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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-07-16 · 8 (16.7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
8 (16.7.1932)
Date
1932-07-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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sdiiedenen Orten Südrußlands nach Odessa und Eupatoria ab. Schließlich blieb nur noch die Familie des Chacham. ihres Rabbiners, am Platze. Der Friedhof der Karäer macht einen düster ernsten Eindruck, der nur durch die stattlichen Cypressen ein wenig gemildert wird. Und doch ist das Bild des Wohnplatzes noch niederd rückender als der Anblick des Friedhofes. Ist doch heute nur noch ein einziges Haus, das des Chacham, bewohnt In der Nähe dieses Hauses steht die winzig kleine Synagoge. Ihre Ausstattung ist überbescheiden. Aber sie birgt eine Reihe kostbarer für den Gottesdienst bestimmter Geräte, Geschenke der russischen Kaiser. Die Karäer haben sich ja stets des besonderen Wohlwollens der Zaren erfreut, die ihre Gnade durch diese Weihgeschenke bewiesen haben. .Für die Besuche der Mitglieder des kaiserlichen Hauses ist sogar neben der W ohnung des Chacham ein besonderes Empfangshaus erbaut worden. Seine Hauptausstattung besteht in einer Reihe wertvoller Oelgemälde der russischen Kaiser seit Katharina II. Die Niederlassung kann man nur durch zwei Tore, ein Westtor und ein Osttor, betreten. Das Westtor ist nur für Fußgänger, das Osttor auch für Wagen bestimmt. Die beiden Tore sind durch eine feste Mauer mit Zinnen und Bastionen verbunden, so daß Tschufut-Kaleh den Eindruck einer Festung macht. Aber auch die Mauer und die Tore sind verfallen. Die Karäer betrachten jedoch den Ort noch immer als eine heilige Stätte und sorgen für seine Erhaltung. Aber auch ihre Zahl nimmt von Jahr zu Jahr ab. Neben den kleinen südrussischen Karäergemeinden und der Hauptgemeinde zu Odessa gibt es allerdings viele Karäergemeinsdiaften, so in Riga. Halicz in Galizien und vor allem in Jerusalem, die stolz auf ihre ehrwürdigen Ueberlieferungen sind und ihren Ritus und Kultus strengstens befolgen. Dr. Robert Hirsch, Ulm 75 Jahre alt. Am 10. Juli hat der Senior der Ulmer Rechtsanwälte, R A. Dr. Robert Hirsch, in beglückender körperlicher und geistiger Frische seinen 75. Geburtstag gefeiert. Schon während seines Studiums an der Universität Tübingen erhielt der hervorragende Jurist einen akademischen Preis für die erfolgreiche Lösung einer wissenschaftlichen Ausschreibung. Sein Hochschulstudium und seine Referendarzeit beendete der Jubilar so rasch, daß er schon mit 21 Jahren im Staatsdienst Verwendung fand. Trotz seiner allseits anerkannten besonderen Fähigkeiten hat es das WUrttembergische Justizministerium damals abgelehnt, die endgültige Ernennung eines Juden zum Beamten auszusprechen; als Dr. Robert Hirsch dies nach siebenjähriger Dienstleistung erfuhr, hat er sich in Ulm als Rechtsanwalt niedergelassen und in seinem neuen Wirkungskreis volle Befriedigung gefunden. Geschätzt und geehrt von allen, die mit ihm in nähere Berührung kamen und Gelegenheit hatten, seinen offenen und lauteren Charakter kennen zu lernen, wurde Dr. Robert Hirsch bald der vielgesuchte Vertreter von Angehörigen aller Kreise und Konfessionen. So hatte er häufig Gelegenheit, seine Kräfte in die Dienste der Allgemeinheit zu stellen. Viele junge Rechtsbeflissene, die heute zum Teil hone Staatsstellungen