Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 11 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
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- [Seite] (sequence 3)
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Kill „Drittes Reich“ würde vor dem Rechts- und \ irfassungsbruch nicht zurückschrecken. \V i 1 h e I in v o n S ch r u in m veröffentlicht soll ein Uegierungsprogramm unter dem he '-lehnenden Titel ..Radikale Politik, die Welt >- -.seits und jenseits des Bolschewismus“. Ohne Schrumins romantische Gedankengänge einehen, die ihn als einen reichlich naiven Polini.er kennzeichnen, ist doch seine. Auffassung >n der kommenden Entwicklung des Judentums , Deutschland nicht uninteressant. Kr ist iihereugt. dali die Gleichberechtigung der deutschen Juden der V ergangenheit angehört und (lall die* Juden wieder Schutzbürger wie vor der Kiiiun- /i|uition werden. Kr sieht voraus, dal! sich ein I eil der deutschen Juden vom Kiberulismus nicht lösen wird: ein anderer wird Schutz beim Bolschewismus. ein dritter beim Zentrum suchen. Die Juden im protestantischen Norden, vor allem in Berlin, werden dem Kommunismus verfallen, während sich die Juden im konservativem Siiddcutschland unter den Schutz der politischen \ertretung der katholischen Kirche* stellen we rden. Wie weit Schramm mit dieser Zukunftsschau recht hat. wird die Zukunft .entscheiden. Sie verlangt von den Juden in jedem Full starken W i I I e n . R U ck g r u t und Beken nertrol z Die Juden werden die müde Stimmung der Resignation in festen Tutwillen und kruftvolle Kampfentschlossenheit um wandeln müssen. Die Jüdische Rundschuii vom 8. Juni endet einen Leituufsutz: ..Das Judentum wird wieder werden müssen, was es im Grunde stets gewesen ist. bevor der Liberalismus und der Muteriulismus des 10. Jahrhunderts es verweichlichte*: eine trotzige Gluiihcnsmucht. die ihre Kruft aus ihrer 1-ehrc. ihrer Vergangenheit und ihrem Zukunftswillen — 93 - schöpft.“ Eine trotzige Gluubeusniacht im adelnden Bcwiilitsein ihrer hhrengcschichtc und in klarer Erkenntnis der \crpflichtiiiig der ihr unvertrauten Sendung: clusistdasZiikiinftsp r o g r u m ui d e r d c* u t s ch e n Jude n h e i t. Aber die Menschheit hat sich, wus die Re aktion übersieht, inzwischen gewandelt: die Juden werden nicht wie im Mittelalter allein im Kampfe gegen diese* Reaktion stehen. Auf ihrer Seite stehen als Kampfgenossen das liberale Bürgertum. der organisierte Arbeiterstund, die positiven religiösen Gemeinschaften, vor allem aber das W cltgew i s s e ii . das jede Jcidencntrechtung als eine n Rückfall in Barbarei und L nkii11iir brandmarken wird. Die Zeiten lassen sich nicht einfach zuriickschrauben. kulturfortschritie könuen eine kurze Zeit gehemmt, aber für die Dauer nicht uufgehniten werden. Die Rückkehr zu mittelalterlichen Zuständen wird versucht werden. Aber die Zeit geht über alle diese \ ersuche hinweg. Inzwischen sind Bindungen und Beziehungen entstanden, welche über die l.auclwsgrenzeii hinweg als Gcmeiiischuftstatsacht'ii der Menschheit anerkannt werden. Man kann in Deutschland nicht dekretieren, wus in der ganzen Ku11iirwc*lt als L*iikii11iir betrachtet wird. Die öffentliche Meinung ist eine Grolimucht geworden. Fs gibt ein \\ eltgew issen und eine- Wcltv erbiiiideuheit. die über allen ( hnuv iiiisnius triumphiert. Das ist ein schwacher Trost, aber doch ein freist gegenüber den Brutalitäten, mit denen die deutschen Juden zurzeit bedroht werden. Die Kulturinenschheit lauscht auf — Deutschlands Khre steht auf dem Spiel der Rückfall in die geplante Barbarei wäre nicht nur eine Schmach des Jahrhunderts, sie wäreeine deutsche Schmach! Die Einwanderung Israels in Kanaan. Von Dr. Elias Auerbach. Der Kurt \V o I f f Verlag in Berlin bringt in Bälde im Kähmen einer geplanten mehrbändigen „Geschichte Isi raels" ein „W ü s t c* und Gelobtes