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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-07-01 · 7 (1.7.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
7 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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— 59 - Der Haß gegen das Judentum und gegen das Deutschtum sind verwandt. Beide Völker wurden gehaßt, verfolgt und verleumdet, weniger um ihrer Fehler willen, als um ihrer Vorzüge. Der Weltostrazismus hat Exempel statuiert. Der Deutsche w urde als Feind der Menschheit empfunden, weil er tüchtiger, fleißiger, sachlicher war als die meisten anderen Völker, und ihnen so den Konkurrenzkampf erschwerte. Das gleiche gilt von den Chinesen in Südostasien, den Japanern in Kalifornien. Das gleiche gilt von den Juden. Denn die Juden sind ein begnadeter Menschheitszweig. Durch ein zweitausend Jähriges Martyrium sind sie zu ihrer heutigen Größe emporgestiegen. Von den meisten Berufen ausgeschlossen. unter vielfach erschwerten Lebensbedingungen, mußten sie ihren Geist zehnfach schärfen, um ihre nackte Existenz durch das Mittelalter hindurchzuretten. Wer faul oder unbegabt war, konnte diesem verschärften Existenzkampf nicht standhalten und ging zugrunde. Nur die Tüchtigsten konnten sich erhalten und fortpflanzeu. Wer w illensschwach und feige war. ließ sich angesichts der Scheiterhaufen und Folterwerkzeuge taufen und schied aus der jüdischen Gemeinschaft aus: Nur die Tapfersten und Willensstärksten hielten das Wunder dieses zweitausendjährigen Kampfes durch. So fließen in jedem modernen Juden Ströme von Märtyrerblut — von Menschen, die sich lieber verbrennen ließen, als sich von ihrem Gott, ihrem Glauben, ihrem Ideal loszusagen. Wer an Vererbung glaubt, muß darum in den Juden einen besonders wertvollen Zweig der Menschheit sehen. Ein Zweig der Menschheit, der gestählt ist vom Leiden und vom Denken. De nn während die meisten Europäer erst vor wenigen Generationen aus dem Analphabetentum hervorgegangen sind, haben die Vorfahren der Juden seit Jahrtausenden gelesen, geschrieben und sich mit geistigen Problemen auseinandergesetzt. Wer statt auf Schlagworte zu hören, diese Tatsachen bedenkt, gewinnt ein anderes Bild vom Judentum, als das Zerrbild, das der Antisemitismus schafft. Wenn die Größe eines Volkes sich messen läßt an der relativen Zahl seiner hervorragenden und bedeutenden Kinder, steht das Judentum heute zweifellos an erster Stelle. So betrachtet, erscheint das Judentum nicht als minderwertige, sondern als hochwertige .Menschengruppe — und der Antisemitismus als ebenso schweres Unrecht gegen die Juden, wie der Deutschenhaß gegen die Deutschen. Heute ist die Mißachtung gegen die Deutschen in der Welt mindestens so stark verbreitet w'ie der Antisemitismus. Die Kriegsschuld lüge, die Märchen \ou den deutschen Kindermorden in Belgien, die Erzählungen von den deutschen Grausamkeiten bis zur Verleumdung der Menschenfresserei. die Klassifizierung der Deutschen als Menschen zweiten Banges, als Materialisten und Rationalisten, als Menschen ohne Genie und ohne Originalität, als Plagiatoren der Welt, als Menschen ohne Größe, ohne Formen, ohne Takt, ohne Grazie — all diese Verleumdungen, die den Thesen der Antisemiten so ähnlich sind, haben