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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-06-16 · 6 (16.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
6 (16.6.1932)
Date
1932-06-16
Page
[Seite] (sequence 2)
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gehören zur Behandlung ins Modern eingerichtetes FuBpflegeinstitut Kr hat gewußt. daß er Gedanken hatte, die letztlich nicht mir fiir .«einen engeren Kreis, die auch fiir Deutschland Befreiung. Neuschöpfung bedeuten konnten, Er hat ungeheue r darunter gelitten, daß er schon frühzeitig Dinge reifen sah. die er anders gemacht hätte, aber man fragte ihn nicht, «eil man es sich nicht in Deutschland corstellen konnte, daß er als Jude an leitender Melle Stände'. Die «eiligen .Monate, die ein Hathonau als Minister «irkte. ließen die Wellen de« Hasses in einer Weise hochgehen, die den Ab«iheii jedes feiner Empfindenden hätte erwecken-müssen und \ielleicht auch erweckt hat. In dieser /eit ist l’.athenau in seinem Judentum gereift. Sicherlich hat er niemals das besessen. was wir ein jüdisches \\ issc-n nennen. Die Lücken der Bildung der Jugendzeit waren nicht .nachzuholen. \ ielleieht sogar, daß er hier und da gefühlsmäßig manchen Schriften aus anderer XX, lian-chaiiung näher stand, aber der Stolz auf sein Judentum wurde größer. Interessant ein Brief an die C.eneralin von Kinde n b u r g. I r stammt all' einer /eit. in der llathenau noch allseits vom politischen Leben .stand” In ihm hi-ißt es: ..Wenn auch ich und meine \ erfahren nach besten Kräften unserem l anile gedient haben, so bin ich. wie Ihnen bekannt «rin dürfte, als Jude Bürger 2. Klasse. Ich könnte nicht politischer Beamter werden, nicht einmal in 1 rieden-zeiten Leutnant. Durch einen Glaubens«echsel hätte ich mich der Benachteiligung entziehen können, doch hätte ich hierdurch nach meiner L’eberzc-ugnng dem von den herrschenden Klassen begangenen Hechtsbruch X ot-schub geleistet." Gewiß, er war ehrgeizig, und es befriedigte ihn. daß man ihn -chliclilich doch zur Führung rief, aber er wußte auch, was ihm bc Vorstand. Als man ihn zum Außenminister ernannte-, war es ihm klar, daß er in den sicheren Tod ging. Fr hat alle Warnungen in den Wind geschlagen: — 50 — ..Es werden Mann für Mann in den Graben springen müssen, bis er überstiegen werden kann. Gleichviel: er wird nie überstiegen werden. wenn nicht einer beginn t.“ Daß Walther Rathenau in diesen Graben gesprungen ist. um die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, von der letztlich das Heil Europas abhängt, anzubahnen, ist eine Tat! Man tötete ihn wegen seines Judentums. Noch Jahrzehnte werden vergehen, ehe man erkennen wird, wer er gewesen ist. Weniger Politik und mehr Religion! Zum geplanten „Reichsverband der deutschen Juden.“ Am 22. Mai fand in Berlin die Delegiertentagung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland statt. Ein Höhepunkt dieser Tagung war'das Referat des Referendars Kelle r m a n n . der als Sprecher der jüdischen liberalen Jugend bemängelte, daß die Politik den religiösen Gehalt der Bewegung fast verdrängt, und die Rückkehr zum Religiösen lebhaft forderte. Fs ist ja leider nachgerade Gesetz geworden. daß auf jüdischen Tagungen inehr von Politik als von Religion gesprochen wird. Wer in die Versammlungen der jüdischen Verbände-, der Gemeinden, der Landesverbandstagungen hineinlauscht. wird ein gutmütiges Lächeln nur schwer unterdrücken können: man spielt dort Parlament. man gebärdet sich diplomatisch, inan hört programmatische Erklärungen von Parteiführern. die irgend ein Zwerggebilde mit feierlicher Grandezza vertreten, so daß man beinahe vergessen