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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-06-16 · 6 (16.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
6 (16.6.1932)
Date
1932-06-16
Page
[Seite] (sequence 3)
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und Bildungseinrichtungen die Reidisnotwendigkeit geltend machen. Tritt der Reichsverband ins Leben, so sollten mindestens die geplanten Besteuerungen in Wegfall kommen. Wesentlicher aber ist die Schaffung von zureichenden Sicherungen gegen die Politisierung des Reichsverbandes. Sind diese Sicherungen nicht möglich, dann sollte auf die Schaffung des Reichsverbandes verzichtet werden, zumal in der bestehenden Arbeitsgemeinschaft ein genügendes Organ zu gemeinschaftlicher Arbeit vorhanden ist. Weniger Politik und mehr Religion! 100 Jahre Privat-Armenverein Buchau. Die Jubelfeier vom 4. Juni d. Js. Die Hundertjahrfeier des Israel. Privat- A r in e n v c r e i n*s in Buchau begann mit einem Festgottesdienst in der Synagoge, zu dem sich die ganze Gemeinde eingefunden hatte. Den kantoralen Teil hatte ein Sohn der Gemeinde, Lehrer Einstein aus Laupheim. übernommen; in tiefer Ergriffenheit folgte die Gemeinde den Gebeten und schönen Gesängen dieses ausgezeichneten Vorbeters. Der Synagogen-Chor. mit prächtigen Stimmen auf voller Höhe, sang hierauf das „Wajhi binsoa“ und anläßlich des Vorlesens der Thora fielen reiche Spenden für den Armen-Verein. Das ..Halleluja" von Hummel. glockenrein und herrlich gesungen von Frau Anne Kahn, schallte erhebend durch die schöne Synagoge und war die Heberleitung zur Festpredigt von Rabbiner Dr. Schlesinger, der seinen durchgeistigten Worten den Psalmvers zugrunde legte: „Die Welt ist aufgebaut auf Liebe“. Er wies auf die sozialen Einrichtungen, Gebote und Vorschriften gegenüber Annen. Schwachen und Kranken — ob Juden oder Nichtjuden — hin. Diese Gesetze edler Nächstenliebe sind immer noch vorbildlich und werden allezeit ein Ruhmesblatt in der wechselvollen Geschichte des Judentums bleiben. Dr. Schlesinger sprach zum Schluß den Gründern und Leitern des V ereins, die in guten und schlechten Tagen seine edlen Ziele hochgehalten haben, den herzlichsten Dank aus. — Zu der einfachen und schlichten abendlichen Feier hatten sich abermals die ganze Gemeinde sowie anhängliche Buchauer aus Stuttgart, Ulm und Deggendorf im Cafe Vierfelder versammelt. Vorstand Max Weil wies in seiner schönen Begrüßungsansprache u. a. darauf hin, daß der Verein am 5. Juli 1832 gegründet wurde. Nach einem gut vorgetragenen Violinsolo von Max H i r s ch mit Klavierbegleitung von Frau Cläre Weil erteilte der Vorstand das Wort San.-Rat Dr. Nördlinger, Ulm, dem früheren verdienstvollen Vorstand des Vereins. Die festliche Stimmung erreichte ihren Höhepunkt durch dessen gedankentiefe. großangelegte Festrede. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Jüdischen Gemeinde Buchau und ihr großer Wohltätigkeitssinn seien ein himmlisches, ein heiliges Geschenk. Die Ansprache endete mit dem Wort: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Nach kurzer Pause brachte Frl. H e d i Bernheim klangschön ein Lied zum Vortrag. Anschließend erstattete Dr. Schlesinger im Auftrag des Vorsteheramts und des Isr. Oberrates dem Jubelverein herzliche Glückwünsche und brachte ein Schreiben des Oberrates zur Verlesung, der lebhaften und freudigen Anteil an diesem Feste nimmt. Frau Ida Moos brachte die Glückwünsche des Isr. Frauenvereins und des Lundesverbands des Jüd. Frauenbundes, Josef Berliner und Siegfried Dannhauser die Grüße des Isr. Wohltätigkeitsvereins und der „Harmonie“. Julchen Dreifuß und Frida H e i n b a ch folgten sodann mit einem von San.