Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IX (1932-1933)
- Issue
- 3 (1.5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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Dr. med. Löwcnfcld erzählt Witze... Oer vorstehende Abschnitt wurde mit Genehmigung des LStadtmann Verlags, Leipzig, entnommen ans dem Werk: Theodor Heinrich Mayer „Königgrätz", das zum Preise von KM. 4.— geheftet und KM. 5J0 gebunden durch jede Buchhandlung zu beziehen ist. Der Kampf zieht sich gegen Wsestar hin. Sanitätspatrouilien kommen, um die Verwundeten aufzuheben; bringen die beiden Heckendorffs nach Rosberitz, wo ein preußischer Verbandsplatz etabliert ist. Dort ist ein österreichischer Militärarzt gefangengenommen worden, der natürlich ungehindert seiner Tätigkeit nachgehen kann. Den preußischen Kollegen stellt er sich der Reihe nach immer als „Dr. K. A. Löwenfeld“ vor. „Und wie heißen Sie ohne Abkürzung?“ fragte ein Preuße mit harmlosem Spott. „Ich heiße Dr. Kasimir Albrecht Löwenfeld. Kasimir, weil ich unter einer polnischen Bevölkerung geboren bin. Albrecht, weil Deutsch meine Muttersprache ist, und Löwenfeld, weil mein Vater ein Jude war.“ Die preußischen Aerzte lächeln zuerst ein wenig über ihn. Aber bald sprechen sie ihm ihr Lob aus. Löwenfeld arbeitet für zwei und drei. Erlahmt nie, wird nie verdrossen. Immer neue Bahren kommen. An die hundert warten schon vor dem einen Verbandplatz. Und in wenigen Minuten wird sich die traurige Schar verdoppelt haben. Alle die Verwundeten suchen sich zu beherrschen. Aber die Schmerzen sind zu groß, als daß ihnen nicht doch ein Stöhnen, ein Seufzen entfahren würde. Und da kommt der Doktor Löwenfeld zu ihnen, erzählt ihnen ein paar jüdische Witze. Wer noch lachen kann, lacht. Und wer es nicht mehr vermag, erfährt doch von der Heiterkeit der andern ein wenig Trost, ein wenig Kraft. Ueber eine Viertelstunde hilft das immer hin. Und dann kommt der Doktor mit dem schwarzen Bart schon wieder. Während der eigentlichen Behandlung hat es der Doktor schwerer. Es .müssen auf kurzem Weg Wunden genäht oder durch Granaten zerfetzte Glieder abgenommen werden. Manchem erscheint es frivol, wenn man in solcher Situation Witze erzählt. Aber die Verwundeten sind anderer Meinung. Dieser jüdische Arzt, vor dem sie zuerst ein Unbehagen empfinden, hat eine §anz sonderbare Art, seine Witze zu bringen. ie sind derb, manchmal recht eindeutig. Und seine Stimme paßt immer dazu. Aber es klingt auch etwas unsagbar Gutes darin mit. Vielleicht der Wille, in diesem Elend mit allen Mitteln zu helfen. Es ist auch bis jetzt keiner unter seiner Hand geblieben. Die Bahren draußen mehren sich noch immer. Keiner von den Verwundeten drängt durch Worte oder Gebärden. Der preußische Hauptmann Graf Dohna weist auf einen neben ihm liegenden österreichischen Jäger: „Bitte den zuerst, der hat es nötiger als ich!“ Und ein österreichischer Major mit einer schweren Brustwunde läßt wie¬ — 23 - der einem Gefreiten von der Garde den Vorrang, der an einer Schenkelwunde zu verbluten droht; Keiner klagt. Aber alle lächeln, wenn sie den Arzt von weitem, kommen sehen — denn jetzt gibt es w ieder einen guten Witz zu hören. Aber nun bringt man die, die man vom letzten Sturm des ersten Korps auf Rosberitz aufgelesen hat. Die Reihen werden schon unabsehbar. Auch jetzt klagt noch keiner. Aber es sind viele Hunderte, und aus jedem Auge starrt das Grauen. Der Doktor Löwenfeld zuckt zurück. Erzählt nicht zwei, schon ein halbes Dutzend seiner Witze, wählt die besten aus, die er kennt. Und weiß, daß er schon etwas Höchstes erreicht hat. wenn aus einem Dutzend von Augenpaaren das Grauen weicht. Und dann rennt er plötzlich in ein zerschossenes Haus, hält sich die Hände vor die Augen, bricht in einen Weinkrampf aus, der den starken Körper fast umwirft. Die anderen Aerzte bemühen sich um ihn. „Wir können es gar nicht glauben ... ihr herrlicher Humor ...“ Löwenfeld starrt sie mit verzerrtem Gesicht an. „Ja, wissen Sie denn, meine Herren, was man an Kraft braucht, um Menschen bei diesem Leid, bei diesem unvorstellbaren Grauen mit lächelndem Mund einen Witz nach dem andern zu erzählen? So zu erzählen, daß sie es als ein kleines Geschenk der Freude nehmen, das ihnen über eine Viertelstunde qualvollen Wartens, über ein paar Minuten eines schmerzlichen chirurgischen Eingriffes hinweghilft“ Einer von den Preußen will das Gespräch auf ein anderes Thema bringen. „Sie stammen aus Galizien. Herr Kollege, dienen bei einem polnischen Regiment und sprechen doch so gut Deutsch ...