Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 8 (16.7.1932)
- Date
- 1932-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4904101-5442797-5443245--3585-4907423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JJue Jjifie gehören zur Behandlung ins 'PftilftM PHfald f rrt eingerichtetes FuBpflegeinstitu wahrlich ein buntes Durcheinander, wenn es sich in Indien als Viebmarke, in China als Amulett, in Japan auf Phallussteinen, in Troja als Geschlechtszeichen einer Götterfigur, in Afrika als Gewichtszeichen bei den Aschanti vorfindet! Interessant und bezeichnend ist die Bemerkung im 8. Bande (1931) 8. 17 des Großen Brockhaus unter „Hakenkreu z“: .Leine Verbreitung ist also universal und keineswegs auf die sogenannten Arier beschränkt, nur bei den semitischen Völkern und den Australiern ist es unbekannt.- Der Verlasser weiß scheinbar nicht, daß das Hakenkreuz ein wiederkehrendes Ornament der alten jüdischen Synagoge zu Kapernaum in Palästina ist und daß es ebenso wiederholt in den Bildern der jüdischen Torlomia-Katakombe zu Rom erscheint, ganz abgesehen davon, daß die mykcyiische und die kyprische Kultur in engstem Zusammenhang und in fortwährender Abhängigkeit von der semitischen anftritt. Mit der Herkunftsfrage ist aber noch nicht der Sinn des Hakenkreuzes erkläre Daß es aus dem germanischen Mythus nicht erklärt werden kann, beweisen schon die vorgermanischen Gruppen, in denen es erscheint. Seine Erklärung als Linearbild eines Tieres, etwa des fliegenden Storches oder eines Menschen, klingt schon wahrscheinlicher. Aber gegen diese Deutung spricht das vielgestaltige Auftreten als Phallusbild, als Ge schleehtszeichen. als Gewichtsmarke usw. Schon diese vielfache Verwendung läßt vermuten, daß sich hinter diesem Bilde ein Schriftzeichen verbirgt. Tatsächlich ist es auch schon als solches in der mittelminoischen kretischen Schrift erkannt worden. Daß das Hakenkreuz ursprünglich ein Schrift- Zeichen, und zwar ein hebräisches, nämlich der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets gewesen. zeigt ein Blick auf das althebräische Alphabet, in der das Thaw ein liegendes Kreuz ist. dessen linker Schenkel hakenförmig gebrochen ist. / 'J v: Mode i^todtu-Land pan unsere Preise anlenfen Slnle angelangt. Selmh« für Damen für Herren: 12— 15.- 15. 16. Jall VER m SCHUHHAUS WOLF KAnlgstraB« 5 - In dar Stidt. Olrokass« - 68 - Das Thaw galt als Eigentumsmarke Gottes, als Malzeichen, das in die Stirne oder in den Arm eingeritzt wurde, um den Träger dadurch als Eigentum Gottes und als unverletzlich (sakrosankt) zu kennzeichnen. Vom Hauptworte Thaw bildete das Hebräische ein abgeleitetes Zeitwort thawah — ritzen, tätowieren. Im Buche des Propheten Ezechiel (Kap. 9, Vers 4) spricht Gott in einer Prophetenschau zu dem Engel: „Gehe durch die Mitte der Stadt, mitten durch Jerusalem. und ritze das Thaw in die Stirne der Menschen, die leiden und jammern wegen aller der Greuel, die in der Stadt verübt werden. Im Hiobbuche spricht. Hiob von dem Thaw, das er trägt und durch das er Gott zugeeignet ist,. Kap. 31, Vers »: „Seht mein Thaw, der Allmächtige soll mit antworten, hier ist das Buch (das Zeichen), das der Mann, der mit mir streitet, geschrieben.“ Das Zeitwort thawah im Sinne von ritzen und tätowieren kommt auch im ersten Samuelbuche Kap. 21, Vers 14 vor, wo David sich närrisch stellt und in die Holztüren der Tore Kerben schneidet. Vom Einschneiden bestimmter Malzeichen ist aber auch sonst in der Bibel (5. Buch Mose 19, 28: 21, 5; 3. Buch Mose 14, 1: Secharja 12. 