Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 17 (1.12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4904101-5442751-5443214--3254-4907254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
das leitende Organ der im Laufe der Zeit selbständig gewordenen Isr. Religionsgemeinschaft; ja, diese war durch ihre Verfassung von 1912 in Württemberg sogar führend in dem neuzeitlichen Verhältnis zwischen Stuut und Religionsgesellschaften geworden, du in dieser Verfassung die Grundsätze schon enthalten waren, die das württ. Kirchengesetz von 1924 auf Grund der Reichsverfassung für alle Religionsgesellschaften festsetzte. Die Isr. Oberkirchenbehörde und der Isr. Oberrat haben das Glück gehabt, zu jeder Zeit als Mitglieder ausgezeichnete Männer zu besitzen, die zu den besten Israeliten des Landes zählten, die ihr ganzes Wissen und Können ihrem Amte widmeten und dadurch ihrer Behörde die allgemeine Hochachtung gewannen. Namen zu nennen würde zu weit führen. Am Jubeltage des Oberrats bekenne ich aus eigener Erfahrung in der Zeit meines Vorsitzes in der Isr. Oberkirchenbehörde (1910 bis 1924) gerne, dafl es mir immer eine Freude war, in nie getrübter Eintracht mit diesen ehrenfesten, charaktervollen und klugen Männern zusamnienzuurbeiten. die sich besonders in den schweren Tugen des Kriegs und der Nachkriegszeit ganz hervorragend bewährt haben. Möge es dem Isr. Oberrat. dein ich zu seiner Jubelfeier von Herzen Glück wünsche, auch in Zukunft nie an solchem Männern fehlen; dann wird er auch in seinem zweiten Jahrhundert mit Gottes Hilfe zum Segen der Isr. Religionsgemeinschaft des Landes wirken. Stadtcai&Hec De. Jtiegec, Stuttgarts Vorsitzender des Württ. Rabbiner-Vereins Kein Berufskreis hat ein so ernstes Anrecht, dem Isr. Oberrat uiiläiilidi seiner Hundertjahrfeier den Dank für seine bisherige Leistung und den Glückwunsch für die Zukunft uusziisprechen. wie der Kreis der Rabbiner des Landes. Die Isr. Oberkirchenbehörde war als eine wesentlich religiöse Organisation ins Leben gerufen worden und haste als solche vor allem in der Lebergangszeit eine überaus schwere Aufgabe zu lösen. Gerade die Gegenwart versteht die Besorgnisse, welche die Begründung der Oberkirchenbehörde in beiden Lagern der württembergischen Judenheit ausgelöst hat, die Angst, daß sie. allzu konservativ, ein Hemmnis des Fortschritts, oder, allzu liberal, eine Störerin des religiösen Friedens werden könnte. Es ist ein Zeugnis für die richtige Einstellung zu ihren Aufgaben gewesen, daß sie auf die Befugnis der kirchlichen Behörde, in die inneren Entschließungen der Gemeinde einzugreifen, immer mehr vervcrzichtet und den Gemeinden ihr religiöses Eigen recht in immer erweitertem Maße cineräumt hat. So darf der Oberkirchenbehörde ei ihrer Jubelfeier bezeugt werden, dafl sie nach den ersten Schwankungen eine ideale Neutralität in religiösen Fragen zu wahren verstanden, und daß ihre theologischen Berater, die sämtlich der liberalen oder gemäßigt-liberalen Richtung im Judentum angehörten, eine mustergültige Objektivität gegenüber allen religiösen Richtungen bewiesen haben. Die Gefahrenklippe, die in der Gründungszeit der Oberkirchenbehörde nur zu nahe lag, das württembergische Judentum in einen formalen Liberalismus einzuzwängen, wurde glücklich vermieden, und der Wille, berechtigten Stimmungen und Strömungen zu entsprechen, sorgsam innegehalten. Die Sorge der Oberkirchenbehörde für die Würde des Gottesdienstes und für die Achtung des rabbinisefaen Standes sind es neben dieser religiösen Objektivität, für welche die Rabbiner des Landes ihrer Aufsichtsbehörde besonders zu danken haben. Möge der Geist, der bisher in ihr lebte, sie auch in der Folgezeit leiten! Dann wird sie auch im neuen Jahrhundert gesundes Judentum fördern und festigen und eine Wahrerin des religiösen Friedens bleiben. Ansiattsduektoe JAeodoc Rothschild, tfÜHgens Vorsitzender des Vereins Israel. Lehrer ln Württemberg Wenn die Organisation