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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-12-16 · 18 (16.12.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
18 (16.12.1931)
Date
1931-12-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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dafl es diesem Ausschuß gelingt. alle jungen Menschen unserer Gemeinde, die sidi für aktiven Sport interessieren, im Rahmen des Ju^cndriiigs zu sammeln. In einer so vielköpfigen Gemeinde, wie sie die unsrigc durstellt, sollte ein jüdisches Sportzentrum nicht fehlen. Stuttgart. Der B e r t h o I d Aurrliudi-Vcrein veranstaltete eine Anzahl von bemerkenswerten Vorträgen und Ausspracheabenden, über die nachstehend zusammenfassend berichtet werden soll. Am 13. Oktober sprach Stadtrabbiner Dr. R i e g e r über das 1 henia „V o m II e i in u t - recht der deutschen Jude n". Oer als Verfasser der gleichnamigen Broschüre be kannte Redner definierte zuerst in feinsinniger Weise den Begriff ..Heimat“ und zeigte dann, wie falsch es ist. zu behaupten, daß Blut und Herkunft einen konstanten Typus schaffen. An Hand von vielen Beispielen bewies der Referent vielmehr in instruktiver Weise, dali es Boden und Klima sind, die den Menschen gestalten: den besonderen Nachweis hierfür erbrachte Dr. Rieger durch eine zusammeufussende Darstellung jüdischer Kultur- und Geistesgeschichte auf deutscher Erde: ganz besonders interessant waren die Hinweise auf die Entstehung unserer jüdischen Gemeinden. deren Zellkerne schon im 3. und 4. Jahrhundert nach der christlichen Zeitrechnung gelegt wurden. Mit einem Wort von Gabriel Riefler schloß Dr. Rieger seine hochinteressanten, mit dankbarem Beifall aufgenommenen Ausführungen. — Einen Ausspracheabend über ,.D i e Problematik unserer Wirtschaftsordnung undWirtschaftsformenderZukunft“ eröffnete stud. jur. Bert K u u f in u n n um 27. Oktober mit einem einschlägigen Referat, das von einer bemerkenswerten \ertruutheit des Referenten mit dieser schwierigen Materie zeugte. Stud. jur. Kaufmann gab in sehr geschickter Weise einen Abriß der deutschen Wirtschaftslage seit Kriegsende bis zur heutigen Zeit und verstand es, auch' den volkswirtschaftlich weniger vorgebilcleten Hörern die Zusammenhänge der gegenwärtigen Krise nahe zu bringen. In einer „nationalen Planwirtschaft“ mit südoststaatlicher Orientierung sieht der Referent den Ausweg aus der Krise. — Eine rege Ausspruche schloß sich an seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen an. — ‘ Eine erwünschte Abwechslung im \ereinsprogramm stellte ein „G e ni ü 11 i ch e r Abend m i t T a n z" dar. den der B.A.V. am 3. November im Festsaal des Hindenbiirgbaus verunstaltete. Humorvolle rezitatorische Darbietungen von Max Holländer und David R i m p e I. ein Tanz von Alexa Ebstein. Gesellschaftstänze von Ruth L e v i und Hans Stern sowie ein Stepptanz des letzteren trugen wesentlich zum Gelingen des gut gelungenen Abends bei. — Einen allseits dankbar aufgenommenen Abend bot der B.A.V. am 10. November mit einer in u s ikalisch-rezitätorischen Veranstaltung. Der musikalische Teil' wurde mit hoher Könnerschaft bestritten von Lore Golds climidt (Klavier). Theo Pariser (Geige) und Gert Löwe (Cello), die den Abend mit Beethovens Geistertrio einleiteten, mit der meisterhaft vorgetragenen Cavatine von Raff für Cello und Klavier weiterführten und mit einer Schubert- Sonafine für Geige und Klavier beschlossen. Meta Strauß sprach eine Reihe Dichtungen mit zarter Zurückhaltung und innerlichem Erleben: wohl den tiefsten Eindruck machte sie mit Brögers .Gräbern“ und Kästners „Brief an die Zukunft“. Lore Goldschmidt trug ihre Gedichte mit dramatischer Leidenschaft vor: den Höhepunkt erreichte sie mit Conrad Ferdinand Mevers Ballade „Die Füße im Feuer“. Aus eigenem Schaffen rezitierte Haus Sternheini. Von der schwungvollen Gestaltung biblischer Motive zur Darstellung von Problemen des modernen Lebens: eine sich steigernde Kette künstlerischer Visionen bis zum starken, daseinsbejahenden „Gruß der Schöpfung“. Anhaltender und wohlverdienter Beifall der zahlreich Erschienenen dankte allen Mitwirkenden. — Am 17. November sprach dann Fried rieh S di i e k