3) die Rede. Den Ausdruck ..das Malzeichen Gottes an sich tragen“ kennt auch das Neue Testament, wo Paulus im Galaterbrief 4, 1? schreibt: „Ich trage die Malzeichen (Stigmata) Jesu an meinem Leibe*“, ein Ausdruck, den auch die Apokalypse des Johannes (13, 14, 17; 19, 2; 14, 9) verwendet: „Er nimmt das Malzeichen (Charagma) auf seine Stirne und auf seine Hand“. Durch diese Deutung wird die dunkle Bibelstelle im 1. Buch Mose Kap. 4, Vers 19 erklärt, daß Gott dem Kain ein Malzeichen setzt, „daß ihn keiner, der auf ihn trifft, töten darf“. Es ist nebenbei eine alte Vermutung, daß die Juden an Stelle der späteren Thefillin oder Gebetriemen Tätowierungen des Gottesnamens auf der Stirr „zwischen den Augen“ und auf der Hand getragen (2. Buch Mose 13, 9, 14; 9. Buch Mose 4, 8: 11, 18) und daß das rätselhafte Wort totafot als Tätowierung zu übersetzen ist. Eine lange Reihe biblischer Fragen läßt sich durch diese Erklärung einwandfrei beantworten. Das wird die Aufgabetheologischer Sprachforschung sein. Hier sollte nur der Nachweis erbracht werden, daß das Hakenkreuz ein althebräisches Malzeichen ist, das nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als dem Gott der Juden zugehörig oder heilig! Die Ausgrabungen von Sodom und Gomorra. Bericht aus Tel-Awiw an die „Kölnisdie Zeitung". Selbst der strengste Bibc-lkritikc-r wird zugeben müsse», daß die meisten der in den geschichtlichen Aufzeichnungen des Alten Testaments geschilderten Vorgänge in ihren Hauptzüge» wirklich Geschehenes berichten, ebenso wie in den alten \ olkssagen sich oft noch Ereignisse aus grauer \ orzeit widerspiegeln. für die andere Quellen gänzlich fehle», die sich aber doch noch au ihren Folgeerscheinungen mit hoher Wahrscheinlichkeit \erfolgen lassen. Fs sei nur an die in der Edda erhaltenen Reste clc-r Xibelungc »sageerinnert, worin der gewaltsame Einbruch der Rhc-influten in ein Tal beschrieben wird, eine Andeutung, die entweder auf die- Bildung des Bodenst-es oder des Neuw jeder Beckens zuriiek/ugehen scheint. Es war also auch anziinc-hmen. daß es die- Städte Sodom und Gomorra tatsächlich gegeben hat und daß sicdurch eine Katastrophezerstört wurden, die in der Erinnerung der Menschen fortlebte. Eigentümlich ist es. daß man bisher der Ansicht war. die Städte hätten in dem Tal gelegen, das jetzt durch das Tote Meer bedeckt ist. Das würde den Untergang Min Sodom und Gomorra durch Wasserfluten bedeuten und nicht durch einen Regen von Schwefel und Feuer, wie es in der Bibel heißt. Das Fehlen eines tätigen Vulkans in der Nachbarschaft hat wohl hierzu Anlaß gegeben. Alter die Ausgrabungen, die vor kurzem auf Veranlassung des..BiblischenInstituts" vorgenommen wurden, beweisen, daß in dieser Gegend tatsächlich in grauer Vorzeit menschlicher Siedlungen durch Feuer zerstört worden sind. In dem bereits freigelegten Teil liegt überall eine dichte Aschenschicht über den Grundmauern der Häuser, und \ou den darin gefundenen Schmuck - und Gebrauchsgegenständen ist nur wenig unversehrt erhalte». Indessen genügt es doch, um festzustellen, daß die Bewohner be reits eine ziemlich hohe Bildungsstufe erreicht hatten, als ihre Wohnstätten vernichtet wurden. Indessen wird man sich hüten müssen, in den bei den Ausgrabungen gemachten Funden mehr zu sehen, als die nackten Tatsachen rechtfertigen. Selbst wissenschaftlich Gebildete sind bisweilen geneigt, ihrer Einbildungskraft bei „Feststellungen" ein Mitbestimmungsrecht zu gewähren. Es sei nur an die um Berge- Sinai gefundenen Tafeln erinnert, unter denen jedoch ein Forscher eintentdeckt haben wollte, worauf Moses der Königin Hatchepsut seinen Dank dafür abstattete. daß sie ihn aus dem Nil rettete. Es entbrannte darob ein heftiger Streit, der mit der Feststellung endete, daß die Inschrift unleserlich ist. daß jedoch einige der von dem genannten Entdecker gesehenen Schriftzeicheii nur durch Zufall entstandene Risse im Stein sind. Auch als die Ausgrabungen der alten Stadt Ur in C'haldäa kaum begonnen hatten, wußte schon eine englische Zeitung, daß man das Geburtshaus des Erzvaters Abraham gefunden halte. Das war nicht etwa scherzhaft