Land" betiteltes Werk von Dr. Elias A u e r b a ch heraus, dem der nachfolgende, uns vom Verlag zur Verfügung' gestellte Beitrag entnommen ist. Mit diesem Werk erscheint zum erstenmal eine Spezialabhandlung, die, wie der Verfasser sagt, die jüdische Geschichte behandelt mit „grundlegender Erkenntnis von den biblischen Quellen, mit der Erkenntnis vor allem, daß uns hier in weit größerem Ausmaß als bis jetzt geglaubt wurde, wirkliche Geschichtsquellen erster Ordnung und hohen Alters vorliegen**. Die Schriftleitung. Die* wande rnde* Völkerwelle, die* die* Israelite n aus der Steppe ins Fruchtlund Kanaan brachte, unterschied sich zunächst in nichts von ähnlichen Bewegungen, die ihr vorangingen und ihr nachfolgten — in nichts außer in ihren weltgeschichtlichen Folgen. Hier, wo die äußeren wirkenden Ursachen, die den schweifenden .Nomaden zum seßhaften Baue rn umschuffeii. durch Jahrtausende unverändert die gleichen bleiben und auf der gleichen geschichtlichen Bühne ablaufen, tritt klarer als sonst die Bedeutung der Volksper- - ö n I i ch k e i t für die Geschichte hervor. Die gleiche* Bewegung hat vor den Israeliten die Kanaanäer. Phönizier. Amoriter. Ilabiru. Moabiter und Ammoniter, nach ihnen die VJidiuniter. Aruinäcr, Edomiter, Nubatäer und Araber nach Palästina geführt, aber nur die Einwanderung der Israeliten bedeutet den Beginn einer neuen geschichtlichen, ja weltgeschichtlichen Epoche. Die Zeit des Einbruchs der Israeliten in Palästina läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit bestimmen. Die biblische Tradition von einem Aufenthalt der Israeliten oder mindestens von Teilen ihres Volkes in Aegypten geht, wie wir gesehen hüben, unzweifelhaft auf gute geschichtliche Erinnerungen zurück. Aber nicht nur dies: Die in II. Mos. I. II enthaltene Angabe, dal! die Israeliten an dem Bau der ,.\orratsstädte" Pitom und Raamses im Frondienst gearbeitet haben, findet in den Grabungen von Ed. Nav die und I lindeis Petrie. die diese* Städte* im östlichen Teil des Nildeltas aufgedeckt hüben! eine starke* Bestätigung. Durch Ziegelstempel und andere* archäologische Funde, die* au diesen Orten gemacht w urden, ist als ihr Erbauer Bumses II. sichcrgestcllt worden, dessen Regicrungszeit auf etwa 120» bis 1229 anzuset/cn ist. und von dem wir auch aus anderen Quellen vv issen. daß er bei seiner riesenhaften Bautätigkeit semitische Grenzstämme in großer Zahl zur Arbeit preßte. Fr ist so recht der König, der zur Gestalt des ..Pharao der Bedrückung und des Auszuges" paßt. Auf der anderen Seite* setzt die* von seinem Sohn und Nachfolger Merncphta (ea. 1229 bis 121 >) herrührende ..Israel-Stele" den Stamm Israels bereits in Kanaan oder mindestens im ()sljordanlande voraus. I in I2I> war also der Eintritt der Israeliten in das Land ihrer Zukunft bereits zur Tatsache geworden. Da aber die auch hierin durchaus glaubwürdige Tradition dazwischen noch einen etwa eine Generation dauernden Aufenthalt in .der Oase Kades au der Grenze zwischen Snai-Ilalbinsel und Südpalüslinu einfügt, werden wir die Abwanderung israelitischer Stämme aus dem Ostteil des .Nildeltas auf etwa UM) —IT>0. ihren Einbruch in Palästina auf etwa 12^0 1220 anzusetzen haben. Auf dieselbe Zeit werden wir durch die Rückschlüsse geführt, die wir aus der genealogischen Tradition der biblischen Nachrichten ziehen können. Die im 18. Kapitel des Richterbuches erzählte Gründung des Heiligtum von Dan ist. wie später gezeigt werden soll, kurz nach 1180 erfolgt. Der Gründer und erste Priester dieses Heiligtums. Jonatun ben Gcrsoni ben Mose, ist zu dieser Zeit noch ein jüngerer Mann, dürfte also etwa um 120> geboren sein. Wenn wir danach die Geburt seines Vaters Gersom. des ältesten Sohnes Möses, im Juhrzehnt 1240—12v0 annehmen. so würde* die Manneszeit Moses, den alle Berichte als Führer des Auszuges nennen, um die Mitte des lv. Jahrhunderts fallen. ParkottbodMi-Haiiwachs das anerkannt beste Hochglanz-Wadis, eig. Fabrikat, Kilodose RM. 1.65,'/» Kilodose -.85 Prima Bodan wachs auseig.Fabrikation Kilo RM. 1.