Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 5 (1.6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
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TAPETEN.LINOLEUM VORHÄNGE-GARDINEN HIENERWADEL STUTTGART BÜCHSENSTRASSE 26 B FERNRUF 295 06 Margarete Susman über „Judentum und Frau in unserer Zeit". \m s. Mai sprach. wiewir -chou in Ic tztc i Nummer mitte ilic u. im Jüdischen l.rh rh i, u - Marpari'lr Susraa n über ..} u d e ih l ii in ii n d I' ran in unsiTfr / e i t" vor einem großen /.uhörcrkreis. In seinen Beprüßungsu orten kenn/eichnetc der \orsitzende tle« I.ehrh.uiMMinisterialrat I)r. II i r > di. «len \ortrng als eine Ehrung der jüdischen Mutter und damit al» Beitrap lies l.ehrliauses /um Mut tert.ig. In künstlerisch vollendeter Sprache null meisterhafter Gedunkenführung schilderte die Rednerin die GepenwaTtskrisis cfrs Judentums und der Jüdischen E rau. Die Seele de- Judentums ist seine Kinpottidee. ..Hat <ler Jutle Gott verloren, so hat er alles verloren." Der Gotteshali, der in den Sowjetstaaten /ur Parole erhöhen ist und -mit eherner Konsequenz \ erwirklicht wird, bedeutet darum die schwerste Gefährdung de* ^Judentums. \\a- >ich im Osten entwickelt. bedroht die innerste \\ ahrheit des Judentums. ..Wer pepen Gott kämpft, kämpft gegen das Judentum.“ Der Preis für die neue Freiheit der russischen Juden ist die Preisgabe Gottes. Die so entstehende neue jüdische Gemeinschaft ohne Gott bedeutet tatsächlich, wie sie Otto Heller geschildert hat. das Ehde des Judentums als Relipion und damit den l'nterpanp des Judentums im > isten. Damit entsteht ein neuer Pflichtenkreis für die. welchenoch Juden sind, das Judentum für sich und die Menschheit zu retten, an sefrrrr E.'rhultung tätip zu arbeiten. Das ist insbesondere die Aufgabe der jüdischen Frau. \adi der Bibel ist sie die sinnvolle ^chopfunp Gottes, die durch die Mutterschaft zur Mitschöpferin Gottes wird. Durch die Mutterschaft wird sie Hüterin und Verwalterin des l.ebns. Als Gattin, als Mutter, als Erzieherin verwaltet sie aber auch die Hedipkeit des Hauses, die Relipiositiit ihres Lebensbezirkes. Das war wenigstens ihr Amt und ihre Sendung. Daß sie diesem Amte und dieser Sendung untreu geworden, ist ihre Krisis. Die zweckhafte Wirklichkeit, die Einordnung der jüdischen Frau in die W irtschaft und in die Berufsarbeit mit ihren Notwendigkeiten hat ihr Frauentum umge-chaffen. Noch ist ihr Weg ins Leiten nicht verschüttet. soweit sie sich den Rest ihres Innenrenhes gewahrt hat. Sie suche den Heimweg zu Gott, zur Menschheit und Menschlichkeit, zum mc-ssianischen Idealismus. Sie finde sich -zurück zur Vision der Propheten vom höchsten Menschentum. Der Wog ist weit. Aber sie gehe ihn tapfer und entschlossen. Es ist der Weg der Liebe zu Gott und zum Menschen, an dessen Ende sie wie- Elia am Horeb die leise Gotte sstiminehört, aus der das alte ..H ure Israel!"■ tönt. Die Menschheit hat diesen Weg verloren, vielleicht hat die Frau die Kraft, die Stimme des vergessenen Gottes zu erlauschen. Die wahre volle Liebe ist allerdings unrettbar verloren. Aber das Mitleid und der Trost als Zeugen der verschütteten Liebe sind geblieben, der Abglanz — 42 — und Nachkiang jenes Trostes, von dem der Prophet im .Namen Gottes gesprochen: Ich will euch trösten, wie ein Mann seine Mutter tröstet. Auf diesem Wege leuchten heilige Möglichkeiten für die Frau unserer Zeit auf. Tief ergriffen lauschten die Hörer diesem mit starker innerer Begeisterung vorgetragenen Bekenntnis. das wohl noch lange in den Seelen der HöiVr nachzittern wird. Das Dankeswort des Vorsitzenden am Ende des Vortrags entsprach den) Empfinden des gesamten Hörerkreises. Aus den Qememdm lüuctlembecgs. Stuttgart. Die Jahresversammlung des ..V e r e i n s Israel. Lehrer in Württemberg" fand um 5. Mai statt. An der gut besuchten' Versammlung nahm als Vertreter des Israel. Oberrats dessen stellvertretender Präsident. Leopold L e v i. teil: außerdem waren Stadtrabbiner Dr. R i e g e r . Konsul Max Straus. Amtsrichter Dr. Einstein sowie der frühere stellvertretende Präsident des Oberrats. Louis Hirsch, sowie Rabbiner Dr. Auerbach anwesend. In seinem Tätigkeitsbericht ging der Vorsitzende. Anstaltsdirektor Rothschild. Eßlingen. ii. a. auf die Fragen der Zugehörigkeit der Lehrer zur Ortsfürsorgebehörde, der Visitation des Religionsunterrichts, der Schulberichte und der Befreiung vom hebräischen Unterricht näherein. Wegen der Ablegung der 2. Vorsängerdienstprüfung hat der Verein einen Antrag an den Oberrat um Abänderung der bisherigen Bestimmungen eingereicht. Ebenso wird dem Oberrat wegen der Befreiung der Schüler vom Besuch des Unterrichts an den Festtagen, die durch