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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-10-16 · 14 (16.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
14 (16.10.1932)
Date
1932-10-16
Page
[Seite] (sequence 11)
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dern ein Jude sei, der, in seiner Kindheit in Bagdad geraubt, dem Scheich als Sklave verkauft worden sei. Seit dieser Zeit lebe er in Unfrieden mit seinen Stammesbrüdern und aus Furdit, ermordet zu werden, sei er bei Nadit und Nebel auf seinem Pferde geflohen, um in sein Vaterland und zu seinem Volke zurüdkzukehren. Auf der Flucht wurde er — ein schönes Beispiel arabischer Freundestreue — nur von seinem besten Freunde, dem Hirten Said begleitet, den er aber, schwer verwundet von den Schüssen der Verfolger, sterbend in Maan zurücklassen mußte. Nun war die Hauptsache des Geflüchteten, seine Eltern ausfindig zu machen. Nachdem der Rabbiner in Tiberias den verlorenen Sohn unter feierlicher Beteiligung der gesamten Gemeinde ins Judentum aufgenommen und seinen Namen — Machmud — in Abraham umgetauft hatte, sandte er ihn mit einem Begleitbrief zum Oberrabbiner von Tel Awiw, dem Rabbiner Usiel. Dieser ließ ihn zuerst im Hebräischen unterrichten und schickte ihn in die landwirtschaftliche Schule von Mikweh Israel bei Tel Awiw. Gleichzeitig sandte er Briefe mit einer Photographie des ..Beduinen“ an sämtliche jüdische Gemeinden in Syrien und Mesopotamien. In der vorigen Woche ist nun ein Brief des reichen Kaufmanns Moses Aga Baba Levi aus ' dem Ort Ali-Harbeh bei Bagdad eingetroffen, worin dem Rabbiner und dem Himmel in beweglichen Worten Dank ausgesprochen wird, daß einem Vater sein Sohn wiedergegeben sei. Diesem Kaufmann ist tatsächlich sein Sohn, Menasseh ben Moses, vor 17 Jahren von Beduinen geraubt worden, als die Mutter sich mit ihm auf einem Spaziergang befand. Außerdem zeigte die Photographie eine ausgesprochene Familienähnlichkeit. Bei Erhalt dieses Briefes brach Machmud, alias Abraham, alias Menasseh ben Moses, in Tränen uns und man kann sich unschwer vorstellen, welches die Gefühle von Vater und Sohn sein werden, wenn sie sich nun binnen kurzem von Angesicht zu Angesicht sehen können. — 145 — in Düsseldorf uraufgeführten Lustspiels „General Peroy gründet ein Königreich“. Für Sonntag, den 16. Oktober, wird eine Wiederaufnahme von Flotows „M a r t h a“ mit Margarete Teschemacher zum erstenmal in der Titelpartie und Ludwig Suthaus zum erstenmal als Lyonei vorbereitet. Die Erstaufführung der Operette „Lied der Liebe“ von Johann Strauß-Korngold, die in Berlin mit Richard Tauber einen sensationellen Erfolg erzielte, ist für den 29. Oktober vorgesehen. _ JCunstaasstetiuHqm. Stuttgart. In der derzeitigen Kunstausstellung im Kunstgebäude zeigt der bekannte Stuttgarter jüdische Maler Ignaz Kaufmann eine Kollektion von 11 Bildern und zwar Porträt, Komposition und Landschaft. Eines der farbenfreudigen Bilder hat der Kunstverein selbst für seine Vereinslotterie erworben. Die interessante Ausstellung dauert nur noch bis einschließlich Sonntag, den 23. Oktober. Stuttgart. Wir haben in letzter Nummer schon mitgeteilt, daß der Stuttgarter Kunstmaler Herma nn Fechenbach in der Stuttgarter Jur vfreien Kunstausstellung zwei Bilder ausgestellt hat, die nach jeder Richtung bemerkenswerte Schöpfungen darstellen. — Mir haben nun den Künstler gebeten, uns selbst einen Kommentar zu seinen Bildern zu geben. Hermann Fechenbach schreibt uns folgendes: „Angeregt durch die gegenwärtige Lage, wollte ich eindringlich dartun, wie sich die Massen, durch irgendwelche Führer verblendet, aufeinander hetzen lassen. So entstand das Gemälde „Z e i t b i l d", eine Gestaltung der sich sinnlos zerfleischenden, von allen guten Geistern verlassenen Menge. Hier suchte ich die kämpfende Masse zusammenzuballen und gegen in Aufruhr gebrachte Elemente — flammende Häuser, stürmische Himmel — zu stellen. Das flammende Rot und die Gelb-Stufungen sollen die entfesselte Kampfstimmung wiedergeben. Nur der gute Geist, der entsetzt über den Massen flieht, ist in lichtem Grünblau gehalten. Das zweite Bild, „Gegensätze“, ist die Gegenüberstellung eines in die Landschaft sehenden Rückenakts und einer mechanischen, auf einen Zirkel zeigenden Figur: künstlerische Darstellung jener Gedanken, die mich bewegt hatten, als ich seinerzeit im B.A.V. über „M e ch a n i m u s und K u n s t wer k“ sprach.