- Rat Dr. Nördlinger verfaßten Festspiel „Armut und Wohltätigkeit“. Der zu Herzen gehende, von hoher Poesie getragene Inhalt und der schöne Vortrag ergriffen alle Anwesenden. Dem zweiten Teil der Festrede hatte Dr. Nördlinger Angaben aus den seit hundert Jahren vorliegenden Protokollbüchern zugrunde gelegt. Namen von Männern wurden verlesen, die als Erstände. Kassierer und Schriftführer sowie als Ausschußmitglieder segensreich gewirkt haben. Die sonstigen Einträge in die Protokollbücher ergaben ein ebenso interessantes wie genaues Spiegelbild der wechselvollen Verhältnisse in den letzten hundert Jahren. ür mehr als dreißigjährige ununterbrochene Tätigkeit in der Vorstandschaft wurden Martin Einstein. San.-Rat. Dr. Nördlinger und Sigmund Einstein Ehrenurkunden überreicht. Lehrer Einstein und Frau Anne Kahn verschönerten das Fest, das mit einer Dankrede des Vorstands Max Weil endete, mit Gesangsvorträgen. F®nzen. bedeutet die Feier ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Gemeinde. Möge derPrivat- Armenverein für alle Zukunft so segensreich wie bisher wirken! Für unverlangt eingehende Manuskripte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung — 51 — Zum Ableben von Siegfried Kahn, Cannstatt. Nach kurzer Krankheit verschied am 30. Mai einer unserer Besten: Siegfried Kahn, Cannstatt, der tatkräftige und opferwillige Vorstund der Isr. R c 11 g i o n-s g e s e 11 s ch a f t in Stuttgart. Viel zu früh für seine Familie, seineGemeinde und unsere Religionsgemeinschaft überhaupt schied in Siegfried Kahn ein Mann, der bei aller persönlichen Bescheidenheit stets mit bewunderungswürdiger Zielstrebigkeit und Tatkraft zum-Segen des. Judentums wirkte. Seine strenge Gewissenhaftigkeit, seine gesinnungstiiehtige. ganz auf die Tat gestellte Religiosität verbanden sich mit der natürlichen Liebenswürdigkeit des allzeit hilfsbereiten Menschenfreunds. So war er der vorbildliche religiöse Führer, dem es immer gelang, Gegensätze auszugleichen und Frieden und Eintraait zu sichern. Einem gottesfürchtigcn Elternhause, das ihn zum §laubensstarken Juden erzog, entwachsen, hielt iegfried Kahn sein ganzes Leben lang an den frommen Ueberlieferungen der Eltern fest. Mit seiner ihm gleichgesinnten Gattin führte er ein Haus, das von echt jüdischem Geist und tiefer Gottesfurcht erfüllt war. Werktätige Menschenliebe hatte in ihm eine geheiligte Stätte gefunden. Seiner religiösen Ueberzeugung folgend, schloß sich Siegfried Kahn der Israel. Religionsgesellschaft an und wurde bald deren Führer, immer bestrebt, neben einer planvollen Verwaltung das religiöse Wissen zu mehren und den Zusammenhalt der Mitglieder zu festigen. — Als Vertreter der gesetzestreuen Richtung gehörte er der V e rfassunggebenden Isr. Landeskirchenversammlung und später ununterbrochen der Isr. Lun des Versammlung an. in deren Finanzausschuß er über die Belange der von ihm vertretenen Kreise hinaus stets mit reicher Sachkenntnis für das Wohl des Ganzen wirkte. Immer fanden dort seine von heiligem Ernst beseelten Worte größte Aufmerksamkeit. So stand Siegfried Kahn überall da, wo es galt, für das Judentum zu wirken, an vorderster Stelle; wo man seine Mitarbeit suchte, hat er sie nie versagt. Mit Güte und