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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1932-06-01 · 5 (1.6.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IX (1932-1933)
Issue
5 (1.6.1932)
Date
1932-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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Sdivarzvaidheim der StnUßart-Lode MQhrlngen b«l Herb ». N. Vorschulpflichtige Kinder von 5 Jahren an werden im Schwarzwaldheim Möhringen vom 15. Juni bin 15. Juli zu ermäßigtem Preis aufgenommen. Anmeldungen an: Frau Berte Bille. StitUirt, Lesxinistrifte 7 Telefon 60652 kerze auszublasen versuchte, fand ich einen geänderten, vielleicht würdigeren Lebenssti 1.“ Diese Worte sind der Schlüssel zu den Pforten unserer ureigensten Existenz. Die ganze Welt mit allen ihren Menschen ist krank, und gesund fühlt sich eigentlich nur noch der. welcher glaubt, materiell gesichert zu sein. Und da kommt dieses Lebensbuch Stefan Großmanns. dieses aus sokratischer Heiterkeit und dionysischer Lebensfreude strömende Werk, und mahnt mit seinen klaren Gedanken daran, daß das Leben ein Geschenk ist und keine Bürde zu sein braucht, wenn man sein Lebensgesetz gefunden und erkannt hat, daß auch hinter dem Unglück ein glückhafter Sinn steht, daß der Vfensch auch dann in neue Entwicklungen hineinreifen kann, wenn sich seine Lebenssonne einmal verdüstert. Halten wir uns an die letzten Jahre, dann dürfen wir mit Recht feststellen, daß wir im Schatten wandelten und auch jetzt mit Millionen keinen Lichtstreif sehen. Aber: wer von uns hat in einer stillen Stunde ehrliche Zwiesprache mit sich gehalten und auch nur den Versuch gemacht, hinter dem Dunkel einmal die Notwendigkeit dieser beschatteten Daseinswege zu sehen? Wer ist an seinem Leid seelisch gewachsen und trotz aller widrigen Geschicke Baumeister an sich selbst und damit an der Gern einschaft geworden? So unjüdisch — weil wir hoffnungslos verzagen und mit allem Leid uns von der Gemeinschaft abkapseln '— so unjüdisch wie heute dürfte aber nicht gelebt werden. Für alles, was wir heute n i ch t tun, für jede religiöse, charitative oder sonstige Unterlassung haben wir zwar ein wundervolles Zauberwort gefunden: die „Krise“. Wie die geschicktesten Aerzte stellen wir die Diagnosen für uns und die anderen — in der uns selbst geretteten Minute der Besinnung fühlen wir aber, wie leer wir geworden, wie sehr wir dem wahren Sein, in dem doch Freude und Leid immer beieinander stehen, entwachsen sind. Wenn wir nun sa^en, daß diese Notzeit uns allen eine außerordentliche Chance bietet, den Rückweg nämlich zu uns selbst, dann werden wir nur bei ganz wenigen Verständnis finden. Wie sollen wir aber aus allen diesen Nöten herauskommen, wenn wir uns von den dunklen Wassern, die unser Haus - 39 - umspülen, schließlich treiben lassen? Wie sollen wir unseren Kindern, auf denen das Judentum späterer Jahre sich gründen soll, einen Hauch wenigstens jener Glücksmöglichkeiten mitgeben. wenn wir, die Eltern, an solche selbst nicht mehr glauben? Wie soll die junge jüdische Generation am alten Bau für kommende Geschlechter arbeiten, wenn sich diese Jungen so in die „Krise“ verstrickt wähnen, daß ihnen nicht nur das jüdische, Sondern auch das allgemeinmenschliche Erlebniszentrum verloren zu gehen droht? §o manches optimistische Buch hat es versucht. Front zu machen gegen den Pessimismus unserer Zeit. Aber kein Buch der letzten Jahre kennen wir, das so eindrücklich die doppelte Problemstellung aufzeigt, wie das von Stefan Großmann. Viele