Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 13 (1.10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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— 143 — LBesucht auch die indischen QaststäUeH Stuttgarts! HOTEL WESTH El M ER, RotestraOe 2 RESTAURANT BLOCH, Calwerstr.4 PENSION AGULNIK, Eberhardstr. 09 durch Euer junges, Liebe heischendes Sein erwächst, dann betätigt er reinste Menschlichkeit und wird ein Diener an der Heiligung des göttlichen Namens. Mit diesen Gedanken verließ ich Euch — und in diesem Sinne berichte ich meinen Lesern! II. Der Abend stieg von den Bergern, als ich von „Wilhelmspflege“ Abschied nahm. Noch lange weilte ich im Geiste in seinen Mauern — und jetzt, da diese Zeilen geschrieben werden, ist die Erinnerung wieder zur Wirklichkeit geworden. Wie viel Schönes und .Erhabenes habe ich an diesem Herbst nach mittag gesehen! Ich will davon erzählen: Den nachhaltigsten Eindruck, den der Besucher in ..Wilhelmspflege“ gewann, waren die frohen Gesichter der Kinder, war ihr munteres Lachen und Tollen, das ihre Freizeit erfüllte. Leer waren die Schulsäle und so recht zur Besichtigung geeignet. Zuerst nahmen wir den Schulsaal für die Oberklasse in Augenschein. An die 15 Schüler lauschen in der Schulzeit hier ihrem Lehrer. Eine Flut von Licht strömt durch die breiten Fenster auf die Bankreihen. An den Wänden stehen große Schränke: sie enthalten eine Bibliothek für Lehrer und Schüler. Landkarten. Bildwerke. Vorlagen für den Zeichenunterricht. Aus einem anderen Schrank blinken die Nickelelektroden einer Influenzmaschine. und unter schützender Hülle breitet sich das Räderwerk eines Dumpfmuschinemnoclclls — alles Lehrmittel für den naturwissenschaftlichen. Unterricht, der in diesem Raum in vorbildlicher Weise erteilt werden kann. Hat doch der geräumige Tisch des Lehrers Anschlüsse für Gas. Wasser und Elektrizität, eine Einrichtung, welche die physikalische und chemische Demonstration ungemein erleichtert. Oberlehrer Rothschild zeigte mir hier and» eine wunderschöne Steinsammlung, die zum größten Teil von den Pfleglingen zusammengetragen wurde. Auf meine Frage, was das große Reißbrett. der Rechenschieber, die mit mathematischen Formeln gefüllten Hefte und die technischen Zeichnungen im Hintergrund des Saales zu bedeuten hätten, wurde mir ein älterer Schüler vorgestellt, der die Höhere Musch i n e n b a u s di u 1 e in Eßlingen besucht und dort zum Ingenieur ausgebildet wird. Daß er seine ganze Vorbildung im Waisenhaus erworben, legt für den dort erteilten Unterricht sprechendes Zeugnis ab. — Der angrenzende Schulsaal für die Mittelklasse — an die zwanzig Schüler — enthält manches Dokument aus der Geschichte des Waisenhauses. An der Wand hängt ein Bild König Wilhelms II. von Württemberg, dem letzten schwäbischen Regenten. Er war ein warmer Freund des Waisenhauses. und hat auch an der Einweihung desselben im Jahre 1913 mit seiner Gattin teilgcnoinmen. Als ihm nach seiner Abdankung der Vorsitzende des „Vereins Israel. Waisenhaus“, Landgerichtsdirektor Stern, für seine unermüdliche Förderung in einem Schreiben dankte, er- ... i | i In besseren Zeiten... I 3 i 3 i Ihr, die Ihr heut' von Not getrieben. Der Brüder Hilfe dankbar nehmt entgegen. Verzaget nicht! In bess'ren Zeiten werdet I h r es sein. Die spendend der Verarmten treu gedenken. Das eben ist der Segen guter Tat, Daß sie fortzeugend Gutes muß gebären. Max Osterberg. iniiniuminiiinnimimiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiniiiiiiiHiiiimMMMMMiMMtmnHtiininwl