Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 7 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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()ffonburiing Gottes an den Menschen und ..Gott ist Gesetzgeber und Fordernder" sind sachlich identisch. Dieneinanns Aufstellung ist also nur ein Beweis mehr dafür, welche l nklarheit in der Judenheit iil>er ihre Kundanientlehren herrscht. Lm so notwendiger erscheint die Aufgabe, endlich einmal Klarheit darüber /II schaffen. was eigentlich i in Judentum Allgemein Überzeugung und was lün/elincinung ist. . Die Gefährdung de» Judentums als Glaubensgemeinschaft kommt nicht um der Naturwissenschaft und nicht um der Gottlosenbewegung her. »oifdern um dem \ ersuche, den Glauben in eine Bei he logischer und moralischer Formeln auf- /nloseii. Da' erkannt zu haben, ist Schoeps' Verdienst. Seine Arbeit bedeutet hoffentlich den Anfang zu einer neuen Fundamentierung des Judentum' und seiner 1 heologie in der Gegenw a rt. Bilder aus dem heiligen Lande. Die Bibel wird nicht müde, die einzigartige Schönheit Palästinas zu schildern. Sie nennt es ..das Fand Gottes". ..den heiligen Boden”, und der Name ..heiliges Fand" ist seine Benennung geblichen. Die Sehnsucht Israels nach dem l ande der \ ater wuchs mit seinen leidvollen Schicksalen und mit der Demütigung des heiligen Fundes. Jr grollet- Palästinas Fehl war. um so tiefer war Israel' liebe /lim heiligen Boden. Man schilderte schwärmerisch seinen märchenhaften Reichtum. Im Fände wohnen zu dürfen.'galt schon als Gnade. Non llabbi Meir stammt das Idt habe mich hier als Zfthll&rzt niedergelassen und ab« rin ine Praxis aus im Hause Gymnaaiumstr. 1, II, Eck« Köfligstr. i Mercedeshaus) Arzt und Zahnarzt Spreihstunden werktags 9—1 u. '< 6 Uhr, ausgenommen Samstag nachmittag / Fernsprecher 29790 Dr. med. Theodor Port Irfi habe mich hicrals Facharzt für OrtHopldl« niedergelassen und Übe meine Praxis aus im Hause Gymnasiumstr. 1, II, Ecka Königstr. (Mercedeshaus) Sprechstunden werktags 10 12 und 3—4 Uhr, ausgenommen Samstag nachmittag / Fernsprecher >r. 29598 Dr. med. Julius Port Sprechzeit: 11—1 Uhr und 4 — 6 Uhr Samstags 11—2 Uhr iZu allen Ersatzkassen zugelassen) ist am 9. u.10. Juli verreist Dr. med. Ham Giebel Facharzt für innere Krankheiten Paulinenstraße 25 I. / Telephon 73622 Sprechstunden: 11—12/4). 17—18.80 ■ >. Mittwoch u. Samstag Nach* mittag keine Sprechstunde Dr. med. Hans H.$ocrficl Facharzt für Frauenleiden und Geburtshilfe von der Reise zurück Landhausstrafte Nr. 96 pt. Tel. 42330 u. 31130 (Klinik) : v Nach 61 »jähriger zahnärztlicherTätigkeithabe ich mich als Zahnarzt im Hause Marlenplatz 1 niedergelassen. Dr.mcd.ilciitPanlwolpc Sprechstunden: täglich 9—12*/» Uhr 31/»—6, Samstags 9 — 1 Uhr Fernsprecher Nr. 73839 z Privat Nr. 78424 J — 58 - Wort: ..Wer im heiligen Lande; wohnt, hat den Himmel auf Freien (jer. Sabbath 1, 3: Aboda zara 33)". Man empfand es geradezu als ein Glück, das heilige Land zu schauen, und eine Pilgerschaft nach Palästina war das Ziel der Sehnsucht für Tausende. Es war ein spärlicher Frsatz. dal! man an der Ostwand iu jüdischen Häusern ein oft recht bescheidenes Bild der heiligen Stadt anbrachte. damit der Blick der Betenden im Hause dieheiligen Stätten umfallte. Sinniger Brauch gab den Toten ein Säckchen Erde des heilige» Landes mit auf die letzte Reise, damit sie wenigstens sterbend die heilige Erde erschauten. Es gibt gewiß eine Leberfülle