“ Aus xU^Qeschäftsweit. Das bekannte Cafe Haimann, Stuttgart, Seide n s t r a ß e 6, Ecke Schloßstr., hat seine Lokalitäten vor kurzem bedeutend vergrößert und vorteilhaft modernisiert. Unter der Leitung von Regierungsbaumeister S ch e m p p wurden binnen weniger Tage Räume geschaffen, die allen neuzeitlichen Ansprüchen entsprechen und einen wirklich gemütlichen Aufenthalt bieten. Durch zweckmäßige Verbindung der alten mit den neuen Räumen besteht nun die Möglichkeit, Vereinsveranstaltungen, Damenkränzchen usw. in größerem Umfang als bisher im Cafe Haimann stattfinden zu lassen. — Wir machen unsere Leser noch auf die bekannt vorzüglichen Qualitäten der Haimann’schen Konditorei und Bäckerei aufmerksam und empfehlen Cafe und Verkaufsraum unseren Lesern bestens. Was jede Hausfrau wissen sollte! Eine wirklich gute Tasse Kaffee erhalten Sie nur dann, wenn die dazu verwendeten Kaffeebohnen frisch geröstet sind. Kaffeebohnen, die schon längere /.eit geröstet sind, verlieren den feinen Geschmack mehr und mehr. Wollen- Sie aber einen Kaffee von höchst vollendetem Aroma und feinem Geschmack trinken, so versäumen Sie nicht, Ihren Kaffee bei der bestbekannten Firma Franz Wagner 4 Co., G. m. b. II., Stuttgart, Eberhurdstr. 3, einzukaufen. Diese Firma bezieht Aus xtec Spoct&ewegung. Heilbronn. Der vor zwei Jahren gegründete jüdische Tischtennisclub ,B I a u - W e i fl“ hat sich dank seiner zähen Arbeit zu einem der spielstärksten Vereine in der württembergisdien Tischtennisbewegung entwickelt. Als Abschluß der sommerlichen Hebungen und als Auftakt zur Winterspielzeit veranstaltete der Club zum erstenmal ein Wanderpreis- Pokalturnier, zu dem sich an die 50 Spieler eingefunden hatten: Fünf Vereine und sieten Mannschaften zeigten ihr Können. Unter Anteilnahme vieler Zuschauer konnten in harten Kämpfen in der Damenmannschaft Frl. E. Mandel I a u b den 1. Preis und Frl. E. Kahn den 2. Preis gewinnen. Beide Spielerinnen gehören dem ..Blau-Weiß“ an. Bei der Wertung der noch schärferen Ilerren- Einzel- und Doppelspiele zählte man nach Mannschaftssiegen. wobei die 1. Mannschaft des „Blau- Weiß“ mit 50 Punkten sich den Wanderpokal erstmalig errang. Die siegreiche Mannschaft setzte sich zusammen aus: T. Reis, M. 8tobe z k i, 8. Stobezki, E. Schloß, P. Reis, 8. H o p f e r und A. G e r s i n s k y. — Die Orfanisation des Turniers lag in den Händen von . Stobezki und E. Schloß. se.!BufmeHschau. Württ. Landestheater. A u s b 1 i de. Am 22. Oktober erscheint Gerhart Hauptmanns „W interb all ade“ im Spielplan, die bisher in Stuttgart noch nicht gespielt worden ist, eine dramatische Dichtung nach Selma Lagerlöfs Meister-Erzählung „Herrn Arnes Schatz“. Inszenierung: Friedrich Brandenburg. Generalintendant K e h m hat zwei neue Werke zur alleinigen Uraufführung für die Württ. Landestheater erworben: „Dänische Ballade", ein Struensee-Drama des jungen Autors Roland Ma rwi t z, und das Bauernstück „Mensch, aus Erde gemacht“ von F r i e d r i ch Griese, dem bekannten niederdeutschen Erzähler. Ferner wurden angenommen: „Donnerstag, den 17. Apri 1“. ein Schauspiel von Zilahy, das nach seiner Uraufführung in Bremen, München und Frankfurt allerstärksten Beifalj fand, und „Die Heimkehr des Olympiasiegers" von S i n d b a d, dem Autor des Aspecg. MöbelwerkatHtten Bnsf nesk SMttHt'Aücrf empfahlen Schlag» Speise-, Rerrenslnuner and Kfidien-Einrichtiingen in Jeder gewünschten Ausführung Fatetksttea und Lager In Asgarg, Bahnhefsteaüe M Vim xx. D. Titl. Hausbesitzern etc. Mtt sich für Gebüudeinstandsetzungsarbeiten, bauliche Veränderungen aller Art, bei sachgemäß. Arbeitsausführung, gewissenhafter Beratung und reeller Bedienung bestens empfohlen JOS. 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