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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-10-01 · 13 (1.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
13 (1.10.1931)
Date
1931-10-01
Page
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teMen l'iirim'ii gehaltene 11 n n cl <' r t j a h r- F cicr begehen. Die Anstalt ist /Har nullt <lii‘ älteste, wohl aller eine der ältesten jüdischen Waisenaii'talten in Deutschland. \ orniisgegangen naren ihr drei gleichartige \nstalten in Fürth. Mamburg und Brodau. I> ist alter schon angesichts des l rustanch’s. dal? diese in liegenden entstanden sind, deren jüdische Bevölkerung ein Vielfache* der n ürttembergischen |>et rüg und deshalb einen \ itd stärkeren Rückhalt geweilt reu konnte, ohne Heiteres klar, dal! die (irüiidung II n » e r e r Anstalt in \ jel höherem Oracle als ein Wagnis bezeichnet Herden mnl?(e. I >och das Wagnis gelang! Vlle Sdtu ierigkeiten. an heichen es währi iiil dieses jet/t hinter int' liegc-nden Jahrhundertnicht gekehlt hat es sei hier nur an die c er-chiedetien Bauteil, an die Kriegslaltre und an die Nachkrieg-zeit mit ihren in h ii t.th.iftliiher Beziehung geradezu verltoeretnlen I olgeefscheinntigeii erinnert sind, bi» jet/t Hc tiigsteits. ohne bleibenden Schaden überwunden Horden, Huer besonderen Iler c orliebnng bed.irk in diesem /nsainmenliang di. lat-ackie. dal! die Ausgabe, cor weiche -ich di. Leitung der Anstalt gestellt sah. im l.anfe der /. it eine höchst beachtliche Verlud,'I nag erfahren hat. hin mal ist die Zahl d, i j.mgen Zöglinge. welche als \oli- oder llaibwai'cn zu bezeichnen sind, mehr und "■ hi ZUrnckgc gatigen. während die Zahl die zufolge widriger rfatlslicher oder n-besondere wirtschaftlicher Verhältnisse in ii n-. re ( )bhut gege ben werden, betracht-! . 1-. /iiLcnnmmen hat und in fortwährendem s,. ,...,i!>, grillen i-I. Auch gehören die patri- > ii.,li-. lic-n \>-rliültni"e der ersten Jahrzehnte. bei welchen es -ich lediglich um die \ 11 f ii. i Ii tu. cm Kindern w ürttomborgi-cher .!-.i,iicel>.itigkeit hande lte, längst der Vor g.in-, nie .1 an. \\ n i..dien cm Mundpnnkt der Beliebtheit ui-, dei -i.li unsere Xii'talten im ganze n! te il-cli. il Reich und auch im Ausland erfreuen. ' ic deicht mit einem nicht unberechriute.i t.elulil, de- »olzc s com Standpunkt l. i! in.ih/en unserer Anstalt att' jedoch mit einem (.elit Id erti'ler Be - orgI, is — die! ..i-.icle /u \ et/eic?ineu. dal! unser Haus der- ,'eir nnlit nur bis auf den letzten Platz be- - ■/< i-t. sondern dal! auch aus diesem Grunde -'lion mehrfach A ufriahmego.iuhc Icon \icht- \< a11leiuberjrerni zurückgew je -eil ccerden; i::, I; i. 11. I - wird nur dieses Hinweises bc - di. len. um die Gebefreudigkeit. deren ccir ■ iibi-her -täitdig zu erfreuen hatten, bei ■ ■ I fl ein \nlal! w je dem gegenwärtigen neu zu!>•!-■ Iii. |)a- Werk, da' die früheren Go- -. Id. .hier ge-chaffen haben, muß erhalten und i. n na.Ji ifns kommenden (.enerationen al' ro-iii.iie- Irbe übergeben werden. 11. -i k a 1 I e n . d i e b i - It e r i in Dienste , |. i c l> c- ' w e r k c s tätig w a - ' n . i: u <1 Dank im c o r a u s au alle. ■ i ■ ii / ii k ii ii f t daran arbeiten SxmUätscat De. Sigmund "Weil, Stuttgart: Ehrenmitglied des Waisenhauses Mit I. ii herzlichen (dückw ünscheü zur lliind. 