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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-10-01 · 13 (1.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
13 (1.10.1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
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- 126 — Juwelen Gold Silber Große Auswahl aparter Neuheiten nur Werkstätten-Arbeit von auserlesenem Geschmack und solidester Qualität zu vorteilhaften und billigsten Preisen Stets Gelegenheitskäufe M enner Stuttgart, jetat Königstraße 25 Aus den Gemeinden des Landes. Zahl «riiuT K"U/ori-Auftreten /u beschränken. Manager nehmen nur ein besiinimlos Matt von f iigugeim-nt* fiir Yehudi in Amerika und Europa au. 1 'er knahe selbst erklärt, das Spielen im kmi/ert mache ihm Spalt. Beim Leben mei- -tert er eine schwierige Komposition in wenigen Munden und lernt sie im gleichen Zeitraum auswendig. Da* gleiche gilt für seine übrigen Studien. -einen l’ricatunterricht. Mathematik. Geschichte und Sprachen sind seine Lieblingsfacher. Sieben Monate werden jedes Jahr von ihm mit -einen Litern in cülliger Zurückgezogenheit von der (leffentlichkeit verlebt. Kr vertieft sich in da- Studium der Yiolin- Literatur mit Adolf Bus ch . dem berühmten deutschen Geiger. Yehudi Menuhin wurde am 22. Januar J91? in New Vurk geboren. Seine Litern waren als junge Lheleute Studenten an der New Yorker Universität. Ms er neun Monate alt war. wurde der Knabe von ihnen mit nach San Francisco genommen. Als außerordentliche Bewunderer der Mu- -ik obwohl beide selbst nicht ausübend —' wollten -ie den kon/ertmatineen des San Francisco-Orchestcrs beiwohnen. Außerstande, dem Kinde eine Wärterin zu geben, mußten sie den nur ein Jahr alten Yehudi dazu mitnehmen. Der Knabe lauschte entzückt und wurde nun regelmäßig in die Konzerte mitgenommen. Als er zwei Jahre alt war. war seine Vorliebe für die Geige bereits ausgesprochen. Mit drei Jahren erhielt er eine kleine Violine als Spiel zeug, die er sofort zerbrach, weil sie. wie er sagte. ..nicht richtig klänge“. Mit vier Jahren erhielt er regelrechten \ iolittunterricht bei Louis Per-inger. der ihn so wundervoll in die Kunst einführte. Mit sieben Jahren erschien Yehudi Menuhin in seinem ersten bedeutsamen Konzert mit dem -San Francisco-Symphonie-Orchester in dieser Stadt. Fr erweckte einen tiefen Eindruck und entfesselte enthusiastische Beifallsbezeugungen: ein Jahr später gab er ein Recital im Manhaiten Opera House. New York. Daran anschließend wurde er von’ seinen Eltern zu weiterem Studium zu dem berühmten rumänischen Geiger lind Komponisten George Enesco nach Paris gebracht. Es gab im folgenden Frühjahr ein sensationelles Debüt mit dem Lamoureux-Orchester in Paris. Das Programm umfaßte Tschaikowsky’s Konzert und Lalo's ..Symphonie Espagnole“. Mit zehn Jahren errang Yehudi in New York beispiellose Erfolge bei seinem ersten Auftreten mit dem New Yorker Symphonie-Orchester (dirigiert von Fritz Busch», wo er das Beethovenkonzort in unerhörter Vollendung spielte und die ganze Stadt in Taumel versetzte. Seitdem hat Yehudi Menuhin triumphale Erfolge in manchen der Hauptstädte Amerikas und in den großen Musikzentren Fluropas erlebt, wo er immer sein Publikum zu den unerhörtesten Beifallsbezeugungen hinriß. Dieser jüdische Wunderknabe konzertiert nun am 14 Oktober (siehe Anzeige S. 120) zum erstenmal in Stuttgart. Auch hier wird Menuhin Triumphe feiern. 0.8. Stuttgart. Si-tzung des Vorsteheramtesam 14. September. Der Vorsitzende, Oskar Rothschild, begrüßte die Erschienenen in der ersten Sitzung nach der Ferienpanse and sprach den Wunsch ans, daß die Mitglieder des Vorsteheramtes gekräftigt heimgekehrt sind. Er berichtete dann über das, was sich in der Zwischenzeit in der Gemeinde ereignet hat. Er sprach seine Freude darüber ans, daß Oberlehrer Adelsheimer wieder einen großen Teil seiner Dienstarbeit übernehmen konnte. Er machte dann Mitteilung über einige Austritte und Jahrtagstiftnngen. Dem Verein Agndas Achim, dem L.I.W. und dem J u - g e n d r i n g sind Zuwendungen gemacht worden. Bezirksrabbiner Dr. Tänzer, Göppingen, ist durch eine Abordnung der Glückwunsch der Gemeinde zu seinem Dienstjubiläum ausgesprochen worden. — Den Bericht der Finanza bt e i I u n g erstattete deren Vorsitzender Karl L e v i : Dem Fürsorgeamt mußten für die nächsten