Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-09-01 · 11 (1.9.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
11 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4904101-5442797-5443251--3614-4907449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ßm&wsQM Verlangen Sie Preisliste 1932 SQBmost, Traubensäfte von höchstem gesundheitl. Wert FrMtmrwmit UlNtlN II, LtndcnspOratr. 38c. Femr.6347? iiidI di r Küstenc-bt-iie mul machen ein \ordriii- „ m.hIi Süden schlc-chtordiiigs undenkbar. I ü.-> >chw ie-rigke'it hat > d n a rd \l e y e r /u d> > \nnaliiiie geführt 'Nr. S. " ff.i. »lad die 1 raditionen. die ein Eindringen der Israeliten ion < Uten her iilier Jericho berichten— nur auf die \nrdMaiiiine. die ..l'iuelstämme". /ti be/ieiien -nid dal? daneben die Sücl'täinme. die ..Juclaotilliillie" auf' engste mit den Kclomitc-m /II- >a in men irelinreii mul in ihr Gebiet südlich von |ei ii-alem \i»m Nejreb her. wn 'ie lange vorher 'iluau 'allen, 'ich langsam und friedlich lor- .e>ilinl>eii haben, f ine nähen- Ke/iehnng dieser!leiden (>ruppen zueinander wäre danach erst duidi da' 'Königtum g,s,hallen worden, lind er'I — 94 — zu dieser/eit wäre dann audi die Tradition von der Eroberung Palästinas auf die Siidstämme mit übertragen worden. Aber diese Anschauung, die mit genialem Blick die grundlegende Unterscheidung zwischen Nord- und Südstämmen erfaßt hat. wird der fundamentalen Tatsache nicht gerecht, daß die Traditionen dieser beiden Stammgruppen von ihren ältesten Bestandteilen her in einein unlösbaren Zusammenhang miteinander stehen. Die Judäer gehören nach allen diesen Traditionen weit näher an. die Israelstämme heran als etwa die Etlomiter. und allein schon die Gemeinsamkeit des Jahwe-Glaubens und der Mose-Traditionen zeigt, daß die altem Anschauungen von einem ursprünglichen Zusammenhang der beiden Stammgruppen auf reale Tatsachen zuriiekgehen müssen. Kine Analysedes ältesten Kinw andern ngsberichtes. der uns im ersten Kapitel des Hichterhuches vorliegt, zeigt nun in der Tat. daß die Kiuwanderiiug der Israeliten in zwei getrennten Stößen erfolgte, deren einer vom Süden her längs der großen Bergstraßeauf das Gebirge Juda, deren anderer von Osten her über Jericho auf das-Gebirge hphraim führte. ' Zum 25jähr. Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Tänzer, Göppingen. i ■< ► * Kn sagt sich so leicht ..isjährige-s Anitsjubiläuni de s Rabbiners" und es bedeutet doch so viel, so unendlich viel: F.in Vierteljahrhundert Menschen seelsorgerisch betreuen. 25 Jahre lang Leid und Kreuel Aiifr der anvertrauten Gemeinde teb Jen. I rost und Aufrichtung in Stunden schwerster Heimsuchung spenden, der Jugend den Weg weisen. den Armen Helfer lind Berater sein. und. mehr als dies alles, der Gemeinde Gottes Wort künden, ihr das Licht der Thora erschließen — ihr füll rer sein! Wahrlich, eine herrliche Vulgabe. für den. de r ihr gerecht wird. KabhinerDr. Tänzer ward ihr ger c-ch t. Mit ganzem Herzen obliegt er seinem heiligen Beruf. Unermüdlich ist er sc-eisorgerisch tätig aber immer noch findet er die Zeit zu hervorragenden wissenschaltlichen Arbeiten. So ist es e i n e g a n z e dankbare Gemeinde, die se inen Ehrentag mit ihm feiert, ist es der weite Kreis seiner Freunde- und Verehrer, die zur festlichen Stunde sich ihm glück wünschend nahen. Auch die ..tiemeinde/eitung". in der so manches ernste, tiefe Wort aus seiner Feder stand, grüßt den hochverehrten Jubilar. * Anläßlich des on. Geburtstages von Uubbincr Dr. lati/cr haben wir seinen Lebenslauf wiedergegeben und seine wissenschaftliche Bedeutung gewürdigt. Wir wiederholen diese Ausführungen, iiin uii'erc n Lesern von neuem das Bild dieser trefflichen