guter ßildaufnahmeo aus Palästina. Aber es fehlt ihnen der Reiz der Farbe, der zitternden Lichter, der Märchen weiten Sichtigkeit der Luft, welche der Maler Lilien als die unfaßbare Schönheit Kanaans geschildert hat. Man sieht diese Bilder so. als oh.man sie durch schwarzgefärbte Gläser erblickte. Um so köstlicher wirken die Bilder, die soeben die Lvachrom-Gesellschaft für F arbcnpliotopraphi e veröffentlicht: Das heilige Land in Naturphotographie. Zum ersten Maberscheinen hier die ehrw ürdigen Stätten im harbenglanz des eigenen Lichtes, nicht etwa übermalt, sondern im natürlichen Earbenspiel des morgen ländischen Himmels. So wirken die Bilder wieüberraschende Offenbarungen, ganz verschieden von den bisherigen Aufnahmen. Es ruht auf ihnen das Sonnenlicht, die Farbenpracht, die stille Schönheit des Landes wie ein geheimnisvoller Glanz. Es sind 66 Original»nfnahmen. die Direktor Preifi nach dem Uvachromverfahren hergestellt. in elf Serien zu je sechs Karten. Die Ferienaufenthalt iiinmiiiHniiiiuiiiiiiiiiiaiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiMuiiiiiiiiiiiiiiiuiiiii in schön gelegenen u. zur Erholung geeigneten Orten für Erholungsbedürftige bei guter Unterkunft und voller Verpflegung in nur bestempfohlenen Privathäusern. Preis: 2 wöchentlich für Erwachsene ...... RM. SO.« für Kinder.RM. 38.« Referenzen und Dankschreiben liegen vor Jüdischer Frauenbund Landesverband Württemberg tlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllMII Anmeldungen und Auskunft bei: Frau Anny Hirsch, Ulm, Zeitblomstraße 29, Fernruf Nr. 3979 Frau KBt« Cehat, Stiittgart, Augustenstraße 43, Fernruf 64540 Für alle anlößlidi der Vollendung meines 70. Cebensjahrcs mir erwiesenen Aufmerksamkeiten sage idt hiermit meinen herzlidisten “Dank. Frau Bertha Wolf Wive. Stuttgart, Schuhtn 13 yi, Zt. Frankfurt am Main Zahnarzt Dr. flans Jacobsohn zurück jetzt ROtebfthlStraBe 40C (bei d. Paulinenstr.) Fernsprecher Nr. NI98 Sämtliche Krankenkassen r* Dr. med. F. Rosenfeld Facharzt für innere Krankheiten (Herz, Lunge, Magen, Darm) lotst Calsrer StraBe 21 Fernsprecher Nr. 29333 Et» ober t»met 8*rlcnHn>w finken iitkenoOt anfnatyne nnt gntt Serpftegung nnf de« Land». Offerten neuer E. 3. 491 n. d. (Semefnde«eftnnG. Papier- und Zeilsdrillen-Zenlrale Clwnlmn» 88 aMtroOeOarf z eOrrtMaarr« 3»MW»rtW«n 3Sotrt«M.olr ^^Ualomrbettet, SnS Mt kleinste Anftrn, mit Denk »!>- ImMMnl Offerten erbeten nnter 9.CH. 403 n. ». IfrneUtlsche aemeinSejeitnn, — ba DAS HAUS FÜR JUWELEN, GOLDu. SILBERWAREN, BESTECKE, UHREN, M0DESCHM UCK V! Stuttgart / Königstr. 17 J Aufnahme n sind künstlerisch geschaut und technisch geradezu vollendet. Der Preis einer jeden Serie ist 1.20 Mk.. der ganzen Sammlung 12 Mk. (in reizender Leinet,- kassette mit drei kleinen, aber guten Landkarten). Der Preis ist also so niedrig, daß der Kauf wohl Jedem möglich ist. Für den jüdischen Beschauer sind besonders die vier ersten Serien wertvoll, am wertvollsten die zwölf Bilder vom Felsendoni und vom Tempelplatz. Einen besonderen Reiz, ernält che Veröffentlichung durch den Begleittext, den der gelehrte Kenner des heiligen Landes Pfarrer G. r aber, früher in Korntal. jetzt in Stuttgart-Rommelshausen. verfaßt hat. ein knappes Wanderbuch, das auf wenigen Seiten eigentlich alle religionsgeschichtlich bedeutsamen Plätze Palästinas von Jerusalem aus schildert. Der gründliche Bibel- und Landeskenner hat in diesem kleinen Büchlein ein prachtvolles