111 .11. i. i der Isr. W ai-enari'talt ..Willi ■ ■ I ii, - |. I ( e _ jn Eßlingen spreche ich Ille;:;. | e-1■ - 1 eberzc ugllllg aus. daß es auch in Zi.kaaft nic in.d' an Helfern fehlen werde, eie. gl. ich den, ii der \ ergangenbeit, ihre collen Ki.dt. für unsere \nstalt einset/en werd. u. ' Ij.i’ •, In g, wohl das beste Lnterpfand für dait. ., (.edeihen 1111-1 re- Hause-! £ouis dücsch, Stuttgart : I - in \pril 1004. almich der damalige \or-ta!.i d e i W ai-, nan-talt. Herr XI. G. llolds cit 111 , e . er-lichte, in den Ausschuß ein- /littet, n :ic-i meiner warmen Sympathie für die Andt und für die Waisenkinder habe ich di. -. ii ehrenden Antrag mit Vergnügen angenommen. — 142 — Der erste Besuch, den ich bald hernach gemeinschaftlich mit Herrn Goldschmidt in der in der Entengrabenstraße in Eßlingen befindlichen Waisenanstalt gemacht habe, ließ mich wegen der engen, niedrigen, den Bedürfnissen der Zeit nicht mehr entsprechenden Schlaftind l.ehrräume und der veralteten Einrichtung recht unbefriedigt, und ich betrachtete es sofort als eine der nächstliegenden Aufgaben. hier irgendwie eine Wandlung herbeizuftihren. Um etwas Zweck- und Zeitgemäßes zu erzielen, konnte ein Umbau des Anstaltsgebäudes. nachdem ein solcher schon im Jahre I SSI vorgenommen worden war. nicht in Frage kommen, so daß mir nur ein Neubau vorschwebte. Dieser Gedanke fand auch im Ausschuß im großen und ganzen Beifall, über seine Ausführbarkeit ist in Hinsicht auf die Aufbringung der erforderlichen großen Kosten vielfach ernsten Zweifeln begegnet. In der Folgezeit hat dann aber die Notwendigkeit der Erstellung eines Neubaus — insbesondere durch die warme Befürwortung des Herrn Sanitätsrats Dr. Sigmund W eil — innerhalb des Ausschusses immer mehr und mehr Boden gewonnen und so wurde im Vertrauen darauf, daß durch die ajlezeit bewährte Opfcrfreudigkeit unserer Glaubensgenossen die erforderlichen Geldmittel aufgebracht werden, zum Ankauf des in schönster luftiger Höhenlage gegenüber der Burg -ich befindlichen Bauplatzes mit prächtigem Blick auf die Stadt, auf die jenseitigen Berge und die Alb geschritten. Nach dem Entwurf und unter der vortrefflichen Leitung der Architekten Bloch und Gttggenheimer ist dann das jetzige Anstaltsgebäude erstanden, das ohne Uebertreibung sowohl in bezug auf äußere als auch innere Gestaltung als eine dem wärttembergischen Judentum zur Ehre gereichende .Musteranstalt bezeichnet werden kann. Die feierliche Einweihung des Gebäudes. welche am 11. November 1915 in Anwesenheit des Königs Wilhelm und der Königin Charlotte sowie von Vertretern staatlicher und städtischer Behörden und zahlreichen Teilnehmern aus nah und fern erfolgte, gehört mit zu den schönsten Erinnerungen meii: Auf freundlicher Bergeshöhe, eingebettet in das Grün der Wiesen, umweht von den reinen, lüften der Hochebene und umsponnen vom farbenprächtigen Laub des wilden Weins, liegt .. W i I h e I m s p f 1 e g e“ der elternlosen jüdischen Kinder E I t e r n h a u s. — Aus der Ferne grüßen die Berge der Alb und in der Tiefe träumen die alten Giebel Eßlingens von vergangenen lagen. Warme Herbstsonne fällt auf dieses schöne Fleckchen Erde: sie gibt den Menschen, die hier wohnen, frohen Sinn, und den Früchten, unter deren Segenslast die Bäume ächzen, letzte köstliche Reife. Wenn man auf der Höhe der sauberen Bergstraße angelangt ist. dann bedarf es auch nur noch weniger Schritte — und man ist am Ziel. Der schöne Bau des Waisenhauses liegt nun in seiner harmonischen Gliederung vor dem Wanderer, der erfreut ist. nach steilem Anstieg rasten zu dürfen. Und so trete ich ein in ..Wilhelmspflege", jene Stätte der Menschenliebe, in das Haus, das jüdischem Opfersinn erwachsen, das edle Menschen betreuen und das Zeugnis warmherziger Sorge für das elternlose jüdische Kind ist und bleiben soll — bis in die fernste Zeit. Sofort merke ich, daß es ein Haus