Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 13 (1.10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
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— 145 — Diese Forderung ist für uns heute noch genau so gültig wie für die damalige /eit. Das ganze Leben in unserem Hause ist ihr untergeordnet. Aus allen Gegenden unseres Vaterlandes kommen jüdische Kinder in unser Haus: Knabe» und Mädchen, vom Dreijährigen bis zum Vierzehnjährigen. Aus Grollstädten und ans Dörfern führt sie der Weg zu uns. Gutgcurtete Kinder ' sind dabei und solche, die zu Hause hrziehiingsschwierigkeiten bereiten. Sic kommen zu uns in einen in sich geschlossenen Lebenskreis. Wenn wir auch ein solcher sind, so stehen wir doch, schon durch die änderen Bedingungen unseres Hauses, in größter Wirklichkeitsnahe. So nulle wir der Stadt sind, so legen wir doch den Wert auf ländliche Erziehung. Das kommt allen L'rzichungsbcdürftigen körperlich und seelisch zugute. Wir wollen die Kinder zu exakter Arbeit und Leistung erziehen, zu zuverlässigen, in allen Laten brauchbaren Menschen. Deshalb wird jenes bei uns im Rahmen seiner Kräfte zum Dienst an der Gesamtheit erzogen. Jedes hat i seine kleine P f I i ch t und soll 'i<- jeden Tag erfüllen. Die Knaben arbeiten im Hundfcrtigkciisrnum. der alles Schreinerwerkzeug enthält, sie zeichnen mit verschiedenem Werkzeug und Material. Auf dein Feld arbeiten sie mit Hacke und Rechen, in Haus, Hof und Garten leisten sie alle Arbeiten, die die Stunde erfordert. Die Mädchen hüben im Haus zu tun. in Küche, Gängen und Zimmern. Auch sie e rhalten Handarbeitsunterricht. Sogar die Kleinen nehmen an den handwerklichen Arbeiten teil. Sie bauen, formen in Ton, basteln und flechten. Wenn der Lehrer überall mitarbeitet, so hat das für beide Teile nicht zu unterschätzende Vorteile. Der Krzioher tritt in enge menschliche Beziehung zum Kind, das seinerseits sich ihm hier erschlicht. I’s erzählt von dem. was es drückt, und von dem. was ihm Freude inacht. Die gestellte Arbeitsaufgabe erzieht schon \on selbst den jungen Menschen zu Konzentration. Ausdauer und Pünktlichkeit. I nbewallt entwickelt sich auch dabei eine gerechte Gesinnung, ein Gefühl für die eigene Leistung, eine gewisse Achtung vor der Arbeit des andern. Bei diesem praktischen Tun zeigt sich häufig eine Sonderbcgabung. die wir zu fördern suchen. Aus der Freude an handwerklicher Tätigkeit hat schon mancher unserer Schüler seinen Beruf gewählt. Doch ist es immer mit Schwierigkeiten verknüpft, gute Lehrstellen zu finden. Auch unsere Kinder benötigen einen vernünftigen Lehrmeister, der es versteht, sic richtig zu fördern. Die Lehrjungen, die in der Stadt theoretisch und praktisch lernen, sind Vorbild der nachwachsenden Schülergeneration. In der Zeit, als noch kein Haus unserem Verein zur Verfügung stund, wurden die 32 Knaben, die verpflegt und erzogen wurden, u u s s ch 1 i e ßlich Handwerker: Schlosser, Stricker, S t e i n h a ii e r . Optiker, S ch u h m u ch e r . Sattler, Weber. B u di b i n d e r, S ch r e i - n er, Lund wirte; einer von ihnen wurde Arzt. Unter dem Hausvater L i e b in a n n wurden die Kinder aber auch schon Kaufleute. Die Mädchen wurden meist Hausangestellte. Bis 1899 war Hausvater Stern im Amte. Von 201 Kindern wurden viele Kuufleute, zehn wurden Bäcker und Konditor, fünf Metzger, vier Schneider, vier Lehrer, drei Mechaniker, zwei Uhrmacher, zwei Schuhmacher, je einer Gerber. Goldarbeiter und Xylograph. Die Mädchen wurden Hausangestellte. Nätnerinnen. kamen aber auch schon damals in kaufmännische Berufe. Unter Oberlehrer B o t h s ch i 1 d sind 238 Kinder ins Haus eingetreten. Davon wurden 50 Kaufleute. 40 gingen ins Handwerk. 