widerte der König in bewegten Worten und brachte seine Wünsche für das Heim in herzlichster Weise zum Ausdruck. Dieses Handschreiben hat mit anderen hier seinen Platz gefunden. — Im nächsten Saal, dem Raum für die ca. 15 Kinder starke Unterklasse, kommt so recht zum Ausdruck, welch" feinsinnige Lehrer im Wuisenliausc wirken. Da cs Rauschhasch o n o - Z e i t ist, schmückt eine Zeichnung des Festsymbols — das Schofa r — die Tafel. Und noch vieles ist hier zu sehen, was der Kleinen Herz erfreut. Ein Apfelbaum mit leuchtenden Früchten .ziert die Schultafel, bunte Entwürfe von Neujahrskarten aus der Hund von Lehrer Siegfried Weil lenken den Blick auf sich, und wie die Soldaten murs|chick-cn die Quadratbuchstaben des hebräischen Alphabets über die schwarze Fläche*. Hier schwingt die religiöse Weihe frühester Jugend und trägt mich in Andacht in den nahen B e t s a a 1 des Heims. Dämmerlicht fällt durch das Mosaik der Scheiben in den stimmungsvollen Raum, uu dessen Wänden die Namen der Vielen zu lesen sind, die durch besondere Zweckstiftungen der Waisen gedacht Nach langjähr. Tätigkeit als 1. Zuschneider in nur ersten Häusern, u. a. in den Firmen Wanner & Hecht, München, und Bender & Co., Stuttgart, habe ich im Hause Königstraß« Nr. 20 einen Tüienee 9Cetcen=7tlodesala*i^ eröffnet. — Sie finden bei mir bei erstklassiger Ausführung und zu zeitgemäßen Preisen ein ausgewähltes Lager englischer und deutscher Stoffe. 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Hier werden die zerrissenen Hosen und Kleider repariert, hier wird geschneidert und gefl ckt — eine Arbeit, die in der Hauptsache di<^ weiblichen Pfleglinge besorgen. Es mag da keipen Arbeitsmangel geben: einige Dutzend Jungen und Mädels sorgen schon dafür. — Die nächste Minute findet uns im Speisesaal. Wenn auch nicht Essenszeit ist. so herrscht doch Hochbetrieb hier. Eine Lehrerin — Frl. Hedy Oppenheimer — sitzt am Klavier ... Hell klingt die Weise durch den freundlichen Raum, und unter Leitung der Kindergärtnerin — Frl. Berta Le \ |i t e — sammeln sich die jungen Mädchen zum Reigenspiel. Mit kritischen Blicken, verfolgen die Zuschauer — dreihändehohe Knirpse — das Tlun der Gespielinnen. Mein Führer muß einen! von ihnen, der sich, um ganz gut sehen zu körnten, gar auf die Anrichte gesetzt hat. von seinem Galerieplatz fürsorglich herunterholen. — Mit den Tanzharmonien im Ohr verlassen wir di* munteren I.eutcheu und kommen nun in einen lichtdurchfluteten langgestreckten Anbau. ..Du; ist unsere Rumpelkammer.“ meint Oberlehrer Rothschild. Ich: ..Wieso Rnmpelkainm'r?“ Mein Führer: ..Halten Sic* nur einmal Ln schau!“ In der Tat! Da steht so manches hemm, für das man keinen geeigneten Platz haben mag. Aber sehen Sie. lieber Oberlehrer Rothschild, diese ..Rumpelkammer“ hat mir besondere Freude gemacht: Denn es ist ja die Kuni|>elkiiinpier des Elternhauses, die ich hier erblicke! Da steht die Puppenküche neben der Puppenstube, der „Holländer" und so vieles andere*, was für den Geist des Hauses zeugt. Und dazu wandelt sich doch, wie Sic* mir sagen, alljährlich zur Ilerbsteszeit diese ..Rumpelkammer“ wie* Israel in Heines „Prinzessin Sahhuth“ in einen strahlenden Prinzen! Das ist die Zeit, d» man das Zinkdach dieses Anbaus in die Höhe zieht und Gottes Sterne in die Kinderseelen scheinen läßt, da viele eifrige Hände den Raum mit den Blumen und Früchten des Herbstes schmücken und 75 JANRK ITj‘i T \ocjer < 9-Ausf;iaU'Jj\