vier Monate 4000 Mk. zur Verfügung gestellt werden, von denen je 2000 Mk. am 1. September und am 1. Oktober zur Auszahlung gelangen sollen. Da die Mittel des Fürsorgeamtes völlig erschöpft sind, wird das Vorsteheramt einen Aufruf für diese jüdische Wohlfahrtszentrale an die Gemeinde richten. Auch dem L.I.W. mußtenfür die Durchwanderer 1000 Mk. bew illigt werden, von denen bereits 500 Mk. ausgezahlt sind. Für die Förderungen der Sozialanstalten der Gemeinde wünscht Dr. Flegenh e i m e r eine grundsätzliche Regelung durch den Oberrat. Karl Levi berichtet weiter, daß die Kosten für die Synagogenplätze um etwa 15 % herabgesetzt und für die Gottesdienste im Sieglehaus auf 4 Mk. angesetzt worden sind. Der städtische Zuschuß für die Kosten des Religionsunterrichtes ist auf 1500 Mk. verringert worden, anteilgemäß hat die Gemeinde einen Beitrag von 1890 Mk. erbeten. Lehrer Mottel hat um eine Entschädigung für die Vertretung des Gemeindeschächters nachgesucht: dieses Ersuchen ist abschlägig besehieden worden, weil die Gemeinde gerade für den Fall der Vertretung einen Beitrag zu seinem Gehalte bezahlt — Eine Neuherausgabe des Adreßbuches der Gemeinde ist vorbereitet: die Kosten werden etwa 1000 Mk. betragen: die Reklamewerbung soll durch das Fürsorgeamt erfolgen: die weitere Ordnung der Angelegenheit wird Arthur Essinger und Oberrechnungsrat Meyer übertragen. Der Katalog der Gemeindebibliothek soll veröffentlicht werden: die Vervielfältigung soll auf Antrag des Stadtrabbiners auf dem Rotaryapparat der Gemeinde hergestellt werden. Dr. Tänzer berichtet über ein Gesuch des Fabrikanten F ü r ch t e - g o 11 um Rückgabe des Grundstückstreifens, der bei Auflassung des auf seinem Grundstücke ruhenden Servitutes der Gemeinde für einen Notausgang aus der Synagoge überlassen worden war. Der Stadtrabbiner ersucht, aus Billigkeitsgründen dieser Bitte entgegenzukommen. Da aber wiederholt festgestellt wird, daß dieser Grundstückstreifen für einen Notausgang unentbehrlich ist und Fürchtegott ein entsprechender Geländestreifen überlassen worden ist, wird das Gesuch ablehnend besehieden. Dr. Tänzer berichtet weiter über einen Erlaß, betreffend die Vorauszahlungen der Steuereingänge an die Zentralkasse. Das Vorsteheramt ist nur bereit, nach Maßgabe seiner Mittel zinsfreie Steuervorauszahlungen bei voller Wahrung seines dargestellten Rechtsstandpunktes zu leisten. Als Vorsitzender der Jugendabteilung berichtet Dr. Tänzer über deren Arbeit. Die Jugendabteilung ist vor allem bemüht die Jugendlichen und Erwerbstätigen zu erfassen, die den Bünden nicht angehören. Die Jugendlichen sollen durch öffentliche Werbeversammlungen unter Anteilnahme der Eltern gewonnen werden, zu denen die Jugendbünde einladen wollen- Außerdem will die Jugendabteilunf: zwei Veranstaltungen veranlassen. welche die Jugendlichen und die erwerbstätige Jugend für jüdische Interessen werben sollen. Der Ansicht Dr. Flegenheimers, daß die Einberufer dieser Versammlung nicht die Gemeinde, sondern der Jugendring sein soll, schließt sich der Stadtrabbiner schon deshalb an, weil gerade die Agitation für die Bünde schon vom Standpunkt der Neutralität den im Jugendring zusammengefaßten Vereinen überlassen werden sollte. Ihrer Ansicht schließen sich Sanitätsrat Dr. Ries und Ludwig Stern an, während Oberrechnungsrat Meyer, Ludwig Ebstein, Arthur Essinger und Eduard Weil für den Antrag der Jugendabteilung eintreten. Der Vorsitzende empfiehlt der Jugendabteilung, im Interesse des Friedens ihren Antrag abzuändern. Die Jugendabteilung bleibt aber bei ihrer ersten Anregung; nur sollen dem Kleinen Rate vorher Rednerliste und Programme der Abende vorgelegt werden. In namentlicher Abstimmung wird beschlossen, daß das Vorsteheramt die zwei Veranstaltungen veranlassen soll, und daß das Programm der Abende im Kleinen Rate vorberaten und dann dem Vorsteheramte vorgelegt werden soll. — Der Bericht der UaterrichtsabteUung, für den Nichtöffentlichkeit vom Stadtrabbiner im Einverständnis mit dem Berichterstatter beantragt wurde, wird verschoben, da dieser Bericht zuvor ordnungsgemäß der Unterrichtsabteilung vorgetragen werden soll. — Die Beschlüsse der Gottesdienstabteilung, die sich auf die Ordnung des Gottesdienstes an den bevorstehenden Feiertagen beziehen, werden vom Stadtrabbiner vorgetragen und von der Versammlung