könnte, daß es in ganz Deutschland nicht viel mehr als eine halbe Million Juden gibt, und daß hinter diesen Parteiführern kaum einige 'lausend Wählerstimmen stehen. Es ist wahrhaftig an der Zeit, daß sich die deutschen Juden von dieser Xachahmungsucht der politischen Parteien freimachen und sich daran erinnern, daß sie in Deutschland sicher nur eine religiöse Gemeinschaft bilden. Fs bedeutet eine Lebersteigerung, wenn die Jüdische Volkspartei den Rabbinern und Lehrern in dem geplanten Reichs verbändeeine Standesvertretung versagen will, offenbar aus Am sporttedipisdien Gründen ist die Sports bteiluivg das Jüdischen Jugandrlngs gezwungen, sich selbstständig zu mache n. Am Samstag den 18. Juni, abends 8*.* Uhr, findet hierzu in der Stuttgart-Loge, CalwerstraÄe 33, die 6mndnntf$>Vcrsaiiimlnn$ statt, zu der wir alle Sportfreunde herziidi einladen. Der Ausschuß der Sportabteilung des JQd. Jugendrings (---> Ich Jage allen herzlichen Dank, die mich zu meinem 75. Geburisiag in fo liebenswürdiger Weife mit Glückwünjchen und Auf merkfamkeiien erfreut haben. Frau Sofie Fuld Ameisenbergstr. 57 ß Stuttgart, Juni 7932 V____J Verein Ifldlsdier Handwerker ln Mundart Et empfehlen n«tZB.rw«n: Ed. Liebermama, Odisenmetzgerei, Holzstraße 13, Telefon 296 22 Leopold Oreifoas, Metzgerei, feine Fleisch- und Wurstwaren. NadierstraBe 17, Telefon 24910 Harrenschneider: Hertmann Opatowmki, Maßschneiderei, Deutsche und englische Stoffe. Sch waren bergstrafte 161 O. Jontof - Harter, Herrenschneider, Lager deutscher und engt. Stoffe. Friedrichstr. 6, Tel. 22694 SanHSre Installation und Heizung« «nlogon: Jaltas Kaba, Gas-, Wasser- und Entwässerungsleitungen sowie alle Reparaturen. Koibstrafte 12, Telefon 70076 Radio / Elofctr. ■odarlaartihai: L. Londoner, Speziaireparaturwerkstätte sämtlicher Radioapparate sowie elektrischer Hausgeräte. Poststrafte 7, Telefon 2942t Tapocior: Jakob Go Ipern, Anfertigung (einer Polstermöbel in Stoff und Leder bei billiger Berechnung. Paulusstrafte 2 b Israel. Waisen' and Erzielmiigs-Anstalt . - * “ - ii 9! Aus besonderen Gründen muß die für Sonntag, den 26. Juni, angesetzte OrdcDOidic Mitgliederversammlung auf einen noch bekanntzugebenden sp&teren Termin varlag« wardan. Der Ausschuß. Jüngeres Arüuleia für Büro (Samstags geschlossen) und Haushaltung per sofort gesucht, (toll, auch Halbtägig). Offerten erbeten unter 2. W. 466 an di» Gemeinde-Zeitung äfrael. $ran emPfietzlt sich Hu« AusuSheu 1» SDcifctf^cs «. JUdiem Offertes nater &• G» an die Demeisde-AeltsUg Süiwanwalffleim der Stuttgart-Loge Mühringen bal Harb a. N. Gute rituelle Verpflegung, fließendes Wasser, ' Liegehalle, Schwimmgelegenheit, Beaufsichtigung durch geprüfte Kindergärtnerinnen unter Leitung einer ausgebildeten Krankenschwester — Aerztl. Aufsicht iiiiiiiiiiiiiiitniiiiiiiiiusiiHiitiiuiHiiiiiiiuituittiiiuiiiiiiiunittiuuii Geöffnet ab 1. Juni 1932 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiini Juli und August sind in erster Linie für Kinder von Logenbrüdern vorgesehen. — Vor den Ferien können auch junge Mädchen aufgenommen werden. Anmeldungen an: Frn Serie Hille. SMtiirt, Leuingstnke 7 Tatofoa Nr. (M52 Jetzt ift die günftlgfte Zeit zum Butter auslaffen. Allgäuer Weidebutter ift die ausgiebigfte u. z. Zeit bil- Ugfte Butter. Per Pfd. Mk. 1.23 von 5 Pfd. ab.. 1.13 Tflotkecei Jiufut Sonnenftraße 5 / Telefon 24373 Jitiale. Cannstatt: Bahnhofftraße 13. Telefon 51073 der Befürchtung heraus, diese Rabbiner und Lehrer könnten sich der Einordnung in die ..Parteien“ entziehen. Diese Haltung ist ein Spottlied auf das jüdische Versaut mittags wesen der Gegenwart: Es ist schon so weit gekommen, daß int Judentum der