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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-09-16 · 12 (16.9.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
12 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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— 105 — GROSS- UND KLEIN-JUWELEN AUS EIGENER FABRIK IN PFORZHEIM SOLD- UND SILBERWAREN ORIENTPERLEN UND FEINSTE ZUCHTPERLEN BESTECKE / MODERNE UHREN APARTER MODESCHMUCK CHANUKKAH-LEUCHTER HÜ BSCHE GESCHENKE 6ELEGENHEITSKÄUFE JUWELIER ranz dq in .luHgarl KÖNIGSTR. 17. RUF 2S516 EIGENE FABRIK IN PFORZHEIM Preiswerte Anfertigung sowie Umarbeitung alten Schmucks nach eigenen oder gegebenen Entworfen. Kostenlose Beratung und aufmerksamste Bedienung. Reparaturen aller Art. schnell und billig In eigener Werkstatte. Auffadeln von Perlcolliers und Halsketten. Ankauf von altem Schmuck und Edelmetallen. Stets Eingang von Neuheiten und dauerndes Lager von Gelegenheltskaufen In Juwelen. erstens in der Vielfalt der aufgezählten Dinge, die eben vergeudet werden, zweitens aber in der eigenartigen erotischen Stimmung oder richtiger erotisierenden Tendenz, die dieser Vielfalt an Vergeudung und Verfeinerung zugrunde liegt. Aller Luxus besteht eben in einem Aufwand cielfältiger überschüssiger und überflüssiger Mittel, und die Geschichte des Luxus zeigt uns ganz deutlich die Entwicklungswege, die er gegangen ist. Früher waren es eben die Kirche, die Könige, die Fürsten, die im Grunde als einzige Träger des Ueberflusses in Frage kamen. Später kamen die großen Kaufherren und die Träger der kapitalistischen Entwicklung hinzu, und in dieser Entwicklung wurde schließlich mit dem Siege des Bürgertums der Luxus eben das Klassenreservat dieser Bürgerklasse. Sie bängte zwar ihrem Luxus das moralische Mäntelchen um. indem sie erklärte, der Luxus bringe das Geld unter die Leute. Das änderte aber nichts an dem verhängnisvollen Wege, den die Entwicklung weiterhin nahm. In dem Maße, wie der Luxus allgemeineres Gut vieler Menschen wurde, in demselben Maße wurde er erotisiert und fing selbst an zu erotisieren. Schließlich ist ja jeder Luxus, wie wir ihn heute sehen, eine Sadie, die mit dem menschlichen Körper zu tun hat: ob es sich um den Körper-, Kleider-, Wohnluxus handelt, die Sinnenlust ist immer dabei, und es ist interessant zu beobachten, wie die Macht des Luxus immer größer wurde in dem Muße, als die ganz im Dienste Gottes stehende mittelalterliche Minne und Liebe säkularisiert wurde. Als die Maitressen und Kurtisanen an den europäischen Höfen die Macht an sich rissen, als nicht das Weib, sondern das Weibchen zu regieren begann, wie sich Werner Sombart ausdrückt, der über den Luxus ein ganzes Buch geschrieben hat, da war die Stunde gekommen, wo auch der Luxus in weitestem Maße seine Herrschaft begann. Auch in der jüdischen Geschichte hat es Luxus gegeben. Vom jüdischen Altertum sprach ich schon. Aber wir wissen, daß zum Beispiel mit der hellenistischen Zivilisation und nachher mit dem Verfalle Roms entscheidende Einflüsse sich der jüdischen Welt in dieser Hinsicht bemächtigten, lm Mittelalter aber haben die sogenannten Kleiderordnungen. z. B. die von Köln aus dem Jahre 1404 oder die von Toledo I4>4, zwangsweise den persönlichen Luxus des jüdischen Menschen unmöglich gemacht. Da durften jüdische Frauen keine Verbrämung und keinen Schmuck trugen, und nur die jüdische Braut im ersten Jahre der Ehe verfügte über ein Ausnahmerecht. Hier wurde wirklich einmal aus Plage Wohltat. Erst mit der Säkularisierung des Judentums im Jahre 1789 begann der Luxus im jüdischen Lager eine Rolle zu zpielen. Es war nur zu natürlich, daß der Jude, ferngelialten von allen öffentlichen Aemtern und \\ ürden, für seinen Geltungstrieb der materiellen Mittel bedurfte und sie bedeutend zu entfalten verstund. Dazu kam natürlich, daß auch die jüdische Frau in dieser Entwicklung den erotisierenden Tendenzen der Zeit verfallen ist und leider Gottes, was die Schaustellung ihrer Mittel betraf, mit den Mitteln wirklich nicht spurte. Es heißt nicht ungerecht sein, wenn wir feststellen, daß der übertriebene Luxus »»bedächtiger jüdischer Frauen vielfach öffentliches Aergernis bereitet und der Geltung des jüdischen Namens in der Welt geschadet hat. Gerade heute, wo es für viele Kreise, die sich das schöne Ueberflüssige früher gerne gestattet hüben, nicht mehr möglich ist, sich das alles leisten zu können, sollte man nicht nur zur Besinnung kommen und nicht nur aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen Not eine neue Tugend machen, sondern gunz bewußt einmal die Augen uufmachen und, sich klar werden, was man ungerichtet hat und was jetzt zu bessern ist. Wir Juden sind ein altes Volk, und so alt wir sind, sind wir eigentlich immer ein zurückgezogenes Volk gewesen. Die höchste Tugend jüdischen Frauentums war das. was die V'üter mit dem hebräischen Ausdruck „Z'nius" benannten. Das wird gewöhnlich mit Keuschheit übersetzt, heißt aber in Wirklichkeit Verborgenheit. Dieser Begriff macht auf treffende Weise klar, was es mit dem Luxus für eine Bewandtnis hat. Er ist eben das Gegenteil von jener seelischen Verborgenheit, in der. die jüdische Frau noch bis vor nundertfünfzig Jahren lebte. Treffend spricht man von einer „Entfaltung“ des Luxus. Keuschheit setzt Sinnlichkeit voraus, aber es ist eben eine zusammengefaltete, verborgene Sinnlichkeit. Leberall, wo man entfaltet, was eigentlich nicht entfaltet werden sollte, wo man das Verborgene hinaus und zur Schau stellt, da übt der Luxus seine verheerende Wirkung aus. Was der Prophet Jesaias gesehen und erkannt hat.. nämlich die Vielfältigkeit der Mittel, die Verfeinerung und das Raffinement des einzelnen Schmuckdinges. die Vergeudung der Werte mn des erotisierenden. Zweckes w illen, das bestätigt der Luxus unserer Tage und das Bedürfnis nach ihm bis ins einzelne hinein. Mehr denn je muß der Jude deshalb der schweren Pflicht eingedenk sein, daß er nicht zu gelten habe, sondern daß es bei ihm um das Sein geht. Selbst in so schlechten Zeiten, wie wir sie heute crlelxni, mag es jedem gegönnt sein, jedem Manne, und selbstverständlich noch mehr jeder Frau, der ja nach dem talmudiscJien Worte „ein Quäntchen mit Leichtsinn mehr bedeutet als ein Scheffel mit Ernst", — ich wiederhole, es mag jedem gegönnt sein, sich am schönen Leberflüssige» zu erfreuen und die feinen subtilen Schwingungen mitzuerleben. die heitere Lebensart und leichter Sinn Werden Sie Mitglied der Stattgarter Volksbühne! Jeden Besuchergemeinden in den Württ. 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