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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-11-01 · 15 (1.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
15 (1.11.1932)
Date
1932-11-01
Page
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CUTQ ii lDSTtUAGEn SEREIFUflG UULCANe FaoriN :jp ftuioreiien-neugumnie'-.’'-; - __ STUTTGART _Becxarsir.isQfl - t-.i. gpoafl .iler,.s;iratLrtn — anha.r abgefahrener Reiten Lundi' her drohenden Gefahren vorausposagt habe — eine Prophezeiung, die leider Wirklichkeit geworden sei. Der Redner beleuchtete nun in überaus klarer Weise die gegenwärtige Lage und zeigte nochmals die antisemitischen Kampfmethoden auf. Die Anwesenden waren geradezu erschüttert über das Ausmaß der unseren Glaubensbriidern vor allem im Osten des Reichs angetanen Gewalt. Beruhigend und optimistischer stimmten aber die Ausführungen Sandelowskys über die unentwegte Abwehrarbeit des C.-Y.. die auch von maßgebenden amtlichen Stellen gewürdigt wird. Mit Recht betonte der Redner, es -ei wünschenswert, daß man in der Politik in Zukunft von der ..Judenfrage” nur in dem dem jüdischen Bevölkerungsanteil entsprechenden Lin fang spreche. Er brachte weiter klar zum \iisdruck. daß in der systematischen Entwicklung des Boykotts eine außerordentliche Gefahr liege. Entgiftung der Atmosphäre — das sei unsere Hauptaufgabe! Wahrung des Zusammenhangs mit der nicht jüdischen Bevölkerung sei ebenfalls unerläßlich. Der Redner wandte sich dann den politischen Tagesfragen zu und entwarf ein umfassendes Bild sowohl ton der gegenwärtigen Situation als auch der Struktur der einzelnen Parteien. Auf seine diesbezüglichen Ausführungen näher einzugehen, müssen wir uns \ersagen. — Jedenfalls stellte der Referent die zwingende Notwendigkeit fest, unbedingt zu wählen und die Stimme nur -olchen Parteien zu geben, die eine' klare front gegen alle Entr e ch t u n g s b e s t r e b u n g e n einnehmen. I)r. Manfred Sichel lietonte in seinem Schlußwort mit Recht, daß -der Vortrag z u_e i n e m Erlebnis geworden war. * Wenn wir unsere Leser in Stadt und Land nun an dieser Stelle nochmals auffordern, die Bestrebungen des Centralvereins mit allen Kräften zn fördern, so tan wir es ans der Erkenntnis heraus, daß besonders in heutiger Zeit der Centralverein für die deutsche Judenheit ein Faktor ihrer persönlichen Selbsterhal- - 152 - taug geworden ist Wenn unsere Gemeinschaft sich in den schweren politischen Stürmen der Gegenwart behaupten will, dann muß jeder deutsche Jude, wo er immer nur kann, den Centralverein ideell und vor allem nach materiell unterstützen. Daß der Centralverein sich unermüdlich für die deutsche Judenheit einsetzt daß er in unendlich schweren Einzelkämpfen für die Gleichberechtigung. der deutschen Juden und die Anerkennung ihrer staatsbürgerlichen Leistung sich müht — das war der unauslöschliche Eindruck der Ausführungen von Rittergutsbesitzer Sandelowsky, der stürmischen Beifall fand. Darüber hinaus aber fordern wir nochmals eindrücklich: jeder deutsche Jude muß zu einem Träger der Gedanken des Redners werden! eder muß tagtäglich für sie wire n! Wird diese selbstverständliche Pflicht erfüllt dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. Ein Schlußwort zu den «hohen Feiertagen". Von Rabbiner Dr. Schlesinger, Buchau a. F. Die Feste sind vorüber, ein bitterer Nachgeschmack ist -geblieben. — Schon seit Jahren pflegte man von Rosch Unschöner und Jom Kippur als den „h o h e n F e i e rtagen” zu sprechen. Das sollte heißen: die beiden Feste sind die „hohen“, folglich die drei anderen die „niederen“. Die hohen Feiertage halten wir. die niederen ignorieren wir. So geschah es. daß die