Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 12 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
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ilrti; Mnixhi'ii c c-miittcln können. Darüber Imii: i' .11>< i blc-ibt fiir die jii<li«<he f rau die;n :>idi-ruiiu ln-«tt-hi-n. /»inzu iiben. d. ll. u- ,i vielt' \:• rI>< :tni. doch zurückhaltend und di i inneren \\ ertr« ~• I/ bewußte Iliiter: ri .- i- ■'•■in. Ein jüdischer Märtyrer christlichen Glaubens. Da-« Schick«al eines protestanlix-iien Geistlidien. di i L ■II •1/t r.ididt- :h ndert Jahre \c-r-! ll! d< : pt :e«tanti«the Pfarrer \ i- ■ » - in Genf iiii d> ' Judentum« M.irn n iiml er inen liat. Antoineder kleinen lotli-ingi'chcn Stadt n. >,!> -n mit fünf Janren wurde der * i-:!ej.en lie'tininit und «pater den! t/ieiinn- .nxerti >t. Alter «eine mailten dir peinlidte Erfahrung er al« Zwanzigjähriger unter dem refi.rniieTten Pa«tor« Ferri in Metz iti'inu« tilte-trat. Hiitel'tudien füllr- Jiideiitittn. Die Wahrheit de« Alten •- zwang dm «o «ehr in ihren Bann. . 1 i ü.dtlonati ton Met/-erkläre. Jude /n t'.illen. i.’.i« liabbinat aber wie« «ein i ab. Vntoine wandte sidi hierauf mit di' Bitte an Rabbiner in Holland und . :i . .r abet dl h:er dieselbe /iirtiek- «i-it. \ t den!«l Ii /in, ■:e . -!>?•■■ hierauf eine /eitlang al« Hau«-!■■! I nil ■- de« d heo|o:;ieprofc-«'or« i.i-nf. I r war dann kur/e /eit Lehrer (!• L_e.. 1 •■> niiia'iitm. konnte aber weiten -i i. •••t/i ri'dieti Aii'C-haiiungc-n die Stelle - i’iid ->- iphic[eofe"ot« an der Genfer l ni- ' . iiät lidit erl. Ilg, II. ' - m d,"en erhielt er eine kleine prote«tantiii- Pf.-rro in Dito,me. Hier \er«tuhte er. sein ■ a -i«- n. ow eit da« möglich. zu beruhigen. Fr \ It.n -a «eine innere /.erri'«enheit. betete für -i liebrV'th. hielt die jiidi«chen Bräuche- und b-bre -o ein t-iji« iitümliehe« Doppeldasein. Seine I’- diäten, deren : exte er dein Alten Testamente -.lim. machten ihn bald w.-it und breit beriiAmt. Aber -ii entbehrten jeder Beziehung /um ( hri'ientuin. des«en kulti'che Handlungen er iunlkh't mied. Die Bauern xerbitterten ihren i i'tor. dessen Beilen sie ltegeisterten. dessen > >,it> und .Nächstenliebe sie beglückte und wurdet! durch den auch ihnen auffallenden Mangel m pesiticeiii Christentum nicht gestört. An einem Sonntag predigte Antoine über den — 106 — zweiten Psalm, der nach der orthodoxen Auslegung eine Prophezeiung vom Kommen des Gottessohnes enthält. Offen erklärte Antoine, daß Gott keinen Sohn haben könne und daß es nur einen Gott gäbe. Der anwesende Gutsherr unterbrach die Rede und zeigte den Ketzer bei der Synode an. Antoine erlitt einen Nervenzusammenbruch. Vor Kollegen, die aus Genf zu ihm gekommen waren, um den Krkrankten zu besuchen, bekannte er sich offen als Jude. Man hielt ihn für wahnsinnig und führte ihn im Februar 1652 einer Nervenanstalt zu. Fr hörte aber nicht auf. seinen geistlichen Kollegen zu erklären, daß er Jude wäre und Jude bleiben wollte. So war die Anklage wegen Ketzerei nicht mehr aufzuhalten. Fr wurde in das Gefängnis nach Genf überführt. Auch jet/t taten seine Kollegen alles, ihn beim christlichen