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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-10-01 · 13 (1.10.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
13 (1.10.1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
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- 141 - Oberlehrer Theodor Rothschild. Unter den Hunsvütern des Waisenhauses darf der derzeitige Leiter der Anstalt. Oberlehrer Rothschild, der seit dem Jahre 1899 das Kßlingcr Waisenhaus leitet, besonders dankbur gefeiert werden. Rothschild ist ja eine der stärksten Lehrerpersönlichkeiten Württembergs und war daher in besonderem Mulle* geeignet, das verantwortungsreiche Amt eines Hausvaters im Waisenhause uiiszufiillen. welches höchste Anforderungen an die Kräfte des Geistes und des Gemütes stellt. Kr ist ja nicht nur der wissenschaftliche Lehrer und Wirtschaftsführer des lluuses. sondern auch sein geistiger Leiter und Gestalter. Als der väterliche* Freund seiner jungen Schar versteht er es. ihr das Klternhaus zu ersetzen. Aber auch nach ihrem Ausscheiden aus der Anstalt bleibt er ihr steter hilfsbereiter Berater und gütiger weiser Führer. Man darf es deshalb als eine gütige Fügung des Schicksals bezeichnen, dafi gerade diesem Manne* die Leitung des Waisenhauses anvertraut worden ist. Theodor Rothschild ist am 4. Januar IK76 in Buttenhausen geboren. Kr ist selbst ein Schüler des Kltlinger Seminars. Nuch den ersten Prüfungen war er vom August 1895 an als Amtsverweser in Thnlhcim. Buttenhausen und Archs- Oberlehrer Th. Rothschild hofen und seit Dezember IH96 als Hilfslehrer im Kltlinger Waisenhaus tätig. Ks ist selbstverständlich. dufl es ihm in seiner langjährigen vorbildlichen Tätigkeit nicht an äußeren /eichen der dunkburen \erehrung gefehlt hat. Sein höchster Stolz ist aber die einmütige Liebe der ihm nnvertruuten' Kinder. Möge* d c* r treffliche P ä d a g oge u n d war m herzige F r e u n d d c* r K i n d e r u o ch lang e d e in W a i s e n - h a II s I* e I halt e I, l> I e i li e I, ' Wünsche für das Waisenhaus. sehen hüben, wie alle diese Kinder, vom Kleinsten, das noch lange nidt zur Schule darf, bis zum Großen, cler sie bald verläßt, nach Beendigung der Mahlzeiten eilends die langen Tischreihen verlassen unt zu ..Vater*’ und „Mutter“ laufen und sich innig anschmiegen. um durch ein Wort oder eine Liebkosung beglückt zu werden. Und man muß nur einmal beobachtet hüben von welch wahrhaft väterlicher und mütterlicher Fürsorge jedes einzelne* Kind da unausgesetzt umgeben ist. wie „unser“ Rothschild - denn auch er ist in den 55 Jahren seiner gottgesegneten Tätigkeit im Hause längst der „Unserige" geworden — und die ihm zur Seite stehenden Lehrkräfte Wesen. Charakter und Begabung jedes einzelnen KinJes sorgsam studieren, um es in der Schule i nel in seiner Entwicklung vorwärts zu bringen, dann fühlt man sich selbst erhoben und beglückt durch das Krziehungswerk. das hier geleistet wird. Und zwar ein i ü el i s ch e s Krziehungswerk in des Mortes bestem Sinuc*. Denn diesen Kindern werden jüdischer Geirjt und jüdisches Kinpfinden in einer Weisel unerzogen, die höchste Anerkennung verdient. Man muß nur einmal diese Kinder gemeinsam „bensehe’n“. oder in cler Haussyndgoge einen Knaben zu Mincha am Sabbatli vorbeten und leinen, oder alle die Kinder in der Kßlingcr Gemcindesv nagoge am Freitagabend und Sabbathmorgen fast jedes