gemeint. Es wäre ja nicht nur interessant, sondern von großer Wichtigkeit, unzweifelhafte Belege für die Richtigkeit der biblischen Erzählungen zu finden. Leider sind derartige Entdeckungen sehr wenig wahrscheinlich. Aus dem tatsächlich Gefundenen können nur allgemeine Schlüsse gezogen werden. Aber auch diese sind von großem Wert. * Bericht des vatikanischen Amtsorgans »Osservotore Romano" aus Rom. Das vom Vatikan ausgestattete Biblische Forschungsinstitut macht viele' Ausgrabungen und Studien in Palästina. Der „Osservatore Romano", das vatikanische Amtsorgan, teilt jetzt mit. daß bei den Ausgrabungsarbeiten auf dem Gelände der biblischen Stadt Sichern, die auf dem Berg paß des Garizim stand und die Straße des Jordan tules schützte, viele interessante Einzelheiten entdeckt wurden. Sichern ist von Völkern erbaut worden, die älter als die Juden sind, wahrschein lieh von den Hyksos. Jetzt sind die zyklopischen Stadtmauern aufgefunden wurden. Sie zeigen klar den ausgesprochen strategischen Charakter der Stadt. Die Ausgrabungen haben aber auch zur Entdeckung jenes Heiligtums geführt, das dem berühmten Gott oder Götzen Baal geweiht war. Dieser Tempel wird als der größte Kanaans angesehen. Das ist nicht erstaunlich, weil Baal die meisten Anhänger hatte. Der Bau des Tempels geht in die Broncezeit zurück (etwa 1300 v. Cnr.). Sfine Zerstörung wurde durch Feuer verursacht. Das geht aus der genauen Untersuchung der aufgefundenen frömmer und der zum Teil gut erhaltenen Tempelzelleii hervor. Sie bestätigt die Darstellung im „Buche der Richter", wo vom elenden Ende der Einwohner Sichems erzählt wird, ihrem Untergang beim Brande der Stadt. Ob auch Sodom und Gomorra aufgefunden wurden, ist zu einer Streitfrage geworden. Die Entdeckungen der Jesuiten aus dem Biblischen Institut, die sie bei dem heutigen Teleilat machten. haben in der wissenschaftlichen Welt großes Aufsehen erregt, gerade auch weil die Hypothese auftauchtc-, es handle sich um Sodom und Gomorra. in diesen Namen lebt die Vorstellung aller Sittenverderbnis, aller Pracht, des größten Luxus, der vermessensten H)bris der Menschen, die ein, Strafgericht Gottes herausfordern könnten. Wei aber reiche Stätten nach Art der Königspalästc- Sardanupals zu finden hoffte, steht erstaunt vor einem ärmlichen Dorf von bescheidenen Ackerbauern. Kleine Häuser stecken halb in der Erde. Vorratskammern und Getreidelager sind in den Erdboden gegraben und blieben so von der himmlischen Zerstörung verschont. Der Herd in den Häusern ist primitiv nach Art der Araber. Die aufgefundenen landwirtschaftlichen Werkzeuge sind aus Stein. Die einfachen Gräber zeigen die Armut der Bewohner. Nichts von dem reichen Gerät, dem Schmuck und dem Prunk, wie andere Gräber es hatten. Die Funde, die dort gemacht wurden, haben auch die ältesten Malereien ans Licht gebracht, die im Becken des Mittelmeers, mit Ausnahme der ägyptischen Malereien, bekannt sind. Tschufut-Kaleh, die Judenburg der Karäer. Einer der seltsamsten Orte im südlichen Rußland ist Tschufut-Kaleh, die Judenburg, die ehemalige Residenz der Tatarencfaane auf der Krim. Es ist ein unzugängliches Felsennest ohne jede Vegetation, abseits von allem menschlichen Verkehr. Um so auffallender ist es, daß sich Menschen gerade hier niedergelassen haben. Diese Menschen gehörten zur jüdischen Sekte der Karäer, welche die mündliche Ueberlieferung verwarfen und sich starr an den Buchstaben der Heiligen Schrift hielten.. Starr und unbiegsam wie ihre Lehre ist auch der Ort, den sie sich zum Wohnsitze erwählt haben. Nach dem Ausweise der Grabsteine, die südöstlich vom Orte im Tale Josaphat ein Riesenfeld bedecken, sind hier seit 1249 Karäer bestattet worden. Als 1783 die Krim russisch wurde, verlor Tschufut- Kaleh seine Bedeutung als Vorplatz der Tataren. Auch die Karäer wunderten von hier nach ver-