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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-09-16 · 12 (16.9.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
12 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
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verstanden und sich mit ihnen verständlich I mache» konnten, eben die von ihnen so oft verspotteten und verachteten Ostjuden. Hätten sic par daran gedacht, daß diese Ostjuden Flüthtlinge aus ihrer deutschen Heimat waren, die in IkMitschland ein Jahrtausend gelebt, bis sie durch brutale Unduldsamkeit wegen des wahnsinnigen Märchens, daß sie den Rhein, die Donau, den Neckar vergiftet hätten, ihre deutsche Heimat \erlassen mußten, und daß diese Auslanddeutsihen ihre Muttersprache mit zäher Liebe ein halbes Jahrtausend treu bewahrt — sie würden diese Ost Jude» als Heimatbrüder in der fremde gewertet haben. Durch die Umwelt hat das Jiddische in Osteuropa slawische, im Orient arabische, in Nordamerika englische, in Südamerika spanische Elernente in sich aufnehmen müssen. Aber Kern und Gefüge der Sprache ist dennoch deutsch geblieben. Die Verwendung der hebräischen Sdiriftzeichen für das Jiddische ist allerdings für seine Erlernung und seinen Gebrauch hemmend. Aber die Krlernung des hebräischen Alphabets für diese» Zweck ist keine unüberwindbare Schwierigkeit. < - 107 - Vor allem sind aber die Ostjuden die geborenen Mittler der deutschen Kultur im Auslande, da sie fast ausnahmslos neben dem Jiddischen die Landessprache beherrschen. In den Vereinigten Staaten leben 75 000 jiddisch sprechende Farmer, Argentinien zählt solche 40 000 — Zahlen. die allein ihre Bedeutung bezeugen. Rechnet man 10 bis 12 Millionen jiddisch sprechende Menschen auf der Freie, so gewinnen diese Zahlen einen noch gesteigerten Wert. Allerdings zeigen sich schon im Osten Anzeichen des Niedergangs des Jiddische n. Ks ist also höchste Zeit, daß v » n I) e u t s ch I a n d a ii s die Förderung oder Ueberleitung des Jiddischen in das Neuhochdeutsche in Angriff genommen wird. Kloss schreibt: „Der Untergang des Jiddischen in Osteuropa würde den Verlust des letzten Herrschaftsgebietes der deutschen Sprache bedeuten“, hin Zusammenarbeiten des deutschen Auslundsinstitutes mit dem Jiddischen wissenschaftlichen Institut in Wilnu ist also dringlich geboten. Ks wäre ein Verlustlisten mehr in der deutschen Politik der letzten Jahrzehnte, wenn die ..Jargonpsychose“ diese Zusammenarbeit verzögern oder gar verhindern würde». Hebräisches in der deutschen Umgangssprache. Eine Spradutudie. Lieber den Kiiißiiß der Bibel auf das deutsche Denken und Kmpfinden gibt es ein umfangreiches Schrifttum. Am schönsten hat der Jenenser Rudolf K u de e n die geistesgeschichtliche Bedeutung der Bibel für das Deutschtum dargestellt. Wenig bekannt ist die Tatsuche, daß auch die dcut s ch e Umgangssprache eine nicht geringe Anzahl Worte dem Hebräischen entlehnt hat. Sie sind lebendige Zeugen dafür, daß das Gemeinschaftsleben christlicher und jüdischer Menschen zu solchem Sprachenaustausch geführt hat. Volkstümliche Bibelzitate enthält die deutsche Sprache allerdings nur wenige. Dem Schöpfungsberichte entlehnt sie das Bibelwort für Chaos ..Tohu wu-Bohu“ (I. Mose 1, 2) und der Belzasar- Krzählung das Mene mene tekel „gezählt, gezählt und zu leicht befunden“ (Daniel 5, 25). Das deutsche Wort Eden für Paradies ist der Bibel- Kr/.