Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 13 (1.10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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— 125 — Zum 85. Geburtstag des Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg vollendet am 2. Oktober sein 85. Lebensjahr. Die deutsche Juden heit, die in Reichspräsident von Hindenburg den Wahrer der deutschen Einheit, den gerechten Führer der Nation und den Garanten für die Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger sieht, feiert diesen Tag in aufrichtiger Verehrung. Möge Reichspräsident von Hindenbürg, den Gott durch seltene geistige und körperliche Rüstigkeit begnadet hat, es erleben dürfen, daß unter seiner Führung das deutsche Volk einig wird zu friedlicher und gesegneter Arbeit im Dienste des Vaterlandes. Ferienkurs des „Evangelischen Volksbundes'* Eine Würdigung der Tübinger Tagung. I)er E v u n g e I i s ch e Volks b u n d“ verunstaltete in der Zeit vorn 50. August bis 2. September in Tübingen einen Ferienkurs, dein das Thema „U nsrr Blut und unser Glan b e“ zugrunde lug. Dieses Thema wurde in fünf Vortrüge zerlegt. Der erste Vortrag, den Oberstudiendirektor Knuuer. Kiinzclsuu. über ,.\ o I k und Bass e“ hielt, zeichnete sich durch wissenschaftliche Tiefe und strenge Sachlichkeit aus. Fr stellte unter anderem fest, daß auch die heutige Bevölkerung Deutschlands uns einem unentwirrbaren Rassongemisch bestehe, daß jeder Deutsche ein Mischling sei. daß die Völker mit nordischen Kusseninerkmulen wohl ungewöhnliche kulturschöpferische Fähigkeiten besitzen. daß sie über keineswegs allein die menschliche Kultur hervorgebracht hüben. Die Behauptung. die großen Persönlichkeiten der abendländischen Geschichte seien „vorwiegend nor-' dische“, wurde als völlig abwegig zurückgewiesen. Besonders fein und in den Kern der Frage dringend waren die Ausführungen über das Verhältnis von Rasse und Weltanschauung. Der Referent gab zu. daß in den Rassegedanken oder den „ßlutmythus“ eine Reihe edler Motive und Impulse hereinspiele: eine neue Schätzung des Volkstums, ein neues Bewußtsein von der irdischen Kraftquelle unseres Volkes, ein neuer Mut zu eigener volklicher Art. Liebe zum adligen Menschen und Haß gegen alles Unedle und Gemeine. Aber sehr stark wurde betont, auf w e I ch c gefährliche Abwege der Rasseglaube führe, der den absoluten Wert von Blut und Rasse voraussetzt. Dadurch werden jene edlen Kräfte wieder im Keime erstickt. weil hier Individuum und Volk einseitig von der .Naturseite des Menschenwesens her verstanden und gewertet werden. ..Fin solcher Naturalismus und Zoologismus muß auch für die Auffassung von Mensch und Volk bedenkliche Folgen haben“, nämlich das Herabsinkeu aller sittlichen und religiösen Normen zu bedingt geltenden Werten: sodann müssen alle jene Lehren und Ideen, die auch im Menschen anderen Bluts und Volks den Bruder und Mitmenschen zu sehen gebieten, als Verrat am eigenen Blut und Volkstum erscheinen. Wohl bedürfen wir L>entsche immer wieder einer Neuverwurzelung im mütterlichen Grunde unseres Wesens, in ..Blut und Freie“: aber führen kann gerade in Deutschland nur der vom sittlich religiösen Gewissen c r 1 e u ch t e t e Geist. Denn Deutschland ist eine Einheit nicht des Blutes, sondern des Geistes. Den zweiten Vortrag hielt der Geschäftsführer des Evangelischen Volkshundes. Dr. Hutten, über ., \ ö I k i s ch e Religiosität und christlicher Glaube“. Fr zeichnete klar und treffend das Wesen der völkischen Religiosität. welche den Sinn der Frömmigkeit in der menschlichen Selbstentfaltung und Selbsterfüllung sucht und das gegenseitige Verhältnis von Gott und Mensch nicht im Sinne eines Lebereinander und Untereinander, sondern des I n - einder auffußt. Dann stellte Dr. Hutten fest, daß der christliche Glaube mit einer völkisch gearteten Religiosität unvereinbar ist. Dem Evangelium wird kein rassengeschichtlicher Erklärungsversuch gerecht. In der völkischen Religion mit ihrem anthropozentischen Charakter, kann nur ein Abfall vom biblischen Gottesglauben gesehen werden. Ihre radikalste Ausprägung findet die völkische Religiosität im T a n n e n b e r g b u n d . über welchen Stadtpfarrer Dr. Prcssel, der Tübinger evangelische Studentenpfarrer, referierte. Er sieht in dieser vom Haus Ludendorf ausgehenden Bewegung ein Erzeugnis der Kriegs¬ Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Der Verband gesetzestreuer Synagogengemeinden Der Verband Preußischer Jüdischer Gemeinden )er Schwesternverband der U. O. B. B.-Logen Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Der! Landesverband Württemberg des Jüdischen Frauenbundes empfehlen ihren Mitgliedern nachdrücklichst den Beitritt zu dem Gemeinnützigen Verein Familienschutz Kleinste Monatsbaitriga von UM. 1.