unserer Gemeinden, die religiösen Einrichtungen derselben auf beachtlicher Höhe stehen und das religiöse Leben in unserem Lande im Fluß ist, so ist das in erster Linie der treuen und unermüdlichen Arbeit unserer obersten religiösen Behörde zu danken. Im Namen des „Vereins Israel. Lehrer in Württemberg“ beglückwünsche ich unsere Behörde zu diesem großen Erfolge und wünsche ihr beim Eintritt in das zweite Jahrhundert ihres Bestehens eine ebenso fruchtbare Arbeit. Möge in dieser obersten jüdischen Körperschaft unseres Landes stets der echt jüdische Geist einer Obrigkeit lebendig sein! Im Judentum ist jede Obrigkeit eine Herrschaft Gottes. Gott ist immer unser Herr, aber er ist zugleich auch unser Vater: er ist oben im Himmel, aber er ist auch uns ganz nahe. Beides ist zu e i n e m Worte geworden. Das Bild der Hoheit und - 183 - der Innigkeit ist in diesem Doppelnamen gegeben. Möge diese Art Herrschaft von unserem Oberrat bei allen seinen Maßnahme» ausgeübt werden! De. JeaHS. (Kirsch, Tliht: Vorsitz, d. Landesverbands Württemberg tm R.J.F. Der R e i ch s b u n d j ü d i s ch e r F r o also 1 da ten ist eine Organisation, die in erster Linie gegründet wurde, um den die Ehre der toten gleichwie der überlebenden Frontteilnehmer verletzenden, verlogenen Anwürfen der mangelhaften Pflichterfüllung im Kriege entgegenzutreten. Diese Anwürfe wurden allen Tatsachen zum Trotz im Kriege und nach Kriegsende in einem Ausmaße verbreitet. das schlechterdings unerträglich war. ln treuer Kameradschaft und fester Disziplin sammelten sich daher uiy unseren Führer. Kam. Löwenstein-Berlin, sehr bald Zchntausende von ehemaligen jüdischen Frontsoldaten, die ihrem Aaterlande und ihrem Judentum zuliebe und insbesondere um des so notwendigen inner» Friedens willen die Reihen schlossen und in Wort und Schrift, und nicht zuletzt durch persönliches Auftreten im Kreise der andersgläubigen Kameraden und Volks, genossen für unser gutes Recht eintraten. Der Frontbund ist also eine Abwehrorganisation und erachtet sich und jedes seiner Mitglieder als besonders geeignet, die Verteidigung, des gesamten deutschen Judentums auf seine- Fahnen zu schreiben. Demgemäß wurden seine Landesverbände und Ortsgruppen in allen Teilen des Reiches zu einem immer unentbehrlicheren Instrument für die Ehrenrettung unserer Glaubensgenossen, so auch in Württemberg. wo in fast allen namhaften Gemeinden Ortsgruppen bestehen und in enger Fühlung mit sämtlichen Kumeraden-Ründcn bei zahlreichen Anlässen für die Ehre der deutschen Juden eingetreten sind. So ist es für uns heute eine* Selbstverständlichkeit, daß wir anläßlich des hundertjährigen Bestehens unserer obersten württembergischcn jüdischen Behörde gerne zu denen zählen wollen, die mit wenigen Worten — und damit um so herzlicher — ihre Verbundenheit mit dem Oberrat der württembergischen Juden bezeugen wollen und ihm für alle Zukunft das Beste wünschen. Wir haben im Felde entbehren uncT opfern gelernt für das große Ganze, für unsere- Volksgenosse» jedweden Standes und Glaubens und sind stolz, darauf, diese soldatischen Tugenden stets von neuem durch die Tut beweisen zu dürfen, wo immer es nottut. JCammeegeeichtseat £eo V)otft, O&etlm: Präsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Wenn demnächst in Stuttgart der Tag begangen wird, an dem vor hundert Jahren die Oberkirchenbehörde der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs ins Leben trat, so ist das ein Fest nicht nur für die Judenheit Württembergs, sondern an ihm nehmen die gesamten Glaubensgenossen innerhalb des deutschen Vaterlandes herzlichst Anteil. Sic bilden die große Gemeinde der durch eine Geschichte von eineinhalb Jahrtausenden auf deutscher Erde heimisch gewordenen Juden, und zu ihr gehören als ein besonders wertvoller Stamm die Bewohner des schönem Schwabenlandes. Diese haben es verstanden, ihre Eigenart zu bewahren und dennoch die Verbundenheit mit der jüdischen Gesamtheit Deutschlands