35 in den hauswirtschaftlichen Beruf, 10 in die wissenschaftliche oder in die Buumtenluufhuhn, 7 in die Landwirtschaft. Die übrigen sind teils noch bei uns, teils verbellen sie vor der Berufswahl unser I laus. Wenn alle Zusammenkommen würden, die schon clurch unser Haus gegangen sind, könnten sie fast eine selbständige Gemeinde bilden. Viele unter ihnen sind ihren Weg unter grollen Schw ierigkeiten gegangen. Manche habenden ursprünglichen Beruf wieder gewechselt. Viele haben sich aus untergeordnetenStellen heraufgearbeitet. Die meisten aber beweisen clurch ihre Arbeit und clurch ihren geordneten Lebensgang die > lebendige Tradition unseres Hauses. Werktätige Menschenliebe. Groß ist die Zahl der Wohltäter und Förderer unseres Waisenhauses. Ihrer aller namentlich zu gedenken, ist an dieser Stelle nicht möglich. Aber ein Bild möchten wir festhalten, einer Frau Erwähnung tun. der Gutes zu stiften Lebenszweck ist. welche die Kinder des Waisenhauses ganz besonders in ihr Herz geschlossen hat. Alljährlich lädt Frau D. A. Gutmann die Kinder nach Stuttgart, wo ihnen eine besondere Freude durch Besuch einer Theatervorstellung, Kinoaufführung usw. geboten wird, welchen sich ein geselliges Zusammensein der Gäste mit dem lieben Großmütterlein Gutmann und ihren Freunden anreiht. Wie schmeckt es da den Kleinen! So gute Schokolade und solch feinen Kuchen gilit's in der ganzen Welt nicht mehr! Wie leuchten da die Augen der Kinder, wie stolz zeigen sie durch Vorträge von Gedichten und Liedern ihr Können, wie fein drehen sie sich im lustigen Reigen! L'ud wenn sic dann heimkehren, sind sie erfüllt von all dem Geschauten, und dankbare Herzen schlagen der lieben alten Dame entgegen. — Nie werden sie des schönen Ausfluges vergesse». Immer werden sie sich erinnern der mütterlichen Freundin, deren gesegnetes Wirken sich erstreckt auf groß und klein, deren Worte voll Güte und Herzlichkeit sich den Kindern einprägten als kostbares Gut für ihr. ganzes Leben. _ M. O. , Aus xLen Qememdm 'lüücUeni&ecgs. Stuttgart. Die vor kurzem ins Leben gerufene ..Stuttgarter J ü d i s ch e N o t h i 1 f e" veröffentlicht auf Seite 135 dieser Nummer einen dringenden Appell an alle Gemeindemitglieder. d i e d u r ch d i e k a t a s t r o p Ii a I e n A u s - II I N 111 <1 I I ers» d i e Per ch t sie, in dicünlichsonst vc e n den. er vorv» i r k ii ii g e n cl e r Not geraten s i n d . u n cl s i ch vertrauensvoll an s e in Aufruf ge n n mite n k e i t e n b z w. an eine i h u e ii ii ahe stehe u d e P e r s o » z u d a mit i h n e n na ch Maßgabe c . . Ii a ii d e neu Mittel g e w i s s e n h la f t u n cl unter strengster Vers ch wieg e n heit geholfen wer cl e ji k a n n. Dieses großzügige und von echt jüdischem Geist erfüllte Hilfswerk wird von allen Seiten aufs wärmste begrüßt werden. Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramt es der Israelitischen G ejm finde am 23. September. ImAlittelpunkj der dies, maligen Verhandlungen stand die Aussprache über die Stuttgarter Jüdische Nothilfe, die ini Rahmen der Württembergischen Nothilfe für die Bedürfnisse der Gemeindegenossen besonders für Mietsbeihilfen und Winterbedarf sorgen will. Der Vorsitzende berichtete zunächst über die diesbezüglichen Vorbesprechungen mit den Rabbinern Und Vorständen der hiesigen jüdischen Wohlfahrtsvereine, deren Ergebnis der am Vorabend des SCei£&cotm Möbelfabrik Strienz &. 4»i«el Batudilosaerei / Eiaenkonstruktion Stoff ettfehrätsfe Kassetten, Transporte, Reparaturen gegr. 1805 SDeiseanfzOge Seiet. 893 Lieflerkraizöaos Mollbronn Erstklassige KOdie, Münchner und Hellbrauner Biere Saal für Festlichkeiten A. Stirn, Koch All«« 70 Sldierer’sdie Apotheke LUDWIG SÜNDER HeUkronn a. N. oruMtaatttei / ****rwiitint / tunlaiiniru 1 Fritz Seel K,ara**»aß« 8 Femeprech«r Nr. 607 Feine Briefpapiere Büro-Artikel aller Art Büromaschinen - Bütomöbel Spezialität, Füllhalter laionslcn und J Rolladen R. E. 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