ählung von der Schöpfung entnommen. Das Urtier Lewiathan. das im Psalmen- und Hiobbuch genannt wird, lebt nicht nur in dem Schiffsnameu, sondern auch in der deutschen Sagendichtung als Riesenungeheuer. Das Himmelsbrot Manna ist neben dem Ausdruck „Rotte Koruhs" aus dem Wüstenwanderungsberichte in die deutsche Spruche hinübergewechselt. In die deutsche Gebetssprache sind die biblischem Worte Amen, Halieluia und Hosianna (hebräisch: hoschia-nu, „hilf doch“), in den Kalender die biblischen Bezeichn» eigen Subbath und Passah übernommen worden. Der Teufel ist in zwei hebräischen Gestalten ins Deutsche gewandert, als Satun .der Versucher“ und Beizebub „der Fliegengott“ der Philister. Dafür sind aber die Worte für Engel Seraphim ..Feuerengel“ und Cherubim „Trotteliger* ins Deutsche eingedrungen. Das Wort für Hölle Gehinnom und Gehenna, eigentlich Tal von Hinnom. gehört zum deutschen Sprachgut. Von den Gottesnumen der Bibel erseneint im Deutschen nur der Herr Zebaoth, eigentlich „der Herr der Heerscharen. Kabbala „Mystik“ und kabbalistisch „mystisch“ haben sich lleimatrecht in der deutschen Sprache erworben. Neben diesen aus der Bibelsprüche entnommenen Worten stehen Begriffe, die oft in einer seltsamen Verkleidung in die deutsche Sprache eingedrungen sind. Aus dem Neuen Testament ist das Wort Mammon, eine rein hebräische Bezeichnung für Goldmünze, in die deutsche Sprache eingedrungen. Neben ihm steht das Wort Moos, das nicht die bekannte Pflanze, sondern eine Verdeutschung des hebräischen Moos (Geld) ist. Das volkstümliche schofel ist ein hebräisches Lehnwort, da schoful im Hebräischen niedrig und wertlos bedeutet. Das angeblich deutsche Wort mies ist das hebräische inius „verächtlich“. Aus dem Hebräischen schemuos „Gerüchte“ ist das volkstümliche Schmus und das deutsche Zeitwort schmusen „schwätzen“ geworden. Seltsamerweise hat auch das hebräische dibber „reden“ als dibbern in das Deutsche Eingang gefunden. Das hebräische sachar „im Heritniziehen handeln“ ist das schriftdeutsche schachern geworden. Das Wort für Bauer und bäuerisch kaffer hat mit dem afrikanischen Schwarzen nichts zu tun. sondern ist das hebräische kufri „Bauer“, das vom Worte kefar „Dorf“ abgeleitet ist. Die deutsche Form Kaff ist eine Rückbildung, in der die zweite Silbe des hebräischen Wortes gleich wie eine deutsche Bildungssilbe fortgelassen ist. Dafür sind die Philister allerdings in einer aus Jena stammenden drolligen studentischen Verkleidung ins Deutsche hinübergewandelt. Der biblische Fürstenname Schclumiel hat sogar in der deutschen Schriftsprache als Peter Schlemihl Eingang gefunden. Bei «er engen Verflochtenheit mit der Bibel, die ja im deutschen „Fibel“ als Lehr- und Lesebuch auftritt, ist die Fülle der biblischen Eigennamen verständlich, die neben lateinischen und germanischen im Deutschen Verwendung gefunden hüben. Eine Reihe Fruuennamen. die als urdeutsch gelten, ist biblischen Ursprungs: Martha „die Herrin". Hanna „die Liebliche“, Susanna „die Lilie“. Hulda „das Wiesel“. Elisabeth „gottgelobt“. Maria ist aus Miriam über die griechische Umbildung Marianne geworden. Der Geschäftsverkehr brachte Worte wie Massel (Glück), eigentlich Glücksstern, ins Deutsche. das sogar in Schlimmasel „Unglück“ eine Weiterbildung erlebt hat. Musematten „Kauf und Verkauf", Tinnef „minderwertige Ware“, Pleite „zahlungsunfähig" sind so volkstümlich geworden, daß sie kaum noch als Fremdworte empfunden werden. Aus Pleite gehen „zahlungsunfähig werden" ist sogar in drolliger Lautverbindüng „flöten gehen“ geworden Andere solcher volkstümlicher Eindringlinge sind schikker „trunken“. meschugge „verdreht". Schaute „Narr“. Schtuß „Narretei“. Chammer „Esel“. Allerdings sind diese Worte bereits mehr dem Jargon als dem Hebräischen zuzuschreiben und werden im Deutschen als Jargonworte empfunden. Lieber diese kann einmal bei anderer Gelegenheit gesprochen werden. IN ITIITTQARTl Erstes Spezialgeschäft für Neuheiten aus Feinleder Geo.P. 