nicht zu verlieren. Ihnen war es vergönnt, unter den ersten zu sein, die durch staatliches Gesetz zu einer Organisation zusammengefaßt wurden und eine geordnete Vertretung nach außen erhielten. Damit war die Möglichkeit einer ruhigen Entwicklung ihrer Verhältnisse gegeben. die sich zum Segen jeder einzelnen Gemeinde ausgewirkt hat. Namens des befreundeten Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden grüße ich brüderlich die Württembergische Religionsgemeinschaft und ihren Oberrat an ihrem Gedenktage. Zugleich wünsche ich im Namen der Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände, daß es dem Oberrat gelingen möge, wie bisher so auch in Zukunft, unter der sicheren Führung seines tatkräftigen Leiters seinen hohen Aufgaben gerecht zu werden und das Wohl der seinem? Schutze anvertrauten Gemeinden und ihrer Mitglieder zu fördern. Wir anderen aber wollen Schulter an Schulter mit unseren lieben Württembergern weiter in freudiger Pflichterfüllung dem deutschen Judentum dienen, das die Früchte der gemeinsamen ehrlichen Arbeit ernten möge. Ohecs&aHdesqeciditscat De. Tleumegee UluHcheHs Vorsitzender des Verbandes Bayrischer Israel. Gemeinden Ich folge herzlich gerne der Aufforderung der Israel. Verlagsanstalt, zur Jahrhundertfeier erzielen Sie. wenrj Sie Das deutsene v^rkenfatrikat wohteri Ein Milllonen-Umsatz ermöglicht osderFabrik.fUrallo 2200 Verkaufsstellen die billigen Einheitspreise- «gg 8” 10” 12” festzusetzen. Verkaufsstellen durch Plakate erkennbar ■jteuc-.ru. schwache Segziello Verlieh dein Tg gedes Oberruts ein Geleitwort bcizu Sind doch meine Vorfahren selbst dein bischen Boden entstammt. Sie haben c nungen miterfahren, dieeine klug bewußte, mit Kopf und Herz arbeiten waltung durch die Jahrzehnte hineini jüdischen Gemeinwesen in Württembc bracht hat. An diesem Tuge darf wohl uusges jrochen w erden, was sich sollst scheu vor der Ocffontlichkcit verbirgt. Die jüdischen Siedelungen in Süddeutschland und zumal in Württemberg und Bayern.bilden zu einem wesentlichen Teil eine geographische Einheit. So ist das Ries eine solche durch die Landesgrenze kaum beeinträchtigte zusammengehörige Siedelung. Die süddeutschen Juden sind aber auch kulturell enge aneinander geschlossen. Sie stellen innerhalb der großen deutschen jüdischen Gerne nschaft den Bevölkerungsteil dar, der neben der mehr verstundesmäßigen Beurteilung der Dinge in besonderem Maße der irrationalen und gefühlsmäßigen Betrachtung Raum gibt. Daher kommt es, daß Unstimmigkeiten unter den süddeutschen Verbänden so gut wie ausgeschaltet sind, und daß die Geschäfte, getragen von einem inneren Einklang, auf der Grundlage einträchtigen Zusammenwirkens reibungslos sich abwickeln, nicht gehemmt durch die Richtungen und Parteien, die. unbeschadet ihrer Eigenart, sich in einer höheren Einheit finden und an dem großen gemeinsamen Ziele willig mitarbeiten. Daraus ergibt sich aber auch in unse er Zeit der Auflösung und Zerrüttung, daß es die Aufgabe der süddeutschen Juden ist, innerhalb unserer großen deutschen jüdischen Gemeinschaft und in treuer Zusammenarbeit mit ihr mehr intuitiv die Entwicklung de Dinge zu schauen und zu beeinflussen, die Parteien und Richtungen bei aller Anerkennung ihrer Besonderheit zusammenzufassen und so auf ein geeintes Judentum im Reiche hinzuwirken. An der Wende der Zeit haben wir die Sehnsucht nach diesem einigen deutschen Judentum, dem eine neue Form des Juden zugrunde liegt — über die geschichtlich gewordenen und zeitlich bedingten Ideen und Gestaltungen hinaus. Wir haben das Verlangen nach einer jüdischen Gemeinschaft, die ihrer gemeinsamen Abstammung sich bewußt, in der deutschen Erde verwurzelt, durch die ewigen Werte ihres Glaubens und ihrer Geistigkeit in sich verbunden ist. ln diesem Gedanken wissen wir uns zu innerst mit den württembergischen Juden vereint und in diesem Denken und Fühlen bringen wir ihnen von Herzen die Glückwünsche unseres Bayerischen Verbandes.