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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-10-16 · 14 (16.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
14 (16.10.1932)
Date
1932-10-16
Page
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man für alle eingeführton Waren der Gemeinde zahlen muhte, registrieren aus Polen und Rußland: Leder. Häute. Felle. Hopfen. Oel. Zucker, Honig. Mandeln. Rosinen. Pfeffer. Zimmt. Gewürze aller Art. Safran. Ingwer. Kümmel, rumänische Weine und andere Nahrungsmittel. Die ..polnischen Juden" begnügten sich nicht mit der Linfuhr von Produkten ihres Landes, sie reisten nach Italien und in andere fremde Länder, kauften dort verschiedene Waren zusammen, die sie dann in Leipzig weiterveräufierten. Zumeist wurden — 144 — die importierten Waren gegen andere Güter ausgetauscht. die wiederum in den östlichen Ländern reißenden Absatz fanden, wie Textilien u. a. Wenn man die damaligen Aufzeichnungen genau verfolgt, kann man konstatieren, daß die Reise zur Leipziger Messe bei Hunderten jüdischen Kaufleuten jener Zeit den eigentlichen Erwerb bildete. Immer wieder finden wir dieselben Reisenden, die fast zu jeder Messe mehr und mehr Waren aus ihren Ländern nach Leipzig brachten. Die jüdischen Kaufleute Moses Lobt cKeiUtcmt JümstgeweeAe \ Verkauf von Arbeiten aus ersten Werkstätten Qtedwiq. Walle Heilbronn a. N. / Sülmerstraße 83 r Jiatl £auth HEILBRONN am Neckar Bismarckstraße 16 Anfertigung eleganter Damenkleidung Handels^ Geweiteliaiik Heillir onn A.G. Heilbronn am Neckar Unabhängiges württe'mbergisches Bankinstitut unter Beteiligung desWürttembergischen Staates.derReichskreditgesellschaftA.G. und der Stadt Heilbronn Aktienkapital und offene Reserven 4 Millionen Reichsmark Spareinlagen, Laufende Rechnungen, Kredite, Devisen Wertpapiere, Hypotheken, Vermögensverwaltungen Wer hier inseriert legt Wert auf Ihre Kundschaft. W. HESPE LT KRAMSTRASSE 16 TELEFON Nr. 3629 Das 9taus xlec qulen VJice*c~ KAUFT BEI UNSEREN INSERENTEN Versuchen auch Si^lhr Glück u. kaufen Sie Ihr Los am Platze, Sie sparen Zeit und Portol Ziehung 1. Klasse der IM-M Klauenlotterie ißiiuiHiiniwitiiiimiiflintHftaiHimuiitiHtttitiißunniimiiHniifHmwti 21. und 22. 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Eine Summe, die im Archiv der Stadt Leipzig vereinzelt dasteht. Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß eine Reise aus dem Osten nach Leipzig monatelang dauerte und mit großen Gefahren verbunden war. Die Juden ließen ihren Frauen vor ihrer Abreise nach Leipzig einen ..Tnai-Get“ zurück, einen Scheidungsbrief, der erst nach Ableben des Mannes Gültigkeit hatte. Diese, dere jüdischen Ritus entsprechende Maßnahme diente dazu, den Frauen die Unannehmlichkeit der „Chaluza“ zu ersparen. Speziell im 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts war eine Reise nach Leipzig sehr gefahrvoll. Daher kamen die Juden auf die Idee, Kommissionäre in Leipzig zu bestellen. Sie sandten die Waren hin. die Kommissionäre verkauften sie, kauften neue Waren für ihre Kommittenten ein und die Geschichte der Leipziger Messe weist mit Stolz darauf hin, daß kein einziger jüdischer Kommissionär, der vom sächsischen t Kurfürsten die Bewilligung Zum Aufenthalte in Leipzig hatte, sich irgend eine unkorrekte geschäftliche Handlung zuschulden kommen ließ... In der Geschichte des allgemeinen Warenverkehrs werden diese jüdischen Kommissionäre auf der Leipziger Messe als die ersten „Vermittler des Handels“ bezeichnet. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die jüdischen Kaufleute auf der Leipziger Messe nicht nur ihre geschäftlichen Transaktionen durchführten, sondern auch das Bindeglied zwischen den Ost- und Westjuden darstellten. Schwere religiöse Fragen wurden zu dieser Zeit gelöst, Gedanken über Juden und Judentum der ganzen Welt wurden zwischen Ost- und Westjuden ausgetauscht, kurz, es war eine Zeit der Verbrüderung unter den Juden. Und merkwürdigerweise fehlt aus der Geschichte der Juden in Sachsen die Epoche des 14. und der Beginn des 15. Jahrhunderts. Es scheint, daß der Lebensnerv der dortigen Juden in jener Zeit zu schlagen aufhörte, als der Zuzug der numerisch starken Ostjuden nachließ. Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Gefahren einer Reise zur Leipziger Messe ahnahmen. strömten auch in größeren Massen die Juden aus den Oststaaten nach Leipzig, nahmen von Messe zu Messe immer mehr zu und verpflanzten auch ein pulsierendes jüdisches Leben dorthin. Der verlorene Sohn. Unter dieser Ueberschrift berichtete unlängst der Jerusalemer Korrespondent des „Berliner Tagblatts“: Die hier folgende Geschichte klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht — und doch ist sie wahr, tatsächlich geschehen. Die Zeitung „Doar Haiom“ brachte die erste Nachricht und meine Erkundigungen an maßgebender Stelle haben die phantastische Wahrheit vollauf bestätigt. Um die Osterzeit kam ein wild aussehender Beduine, aber noch im jugendlichen Alter von 19 Jahren, nach Tiberias und erkundigte sich in seinem schwerverständlichen arabischen Beduinendialekt nach dem Hause des Rabbiners. Dort hingeführt, erzählte er, daß er dem Beduinenstamm der „el Baten“ angehört habe, die ihre Weideplätze unweit des Roten Meeres hätten. Bis vor kurzer Zeit hätte er geglaubt, der Sohn des Scheidts dieses Stammes, Alt Sadam, zu sein. Vor einigen Monaten sei der Scheich Ali gestorben und als er mit seinen vermeintlichen Brüdern an die Teilung der Erbschaft ging, habe er erfahren, daß er nicht der Sohn des Scheidts, son-

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