Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-07-01 · 7 (1.7.1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
7 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4904101-5442797-5443243--3576-4907415
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 60- OI« neuen Tapeten ■nd Stoff« gut u. preiswert Lienhardt uaacastr. I, um Cihrtmr. Aus det Weit des Judentums. Errichtung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie. Seit langem cerfolgt die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge das Projekt der Errichtung einer jüdischen Arbeiterkolonie. Nach L'eberw indung~ mannigfacher Schwierigkeiten ist es nunmehr mit der großzügigen Unterstützung des Preußischen \\ ohlfahrtsmini- - steriurus. des Preußischen Landesverbands und der anderen jüdischen Landesverbände gelungen, das Gut .Neuendorf bei Berlin zu übernehmen. das die Möglichkeit gibt, in größerer Zahl jüdische Erwerbslose sowohl in Landwirtschaft und Gärtnerei als auch in handwerklichen Nebenbetrieben zu beschäftigen. War diesem Projekt schon in wirtschaftlich gesünderer /eit eine besondere Bedeutung beizumessen. da es allein in der Lage ist. unabhängig von den Schwankungen des Arbeitsmarktes einer größeren Zahl langjährig Erwerbsloser und völlig Entwurzelter Gelegenheit zu geregelter Arbeit zu geben, so ist ihm im gegenwärtigen Augenblidc ein ganz besonderer Wert anzuerkennen. Die steigende Zahl jüdischer Erwerbsloser. entlassene Jugendliche, die eben ihre Lehrzeit beendet und keine Möglichkeit haben, neue Arbeitsstellen zu finden, abgebaute ältere Angestellte und viele ondere Kategorien mehr kön- •nen und müssen um der jüdischen Oeffentlichkeit erwarten, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder für einige Zeit zu arbeiten, um ihre Arbeitskraft und ihren Arbeitswillen zu erhalten. ' Lun d w e i k N eurnd urf wird yni I. Juli vorer-t 3o bis 40 Personen aufnehmen: es ist aber geplant, diese Zahl bald erheblich zu erhöhen. um den jüdischen Arbeitslosen eine merkbare Hilfe zu geben. Das Gut Neuendorf liegt in landschaftlich besonderschöner Lage, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielseitig und umfangreich. Unterbringungsmöglichkeiten sind angemessen und ausreichend gesichert, die Werkstätten (Tischlerei. Schlosserei. Schuhmacherei. Stellmachereil können ohne grösseren Kostenaufwand au-gebaut und erweitert werden. Die Leitung liegt in be-ontlers qualifizierten Händen: sozialpädagogisch und auch sonst corgeschulte Kräfte werden dem Betrieb eine gute pädagogische und -oziale Atmosphäre sichern. Als Hecht-träger lfat die Hauptsteile für jüdische W anderfürsorge den Verein ..Jüdische Arbeit-hilfe e. V." in- Leben gerufen, de —et, Geschäftsstelle -ich in Berlin-( harlottenburg. Kant- -Ifalle I befindet, wohin a u ch alle* Ge- - u ch e u m A u f n a Ir-m e zu r i ch t e n - j „ d. Der Nor-tand der Haupt-telle hat für Neuendorf einen besonderen \ erw altungsaussehuß gebildet, dem die Herren A d 1 e r - R ti el e I. Alfred Berger. Dr. Max K r e 11 t z b e r g e r . Landgerichts rat Dr. Li 1 i e n t h a I . W ilhe.lm Marc u - und Bruno W o y d a angeboren. Von der Arbeit des „HilfsVereins der Deutschen Juden". In den verflossenem fünf Monaten galt es. zahlreichen reisenden Menschen Hilfe zu erweisen. Den Schlesischen Bahnhof in Berlin und den Bahnhof in Neu-Bentschen, wo Fürsorgeelienste des Hilfsvereins bestehen, passierten in diesen Monaten 6 34« bezw. 1631 Aus- und Rückwanderer. Die Aufwendungen für die Auswandererfürsorge betrugen von Jan. bis Mai RM. 30 049.43. Von den Waisen, die unter der Obhut des Hilfsvereins beruflich ausgebildet wurden, konnten vier ihrer