bekleiden, halten sich in seiner Praxis hervorragend geschult, und auch heute noch macht es dem verehrten Jubilar Freude, jüngeren Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Auch als Verfasser mehrerer juristischer Werke sowie als Mitarbeiter zahlreicher wissenschaftlicher Fachzeitschriften hat Dr. Robert Hirsch sich weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus hohen Ruf erworben. Das Vertrauen seiner Mitbürger hat dem Jubilar viele Ehrenämter übertragen. Mehr als 30 Jahre lang war er Mitglied des I s r. Vorsteheramts; nach dem Ableben von Rabbiner Dr. F r i e d, dem ersten Geistlichen der Gemeinde Ulm, hat er bis zur Wiederbesetzung dieses Amtes lange Zeit die Gemeindeangelegenheiten in seiner gewohnt gewissenhaften Weise besorgt. Das Staatsgesetz über die Kirchenverfassung unserer Religionsgesellschaft geht zu einem wesentlichen Teil auf seine Initiative und seine Anträge an den Landtag zurück. 1923 wurde Dr. Robert Hirsch zum öffentlichen Notar ernannt und im letzten Herbst hat die juristische Fakultät der Universität Tübingen die vor 50 Jahren erworbene Doktorwürde des Jubilares ehrenhalber erneuert. Auch heute noch ist es Dr. Robert Hirsch vergönnt, täglich seine Berufstätigkeit auszuüben. Wir wünschen herzlich, daß der Jubilar noch lange Jahre in voller Tatkraft wirken möge! — Wenn wir auch wissen, daß Dr. Robert Hirsch nie ein Freund von persönlichen Ehrungen in der Oeffentlichkeit war, so wird er es uns doch nicht verübeln, daß wir nachträglich unserer Chronistenpflicht genügen und mit Freude auf diesen Ehrentag hinweisen. — Unverlangt eingesandte Artikel werden nur zurückgeschickt, wenn Rüde- Porto beüiegt. Zwei jüd. Lehrerveteranen in Schwaben. . Zwei Lehrerveteranen, kernhafte Lehrerpersönlichkeiten und Vorbilder in der Betätigung ihres heiligen Dienstes, scheiden in diesen Tagen aus ihrem Lehramt, in dem sie Jahrzehnte hindurch unermüdlich mit Einsetzung ihrer vollen Lebenskraft zum Segen des württembergischen Judentums und in voller Verantwortlichkeit vor ihrer schwäbischen Heimat sich schaffend betätigt, um in den vollverdienten Ruhestand zu treten: die Religionsoberlehrer Hermann Uhlmann in Schwab. Gmünd und Max Marx in Buchau. Nur die unerbittliche Notwendigkeit, ernstliche Gesundheitsrücksichten, konnten die beiden Männer veranlassen, aus ihrem Amte zu treten und damit die beglückende Arbeit aufzugeben, die ihres Lebens bester Inhalt gewesen ist. So verschieden die beiden Männer nach Art und Wesenheit sind, so haben sie doch die gleiche Hingabe, dieselbe Opferwilligkeit und begeisterte Schaffensfreude allezeit empfunden und stehen so vor der Israelitischen Religionsgemeinschaft des Landes als kernhafte Vertreter bewußten Judentums und echter deutscher Gesinnung und Gesittung da. Als Vorkämpfer im Ringen um das Heimatrecht der deutschen Juden haben beide Jahre hindurch in erster Linie gestanden und in Wort und Schrift tatkräftig und tapfer zur Ehre des jüdischen Namens sich betätigt. Dabei waren neide stets stille, tiefreligiöse. dem lauten Alltag abgekehrte Menschen von echt schwäbischer Beschaulichkeit und süddeutscher Versonnenheit Was sie für die Erhaltung der ehrwürdigen Ueberlieferungen der jüdischen Religionsgemeinschaft geleistet. Wie sie die Begeisterung und den Willen zum Judentum in den ihnen anvertrauten Gemeinden in der Jugend geweckt, in den Gereiften gesteigert und in den Zögernden genährt und erhalten, das