Gegenwart die Partei mehr gilt als Sachkunde, mehr als die bis dahin noch selbstverständliche Achtung vor den geistigen Führern. Diese politisierten Juden sollten von ihren nichtjüdischen Mitbürgern lernen, die ausnahmslos die Führung derartiger Verbände ihren Geistlichen anvertrauen. Fs ist ein nicht weniger unerfreuliches Zeugnis der Politisierung der jüdischen Gesamtheit, daß sich der religiöse Liberalismus auf der Delegiertentagung der liberalen Vereinigung wieder starr antizionistisch gebürdet hat. also die verhängnisvolle Gleichstellung von religiösem und politischem Liberalismus noch nicht aufgegeben hat Ist es denn nicht denkbar, daß ein national gesinnter Jude das religiöse Programm der Liberalen Vereinigung vertritt oder sich irgend einer anderen jüdisch-religiösen Gemeinschaft anschließt? Diese Frage hat für die süddeutsche Judenheit eine besondere Bedeutung. Sie ist noch nicht nach preußischem Muster politisiert. Sie zeigt wohl alle Spielarten des religiösen Lebens von der äußersten Negation bis zum extremen Positivismus. Aber diese Spielarten sind hier durch den gemeinsamen Willen zum Judentum zur Einheit •gebunden, ln den süddeutschen Verbünden gibt es sicher auch jüdisch-politisch eingestellte Vertreter. Aber sie wissen, daß sie mit den reinreligiösen Vertretern der Judenheit in inniger Gemeinschaft und brüderlicher Gesinnung arbeiten müssen. Soll der preußisch-jüdische Parteidogmatismus nach Süddeutschland verpflanzt werden? Es ist an der Zeit, hier rechtzeitig zu warnen. Die Landesverbände haben sich in der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände bereits ein Organ geschaffen, das sich als durchaus zureichend erwiesen hat. Der Reidtsverband würde dieser Arbeitsgemeinschaft allerdings ein politisches Gepräge, ein politisches Folio geben. Aber eben die Politisierung des deutschen Judentums erscheint gerade im Hinblick auf die programmatische Erklärung der neuen deutschen Reichsregierung durchaus nicht wünschenswert. Dazu kommt auch ein finanzielles Bedenken der Süddeutschen Landesverbände gegen den geplanten Reichsverband. Er beabsichtigt, eine größere Reihe preußischer kultureller und Wohl fahrtsein rieh tu iigen zu ..reichsnotwendigen“ zu erklären und sie damit der Finanzierung durch die deutsche Judenheit zu überweisen. Das bedeutet eine wesentliche Entlastung des Preußenverbandes und eine starke-Belastung der Süd deutschen Verbände. Wenn auch die letzteren nur bis zu je einer Mark für den Kopf ihrer Verbandsgenossen zu diesen Anstalten beitragen sollen, so ist auch diese eine Mark eine ungerechtfertigte Forderung. Sic wäre etwa damit zu vergleichen, daß eine norddeutsche Universität für ihre süddeutschen Hörer von deren Landesherrschaft einen Beitrag zur Erhaltung der betreffenden Hochschule verlangen wollte. Es muß die Ehrenaufgabe der Verbände bleiben, die* von ihnen geschaffenen Einrichtungen, so weit sie nicht durch Stiftungszinsen erhalten werden, selbst zu finanzieren. Eventuell könnten die norddeutschen Bildungsanstalten von ihren süddeutschen Hörern Kollegiengelder erheben. Die Verbände sollen, soweit das notwendig ist. ihre lernenden Landeskinder unterstützen. Alter Beiträge zur Erhaltung der betreffenden Anstalten zu fordern und zu zahlen, ist nicht gerechtfertigt. Die zahlenmäßig so kleine württembergische Judenheit unterhält z. B. ein eigenes Waisenhaus, ein Altersasvl. ein Schwesternheim, eine Organisation zur Heranbildung jüdischer Seminaristen für den Lehrerberuf ttsw. Sie nimmt in ihre Einrichtungen auch norddeutsche Juden auf. könnte also für alle ihre Wohlfahrts- 25^3

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