Heimat wieder zugeführt werden, während zwei in Palästina Unterkunft finden sollen. Für das Waisen- und Studentenhilfswerk in Deutschland wurden RM. 8 403.36 aufgewendet. Für das Schulwerk in Rumänien, Polen und im Orient, sowie für deutschen Sprachunterricht wurden RM. 18 982.13 bewilligt. Es wurde besonderer Wert darauf gelegt. Anstalten zu unterstützen. die der Produktivierung der Jugend dienen. Aus den Mitteln der Haffkine-Stiftung. die der Hilfsverein verwaltet, wurden weitere Bewilligungen für Talmud-Hochschulen gewährt, insbesondere für Werkstätten, für die Einrichtung von Lehrhäusern und für die Verschickung erholungsbedürftiger Zöglinge. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin übermittelte dem Verein ein Gesuch aus Karpathorußland. in dem gebeten wird, zur Linderung der Not beizutragen Einige jüdische Gemeinden in Beßarabien sind jüngst von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht worden. Hunderte von Familien sind der größten Not preisgegeben und ohne Obdach geblieben. Es wurde zunächst ein Betrag von RM. 2 000.— für Hilfe überwiesen. Aus de* t Gemeinden lüueUem&eegs. Stuttgart. Am 12. Juni trafen sich im Gemeindezimmer der Isr. Gemeinde Cannstatt die Vertreter der isr. Gemeinden Cannstatt, Göppingen. Eßlingen, Ludwigsburg und Gmünd, um für die verstorbenen Mitglieder der Isr. Landesversammlung Sally Pappenheimer, Oberdorf, und Max Dreifuß, Ludwigsburg, neue Kandidaten zu nominieren. Man einigte sich auf Fabrikant KunoFleischer, Göppingen, Leo Frank, Ludwigsburg,, sowie Leopold Moses. Eßlingen (als Ersatzmann), die sich am Sonntag, den 26. Juni, zur geheimen Wahl stellten. Wie wir hören, ging aus dieser Wahl Fabrikant Kuno Fleischer hervor. Znm Ersatzmann wurde Leopold Moses gewählt. Stuttgart. Am 13. Juni fand die alljährliche ordentliche Mitgliederversammlung der Stuttgarter Ortsgruppe des Ab wehr Vereins statt, in welcher der Vorsitzende. Stadtpfarrcr a. D. Lamparter. den Jahresbericht erstattete. Er berichtete in anregender Weise über die Erfahrungen bei der Abwehr des Antisemitismus in Württemberg und besonders in Stuttgart. Er wies darauf hin. daß in der Agitation bei den Wahlen im letzten Jahre der Antisemitismus kaum zu bemerken gewesen sei. Der Verein habe darum nur selten Gelegenheit genommen hervorzutreten. Er sei aber überall auf der Wacht gewe-cn. -eine Grundsätze wirkungsvoll zu vertreten. Der Vorsitzende machte dann Mitteilung von einer Reihe vorbereitender Schritte zu einer 9Cei£&mutt^ Sldierersdie Apotheke LUDWIG SUNDE» HcUDronii a. N. Möbel -Transport« Kauft bei uiserei lisereitei! Tapeten Linoleum, Wandspannstoffe Saiubra, Tekko ADOLF FREIHARDT SQImsrstr. 1 Haflbren« a<M. - Telefon 929 EUGEN Telephon Nr. 3027 JUptiiO» das Fachgeschäft für gute Uhren SCHWEIZER Besucht SCeMcotm, die fleißige Industrie- und Handelsstadt! A 2» FLA: MIN CO ■crrcEfeewicE dal TaMltnr Sit» bllllf Preis« 112«, Haltestelle WolframetreBe wirkungsvollen Abwehr judenfeindlicher Angriffe in Württemberg. Er schloß seine Mitteilungen mit einem männlichen Bekenntnis gegen den Judenhaß: ..Heberzeugung und Rechtsgefühl binden mich an den Verei n.