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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-08-01 · 9 (1.8.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
9 (1.8.1932)
Date
1932-08-01
Page
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— ba DAS HAUS FÜR JUWELEN. GOLDu. SILBERWAREN. BESTECKE. UHREN. MODESCHMUCK Stuttgart / Königair. 17 Die Austreibung der Juden aus Spanien Tivlmh boaw 1492. Dt*r nachstehende Artikel ist der Sdbstbio^raphie des Don Isaak Abra\anel in seiner Einleitung zur Erklärung der „Bücher der Könige" entnommen. Die Schriftleitung. ... VII dies geschah am Anfang des 244sten Jahres des sechsten Jahrtausends der Schöpfung. Eben als ich den Kommentar zu den Büchern der Könige beginnen wollte, ward ich zu dein mächtigsten der Hirsten. /u dein Könige \on Spanien, berufen, der herrschte über die Reiche Ca-tiLia. Aragon. ( atalonia. Si/ilia und andere Inseln. Ich kam an den Hof des Königs und der Königin, stand ihnen nahe lange /.eit. und es ließ der Herr mich Gnade finden in ihren Augen und in den Augen der Edlen, die den höchsten Rang cinnuhmen im Rate, und ich war beschäftigt in ihrem Dienste acht Jahre. Aber im neunten Jahre, das ist im Jahre der Schöpfung, eroberte der König \on Spanien das ganze Reich Granada und die mächtige, \iel- In-cülkerte. hochberiihmte Hauptstadt desselben, und in seinem L'ebermute ward er anderen Sinnes. Da er die Eroberung seinem Gotte zuschrieb. sagte er zu sich selbst: Wodurch könnte ich wohl meinem Gotte, der mich mit Kraft ausgerüstet z.um Kriege, wohlgefälliger erscheinen, wie dankbarer mich erweisen meinem Schöpfer, der diese- Stadt in meine Gewalt gegeben, als indem ich unter seinen Schutz bringe das Volk, welches im finstern wandelt, die zerstreute Herde Israels, die abtrünnige Dichter zurück - fnhre zu seinem |Glauhen oder sie hinweg», treibe in ein anderes Kantl. daß shnicht ferner in meinem Lande wohnen und nicht bestehen vor meinen Augen? — — /u jf-ner Zeit befand ich mich an dem Hofe — 76 — des Königs und mühete mich ab mit Bitten, dreimal flehete ich vor ihm und sprach: Hilf, o König, warum willst du so mit deinen Knechten verfahren? Lege uns doch auf. daß wir Gaben und Geschenke bringen, und was einer aus dem Hause Israel besitzt, das wird er hingeben um sein Land. Ich wandte mich an meine Freunde, welche die Gunst des Königs besaßen, daß sie bäten für mein Volk, und die Vornehmsten redeten vereint dem Könige mit aller Madit zu. daß er jene Befehle des Zornes zurücknehmen und seinen Vorsatz zur Vernichtung der Juden aufgeben möge. Aber wie die taube Otter verschloß er sein Ohr. und wollte niemandem antworten. Auch stand die Königin mit mächtiger Beredsamkeit ihm zur Seite und bestärkte ihn darin, das einmal begonnene Werk auszuführen. Und so bemühten wir uns ohne Erfolg. Ich hatte nicht Frieden, nicht Ruhe noch Rast, aber das Unglück kam dennoch. Und das Volk trauerte, als es die böse Nachricht erfuhr, und überall, wo des Königs Befe hl bekannt ward, da sah man große Trauer bei den Juden, und es war Schrecken und Angst, wie dergleichen nicht gewesen, seit Jehudu vertrieben ward aus seinem Lande in die Fremde. Und einer sprach zum andern: Wir wollen einander stärken in unserem Glauben und in der Lehre unseres Gottes cor der Stimme der Lästerer, vor dem tobenden Feinde. Lassen sie uns um Leben, so leiten wir. und teilen sie uns. so wollen wir umkommen, aber nimmer unseren Bund entweihen und unser Herz abwendig machen, sondern wandeln im Namen Gottes, unseres Herrn. Und so zog es aus. unfähig zum Widerstande, das Volk, in dessen Mitte icli war. dreihunderttausend Fußgänger, jung und alt. mit Frauen und Kindern, an einem Tage aus all den Reichen des Königs: wohin der. Geist sie zu gehen trieb, dahin gingen sie. und ihr König zog ihnen voran. Gott an ihrer Spitze. Der rief aus: Gott gehöre ich an! und der widmete dem Herren seine Kraft. Einige gingen nach den nahe gelegenen Reichen Portugal und Navarra, aber bitteres Leid, schweres finsteres Unglück traf sie überall. Raubgier und Hungersnot und Pest: einige begaben sich auf das Meer und suchten in den Wogen einen Pfad: — — unter diesen, die sich einem Schiffe anvertrauten, war auch ich. und so kam ich mit den übrigen Ausgewanderten, mit meinen Kindern und mit meiner Frau hierher nach dem gepriesenen Napoli, dessen Könige huldvoll sind, in dem Jahre >2t» der Schöpfung. ... „HO LANKA“ ist Qualitätsbegriff für KAFFEE, TEE und KAKAO Sie kaufen nicht nur hochwertig, sondern auch besonders preiswert und erhalten noch 4S Rabatt J Gl 15V KAFFEE-GROSSRÖSTEREI GUSTAV HUNZELMANN Kaffee- und Tee-Import Könlgstr. 