einen Ministerialerlaß seit langem angeordnet ist. ein Antrag unterbreitet werden, wonach in Zukunft die Rabbinatc ersucht werden sollen, sämtlichen Schulen ihres Bezirks die Daten der Festtage mitzuteilen. ' In seinem interessanten Referat über ..Der R e 1 i g i o n s u n t e r r i ch t und das Kind aus nichtreligiösem Hause“ ging Oberlehrer a. D. Prellburger. Creglingen. mehr auf die praktische Seite des Themas ein. Aus seiner reichen Erfahrung brachte er Beispiele, wie man den Religionsunterricht so erteilen kann, daß ein Zwiespalt zwischen dem Elternhaus und der Schule vermieden wird. An der sehr regen Aussprache beteiligten sich auch Louis Hirsch und Konsul Straus, die besonders darauf hinwiesen, daß es heute mehr wie je Pflicht der Lehrer sei. den Schülern positives Judentum zu übermitteln. An die Aussprache schloß sich ein Vortrag von Oberlehrer Spatz. Rexingen. über „Die Not der Gemeinden und wir“ an. Der Redner schilderte die wirtschaftliche Not der Landgemeinden. die an den Lehrer in seelsorgerischer Hinsicht große Aufgaben stelle. Er ging auf die soziale, kulturelle und seelische Not der Gemeindemitglieder ein. die gerade durch die wirtschaftliche Depression katastrophal zu werden drohe, und zeichnete die dem Lehrer hieraus erwachsenden Aufgaben. Das Korreferat hatte Rechnungsrat Wi ß m a n n . Stuttgart, übernommen. der das Thema unter dem Gesichtspunkt der Not der Großgemeinde n behandelte. Er schilderte, wie die wirtschaftliche Not sich in den Kreisen der jüdischen Gemeindemitglieder viel stärker als in den nicht jüdischen Kreisen bemerkbar mache, da durch die Umstellung der Wirtschaft der früher so wertvolle Vertreterstand. dem weitaus der größte Teil der Ged FLA=, . MINCO HcrreatCHien jiidi Na» TadallM«r Sitz billig* PnU*; Ver*ri i IM, Balt**t*U* W*lfr*B*traS* meindemitglieder angehört hat. ausgeschaltet und der Verarmung anheimfallen werde. Die allgemeine Wirtschaftslage werde die Gemeinden. die bisher zum weitaus größten Teile nur Yelwaltungsaufgaben erfüllt haben, vor schwierige Aufgaben stellen. Die soziale, religiöse und seelische Not mache sich in der Großstadt noch viel stärker bemerkbar als auf dem Lande. Die Aussichtslosigkeit der schulentlassenen Jugend im Berufsleben unterzukommen, verursache eine Radikalisierung der Jugend. Deshalb sei es die Aufgabe der Erzieher, in den Jugendvereinen mitzuarbeiten und sich seelsorgerisch zu betätigen, um so nicht nur der Jugend, sondern auch den Gemeindemitgliedern, die durch die wirtschaftliche Ndt seelisch zusammenzubrechen drohen, religiösen Halt zu geben. Infolge der fortgeschrittenen Zeit konnte eine Aussprache zu diesen beiden Referaten nicht stattfinaen. Den Kassenbericht erstattete Rel.-Oberlehrer Adler, Cannstatt. Die Spenden für die Witwen- und Waisenkasse des Vereins sind in einem Maße zurückgegangen, wie es die wirtschaftliche Verschlechterung nicht rechtfertigt. Durch die Abschaffung des Schnoderns in Stuttgart sind die Spenden, die im vorigen Jahre rund 1600 RM. betrugen, auf 300 RM. zurückgegangen. Wenn das Gesamtergebnis noch verhältnismäßig befriedigend ist. so rührt dies von einer außerordentlichen Spende von 1000 RM. durch den verstorbenen David Nathan aus Cannstatt und die Aufwertung verschiedener Wertpapiere her. Die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, sind aber größer als je; der Verein richtet deshalb an die Gemeinden die Bitte, ihn beim Aufrufen zur Thora und bei freudigen und traurigen Anlässen mit Spenden zu bedenken. Die Mitgliederzahl ist ungefähr die gleiche wie im Vorjahr. Den Nachruf für das älteste Vereinsmitglied, Hauptlehrer a. D. Forchheimer s. A.. Heilbronn, der 68 Jahre dem Verein angehört hat. hörte die Versammlung stehend an. Der Vorsitzende schloß mit dem Wunsche, daß sich die Mitglieder an allen Aufgaben des Vereins auch in Zukunft aktiv beteiligen. Stuttgart. Zwei ebenso wertvolle wie interessante Veranstaltungen des Berthold Auerbach- Vereines fanden vor kurzem im Rahmen des Frühjahrsprogramm statt. Martha Strapß, Cannstatt, leitete am 10. Mai einen Ausspracheabend mit einem außerordentlich gedankenreichen Vortrag über „Frauen im Beruf und öffentlichen Leben“ ein. Die Rednerin verstand es besonders, durch klaren Aufbau und strenge Durchführung des Themengedankens eine Diskussionsgrundlage zu schaffen und ihre aufmerksamen Hörer zu Rede und Gegenrede anzuregen. Sie beschäftigte sich einleitend mit bedeutenden ETauenführerinnen wie Alice Salomon. Adelheid Popp und Gertrud Woker, deren klare Lebensanschauungen es in erster Linie waren, die ihnen zur erfolgreichen Vertretung ihrer Ideen verhelfen haben. 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