Menschen sind dem Dichter auf seinem Lebensweg begegnet, viel Mißgeschick hat er erlitten und trotzdem nie die lebendige Beziehung zur Welt und ihren Menschen verloren. Diese produktive Beziehung zur Gemeinschaft ist uns fast ganz verloren gegangen, und nur wenige sind es noch, die sich im alten jüdischen Sinn für das Ganze verantwortlich fühlen. Die meisten haben — das kann man immer wieder hören — „mit sich selbst genug zu tun". Und deshalb hat sich unser Gemeinschaftsverband auch unheilvoll gelockert, deshalb fühlt man auch ohne die Prognostiker der Statistik, daß schwere Gefahren nicht nur für uns heraufgezogen sind. Was können, was müssen wir nun dagegen tun? Jeder, der weiß, um was es geht, muß Front machen gegen die eben so bequeme wie törichte Behauptung, daß das Judentum an seinem gegenwärtigen, sicher noch Jahrzehnte dauernden wirtsaiaftlichen Umformungsprozeß scheitern muß. Es wird ganz bestimmt zerbrechen, wenn die Notwendigkeit der seelisch-geistigen Umkehr, jener den jüdischen Menschen von Grund auf neuorientierenden Lebensplanung, nicht Hand in Hand mit der ökonomischen Umstellung geht. Sollen die Nachfahren aber erkennen müssen, daß unsere Gemeinschaft, die der Menschheit die zehn sittlichen Grundgesetze brachte und so Diener an Gott und Welt war — sollen spätere Geschlechter erfahren müssen, daß ein viertausendjähriger Monumentalbau an der Tatsache zerbrach, daß die Menschen des 20. Jahrhunderts den Dualismus zwischen Fließbandproduktion und sinkender Konsumkraft nicht zu lösen vermochten? — Diese Zeilen werden vor dem Schowuausfest geschrieben. Müde von der Wanderung im heißen band der Wüste, umlauert von den Gefahren der Einöde, schleppten sich einstige Sklaven zum Sinai, um dort an Seele und Geist frei zu werden. Und nun stehen wir wieder am heiligen Berge, ebenso müde und hoffnungslos, und hoffen dennoch, daß uns die befreiende Stimme wird. Aber das Wort wird nur in uns erklingen, wenn wir auch im Dunkel das Licht suaien. Dann erst blicken wir durch die leidvollen Erfahrungen hindurch, tief hinein in die Zusammenhänge unserer Geschicke und werden zu starken Trägern einer Idee, die uns und den Nachfahren das Leben auch dann lebenswert macht, wenn Krisenschatten uns umdiistern. — Brüning die Judenfrage. Die Wahlen zum preußischen, bayrischen, württembergischen und anhaitischen Landtag sowie zur Hamburger Bürgerschaft haben eine neue politische Konstellation geschaffen. Die bis zu den Wahlen leidenschaftliche gegenseitige Abwehr zwischen Zentrum und Nationalsozialismus ist abgeebbt. Die Feinde von gestern müssen sich heute zu gemeinsamer Arbeit die Hand reichen oder sich mindestens friedlich dulden. Dadurch wird auch ihre Einstellung zur Judenfrage nicht unwesentlich beeinflußt. Es fiel schon während der Wahlpropaganda auf, daß sich in Württemberg die NSDAP, von den üblichen Angriffen auf die Juden fast ganz fernhielt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie unter dem Einfluß der neuen Sachlage einen Teil ihres Judenprogrammes zurückstellen, während sich das Zentrum zu einer neutralen Einstellung zur Judenfrage entschließen wird. Gerade in dieser Wendezeit ist es bedeutsam, die bisherige Stellungnahme des Reichskanzlers zur Judenfrage in Deutschland kennenzulernen. Seine bewußte Zurückhaltung in der Aeußerung zu den politischen Tagesproblemen hat es verursacht, daß bei seinen Freunden wie bei seinen Feinden ein nur unklares Bild seiner Parteinahme zu den Zeitfragen verbreitet ist. Um so dankenswerter ist die