die Weltmeinung gegen Deutschland vergiftet. Nur langsam setzt sich die Wahrheit über Deutschland in der Welt durch. Gerade die große deutsche Nation, die dieses schwere unverdiente Schicksal erfahren hat. sollte in der Beurteilung anderer vorsichtiger und kritischer sein. Gerade Deutschland sollte den kleinen antisemitischen Nationen vorangehen in der Kritik und Revision der Judenfrage. Gerade das deutsche Volk, das mit Recht so stolz auf seine Sachlichkeit ist. sollte* nicht widerstandslos einem Vorurteil folgen, das sich auf Neid, religiösen Fanatismus und Halbbildung stützt. Die Revision der Judenfrage ist darum nicht Sache der Juden, sondern der besten Deutschen. Wenn Deutschland den Antisemitismus ebenso überwindet, wie. dies Frankreich vor einen) Menschenalter in der Drevfus-Krise tat. ist der Antisemitismus in der Weit erledigt: denn sowohl die Vereinigten Stauten als auch die Osteuropäer werden sich hier de r deutschen Autorität be ugen. Diese Revision ist eine Gewissenspflicht Deutschlands. die Befreiung aus einer schweren Schuld und einem schweren Irrtum. Wer darum den Antisemitismus bekämpft, hilft nicht nur dem Judentum, sondern auch dem Deutschtum. Die ungeheure Mehrzahl der deutschen Antisemiten ist guten Glaubens und überzeugt von der Wahrheit der antisemitischen Thesen, die* sie gelesen oder gehört hat. Die ungeheure Mehrzahl der Antisemiten kennt die Juden nur sehr oberflächlich und macht sich ein Bild i -——_ Zigarren Große Auswahl in jeder Preislage Fabrikfrische Zigaretten Erich Rieth SÄ Stuttgart von ihnen, das mit der Wirklichkeit eben übereinstimmt, wie das Bild, da Ententevölker von den Deutschen macheb : owenig ch die Wer Gerechtigkeit fordert, sollte da ginnen, sie zu üben. Deutschland fordert Welt Gerechtigkeit und moralische Glc tigung: es sollte damit beginnen, sie de gegenüber zu üben und der Welt zu zei ein großes Volk die Kraft findet, falsch1 urteile zu überwinden und von sich mit bevon der rech Juden wie e Vorwerfen. d be i lf en Das Geheimnis Gottes im Sdiriftwori. I. Wie ist Gott? Rubbun Simeon be» Gamaliel hatte gelehrt: Auf drei Dingen beruht die Welt, auf Redet, auf Wahrheit und auf Frieden. Aber die drei sind eins im Ursprung und Wirkung. Denn siegt das Recht, siegt mit ihm die Wahrheit; siegt die Wahrheit, siegt mit ihr der Friede. Wo Recht waltet, gilt der Friede: wo Friede herrscht triumphiert das Recht. Alle drei aber stammen aus Gott und sind in ihm eins: Er ist der Richter, die Wahrheit, der Friede. So heißt es im Schriftwort: Gott ist der Friede (Richter 6. 24). bei Ihm ist das Recht (3. Mose 23, 4). Sein Wesen ist Wahrheit (2. Mose 34. 6). II. Wie schaue ich Gott? Wir alle beten, wie Mose gebetet: Herr, laß mich doch schauen Deine Herrlichkeit (2. Mose 33. 18). Aber die Meisten, die so beten, vergessen. wie Mose den Heiligen geschaut hat. Er sprach: ..Ich lasse alle meint* Güte vor dir vorüberziehen idas. 19). Gott ist überall. Du mußt nur die Augen auftun. Ihn und Sein Werk zu schauen. Wann und wie wir ihn schauen, das hat König David gekündet: lm Guttun schaue ich Dein Angesicht (Psalm 17. 