jüdischen Geschäftsinhaber und wohl auch Fabrikanten, von Ausnahmen abgesehen, wenigstens am Rosch Haschono und Jom Kippur ihre Betriebe ruhen ließen. Allmählich wurde dann auch der zweite Tag Rosch Haschono reisgegeben. Zwei Tage schienen zu viel, ein ag mußte genügen. Das war wenig, beschämend wenig, aber immerhin noch Etwas: ein Zeichen schwachen Judentums, schwachen Judesein-Wollens. aber doch noch ein Zeichen von Judentum. von Judesein-Wollen, eine öffentliche Bekundung des Gefühls der Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft. Jetzt beginnt selbst dieses schwache Zeichen zu schwinden, jetzt erlischt der letzte Funke. In diesem Jahr mehrte sich die Zahl der jüdischen Geschäftsinhaber, die nicht einmal am ersten Tag Rosch Haschono, ja vielfach nicht einmal am Jom Kippur, ihre Betriebe geschlossen hatten. Wo es hoch kam. erhielten die israelitischen Angestellen auf besonderen Wunsch frei, das Geschäft selbst blieb geöffnet. Wirtschaft, lloratio, Wirtschaft! Die Zeiten sind schwer und schlecht — unsere Väter hatten bekanntlich in früheren Zeiten ein lächerlich leichtes und höchst angenehmes Leben, sie konnten beliebig viele Feste feiern, ohne jedes Opfer.... Wen klagen wir eigentlich an? Nicht nur die vollkommen Entjudeten, denen der Umsatz und Reingewinn zweier Tage im ganzen Jahr wich? tiger und heiliger ist als ihr Judentum. Wir klagen ebenso an die anderen, die noch irgendwie und einigermaßen positiv jüdisch Eingestellten und — die Rabbiner. Warum wenden sie alle sich nicht mit heller Empörung gegen die fortschreitende „Säkularisierung“ des Rosch Haschono und Jom Kippur? Warum schweigen sie gleichgültig und unberührt? Wir haben eine „Toleranz'^ bei uns großgezogen, die bis zum Üebelwerden geht. Wir tolerieren alles und alle in unserer Mitte. Mischehen, Taufen, Austritte werden mit einem verstehenden, verzeihenden Lächeln hingenommen! — Warum sollten wir gerade die Aufhebung der „hohen“ Feiertage nicht tolerieren?! Man liest immer wieder, auch in diesen Blättern war öfters die Rede davon, daß die deutsche Judenheit unterzugehen drohe infolge Geburtenschwund und Abtrünnigkeit in den verschiedensten Formen. Und man fragt: wie läßt sich Einhalt tun, wie läßt sich die deutsche Judenheit erhalten? Mich bedrückt eine andere, quälendere Frage. Ich betrachte die heutige deutsche Judenheit. die den letzten Funken jüdischen Heiligkeitsgefühls erlöschen, die letzten schwachen spuren jüdischer Lebensregung hinschwinden sieht, und schweigt, schweigt und „toleriert“. Da frage ich: wenn es so stellt um das deutsche Judentum, was soll ihm noch das Leben? Ein so vollkommen sinn- und inhaltslos gewordenes, ein so vollkommen entseeltes, schauerlich leeres Schefn- und Schattenjudentum — „im Verborgenen weint meine Seele“, aber ich kann die Frage nicht verhalten: darf dieses „Judentum“ denn noch weiterleben? Soll diese Judenheit denn nicht untergehen? Aus dm Qmtemdm 'lüudtemiecgs. Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramtes, Mittwoch, den 12. Oktober. An der Sitzung des Vorsteheramtes nahm Frau L u c i e Levi mit beratender Stimme teil. Der Vorsitzende, Oskar Rothschild, eröffnete die Sitzung mit Worten des Dankes an die Beamten der Gemeinde für die treue und eindrucksvolle Durchführung der Festgottesdienste. Er verlas dann einen Brief Eduard Wells, in dem er erklärt, ans Gesundheitsrücksichten sein Amt als Vorsteher niederlegen zn müssen. Der Vorsitzende erklärte, daß die Schritte, Herrn Weil fördert das Heimische Handwerk! Karl Looser, Mech.Schreinerei Gutanbargstrala 60 - Telephon 62326 Anfertigung kompl. Möbelu.Ladeneinrichtungen. 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