treuer Gewissenhaftigkeit wirkte er allezeit. Männer wie Siegfried Kahn sind es. die dem Judentum zur hohen Ehre gereichen, die als leuchtendes Beispiel für immer im Andenken igarr Große Auswahl In Jeder Preisläge Fabrikfrische Zigaretten Erich Rieth Hauptbahnhof Sc Katt arhalla Stuttgart der Nachwelt fortleben. Sein Andenken gereicht zum Segen! |d slclls Die Liebe und Verehrung, die Siegfri von allen Seiten entgegengebracht wur bei seiner Bestattung am 1. Juni noch ein erhebenden Ausdruck. Eine außen» große Anzahl von Leidtragenden folgt Sarge des Verewigten, unter ihnen der Fi des Isr. Oberrats, Ministerialrat Dr. 1 mit den Mitgliedern des Kollegiums. Präsident der Isr. Landesversammlung, anwalt Dr. H urum I. Tübingen, mit Abgeordneten derselben. An der Bahi Religionsoberlehrer E m a n u e 1 A d I empfundene Worte der Trauer über di gang des hochgeschätzten Mannes. Mit Nachruf verband er den Dank des Wohltätigkeits Vereins Cann dem Siegfried Kahn als Ausschüßmitgli? besten Kräfte gewidmet hat. — Als Frc Verewigten und für die Isr. Religionsges in Stuttgart sprach deren geistlicher llabbiner Dr. Bambergcr. Er schild£ Verstorbenen als einen begeisterten Tr| jüdischen Glaubens, der stets zu allen bereit war. — Der Präsident der Isr. Versammlung dankte Siegfried Kahn fiir seine verdienstvolle Mitarbeit in der Isr. Landesbehörde und rühmte sein stets auf den F rieden hinzielendes Wirken. — Nach ihm iprachen Dr. Hasgall. Stuttgart, namens der I <r. Religionsgesellschaft. Professor Dr. S ch m i d t im Auftrag der Offiziere des ehemaligen Kßlinger^ I.undsturmbataillons. dem Siegfried Khhn im Weltkrieg als Offizier angehörte, Alfred U 11mann, Stuttgart, im Auftrag der Smttgart- Loge. unri-ein Angestellter der Firma Siegfried Kahn. Aus den QemeUtdeH Wädtemietgs Kahn de, kam mal zum tdentlich e dem räsident i r s ch . ijnd -der Rechtsvielen sprach r tiefi Heimdieseni s r a e 1. s t u 11“, d seine und des schaft Führer, rte den ger des Opfern Landes- Stuttgart. Die „Stuttgarter Zeitralkasse für jüdische Wanderfürsorge“ wurde im Jahre 193t von 749 Petenten besucht Hierunter befanden sich 648 männliche. *> - -~:L liche und 50 jugendliche (darunter vier I weib- Kinder) Bittsteller. Von ihnen waren 157 Inländer. 554 Ausländer und 58 staatenlos. Unter der Petenten befanden sich 208 Rückwanderer. 1 ie Zentralkusse hat 1931 fiir Fahrkarten 2744.84 RM. und für Barunterstützungen 1682.95 RM. — inssamt 4427.79 RM. — uusgegeben. Stuttgart. Wie wir hören, wird das vom I s r. Ober rat anläßlich seines hundertjährigen Bestehens vorbereitete Bilder werk nit weit über 150 zum größten Teil erstmals veröf entlichten Aufnahmen alter und neuer Syi agogen. Friedhöfe. Grabsteine usw. in Württemberg demnächst im Dr. Benno F'ilser Verlag G. in. b. H„ Augsburg, erscheinen. Das hervorragendle Werk enthält zugleich eine von Stadtrabbiner Dr. R i eger bearbeitete vollständige Uelwrsicht über sämtliche jüdischen Siedlungen in Württemberg mit Angaben des frühesten nachweisbaren Auf- MODELL-STOFFE QUALITKTS-STOFFE In bekannt großer erlesener Auswahl zu zeitgemäß billigen Preisen Stuttgart / Charlottenstr. 9 Heilbronn / Lohtorstr. 34 Kauft bei unseren Inserenten! Darmträgheit / Ventangsstörangeii beseitigen Dr. Nlttinger’s Hauspillen u. Marlenbader Tabletten / Alle Sorten Tet'i und Hollkrtntor in bester Irischer Qualität Dr. Vodf, Adler-Apofteke Stuttgart / »TBMStastntt ISl. 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