— an Höchste Leistungen I Vollkommene GarantienI Generalvertretung für Württemberg: Alfred Ullmann, Assekuranz, Stuttgart Kanonenweg 2 Telefon 263 73 und Nachkriegszeit, geboren in der Stunde der nationale» Not, aufgebaut auf dem Glaube» uu de» ideal geschaute» deutsche» Mensche». Freilich mußte Dr. Pressei zugebe», daß von diese», ursprüngliche» Idealismus heutzutage der Bewegung nur »och sehr wenig anhufte. Fr ging auch mit de» krasse» Entstellungen und gehässigen Angriffen, ja.'Beschimpfungen der Religion Jesu und der christliche» Kirche, welche sich Frau Ludendorff in ihrem Buch „Erlösung von Jesu Christo“ gestattet, schürf ins Gericht. Die bisherigen Vorträge und die Aussprache hatten eine weitgehende Uebereinstimmung der Teilnehmer in diese» brennende» Zeitfragen ergeben. Einen Mißt o n in den Verlauf des Kurses brachte der vierte Vortrag von Pfarrer Hil- /. i n g e r , der ebenfalls Geschäftsführer des Evangelischen Volkshundes ist. Sein Thema lautete ,.M o d e r n e r A n t i s e in i t i s in u s u n d das Alte Testament“. In seinem Referat griff er w eit über den Rühmen des Themas hinaus und schlachtete es zu einer allgemeinen Behandlung des Antisemitismus und der Juclenfruge aus. Wir hätten gewünscht, daß der Evangelische Volksbund, der eine gerechte und wahrhaftige Behandlung und Beurteilung aller in das deutsche Kultur- und Geistesleben eingreifenden religiösen und sittlichen Frügen der Gegenwart sich zur Aufgabe gemacht hat. dieses Referat nicht einem ausgesprochenen Anhänger des Antisemitismus übertragen hätte. Wir brauchen auf den Inhalt des Vortrags nicht weiter einzugehen. Fr hat Gediegenheit, gerechtes Urteil und g r ü n d I i di e G e s ch i ch t s k e n n tn i s s e v ermiss e n lasse n. Die alten, schon so und so oft widerlegten oder richtig gestellten Anklagen gegen das Judentum kehrten in ihm wieder. Als Hauptgegner trut Studtpfarrcr l.amparier, der > ersitzende des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, dem Referenten entgegen. Er wies diesem empfindliche Lücken in seinem geschichtlichen Wissen und Verständnis nach und wandte sich aufs entschiedenste gegen die Darstellung, als ob das Judentum unter dem Einfluß des Talmuds durch alle Jahrhunderte von Haß gegen das Christentum erfüllt gewesen sei und noch sei. Er betonte, wie ungerecht es sei. ganz allgemein im Judentum die Quelle und Ursache vom Niedergang des Deutschtums erblicken zu wollen. So weit es eine Judenfrage überhaupt gebe, sei sie durch den Antisemitismus ins Leben gerufen worden. Sie werde nicht auf dem Weg von Gewaltmaßregeln, welche Deutschland vor der ganzen Welt entehren würden, sondern nur auf dem Weg. der-uns durch die von den größten Religionsstiftern und den größten deutschen Dichtern und Denkern verkündeten Ideale der Gerechtigkeit. Wahrheit und Nächstenliebegewiesen sei. gelöst. Der Ferienkurs fand seinen versöhnenden Ausklung in dem lichtvollen, von echter Religiosität getragenen Vortrag des Geschäftsführers Springer über „F v a n g e I i u in u n d d e u ts ch e s S ch i ck s u 1“. Fr forderte ein allen Volksteilen gemeinsames Tragen des jetzigen-schweren Geschicks mit Beugung des Gewissens unter | Gottes Willen und den Kampf gegen die deutsche Selbstzerstörung. und mahnte Kirche und Kirchongeiiosse» zu eÜit deutsch-christlicher Selbstbesinnung. Yehudi Menuhin konzertiert in Stuttgart. Yehudi Menuhin. Amerikas geniales jü disches Geigen-Wunderkind, bedeutet eine gol «lene Seite im Buche der Musik. Presse und Publikum hüben ihm sowohl in der neuen wie in der alten Welt Ovationen ohnegleichen bereites Ein Kind an Jahren, spielt er nicht nur mit det- Technik eines reifen Meisters, sondern mit dem erhabenen Ausdruck des vollendeten Künstlers. Seit der Knabe Mozart alle Herzen bezaiuberte. ist ein solches Phänomen, das die ganze Welt fesselt, nicht wieder erschienen. Yehudi Menuhin. der wundervolle Zauberer auf der Geige, der die uneingeschränkten BejfullsbczeuguIlgen jeder Hörerschaft erweckt, ikt bei seiner vollendeten Künstlerschaft doch ein urgesunder Knabe, der sich an Sport und Spi -I begeistert. Lange Spaziergänge i^nd knabenhaft- Spiele nehmen einen guten Teil seines Tageslaufs ei n. Die größte Sorgfalt wird angewendet, um die Stuttgarter Bank Qlroa taHhm von Spareinlagen Rötet Zweigstellen« Charlottenstr. 1 / Heslach, SchickhardtstraBe 1 / Gablenberg, Hauptstraße 1 / Cannstatt, KOnlgstr. 43. Bequeme Gelegenheit kur zuverlässigen, gewissenhaften Erledigung aller einschiag. Geschäfte VTW5l«W»VTW»ltWH91» Fernsprecher 23636-39 Garantlekaplftal RH. 5000000.— Cannstatt 50014, 51450