Gebei mit ihrem Gesäuge begleiten gehört habe >. dann hat man nicht nur den denkbar ergreifendsten ( horgesang gehört, sonder» dann weiß man auch, daß in unserem Waisen bimse unser, Kinder zu treuen Juden erzogen werden. Unserer Bitte*, dein Israel. Waisenhaus anläßlich seiner Hundertjahr- Feier einige Worte zu widmen, wurde durch Einsendung der nachfolgenden Beiträge entsprochen. Die Schriftleitung. JUchtsanwatt Äc. Simon 9Cagum, JMingen-, Präsident d. Ist. Landesversammlung Die Gründung des |sr. Waisenhauses „M i I - h e I III -pfleg e" folgte zeitlich unmittelbar der so wesentlichen Acndcrung der Rechtsverhältnisse* der Juden M ürttembergs iu cler zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre devorigen Jahrhunderts. Sie stand auch in ursächlichem Zusammenhang zu je ner, in einem gewissen Umfang eine Kmaiizipation der Juden schaffenden Gesetzgebung: denn die Zusammenfassung der Juden unseres Landes erst ermöglichte ein erfolgreiches Vorgehen cler nun staatlich zusammengefaßten jüdischen Religionsgemeinschaft auf dem Gebiet der Fürsorge für verwaiste und erziehungsbedürftige Kinder. Der Gemeinsinn und cler Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen machten es dem Waisenhaus möglich, die so wichtigen Pflichten der Sorge* für die* körperliche, sittliche und religiöse* Krziehung dieser Glieder des Judentums auch in eleu schlimmsten Zeiten zu erfüllen. Heute ist die Krhaltung der Anstalt im Interesse cler verlassenen und hilfsbedürftigen Kinder und nicht zuletzt im Interesse* des Judentums mehr denn je unsere Aufgabe. Seien wir alle uns dessen bewußt und tragen wir ein jeder iu dem Rühmen seines Könnens dazu bei. daß das XXaisenliaus trotz cler Ungunst cler jetzigen und kommenden Zeiten auch weiterhin seiner hohen Aufgabe so gerecht werden kann, wie es bisher vermocht hat! Ministeeiateat De. Otta <Kicsch, Stuttgart: Präsident des Isr. Oberrats Die Israelitische Waisen- und Erziehungsanstalt „W i 1 h c* I m s p f I c* g e” nimmt nicht nur unter den jüdischen M ohIfahrtsvereinc ii des Landes die erste Stelle ein. sie spielt vielmehr auch eine Rolle in cler Geschichte de r Juden Württembergs. Die Gründung des „Vereins zur Versorgung armer israelitischer Waisen und Verwahrloster Kinder“ — so hieß er ursprünglich - im Jahre 1851. war eine der ersten sichtburen und zugleich eine cler erfreulichsten Auswirkungen des Württemberg! scheu Judengesetzes von 1828: das Interesse. das der Staut an jüdischen Angelegenheiten in einein gegenüber früher wesentlich aufgeklärten Sinne zu nehmen begann, kam darin zum Ausdruck, duß laut Ministerialerlaß vom 27. August 1831 „Seine Königliche Majestät den Statuten des neuen Vereins durch höchste Entschließung vom gestrigen Tage die Staatsgenehinigung erteilt und zu cler nach dem Anhang derselben über den Verein zu führenden Aufsicht die zu errichtende israelitische Kirchen-Oberbehörde bestimmt haben.