Persönlichkeit vor Augen zu führen. länzer ist aus einem altrabbinisclic-n Hause herv orgegangi'n. Sein 19)8 verstorbener \ ater war Rabbiner in mehreren ungarischen Gemeinden gewesen. Gründliche rahhinischc- Studien auf der berühmten Rabbinerliochschiile in Preßburg bereiteten ihn auf seine Amtsbetütigung vor. Seine akademischen Studien hat er in Berlin und Bern abgeschlossen, länzer ist seit dem I. September I90T als Babbiner in Göppingen tätig, nachdem er zuvor vom I. Dezember l^üh bis zum 28. Februar 1905 das Rabbinat von Hohenems ' \ orarlbc-rg) und von da an bis zum vl.Aug. 1907 das Rabbinat in Meran vorbildlich verwaltet hat. I.' ist für die ernste Auffassung läuzers von 'einem Amte bezeichnend, daß er sich im ersten Kriegsjahre freiwillig zum Heeresdienst meldete lind bis zum Schluß des Krieges als Armecrahbiner der Bug-Armee und zuletzt in Kiew eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltete. Hohes Ansehen genießt er in der wissenschaftlicht-n Welt. Seine Streitschrift ..Die Mischehe in _ Religion. Geschichte und Statistik (Berlin r9lv)“. sein Aufsatz, über die Organisation der jüdischen WanderarmenfUrsorge in Deutschland (Zeitschrift für das Armenwesen XV.). sein Vortrag .Judentum und Entwicklungsjahre (Berlin 1903)“ im berühmten Babel- und Bibelstreit sind charakteristische Ac-ußerungen eines Xeuzeitrabbinc-rs. Darübe r hinaus ist aber Tänzer ein hervorragender Mitarbeiter auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte gewesen. Seine urchivalischen Studien kennzeichnen den gründlichen Gelehrten: seine vorsichtigen Schlüsse offenbaren pragmatisches Feingefühl. Seine Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg (Meran 1905). sein Buch über Brest-Litowsk (Berlin 1917). vor allem aber seine Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen (Stuttgart 1928) sind Zeugnisse sorgfältiger Kritik und lebendiger Darstellung. Auch seine Darstellung der Philosophie Josef Allio's «Frankfurt 1896) ist rühmend zu erwähnen. Zum Ableben von Dr. Franz Hirsch, Ulm. Mit Dr. mc d. Franz Hirsch, von dessen plötzlichem Ableben wir unsere Leser bereits unterrichtet habe n, ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der eine kaum ausfüllbare Lücke iiinterläßt. Als Vorsitzender des Landesverbands Württemberg des „K eichsband jüdischer Frpntsoldate n“. der Ortsgruppe Ulm-Neul Im des R.j.F„ als Aasschußmitglied der Ortsgruppe- L'lm-Neu-Ulm des „C entral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen (■laiiben>~ hat Dr. Franz Hirsch sich um unsere engere und weitere Gemeinschaft solch große Verdienste erworben, daß sein Name unvergessen bleibt und er den Nachfahren als leuchtendes Vorbild treuer Kameradschaft, echtjüdischen Gemeinschaftsgeistes und vaterländischer Treue lebendig sein wird. Was Dr. Franz Hirsch in seinem Berufe, den er mit tiefster Hingabe und hohem menschlichen Mitempfinden ausübte, leistete, davon zeugt die tiefe Trauer seiner zahlreichen Patienten. Sein freundliches, offenes Wesen paßte so recht zu einem Mann, der kranke Mitmenschen zu betreuen hätte. Die großen Sympathien für den Verstorbenen fanden nochmals ihren besonderen Aasdruck in dem zahlreichen Trauergefolge, das Dr. Franz Hirsch die letzte Ehre erwies. Dr. Franz Hirsch wurde am 1. Oktober 1879 in Hanau geboren. Nach Absolvierung des dortigen Gymnasiums studierte er in Berlin und Freiburg. An der Freiburger Universität legte er sein Physikum und Staatsexamen ab. Seiner Dienstpflicht genügte er bei einem Münchner Infanterieregiment Er nahm als Frontarzt im Westen und Osten am Weltkrieg teil und wurde mit dem E.K. II, dem Friedrichsorden and der Roten Kreuz-Medaille ausgezeichnet. — Den Landesverband