45, beim Wilhelmsbau, Fernruf 204 58/59 Zum 85. Geburtstag Max Liebermanns. „Nur wer den Odem Gottes in der Natur spürt, wird in Wirklichkeit lebendig gestalten können.“ In diesen Worten hat der große Maler Max Liebermann, der am 20. Juli seinen 85. Geburtstag in voller Geisteskraft hat feiern dürfen, das Tiefste seiner Kunst enthüllt, in der sich höchste Empfindsamkeit gegenüber allen Erscheinungen der Natur, das elementare Erlebnis ihrer Wirklichkeit und zugleich die meisternde Gestaltungskraft höchsten Künstlertums offenbar! Die Kunst ist ihm bewegtes Leben, frei von aller dog- ÄRZTETAFEL FrMKfiklliiK'L PrtvalCftlbUMhutgslietaft^ S. Hayer Stuttgart, Schönlalnstr. 27 Leitender Arzt: Dr. Gänssle Facharzt ttr Frauenkrankheit» aad Cebartshilfe Verpflegungssätze wie in den Offentl. Krankenanstalten r Dr, med, Fritz Reif > Facharzt für Erkrankungen der Haut und Hamorgane jetzt Eberhardstrasse 10 Eberhardbau, Fernsprecher 24 7IS (-> Nach dem Tode meines lieben Kollegen Dr. med. Moritz Tannhauser für den ich die Praxis bereits vier Jahre als Vertreter und Teilhaber führte, übe ich sie jetzt in den seitherigen Räumen König, strafte 45 allein aus. Dr. med. H. Schöbet Facharzt för Hautleiden Zu allen Kassen zugelassen Papierand Zeitsduiiten-Zentrale CatwaratraOa 58 ^MtnSrtarf / eerrtsnami 3fHt#rtftra MoMsanMl* Preisabbau! Zahn 3 GoM Mk. I 20kar. 18 Mk. kröne / 22kar. 18 Mk. Füllung» 2-5 Mk. Plattenloser Zahnersatz mL lir—i fraUrtdl Dentis« Hans Mahaka Schonendste 8 BI Zahhntgt- V Behcmdhrno 9—L 3—7_Rrlrtchtrrung An die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Stuttgart. Mit unserem Schreiben vom 27. Juni d. J. haben wir den Gemeindemitgliedern von unserer Anfrage an die Inserenten des durch die NSDAP herausgegebenen «Führers durch die deutschen Geschäfte*' Kenntnis gegeben. Die Anfrage fand ein vielseitiges Echo. Die überwiegende Mehrheit der in dem nationalsozialistischen Führer genannten Firmen rückte in der Erkenntnis von der wirtschaftlichen Verflochtenheit aller Volksteile deutlich von der antisemitischen Einkleidung des Verzeichnisses ab. Nur das Stuttgarter nationalsozialistische Organ schlug in einem Artikel gegen die sogenannten „Boykottdrohungen des Centralvereins" zwecks „Lösung der den Centralverein so arg in Harnisch gebrachten Frage" (I) einen Verzicht sämtlicher deutscher Geschäfte auf jüdische Kundschaft vor. Ueberraschenderweise nahm auch die Hauptschriftleitung dieses Blattes die Sache zum Aniah, dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu schreiben, nicht ohne in echt nationalsozialistischem Ton Drohungen auszusprechen. Nahezu alle Antworten der Firmen haben die durch die nationalsozialistische Kampfesweise veranlasse Anfrage des Centralvereins gerechtfertigt Was wir in unserem Schreiben an die Gemeindemitglieder zum Ausdruck brachten, hat sich als richtig erwiesen: Viele Geschäfte betonen, daß sie sich nur in dem guten Glauben, es handle sich um eine reine Mittelstandsaktion, in das Verzeichnis haben aufnehmen lassen; sehr viele weisen ausdrücklich jede antisemitische Gesinnung weit von sich. Diese Antworten ermöglichen erfreulicherweise und wunschgemäß die Aufrechterhaltung alter Geschäftsbeziehungen, Kein billig und gerecht Denkender wird es jedoch einem Juden verargen, der ein Geschäft meidet, das auf jüdische Kundschaft ausdrücklich verzichtet. Das Einverständnis des antisemitischen Geschäftsmanns schließt jede Rechtswidrigkeit aus; mit Boykott hat das nichts zu tun. Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Ortsgruppe Stuttgart.

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