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Man sieht an diesen Ziffern, besonders wenn man sie mit den entsprechenden Zahlen der vergangenen Jahre vergleicht, mit erschreckender Deutlichkeit, daß auch die Juden Württembergs von den bekannten Zerfallserscheinuttgcn. die an den deutschen Juden in den letzten Jahren wahrgeiiommen werden, nicht ausgeschlossen sind. Die Zahl der Geburten ist auch unter den württembergischen Juden in einem rapiden Rü ckgang begriffen, ln ständig sinkender Kurve ging die Geburtenzahl seit 192 t. von 170 auf 61 im Jahr zurück! Im Stadtrabbinut Stuttgart, aus dem die ersten vorliegenden Ziffern aus dem Jahre 1925 stammen, sank die Geburtenzahl von 1925 bis 1951 von 63 auf 31 Geburten im Jahr. Also in 6 Jahren um mehr als die Hälfte! Es entfallen im Jahre 1931 auf 1000 jüdische Einwohner in Württemberg und ebenso in Stuttgart nur 6 Geburten, eine Zahl, die selbst im Verhältnis zu Preußen als auffallend niedrig angesprochen werden muß: denn in Preußen entfielen im Jahre 1928 immer noch 10,8 Gehurte« auf 1000 jüdische Einwohner. Die Zahl der Sterbefälle, die während der Jahre 1923 bis 1926 zu rückging, ist seitdem wieder in ständiger Zunahme begriffen. Wenn wir im Jahre 1931 184 Sterbefülle in Württeinbexg gegen 156 im Jahre 1926 zählen, so ist diese Zunahme kaum auf eine Verschlechterung der Gesundheitsverhältnisse zurückzuführen. Der Grund hierfür liegt vielmehr in der Ve rii n d e - rung des Altersaufbaues. Die Bayerische Gemeindezeitung vom 15. August ds. Js. veröffcntüpht eine interessante Untersuchung über den Altersaufbau und die Bevölkerungsgliederung der jüdischen Kultusgemeinde Augsburg von Bezirksrabbiner Dr. Jakob. Hier wird für eine mittlere Gemeinde der klare, durch Schaubilder erhärtete Nachweis geliefert, daß der Altersaufbau unter der jüdischen Bevölkerung sich immer stärker zu Gunsten der älteren Jahrgänge verschiebt. Mun kann diese Feststellung unbedenklich verallgemeinern. du sie eine selbstverständliche Folge des Geburtenrückgangs ist,, der bei uns Juden ja bereits in den 80er._und 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingesetzt hat. Für das Jahr 1951 ergibt sich jedenfalls aus den vorliegenden Zahlen — 61 Geburten gegen 184 Sterbe fälle — eine erschreckend passive Bevölkerungsbilunz. Da weder mit einem Ende des Geburtenrückgangs, noch mit einer Besserung der Sterblichkeit in den nächsten Jahren zu rechnen ist, so ergibt sich zwingend die Folgerung, daß die jüdische Bevölkerung Württembergs sich weiterhin dezimiert, soweit nicht ein Ausgleich durch Zuwanderung geschaffen wird. Zu diesem natürlichen Verlust sind nun noch die Ausfälle hinzuzurechnen, die auch das württembergische Judentum infolge von Mischehen erleidet. Die Zahl der Eheschließungen selbst nimmt ja von Jahr zu Jahr rapid ab. 1921 wurden noch 150 jüdische Ehen in Württemberg geschlossen. 1931 waren es nur noch 52. Diese geringe Zahl ist zweifellos auch auf den Altersaufbau zurüdiczuführen. Die heiratsfähigen Jahrgänge sind schon jetzt bei den Juden besonders schwach besetzt: Heiratsunlustaus wirtschaftlichen Karpfen / Forellen / Krebse Rehwild / Feldhühner Gänse / Guten Poularden. Suppenhühner. Tauben Karl Krauth WädHdltbä« - Tal. 20241/42 und Cwititt. Bahnhofstuß« 8 Kartoffeln u. Zwiebeln bazlahan Sla von- Moritz Scher, KT»

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