der Jugend ist, das ich betrete: da tollen die Kleinen und Kleinsten durch nes Lebens: mit besonderer Freude durfte es die Anwesenden erfüllen, Zeuge zu sein, mit welch aufrichtigem Interesse sich der König int Betsaul durch den Anstaltsgeistlichen, Bezirksrabbiner Dr. S t ö s s e 1, die Thora zeigen und die gottesdienstlichen Einrichtungen, insbesondere die Bedeutung des Jahrzeitlichts, erklären ließ. Leider hat der Schul- und Anstaltsbetrieb nach kaum einjährigem Bestehen des neuen Heims eine tiefeinschneidende Störung erfahren. da der Ausschuß in Erfüllung einer selbstverständlichen vaterländischen Pflicht eine volle Gebäudehälfte für ein Lazarett bis zum Kriegsende zur Verfügung gestellt hat. Nach dieser Zeit wurde der Betrieb in den herrlichen Räumen, die durch die über vier Jahre dauernde Verwundeten- und Krankenpflege begreiflicherweise empfindlich notgelitten hatten und zuvor einer eingehenden Erneuerung unterworfen werden mußten, mit frischer Kraft, in vollem Umfang und mit gewohntem Erfolg wieder aufgenommen. Es ist aber nicht die innere und äußere Pracht und Gestalt der Anstalt, die ihr den Wert verleiht, sondern der edle, echt jüdische Geist, der unter der hingebenden Leitung des Vorstands. Herrn Landgerichtsdirektors Stern, und des mit hervorragenden pädagogischen Eigenschaften begabten Hausvaters. Herrn Oberlehrers Rothschild, im Hause herrscht. Mer je einmal einer Schtilprüfutig und insbesondete einer der ull jährlichen schönen Chanukka-Feiern angewohnt hat. der wird die Ueberzetigung gewonnen haben, daß die Zöglinge nicht allein mit dem geistigen Rüstzeug für den Kampf des Lebens versehen werden, sondern daß sie auch — frei von jeder engherzigen Zucht und von jedem Zwang und Druck — in der Anstalt eine frohe Jugend verbringen dürfen. So möchte ich mich jetzt beim hundertjährigen Jubiläum der „W i I h e I in s p f I e g e“ mit allen Juden unseres Landes in dem Wunsch vereinigen, daß der Segen Gottes, der bisher sichtlich auf der Anstalt geruht hat. ihr auch für alle Zukunft zuteil werden möge. den Vorgarten, lachende Jungen- und Mädchengesichter schauen midi fragend an und möchten gerne wissen, wer der fremde Besucher ist. Recht habt Ihr. liebe Kinder, ich bin Euch wirklich ein fremder Gast! Aber, das dürft Ihr glauben. ich komme bald wieder! Zu tief waren die Eindrücke, zu innig war die Regung des Herzens. um rusch wieder verklingen zu können. In Eurem Elternhaus, wo ein Geist und eine Seele Euch alle eint, wo jugendlicher Ernst und Frohsinn in harmonischer Paarung blühen, du ist für den gehetzten Stadtinenschen die rechte Bleibe. G^w iß. ich komme bald wieder, zu Euch und Euerem getreuen Hausvater, der dem Gaste in so herzlicher Bereitwilligkeit alles zeigte, was er zu sehen wünschte. Aber noch einen Wunsch habe ich. und diesen hege ich für meine Leser: Ich wünsche, daß recht, recht viele jüdische Menschen unseres Landes sich zu Euch auf den Weg machen: ich wünsche, daß sie an Ort und Stelle fühlen, was in diesen Zeilen nur angedeutet werden kann. So. wie Euer Vater — Oberlehrer Theodor Rothschild — und seine Helfer und Helferinnen für Euch sorgen, so muß fortab die ganze schwäbische Judenheit für Euch ihr Herz schlagen lassen. Wenn jeder Jude im Lande erkannt hat, welch’ große und edle Aufgabe ihm und seiner Gemeinschaft Ein Nachmittag im Waisenhaus. Von Hans Sternheim, Stuttgart. c.hot. W. Mayer, Esslingen Bei den HaushaltschQlerinnen Gedenkei des Israelitischen Waisenhauses in Eßlingen! Phot W. Mayer, Eaatirvoos Im Schulsaal der Oberklasse

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