—. '/.Kilo RM. —.50 Blütenweiße Wasche erzielen Sie mit meinem Spezialfabrikat Borax-Kamsaifanspdna das mildeste und ausgiebigste Waschmittel der Neuzeit Carl Haas, Seifenfabrik Kanzleistraße Nr. 12 — Hirschstraße Nr. 28 BaeMlungM durch Tal. 23426, Ltrtarung frei Haue BLUMENHAUS L.Gäckle Paulinenstr.31, Tel. 63199 Mitglied der europäischen Blumenspenden.Vermittlung Ihren Bedarf In Photo u. 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Azirti und ihr -n Nachfolgern zu verhindern und dem Fi ldriugen hebräischer Stämme (Hubiru) von der Wüste her entgegenzutreten, so fand auch jetzt, in den letzten Regieruugsjuhreii des hochbetugi eil Bumses II. nnd den ersten seines Nach folg;rs Vier nephtu. das Vordringen der Isruelitei keinen Widerstand durch die ägyptische Zcntnlgewalt. Ja. aus der Friiinerung der Israeliten st überhaupt die ägyptische Herrschaft über ’ulästina geschwunden, so daß cs sich wohl mehr um eine rechtliche Fiktion als um eine tutsächlic ic Herrschaft gehandelt haben wird. Möglich euch, daß Aegypten gegenüber den ewig unzuverlässigen Dy nasten Kanaans, genau wie anscheinend schon in der Amarnu-Zeit. das Aufkommen eines neuen Machtelementes neben diesen nicht unfern sah. Das Land selbst war durch die Zersplitterung in zahllose kloine und kleinste Stadther -schuften >öllig ohnmächtig und gegen ein unter entschlossener Führung vot dringendes, jagend kräftiges Finwandcrvolk so gut wie wehrlos. — Aller auch das Hethiter-Reich im Norden war bereits im Abstieg von der Höhe seiner Macht un i konnte au eine Ausdehnung nach Süden nicht denken: und Babylon hatte unter seiner kassitischen Fremdherrschuft aufgehört. ein Großf» sein und auf die politische Fntwicklung seiner engeren Landesgrenzen Kinfluß u So fiel die Einwuuderiing Israels in eint pause der W eltgeschichte". Nach der in der biblischen T radition ten Darstellung erfolgte der Finbruch taut zu . mßerhalb i iszuüben. ..Atem “stgelcgiim Ostjorclunlaiid her über Jericho in der Richjtiing auf das kcrnlund des Gebirges Fphruim. fallende Frschcinung. daß trotz des Punktes Kades. der .direkt südlich d joidaidandes liegt, der Angriff vom ( erfolgte*, hat naturgemäß auch die beschäftigt und ihre Krkläruug durch wendige Bestrafung des Volkes nach )ic* auf- Ahisgangs- Wcst-!steil her llrudition ine notier Aii**- seiicliing der Kundschafter und die Auierlegung dieses besonderen Umweges gefunden. In Lebet - eiiistimmimg damit weisen zahlreich * Traditionen in der Tut auf einen Anmarsch van Osten her (Baal Peer-Sage. Grab des Mose im Osijordanland. die Kämpfe mit den Amor lern und ihr Nachhall in der Jiphtah-GeschicliM*. Standlager im Gilgal östlich von Jericho). Demgegenüber aber ist die Frobeiung W estjordanlandes. wie sic* dann wirklich ist. und die Verteilung der israelitischen wie wir sic* nach dem ersten Finbruch stiint wirklich vorfinden. mit dieser Da des rfolgi Stämme. ii Paläi Stellung unvereinbar. Mit Jericho als Ausgangs »unkt ist Gebiete, militü inzwischen ■stiingen. vor allem die Eroberung der südlichen des Gebirges Juda und des Negeb. e ine geographische Unmöglichkeit. Denn d; schiebt sich e in Riegel kanaanüischer E der noch bis zur Zeit Sanis die Verbindung zw ischen Norden und Süden unterbrad der unbezw ungenen Feste Jerusalem die einzige gangbare Straße nach dem Süden spe* uUe. Nur auf dieser Straße, die über Belieben, un I Hebron auf der Wasserscheide südwärts läuft, war und ist noch heute — de r Durchzug ein *s Heeres möglich, zumul bei einem wandernden .Nomaden stumm, der Weiber. Kinder und Vieh i litfiihrtc*. Oestlich und westlich von diesem Gebirgsgrat laufen zahllose Quertiiler nach der Jorclansenke und mit \03er N ujf 9-AusltaU^