angenommen. Eine kurze Aussprache über die Aufrechterhaltung der Ruhe während dieser Gottesdienste und über die Benutzung der zweiten Garderobe in der Synagoge schließt sich an. — Die Anträge der Friedhofsabteilung trägt Eduard Weil vor: Besondere Ansprachen lür Verstorbene aus der Gemeinde Gmünd sollen nur in Ausnahmefällen und auf besonderen Wunsch der Hinterbliebenen auf dem hiesigen Friedhof gehalten werden. Das Vorsteheramt erteilt der Abteilung Erlaubnis, Bänke auf dem Friefhofe nach eigenem Ermessen aufzustellen. Besonders wichtig war eine Aussprache über die Lage des der Israelitischen Gemeinde käuflich überlassenen Friedhofgeländes auf dem neuen Steinhaldenfelde. Die genaue Lage dieses Geländes ist vom Liegenschaftsamt baldigst festzustellen. — An die öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Aussprache an. Stuttgart. Mit einem Vortrag des Landtagsabgeordneten Johannes Fischer über ..Arbeit und L e b e n s g e s t a 11 u n g" eröffnete der Berthold Auerbach -Verein am 15. September sein Herbst- und Winterprogramm. Die Wahl dieses Themas für den Programmbeginn hatte einen besonderen Sinn. „Arbeit und Lcbensgestaltung“ — das ist nämlich das Motto, unter dem der B-A.V. nach den Begrüfiungsworten des I. Vorsitzenden. Redakteur Hans Stern heim, an die seiner wartenden Aufgaben herangeht. Mit der für ihn charakteristischen begeisterten und begeisternden Art entwickelte Johannes Fischer seine Anschauungen über Arbeit und? Lebcnsgestaltung aus dem Bereich seiner tiefreligiösen Grundeinstellung zu den Menschen und den Dingen. Der Referent wies in feinsinniger Weise nach, wie die modernen Produktions- und gesellschaftlichen Organisationsformen den Menschen immer mehr das innere seelische Verhältnis zu seiner Arbeit nehmen und ihn nicht mehr an den Segen seiner werklichen Mühe glauben lassen. An prachtvollen lebenswahren Beispielen zeigte der Referent, daß echte Lebensgestaltung stets aus dem Bewußtsein der Schöpferischkeit — und wenn sie noch so anspruchslos ist — fließt, daß eine Auffassung von der Arbeit in diesem Sinne erst wieder den Fluch menschlicher Haltlosigkeit auf allen Gebieten nehmen kann. — In voller Aufgeschlossenheit folgten die Zuhörer den Ausführungen des Redners, dem langanhaltender Beifall dankte. Auch der Vortrag des bekannten Feuilletonisten Alfred Auerbach. Frankfurt a. M.. über das Thema ..Von jüdischem Humor“ hatte das Interesse eines stattlichen Hörerkreises gefunden. Alfred Auerbach, der zur Familie des Schwabendichters Berthold Auerbach gehört, verstand es in vollendeter Weise, seinen Hörern einen Begriff von jenem „jüdischen“ Humor zu vermitteln, der weit davon entfernt ist, billiger Witz zu sein. Unter jüdischem Humor versteht Auerbach vielmehr jene warme, aus tiefster Seele strömende Heiterkeit, die dem Leben sieghaft entgegenblickt — aber doch irgendwie ein Wehmutgefühl mitschwingen läßt. Besser als es gelehrte Abhandlungen über die Natur des jüdischen Humors vermocht hätten, ließen Alfred Auerbachs mit liebenswürdiger Freude am Detail und fein andeutender Gestik vorgetragen literarischen Proben aus dem letzten Jahrhundert und der Neuzeit die Anwesenden fühlen, was wahrer jüdischer Humor ist. — Stürmischer Beifall dankte dem Referenten, der sich wiederum als feinsinniger Literat und geschmackvoller Rezitator bewiesen hatte. Wir machen unsere Leser noch auf die Veranstaltungen der ersten Oktoberhälfte besonders aufmerksam: Am 4. Oktobet spricht San.-Rat Dr. Karl Ries über „Gefahren der Entwicklungsjahre“. Auch für die Eltern bietet dieser Vortrag sicherlich äußerst Wertvolles. — Ueber „Zwangsarbeit und Inflation — oder freien Entfaltung aller Wirtschafskräfte?“ referiert cand. jur. Bert Kaufmann am 11. Oktober. Auch dieses hochaktuelle Thema dürfte starkes Interesse finden. (Siehe Anzeige Seite 120.) Stuttgart. Am Donnerstag, den 22. September, fand im Jugendheim der erste Gemeinsame Abend der jüdischen Jugend Stuttgarts statt, der einen recht erfreulichen Besuch aufwies. Es waren wohl an die 60—70 junge Leute gekommen. Nachdem von den Bünden, die diesen Abend einberufen hatten, zunächst der Zweck und Sinn derartiger Abende kurz erläutert worden war. wurden gemeinsame Lieder gesungen, an denen sich sehr rasch auch diejenigen betei-

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