Yadeinecum für den Palästinawanderer geschaffen. Das Schönste bleiben über die Bilder, die jedem Beschauer ungeahnte Freuden erschließen. Sie sollten in aller derer Hände sein. ..die das heilige Land und seine Reste lieben“. Vielleicht darf dem Verlage empfohlen werden, die Aufnahmen der für die Juden besonders bedeutsamen Stätten zu Serien zusammenzustellen. Deutschtum und Judentum. Von R. N. Coudenhove-Kalergi. Der nachfolgende Artikel wird uns vom Paneuropa-Verlag in Wien zur Verfügung gestellt. Er ist dem Essay „Antisemitismus nach dem Weltkrieg" entnommen, mit dem R. N. Coudenhove-Kalergi das soeben in Neuauflage erscheinende Werk seines Vaters — „Antisemitismus" von Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi — einleitet. Der von uns veröffentlichte Abschnitt atmet einen Geist, der auch in Deutschland hoffentlich bald wieder einkehren wird. — Die Schriftleitang. Vor dem Kriege w ar Rußland das W ejtzentruin des Antisemitismus. Heute ist es Deutschland. Außerhalb Deutschlands ist der Antisemitismus in Europa nur noch lebendig in einigen .Mittel¬ und Kleinstaaten Osteuropas. Diese- Tatsache sollte den deutschen Antisemiten zu denken geben. Sie werden sich dann wahrscheinlich nicht sehr wohl fühlen in der Gesellschaft. in der sie sich befinden. Denn die drei andern europäischen Großmächte lehnen den Antisemitismus kategorisch ah. England hat seit Disrueli unter seinen politischen Führern zahlreiche Juden und kennt weder einen politischen, noch einen sozialen, noch einen wirt schuft liehen Antisemitismus. Frankreich hat seine antisemitische Phase in der Dreyfus-Krise überwunden. Diese Uebervvindung des Antisemitismus füllt zusammen mit der nationalen Regeneration und Gesundung Frankreichs, die ihm die Kruft gaben, den Weltkriegdurchz.uhalten. Audi das extrem nationalistische Italien lehnt den Antisemitismus ab, der in den Augen Mussolinis ein barbarisches Vorurteil ist. Italien hat bewiesen, daß sich der Kommunismus auch ohne antisemitische Schlagworte überwinden läßt und daß der stärkste Nationalismus auch ohne* antisemitischen Einschlag lebensfähig ist. Indessen hält Deutschland an der antisemitischen Einstellung fest lind baut eine Theorie nach der anderen um dieses Vorurteil. Es behauptet nach wie vor. daß das Judentum nur Talente, aber keine Genies hervor!)ringt — obgleich das anerkannteste unter den lebenden Genies heute ein deutscher Jude ist: A 1 b e r t E instein. und der berühmteste lebende Oesterreicher ein zweiter Jude ist: Siegmund Freud. Andere Theoretiker gehen von der These des Jüdischen Materialismus und Miienionistnus aus und übersehen, daß kein Volk so stark und so lange für seinen Glauben und seine Ideale gelitten hat. wie das jüdische. Daß die jüdischen Gemeinden nicht ihre reichsten Mitglieder am höchsten schätzen, sondern ihre weisesten, ihre Gelehrten. Daß im Judentum neben seinem Realismus ein ungeheuerer Idealismus steckt, ein Idealismus, der so stark ist. daß er der Welt das Christentum und den Sozialismus geschenkt hat. Ein Argument des Antisemitismus sollte aber kein Deutscher mehr gebrauchen: das Argument, daß die ganze Welt sich einig ist im Haß gegen die Juden. Denn erstens ist dies unrichtig. Der Antisemitismus ist kein Weltphänomen mehr, sondern beschränkt sich auf bestimmte Gebiete. Und zweitens hat das deutsche Volk im Weltkrieg an sich selbst erfahren, wie ungerecht auch der Haß einer ganzen Welt ein Volk treffen kann.