“ Der Rechner, Bankier StefanStrauss, gab dann den Rechenschaftsbericht. Er durfte die erfreuliche Mitteilung machen, daß trotz der Schwere der Zeit die Mitglieder dem Vereine die Treue gewahrt, sodaß nur ein unwesentlicher Rückgang der Mitgliederzahl eingetreten. Die Kassenrevision ist ordnungsgemäß Vorgenommen worden. Die Einnahmen reichten zur Deckung der Ausgaben aus. R A. Dr.’Gunzenhauser trat für die Wiederwahl des um den Verein hochverdienten Vorsitzenden ein. Er empfahl dem Verein eine stärkere Wirksamkeit nach außen. Direktor Grünwald riet, vertrauliche Aussprachen im kleineren Kreise zu veranstalten. Darauf erfolgte die Wiederwahl des Ausschusses durch Zuruf. An den geschäftlichen Teil der Versammlung schloß sich ein mit lebhaftem Beifal aufgenommener Vortrag von Johannes Fischer, M. d. L.. über „D ie geistig-kulturellen G r u n d 1 a ge n des Nationalsozialism u s" an. Die übliche Erklärung des Erfolges der Bewegung als einer Massenpsychose verwarf der Redner. Er fand die Erklärung für diesen Erfolg darin, daß die Erwartung auf eine normale Besserung der zweifelhaften Lage von Hunderttausenden versagt habe. Die Wirtschaftslage der Arbeits- und Erwerbslosen hätten die Massen in die neue Partei getrieben, die geschickt die Not als Mittel zur Machtentfaltung ausgebeutet hat. Zu dieser Erklärung aus der Wirtschaftslage sei die Sehnsucht der Jugend nach einer neuen Welteinstellung getreten, die sich beinahe zu einem mystischen Glauben gesteigert hätte. Das Programm der Partei baut sich auf die Hoffnungslosigkeit der Gegenwart und die allgemeine Unsicherheit auf. Ls ist durchaus negativ, da es im wesentlichen auf die Bekämpfung des bisherigen Systems gerichtet ist. Der Redner leugnete also eine eigentliche geistig-kulturelle Grundlage innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung. In der anschließenden Aussprache dankte zunächst der Vorsitzende dem Redner für seine wertvollen Darlegungen. Pfarrer Esenwein kennzeichnete nochmals den Mangel an positiven geistigen Werten in der nationalsozialistischen Bewegung, wobei er besonders auf Strassers Rundfunkrede einging. Landgerichtsdirektor a. D. Stern ergänzte aus eigener Erfahrung die Mitteilungen der bisherigen Redner und dünkte wiederholt dem Vorsitzenden für seine wertvolle Geschäftsführung und geschickte Vertretung der Vereinsgedanken. In seinem Schlußwort faßte noch einmal Johannes Fischer die Leitgedanken seines Vortrages zusammen. Stadtpfarrer Lamparter schloß den Abend mit der temperamentvollen Aufforderung, den Glauben an die Zukunft nicht preiszugeben und für die Vereinsideen tatkräftig einzutreten. Stuttgart. B e r t h o I d A u e r 1> a ch - V e r e in. Religionsoberlehrer Jacob Jaffe behandelte am 7. Juni in einem sehr interessanten Referat ..Probleme modernerErziehun gDer Redner schilderte die Instinkte und Triebkräfte des Menschen in der Frühzeit, Latenzperiode und Pubertät und entwarf dann ein Bild von den Aufgaben, die dem Pädagogen aus diesen Lebensabschnitten erwachsen: Die H i n e i n f ii h r u n g des jungen M e n s ch e n in d i e Gemeinschaft. Er ging dabei von den psychoanalytischen Anschauungen Freuds aus und befaßte sich dann mit der zweiten Hauptgruppe der modernen Seelenkunde, der Adler sehen Individualpsychologie. In diesem Zusammenhang unterzog der Redner die für die Lebensgestaltung außerordentlich wesentlichen Minderwertigkeitsgefühle. den Geltungstrieb usw. einer eingehenden Betrachtung und forderte abschließend die s i 11 - liehe Autonomie als Ziel der Erziehung. Reicher Beifall dankte für die wertvollen Ausführungen. D. R. Stuttgart. Der B e r t h o 1 d - A u c r b a ch - Verein beschloß sein Frühjahrsprogramm mit einem harmonisch verlaufenen ..G e m ü 11 i ch e n A ben d“ im Kurhaus auf der Heid. Einige Mitglieder des B.A.V. hatten sich in dankenswerter ' Weise in den Dienst des Abends gestellt und unterhielten die zahlreichen Anwesenden in den Tanzpausen aufs beste. Stuttgart. Die Absicht der Sportabteilung des Jüd. Jugendrings, sich als jüdischer Sportklub selbständig zu machen, weil aus technischen Gründen der Anschluß an einen größeren Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.