alles gehört der Ehrengeschichte der württembergischen Judenheit an. Als feinsinnige Musiker una geschmackvolle Vorbeter haben sie die gesanglichen Traditionen ihrer engeren Heimat gewahrt und durch eigene wertvolle Leistungen bereichert. Und zugleich waren sie echte Seelsorger mit offenen Herzen und offenen Sinnen für die wirtschaftlichen und seelischen Nöte ihrer Gemeindegenossen. So darf man beide als ideale Vertreter ihres Berufes rühmend bezeichnen. Religionsoberlehrer Hermann Uhlmann ist igarren Große Auswahl In jeder Preislage Fabrikfrische Zigaretten Erich Rieth Schaltsrhslts Stuttgart ach Kü l ir am 31. Juli 1861 in Oberdorf geboren. Ni Besuche der Präparandenanstalt in und des Seminars in Eßlingen legte er erste Volksschullehrerprüfung und die Vorsängerdienstprüfung ab, die er fünl später durch die zweiten Examina ergä: den zwanzig Jahren von 1880 bis 1900 w Eschenau, Laupheim, Archshofen und Lai als Lehrer una Vorsänger tätig. Am 19. übernahm er das Vorsängeramt in Gmü u er also 32 Jahre ununterbrochen verwaltet Erbauung des Gotteshauses in Gmünd zum wenigsten seinen Anregungen zu Durch seine tätige Anteilnahme hat er wicklung der religiösen und wohltätige richtungen der jüdischen Gemeinde gefest i für die Zukunft gesichert. dem zelsau l|879 die erste Jahre izte. In er in chheirn 1900 d, das e. Die nicht cjlanken. Entn Einigt und Jili i it c ie Religionsoberlehrer Max Marx ist 1872 in Hohebach geboren. Seine Studien an der Präparandenanstalt und dem seminar in Eßlingen absolviert unä~ in 1891 mit den ersten Prüfungen und acht später mit den zweiten Examen abgesc ll In der Zeit von 1891—98 wirkte er z Niederstetten und hierauf in Tübingen, dort und Rexingen. Den Vorbeterdic; Buchau trat er am 1. Mai 1891 an. Von 1 1926 hat er die dortige Volksschule geleit diese im März 1924 aufgehoben wurde, t in den zeitlichen Ruhestand, blieb aber beter und Lehrer an der jüdischen Privkt: bis. zum 1. Juli ds. Js. tätig. Seine Wirk? fand immer die dankbare Anerkennung gesetzten Schulbehörden, die ihm noch bei seinem Scheiden aus dem Dienste bende Dankbarkeit und Wertschätzung v haben. Mögen die beiden Ehrenmänner sic K noch lange ihres Ruhestandes erfreuen uni einen sonnigen und gesegneten Lebensabend genießen! Die Dankbarkeit der jüdischen Religionsgemeinschaft Württembergs bleibt ihnen erhal en. ih n im Mai hat er Ldtu-er- '•Jahre Jahre lossen. lierst in 1 cochennst in 905 bis et. Als Marx Vorschule amkeit voreinmal •e bleiejrsichert ils c er tssiwym Vorbeugen IsliltMiftlerilsHella! Durch regelmMigen Oebrauch des nDlahaHllWNTM“ (Marke „Schlange im Kreuz“) kann man der Immer mehr Qberhandnehmenden Zuckerkrankheit (Diabetes) Vorbeugen. / 1 Pakat Mk. lJi Zu beziehen von Schwan-Apotheke uC" Urntnirrtt, Ogeftn, «itrnnrnst. aBrinkslnlttnrr Central-Drogei -ie tat Mentafler / Ihn Hcki » , TM*« Ir. 7362 Ernsl Pfisterer Weilstr. 15, TeL 6934 Elektrotechnisches Installatlonsgeschaft für Licht-, Kraft- und Signal-Anlagen Oaa-, Waeaar. Sanit. Anlagen / Bauflaeehnerei Juwelier B wilhum Brandt Werv für die Gew Zeitung 1 1 eiude- Silber-Bestecke Ausführung sämtl. Polster-. Turnier-l Delenfliiiarlelten a. Schwab Aagnstfnerstr. 2, Tel. (315 Im Dienste der Heusfrau Dampfwascherei ■ E% V ‘H. Dawid, Inhaber; MN» SS IMI Fernsprecher 7189 Ullngon, Kasornonalr. S u. Rohnwrfcl4 “"Heuen Mintin Mler aaler BImmom Tolofon »r. 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