“ Da wird der Doktor Löwenfeld aber ärgerlich. „Was dort hinten im Polnischen Deutsch red’t. is e Jud, und was dort c Jud is’, das red't Deutsch! Liest deutsche Bücher, und die Jüngeln spiel’n deutsche Musik, gehen an eine deutsche Universität — das müssen die Herren endlich einmal bedürfen zu wissen!“ Der Zorn hat ihn in den Jargon seiner Jugend fallen lassen, und er lacht gleich selbst darüber, schon damit die anderen nicht damit beginnen können. „Wenn man auch manchmal ein bisserl umkippt beim Reden — e so a schlechtes Deutsch sprechen unsere Leut dort schon seit vier- oder fünfhundert Jahren! Aber jetzt wollen wir wieder an die Arbeit gehen — ich bin schon wieder ganz frisch.“ Und nun ist er wie früher der stets lächelnde, ruhige, überlegene Arzt. Der Witz, mit dem er seine Tätigkeit aufnimmt, ist so gut, daß sogar einige aus den Reihen des Grauens in ein leises Lachen ausbrechen. Und in der A/t. wie er seinen Beruf ausübt. ist jetzt auch schon etwas Trotz dabei: die andern sollen ihn für vollwertig nehmen müssen. Aus dm QemeUidm Wüdtem&ezqs. Stuttgart. Seit vielen Jahren ist die Generalversammlung des Israel. Männer Vereins 3hce Juifie gehören zur Behandlung ■Y ins Modern eingerichtetes Fußpflegeinstitut für Kranke nvp flege und Leichenbestattung eine Veranstaltung, an der alle für das jüdische Gemeindeleben in Stuttgart interessierten Kreise teilnehmen. Diese Anteilnahme gilt nicht nur dem Vereine, der unter den hiesigen jüdischen Wohlfahrtsvereinigungen die heiligsten Aufgaben zu erfüllen hat. sondern der seit Jahren geübten Sitte, im Anschluß an den Vereinsbericht Gemeindeangelegenhciton öffentlich zu erörtern. So war auch diesmal die 57. Generalversammlung des Vereins gut besucht? Der Vorsitzende. Leopold Le vi begrüßte! die Versammelten und verlas dann die Nameh der im letzten Jahre Verstorbenen, zu deren ehrendem Andenken sich die Anwesenden von ihreh Plätzen erhoben hatten. Er schilderte hierauf qie Wirksamkeit des Vereins im letzten Jahre. Der Ausschuß hat die Vollmacht der letzten Generalversammlung, den Armen über die satzungsmäßigen Bestimmungen hinaus zu helfen, voll ansgenützt und für die jüdische Nothilfe 5000 Mk. und mehr als 4000 Mk. für weitere Wohlfahrtszwecke verausgabt. Er hat für Beerdigungszwjecke im letzten Jahr 1000 Mk. mehr' als im Vorjahre aufgewendet. So erklärt sich der Abmangel von 2438 Mk„ zumal die Mitgliedsbeiträge empfindlich zurückgegangen sind. — Den Rechenschaftsbericht erstattete der Kassier Max Osterberg. Auch er bedauerte die rückläufige Bewegung in den Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Das Vermögen des Vereins ist um 10 000 Mk. zurückgegangen. Der Stadtrabbiner dankte dem Auscchuß des Vereins für seine großzügige Wirksamkeit. Er bedauerte, daß der Verein in letzter Zeit Mietsbeihilfen nicht mehr gewährt und bat. gerade auf diesem Gebiete den Armen der pemeinde hilfreiche Hand zu bieten. Zu dieser Frage äußerten sich außer dem Vorsitzende v Adolf Kops, Ludwig Stern. Adolf Kohn. Gemeindepfleger Dr. C o h n . D a'v i d Horowitz. Joseph Schwarzschil d, Wax Osterberg, Eduard Weil, Otto Bamjberger, Leopold Kahn. Joseph Burgheimer, »A d o 1 f G u m b r i ch und Men ko Kupfer. Schließlich wurde ein Antrag Gumbrich angenommen, daß nach Ermessen des Vorstandes Mietsbeiträge und Beiträge zur Nothilfe gewfährt werden sollen. Weitere Anfragen zum Kassenbericht stellten Dr. Löwenstein und AdoIfKops, die vom Kassier beantwortet wurden.| Auf Antrag Ludwig Sterns wurde dem Ausschuß die nachgesuchte Entlastung erteilt. In der allgemeinen Anssprache berichtete der Vorsitzende des Vorsteheramtes. OskarRoths di i 1 d . über die Stuttgarter Jüdische Nothilfe. Er trat lebhaft für die Zusammenarbeit der hiesigen jüdischen Wohlfahrtsvereine zur Behebung der allgemeinen Not ein. Bei dieser Gelegenheit verteidigte er die Gemeindeverwaltung gegen- Drogerie ■J5EÜ2SZ Parfümerie Königstraße 35 Spezialhaus für Schönheitsgflege^Artikel METHODEN: ELIZABETH ARDEN ELISE BOCK MARIN ELLO Kauft bet unsere« Inserenten! Schützt Such mc MeUimßie&m dl« oft in g roten Scharon Koeibaretas Im Nu nr* stören; «I« vermehren «Ich ratend und haben In etwa 14 Tagen Ihr Zeretörungswerfc vollbracht Dagegen echfitzen Sie eich mühelos, wenn Sie Ihre wertvolle Pelzgarderobe zum Orljeneky geben. Sorgmtigate Pflege, Aufbewahrung und Versicherung bis zum ntcheten Winter bootet für «Inen Pelzmantel etwa RM. 5.—, am welchen Preis Sie sich eine Neuanschaffung erspart haben. Kleinere Pelze schon von RM. 1.80 an. 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