e r. der Leiter der bekannten „Schieker- Schule“, über das Thema „Kann und darf dieSdiule auf den Beruf vorbereiten?" Wie im letzten Jahre an gleicher Stelle, so bereitete der hervorragende Pädagoge seiner zahlreichen Hörerschaft wieder einen wertvollen Abend. Schieker verneinte die im Thema gestellte Frage entschieden: er forderte vielmehr eine umfassende Weckung aller seelischen, im QcppinqeH — 217 — Kinde schlummernden Kräfte und zeigte an Hund von Arbeiten seiner Schüler, wie eine dem Wesen des Kindes angepaßte Lehr- und l.ernmethodik den Menschen schafft, an den erst nach der Pubertät Berufsfragen herangebracht werden dürfen. Eine interessante Aussprache schloß sich au den mit großem Beifall aufgenommenen \ortrug an. Leber die Vortrüge von Rabbiner Dr. Ruinberger. Oberlehrer Krümer-Heilbronn und andere B.A.N.-\erunstultungen berichten wir in nächster .Nummer. Stuttgart. Der Bert h o I d A u e r b u ch - V e re i n hält seine mit Tanz und Tombola verbundene ( h u n u k k a - F e i e r um l‘J. Dezember ab. Wenn auch die Zeiten schwer sind, so hat der B.A.N. doch geglaubt, seinen Mitgliedern und Freunden auch dieses Jahr seine traditionelle, allseitig beliebte C'hanukkufeier bieten zu müssen. I)er Abend wird durch ein Programm eingeleitet. ■ in dessen Mittelpunkt ein von Leo Adler verfaßtes und einstudiertes heiteres Theaterstück steht. — Audi auf die kommenden Ausspracheabende im B.A.V. sei besonders hingewiesen. Stuttgart. Der „Bund für Neues Judent u m“ eröffnete seine Winterarbeit mit einem Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Karl Lieblich über ..Das kommende Gesicht der Wirtschaft", der im überfüllten oberen Saal des Hauses des Deutschtums stattfand. Der Redner entwickelte aus dem Begriff des Kapitalismus. den er als „freie“, in Wirklichkeit jedoch mehr oder weniger beschränkte Marktwirtschaft definierte, seine Wirtschaftstheorie. Diese läßt sich etwa in folgende Gedankengänge zusammen fassen: Wir hatten bisher nur eine qualitative, nicht aber eine quantitative Beschränkung des Privat- J Gorndorf das adalsta Erzeugnis der Schuhmdua'ria EHB kw:iii:i:r'UV KomgalraB« ü eigentums und der Privatinitiative. Bisjvor etwa 100 Jahren wirkten beispielsweise die Kriege alk natürliche Zerstörer, auch sorgte die Verhältnis!- mäßige Unendlichkeit des wirtschaftlichen Räumt für unaufhörlichen Nachschub. Mit den) Begini der Maschinen- und Arbeitstechnik war jedoch die Möglichkeit einer schießenden Wachstums! Beschleunigung gegeben, die zu vorübergehen, den Krisen führte. Nach endgültiger Schließung des W irtsdiuftsraums mußte die chronische Krise des Zusammenbruchs entstehen, da d,r Nahrungsstoß. den die Riesenorgane der Wirtschaft benötigen, dem Gesamtorganismus urd nicht mehr dem wirtschaftlichen ..Ausland“ entzogen wird. Rettung kann nur durch rücksichtslose Einführung der quantitativen Beschränkung erfolgen. Hier schlägt Lieblich eine Reihe tief einschneidender Maßnahmen vor. die ip einem /ehnjuhresplan durchzuführen wären. Die Wirtschaft bewegt sich schon jetzt darauf zu, aber noch unbewußt, ansiali mit der Einsicht, daß nichts anderes geschieht, als eine natürliche Angleichung an den neuen verengerten Lebensraum. Offensichtlichkeit. Gosamtwirtschaft und Gewerbegeschlossenheit sind die Gesichtsbilduhgen der kommenden Wirtschaft. ^CeMcomt ■ e Strümpfe, am ■ 0 TrlkatwataM ■ ■ Wliwarf Äi§M^CllCldff a. miu!nut« 9Mrwptaaa«»rarr TEL. 420 ai«H». »- OrUarrfltr etaaMaagn 9toM«-matMnin, zimtnmtpw 3tr>-arrfltr mm* ataiiucll* Julius Rlldenauer, Kieselmarkt 1 Zeitgemäße 2a(AMeiduHQ, ■ elegant und preiswert H . SCHUHHAUS ■ ♦ OTTO WALCH 1 _HMIbrono, Kalw»tr»8»M Telefon 3441 Kauft bei nnseren Insereiilen! Adoty JUtck Juwelier Kunstgewerbl. Werkstätte Sülmerstr. 62 / Telef. 2516 Sport-Anzüge Wintermäntel Ski-Bekleidung SPORVHAUS SAEMANN KAI SIR STB ASSI 2» / TILSFON 2202 F—-1 tatetödM Fleinerstratze 35/37 ★ Größte Auswahl in Gpielwaren , L.-_J Emmeridier Waren-Expedllian Hililmi 1. R. 8. a. k. IL Flcluiretra&l 50 I JCaJffee, 2ee, JCakao 1 Jeine Schokoladen^ HOTEL £Utsemteyec gegenüber dem Houptbabnhof Telefon Nr. 4246 Moderne Fremdenzimmer. Erstklassige Küche. 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