Württembergs sowie die Ortsgruppe Ulm-Neu-Ulm des R.j.F. leitete er seit deren Gründung; seit Kriegsende betätigte er sich auch im Ortsausschuß des C.V. Ebensolange war er Vorsitzender der Ulmer Ortsgruppe der „Gesellschaft zur Bekämpfung der Gesdiledits- Krankheiten“. Am Donnerstag, den 11. August, fand im Ulmer Krematorium die Trauerfeier für Dr. Franz Hirsch statt. Die Gedenkrede hielt Bezirksrabbiner Dr. C o h n. Unter Zugrundelegung des Bibelworts „Der Gerechte lebt d u r di sein e Treu e“ schilderte der Geistliche in einem ergreifenden Nachruf Dr. Franz Hirsch als eineu Mann, der seinem Leben einen wertvollen und segensreichen Inhalt gegeben, als citte Persünlichkeit von echt vaterländischer Empfindling. als Soldaten, der als Frontarzt dem A atei landewertvolle Dienste im Weltkriege geleistc batte. Dr. Cohn, rühmte den Verstorbenen zu gleich als selbstbewußten Juden, der mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit und glänzenden Rednergabe unermüdlich gegen die Verunglimpfung des jüdischen Frontsoldaten und des Judentums kämpfte. Seine tiefe Menschen liebe kam nicht nur in seiner ärztlichen Tätigkeit. sondern auch in seinem öffentlichen Wirken zum Ausdruck. Stets war er darauf bedacht, durch W ort und Schrift im Sinne der Ulmer Ortsgruppe des ..Vereins zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten“ aufklärend zu wirken. Nach Rabbiner Dr. Cohn sprachen Rechtsanw alt Dr. M o o s I als Vorsitzender der Ortsgruppe de s C.A.. Dr. Kuders als Vertreter des Ulmer Aerztevereins, Augenarzt Dr. Hart int Auftrag des Aerztlicheu Bezirksverbands. Für die Bundesleitung des R.j.F. sprach Rechtsanwalt Dr. K a n n , Frankfurt a.M., als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands Württembergs des R.j.F. Rechtsanwalt Dr. 8. Merz hach er, Stuttgart. Beide Redner rühmten die heiße Vaterlandsliebe des Verstorbenen und die Treue, die er seinen Kameraden gehalten. Der R.J.F. und alle seine Mitglieder würden dem toten Kameraden auch ihrerseits über das Grab hinaus die Treue bewahren und sich bemühen, an dem von ihm geschaffenen Werke im Kampf um die Ehreder 12 000 gefallenen jüdischen Kameraden und des deutschen Judentums unbeirrt weiter/.uarbeiten. Für die Ulmer Ortsgruppe des R.j.F. sprach Oberlehrer A d 1 e r . der betonte, daß mit dem Heimgegangenen ein geradezu unersetzlicher Führer verlorengegangc-n sei. Für den Kriegerverein ..Königin Olga" entbot Oberst Eberhard den letzten Gruß. Unter den üblichen militärischen Ehrenbezeugungen senkte sich der Sarg in die Tiefe. „Werkleute". Bund deutsch-jüdischer Jugend. Die ehemalige Stuttgarter Ortsgruppe des Deutsch - jüdischen Wanderbnnds „Kameraden“ hat sich nach Auflösung des Gesamtverbands, über die wir vor einiger Zeit an dieser Stelle berichteten, unter der Bezeichnung „Werkleute“ neu konstituiert. Von der Stuttgarter Ortsgruppe der „Werkleute“ werden wir nm Aufnahme des folgenden programmatischen Artikels gebeten. Die Schriftleitung. Nach der Auflösung des Kameradenbundes haben wir uns mit einer Reihe von anderen Ortsgruppen unter der Führung von Hermann G e r s o n , Berlin, zusammengeschlossen. Ausgangspunkt für diesen neuen Bund ist. die Ueberzeugung, daß die innerste Neugestaltung menschlichen Zusammenlebens — und das ist uns die wichtigste Aufgabe — an der Lebensgestaltung der Einzelnen hangt, daß sie also nie allein durch irgendeinen „Systemwechsel“, unabhängig von der Verantwortung jedes Menschen, herbeigeführt werden kann. Es geht uns, gegenüber der immer weiter um sich greifenden Unordnung und Sinnlosigkeit des persönlichen Lebens, zuerst um bewußte- Lebens f ü h r u n g.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.