vor allem auch bei deren Eltern Verständnis für die Probleme jüdischer Gemeinschaftsarbeit schaffen. Daß seelisches Einfühlen der Eltern in die Situation der Kinder nötig ist, um das Ziel zu erreichen, das Elternhaus und Religionsgemeinschaft gemeinsam ist, nämlich die Jugend zu fördern, waren die Leitsätze, die Sanitätsrat Dr. Ries der Veranstaltung gab. Anstaltsdirektor Th. Rothschild, Eßlingen, zeigte in einem ausführlichen und interessanten Referat die Problematik dieser ganzen Jugendarbeit auf. Da die menschliche Seele ständig in einem Zustand der Veränderung ist, so sei es schwer, ein gemeinsames Erziehungsideal zu finden. Eines jedoch sei grundlegend: Hineinwachsen in die Gemeinschaft Dazu ist vor allem nötig: Mut und Selbstvertrauen als notwendige Voraussetzung für das Suchen eines Platzes in der Gemeinschaft die die Grundvor- Da DAS HAUS FÜR JUWELEN. GOLDu. SILBERWAREN. BESTECKE, UHREN. MODESCHMUCK Stuttgart / KMgitr.i? anssetzung jeden Wirkens überhaupt ist An der Beziehung „Mutter-Kind“ lerne das Kind znm erstenmal das Wesen dieser Gemeinschaft kennen, die dem „Ich“ ein „Du“ entgegensetze. Diese ursprüngliche Bindung lockere sich mit der Zeit; es werden Freiheiten nötig zur weiteren Entfaltung. In der Ueberwindung von Schwierigkeiten werde erst die Fähigkeit geweckt, sich selbst zu behaupten. Hier werden viele Erziehungssünden gemacht 50 bis 60 Prozent aller Kinder werden zu unselbständig erzogen und haben Schwierigkeiten, sich im Leben zu bewähren, da ihnen der Kampf um Selbstbehauptung in der Gemeinschaft gefehlt hat Diese Gemeinschaft ist der Bund, der unentbehrlich ist, der aber auch der Mitarbeit der Familie bedarf, um den Uebergang vom Kind zum berufstätigen Menschen reibungsloser zu gestalten. Der Bund ist die Entfaltungsstätte für die Jugend. Allerdings könne die Jugend nicht auf die Mitarbeit der Aelteren verzichten, die gerade durch die Schaffung von Hemmungen diese Entfaltungsmöglichkeit fördern können. Eine wichtige Stellung in der Jugendarbeit müsse die Religion einnehmen. Denn Jugend müsse zu sich selbst kommen und i'üdisch werden; vor allem müsse sie aus der Erenntnis der eigenen Unzulänglichkeit Ehrfurcht lernen. Dr. Paul Tänzer setzte sich mit dem Problem „Jugend und Gemeinde“ auseinander, wobei er vor allem die Pflichten der Gemeinde darstellte, für die Jugend, also ihr eigene Zukunft, zu sorgen und die Verantwortung zu erkennen, die sie am Fortbestand einer jüdischen Gemeinschaft habe. Er wies dabei auf den Jugendring, das Jugendheim und andere Einrichtungen hin, die die Gemeinde geschaffen habe. Aus der Erkenntnis der Notwendigkeit, hieran weiter zu arbeiten, kam Dr. Tänzer zum Vorschlag, einen Jugendpfleger zu bestellen, der niese Arbeiten zu leiten hätte. Die Jugend habe aber auch die Pflicht, sich in diese Gemeinschaft einzuordnen. Judentum ist Pflicht, und deshalb ist Arbeit am Judentum dringend notwendig. Liese Feldmann gab dann eine überaus frische und lebendige Darstellung der Arbeit der Bünde und des Pfadfindertums, und erzählte vom Jugendheim, in das sie alle die einlud, die noch in keinem Bund sind. Eine Einladung, der kein Jugendlicher sich verschließen sollte. Sanitätsrat Dr. Ries hatte recht, wenn er erklärte, daß diese Atmosphäre von Reinheit, Auf-?:eschlossenheit und Frohsinn zu Mitarbeit aufordere. Die Veranstaltung war so interessant und das Bemühen, hier ernsthafte Arbeit zu leisten, so groß, daß zu wünschen wäre, wenn ihr Ergebnis auch über den Kreis der Anwesenden Beachtung finden und Ansporn sein würde. B. K. 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