Charakteristik der Person des Reichskanzlers, die soeben Dr. Alfons Nobel im Verlag von R. Kittier, Leipzig, veröffentlicht, weil sie sich im wesentlichen auf persönliche Acußerungcn Brünings beruft. Seine Gedankengänge zur Judenfrage (Seite 35 bis 38) stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Morde an Walther Rathenau, stammen also aus einer Zeit, die immerhin ein Jahrzehnt zurückliegt. Bei der geschlossenen Persönlichkeit Brünings darf aber seine damalige Stellung- Jubllfiums-Schlager für die Dame Tennis-Schläger 11.50 Tennis-Kleid 3.90 Tennis-Schuhe 2.90 Bade-Anzug 1.25 Strand-Anzug 4.90 Bade-Mantel 9.80 für den Herrn Tiroler-Janker 5.80 Leder-Hose 15.50 Berg-Stiefel 24 50 KnlckerbockeV 7.80 Sport-Spencer 9.80 Sport-Anzug 29.50 . im Jubllflums- Verkauf jetzt besonders billig reitmever nähme auch noch heute für ihn als bezeichnend ungesehen werden. Bei seiner Bedeutung für Wie deutsche Politik beanspruchen seine Äußerungen besonders unter dem Gesichtspunkt der neugeschaffenen politischen Sachlage entscheidende Beachtung. I Brüning sieht in Walther Rathenau den Typ des alteingesessenen deutschen Juden, „getränkt von Mitleid und Melancholie“, der „mit den 'besonderen Eigenschaften des Juden eine starke Sehnsucht verband, für Deutschland alles zu tun und vieles zu leiden und gewisse Begabungen seiner Rasse in den Dienst — wir sagen mit Ueberlegung — seines Vaterlandes Deutschland zu stellen“. Er betrauert den Tod des Manines. „der seinen Stammesgenossen' den Weg zejgen und ein Vorbild hätte sein können, um jdas Judentum in der richtigen Weise in das Gesamtleben der deutschen Nation einzufügen un^ es erträglich und wertvoll zu machen“. j Bis hierher kann man Brüning unbedingt Fjolge leisten. Nun folgt aber eine scharfe Kritik 1er Juden, die nicht wie Walther Rathenau sine . Es scheint ihm so, „als wollte das Judentum gerade die Eigenschaften des Deutschen nachmachen, die Deutschland mit fast tragischer Präzision nach zwei, drei Generationen wieder in das Nichts zurücksinken lassen“. Diese Eigenschaften „Rechthaberei, Unfähigkeit das eigene Ich willig größeren Zielen unterzuordnen. Nie tenlassen eines anderen Standpunktes, Glaube, mit Theorien die Welt schematisc stallen zu können, Engherzigkeit. Unduld keil, geistige Erstarrung,... der Wille, den I ner nicht nur als Politiker kaltzustellenrson< rrn ihn mit allen Mitteln auch moralisch zu] nichten“. Brüning richtet an die deutschen Juden, die dem von ihm geschilderten Sündengeist nicht verfallen sind, den Appell: „Wollt ihr es gestatten. daß eure Stammesgenossen alles nirderreißen und mit Hohn und Ironie die große, geistige Erbschaft eures Volkes zersetzen dürfen?“ Des Kanzlers Wort in Ehren! Sein Stiidenkatalog mag einzelne, vielleicht sogar viele , uden kennzeichnen. Aber der Kanzler verfällt in seiner Kritik in die alte deutsche Schwäche, den Einzelfall zu verallgemeinern und aus Binzeitypen. die erf sicher gesehen haben mag,leinen Gesamttypus zu konstatieren. Er verfällt geradezu in das übliche System, wenn er den Juden in amog* Arti 10. Tag«: .Tag« M trägt man Roland-Schuhe gern man braucht sie nicht erst „einzuloufen"; u. passen sofort — man ist nodi Vonaten und Jahren stolz auf sie, weil sie lange aussehen „wie neu“ — ja, Roland-Sdiuhe sind eben etwas Besseres: sie jind von Deutsdilands größter Herrenschuhfabrik hergestallt und kosten doch nicht mehr als andere Sdiuhe Haupt- Preise: 950 10 o 1250 1450 Stuttgart / Könlgstr. 68

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