Glauben zu erhalten. Demgegenüber erklärte er in zwölf Artikeln sein Bekenntnis, das dem kirchlichen Gericht überantwortet wurde. Fs schloß sich eng an die dreizehn Glaubensartikel des Maimonides an. die er durch elf philosophische- Beweise gegen das Dogma um der Dreifaltigkeit ergänzte. Gleichzeitig unterbreitete er seinen Richtern drei I lenksdiriften. von denen noch zwe i erhalten sind. Die- Gerichtsxerhaiidlungen gegen ihn begannen am II. April. Antoines Haltung war voll Würde und erweckte allgemeine Sympathie. Aber die \ erouhe der Richter, ihn zur Rücknahme «einer (danbön««ät/e und zur Abschwörung seiner Ketzereien /u veranlassen, waren eben«!» xergeblich wie die Bitten seiner Kollegen. Fr blieb bei seinem ersten Bekenntnis: .1 ch b i n J u d cii ii il b i t t e n u r Gott u ni d i e Gnade, für das J u d e n t u in sterbe n /ii dürfen.” 13 geistliche Professoren wurden als/engen gegen ihn xernominen. Mehrere buten um ein mildes Urteil. Da Antoine nach ihrer Meinung keine Sünde begangen, wäre er lediglich mit Verbaunung oder schlimmstens mit FxkommunikatioD zu Itestrafen. Das Urteil sollte nicht übereilt werden, sondern zuvor sollten noch Gutachten von "Kirchen und Hochschulen eingeholt worden. Die Mehrzahl aber verlangte um den Richtern Antoines Bestrafung. Die Richter könnten doch einen Mann nicht straflos la««en. der sich /um Judentum Irekannt und dabei den Priesterrock getragen. Aber noch immer warteten die Richter auf Antoines Reue. Als sie nicht eintrat, wurde am 20. April 1652 das Urteil gefällt, daß Antoine erdrosselt und dann verbrannt werden sollte, \ergeblich baten seine Kollegen um den Aufschub der Fxekution. Sie erfolgte aber noch am gleichen Tage. Antoine «chritt in voller Ruhe dem Tode entgegen und «tarb mit de m Ge bet, daß der Gott Abrahams ihm gnädig sein möge. So «tarb ein christlicher Geistlicher als Märtyrer um des Judentums willen. — Die Bedeutung des Jiddischen für Deutschland. In einem Festartikel anläßlich der Einweihung des Auslandsinstitutes in Stuttgart „Vergessene A u s 1 a n d s d e u t s ch e“ wies die ..Cemeintlezoitung” auf die Tausende deutscher Juden hin. die während der furchtbaren ScJiwarzentodpogrome in dem Jahre 1348 bis 1331 nach Polen geflüchtet und die. ungleich den deutschen Auswanderern nach Amerika und Uebersee. sich mitten in einer slawischen Umwelt ihre deutsche Sprache, Kleidung und Sitte bewahrt hüben. Der Festaufsatz erinnerte an die zehn Millionen Juden in slawischen Ländern, die noch heute das Deutsche in der Form des 14. Jahrhunderts sprechen und diesen Sprachschatz nur unwesentlich durch slawische und hebräische Elemente erweitert haben. Obwohl die Festnummer dem Institut in mehreren Exemplaren eingesandt wurde, erfolgte weder eine Empfangsbestätigung, noch ein Hinweis auf diese „vergessenen Ausländsdeutschen“ in seinen mannigfachen Veröffentlichungen. Um so interessanter ist die Tatsache, daß im Jahre' 1929 Heinz K 1 o s s vom Stuttgarter Deutschen Auslandsinstitut in einer Veröffentlichung „Nebensprachen“ und hierauf 1950 in den von der Deutschen Akademiein München herausgegebenc-n ...Mitteilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums“ die Gedankengänge des damaligen Festartikels anfgenoinmen und auf die Bedeutung des Jiddischen für das Deutsche, - richtiger für Deutschland, hingewiesen. Er spricht von der „Jargonpsydiose“. von der systematischen Abneigung gegen alles Ostjüdische. die in Deutschland überwunden werden sollte, um das Blickfeld fiir die Bedeutung des Jiddischen für Deutschland freizumadu-n. Ihn unterstützt Dr. FranzThierfelderin demselben Hefte der genannten Mitteilungen in einem Aufsatz „Neue Wege zur Ausbreitung der deutschen Sprache im Ausland.“ Die Sorge um die Verbreitung der deutschen Sprache ist eine vaterländische Aufgabe. Gerade bei dein durch den unglücklichen Ausgang des Krieges geminderten Ansehen Deutschlands ist es patriotische Pflicht, den Zusammenhang der deutschsprachigen Minderheiten mit dem Muttcyrlande zu erhalten, zu verfestigen, und. wenn möglich. zu erweitern. Der Ausländer, der deutsch verstellt, wird auch den Beziehungen seines Landes zu Deutschland seine Anteilnahme widmen, er wird sich für deutsche Art und Sitte, für deutsches geistiges und kulturelles Leben, aber auch für deutsche Waren und Werte interessieren. Darum ist die Erhaltung der deutschen Sprachinseln im Auslände eine Angelegenheit, der Deutschland stärkere Aufmerksamkeit als bisher schenken muß. Die Möglichkeit, weitere Sprachgebiete für Deutschland zu gewinnen, darf nicht übersehen werden. Erst in den letzten Jahren hat sich Deutschland an diese Möglichkeit erinnert und den sogenannten schwäbischen Kolonien im Osten erhöhte Anteilnahme zugewandt. In der allerjüngsten Zeit werden auch die Nebensprachen, das Pennsylvaniadeutsch der Deutschamerikaner, das Afrikas und das Jiddische in den Bereich der deutschen Sprachenpolitik einbezogen. Das Jiddische ist kein Jargon, sondern e i n deutscher Dialekt mit strengen Sprachgesetzen. der ein eigenes ausgedehntes bedeu-^. lendes Schrifttum, eine große eigene Presse in^ drei Erdteilen, mehrere klassische Dichter und ein großes wissenschaftliches Institut in Wilna besitzt, das den sprachwissenschaftlichen Ausbau des Jiddischen in gelehrten Veröffentlichungen und stark besuchten Kongressen pflegt. Das Jiddische ist allerdings noch immer das Stiefkind im Kreise der deutschen Dialekte. Während des Krieges war es für die deutschen Truppen im slawischen Osten, im Rumänischen und im Orient keine geringe Ueberraschung, daß sie überall Menschen fanden, die ihre Sprache m Vereinigte Banhandwerker Sluflöarl Geschäftsstelle Filderstraße 55 - Telefon 70530 Ausffiluimg sfimil. BauaiHcUen Reparatur» instaniscfnmtf» Verlangen Sie kostenlose und unverbindliche Voranschläge Martha Dudt STUTTGART - MITTNACHTBAU Eingang Kronprinzstraße - Telefon 297 34 Spezialgeschäft fOr Lederhandschuhe, Stoffhandschuhe, Krawatten, Schals, Strümpfe und Herrenartikel Ausbesserung von Teppichen, Vorlagen Fachmännische u. reelle Bedienung durch J. B E H A R, GebelsbergstraBe 84 And. Jandinder MMMUr.SlMM« empfiehlt: Prächtige lebende Spiegelkarpfen u.Schleien Forellen nnd echte Bachforellen . 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