13). Jede gute Tut reißt einen Schleier von Gottes Geheimnis, jedes sittliche Wollen löst einen Schatten von Ihm: mit jedem guten Werkt* komme ich Ihm näher — und plötzlich schulte ich das he ilige Licht und erlebe die Erhörung: Im Guttun schaue ich Seine Herrlichkeit. III. Der Weg zu Gott? Gott lebt in der Höhe. Der Mensch ist ein Erdenkind. Wie kommt er zur Höhe? Den Weg zu Gott hat Rabbi Pinthas ben Jair verraten (Abotlu saruh 20 b): Zehn steile* Stufen führen zur Höhe: Achtsamkeit. Besinnlichkeit. Reinheit. Enthaltsamkeit. Lauterkeit. Frömmigkeit. Demut. Sündenscheu. Heiligkeit. Bist du zu dieser neunten Stufe gelangt, dann wirst du leicht die zehnte ersteigen: das Schauen Gottes und in Ihm Leben, wie es Jesaia in Seinem Namen verheißen: Ich lasse dich die Stufen zur Höhe ersteigen (Jes. 38. 14). Der weise König der Bibel hat den Menschen, die auf dieser. Erde irren (2. Mose 14. 3). die Wegweisung gekündet: Auf allen deinen Wegen schau auf Ihn (Spriiclte 3. 6). Er ist die Wegrichtung, der Wegweiser ind das Ziel. IV. Wozu sind wir auf Erden? Das ward Jesaia erschlossen, da ihm worden: Der Mensch ist geschaffen, um an Gott zu haben (Jes. 3s. 14). Wohl sch.. hier nur ein Bruchteilchen Gottes, den S< »es Kleides, den Schatten Seiner Hand ( 23. 13). Aber schon Rabbi Jakob hat gc daß diese Welt nur ein Vorraum der kon ist (Sprüche der Väter 4. 12). Gewöhne de schon hier an das Licht Gottes, spüre sei den Odem Seines Mundes, lausche schon das Lied Seines Geistes, und du bist wahre* Dasein gerüstet. Darum sagt Könij Ihm nahe sein ist das Beste (Psalm 73. 28 offenbart seiner Seele Tiefstes wenn Eines erflehe ich von Ihm. das allein ich daß ich bleibe in Seinem Hause* alle Tage Lebens (Psalm 27. 4). ..Wer sich am Rüst Sabbuths gemüht, darf den Sabbuth (Aboda sarah 3 al". V. Gott liebt die Frommen (*■ Warum heißt es eigentlich in der Bib liebt die Frommen (Psalm 146. 8)? Gott Sie lieben Mich und Ich liebe sie. Wan Gott die* Frommen? Weil sie keine Sipp und keinen Stamm. Die Priester bilcl Sippe und die Leviten einen Stamm u» Gott in ihrem Kreise*, so wie es in den heißt: Haus Altrons. lobe Ihn. Leviteiw (Psalm 133. |9. 21». Will einer Priester so kann er es nicht: will einer Lev ite sc* ihm unmöglich, falls nicht sein Vater oder Lev it gewesen. Will aber ein Mensci sein, und se i er v»» heidnischen) Volk es ihm möglich, weil die Fromme» kei bilden und keinen Stamm. Darum he Psalmlied weiter: Die ihr Ihn fürchtet. I Darum liebt Gott die Frommen, die Stammes wegen und nicht vom Blute h Diener sind, sondern Ihn um Scinetwille ..Die Mich lieben, liebe* Ich. und die i schütten, sollen Mich finden (Sprüche 6. gesagt Wonne n|uei) wir um ,sei- . Mose kündet, »inende» in Auge ön hier lier auf auf das David: und er betet: gehre*, meines uge des nießen ]>ei I: Gott spricht: m liebt bilden en eine I loben ’sulmen t Ihn werden, n. es ist Priester fromm so ist Sippe! es im bet Ihn. von) 1 »be ne l icht Seine! lieben, ach Mir 7)". m Allen einschlägigen Bedarf icniagigen neaarr Neu «röfffnot I Max $chaal Stuttgart Calwerstr. 33 - Tel. 26912 Fernsprecher Nr. 40602 inahattUDa: LlststntiSl Plissee HOLDE Tulafon Nr. 24S87 ' sowie BQlerbelönleraac bat bUHtdar Itridiiul Königstraße 35 Spezialhaus für Schönheitspflege - Arti kel ELIZABETH ARDEN ELISE BOCK MARINELLO 75 JAMItfe 1 I i FORSTS! R1 A S S E 'Ultimi!!1. 9-AusftaU^?

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