“ Wenige Monate später ist die „Israelitische Oborkirchenbehörde" ins Leben getreten. Seither und bis auf den heutigen lag verbinden enge Beziehungen die Behörde* mit dem \erein. dessen Ausschuß immer wieder Mitglieder cler Oberkirehcnbehürdc und jetzt des Oberrats angehört haben. Nicht vergessen soll werden, daß das XX aisenhaus jahrzehntelang den jüdischen Zöglingen des Lehrerseminars Eßlingen nicht nur leibliche Nahrung gewährte*, sondern auch die v orlreiflichen Erzieher, die es in seinen ..Hausvätern“ besaß, als Lehrer zur Erteilung des I uterrichts in den jüdischen Fächern zur Xcrfügting stellte und die junget, Menschen an dem jüdischen Familienleben teiluehmen ließ, das alle I iausinsassen umschließt. licht jüdischer und echt schwäbischer Geist ist in dem Haus in Eßlingen immer gepflegt worden lind eine Tülle des Segens ist von ihm uusgegnngen. M io cler \ ereilt in altem Sinn, doch jugondfrisch. in sei» zweites Jahrhundert eint ritt, so mögeer mit seine I stillen., u n a b I ä ss i g e n u n d d o ,h s o d a n k I, a r e n \ r b e i t weit e r w i r - k e n ' O&eeickseaA&inet De. A. J-ÖHzec, Qöppingen: X on „n li s c* r e in“ M uiscnhuiisc zu sprechen, ist siehe , lieft jedem w ürttembcrgischcn Israeliten eine Selbste erst änd lieh keil. Nicht etwa deshalb, weil es. wenn auch aus der Initiative eines einzelnen Mannes, des verdienstvollen Isaak ließ, hervorgegaiige.it. ein von der Gesamtheit begründetes und erhaltenes Werk bildet: sondern hauptsächlich deshalb, weil jeder von uns sich innigst und mit liebevollstem Empfinden mit demselben verbunden fühlt. Unser Waisenhaus ist unser aller Liebling. unser berechtigter Stolz. Und war es dies schon zur Zeit seiner ersten Anfänge, als dem für die \ersorgung verwaister und verwahrloster israelitischer Kinder begründeten X ereilte die Errichtung eines Hauses für diesen edelsten aller Zwecke noch als fernes Ziel vorschwebte und er am 27. September I85> seine Tätigkeit mit der Unterbringung von acht Kindern in einzelnen Familien aufnahm. War doch die XX nlscnv ersorgung die erste gemeinschaftliche Schöpfung der Israeliten Württembergs Begonnen, noch ehe* diese Gemeinschaft selbst durch die* 5. Abteilung des Gesetzes vom 25. April 1828 bzw. die Kgl. Vor ordnung vom 27. Oktober 185t begründet wurde. Ins Leben getreten, ehe es noch gesetzlich konstituierte Gemeinden und eine Israel. Oberkirchenbehürtle gab. deren Israel. Mit gl jeder vom Könige erst am 7. und 14. Dezember 1851 ernannt wurden. Und war es doch ein Werk, so recht geeignet zur Illustrierung der Erziehungsbedürftigkeit der wärt tembergischen Israeliten, wie sic* die Tendenz des Gesetzes vom Jahre 1828 bildete. Und erst recht heute ist unser Waisenhaus allenthalben und weit übe r die Grenzen unseres Landes hinaus beliebt und geschätzt, weil es eine mustergültige*, nicht hoch genüg zu bewertende jüdische Erziehungsstätte bildet. Mit Absicht vermeide ich die naheliegende Bezeichnung „Anstalt", weil kauin etwas von dem das kindliche Liebesbedürfnis so leicht verletzenden Anstaltsgeiste mit seinen Härten hier zu spüren ist. Alle die nahezu 60 Kinder fühlen sich daheim, i m E I t c* r »- hause, liebevoll erzogen und liebevoll gehorchend. Man muß nur einmal, wie mir bei den I urnusbesuchen die* Freude* wird, ge- .Wilhelms ii* Tagen auf riiekblicken. unter erden prächder Mül elternlose*! u und sind Oberlehrers ärgern er- De. £ang von £angen: Oberbürgermeister der Stadl Eßlingen a. N. Das Israelitische Waisenhaus pflege“ in Eßlingen kann in einige sein hundertjähriges Bestellen zu M ie iu seinen früheren Räume sehwerten Umständen, so jetzt iu tigeii Räumen des .Neubaus, ai berge rsti'aflf. haben hunderte Kinder eine traute Heimat gefuiidi unter der velterlichen Hand de Rothschild, zu brauchbaren Mitl zogen worden. Schon während meiner früheren oberamtlicfien Tätigkeit hatte ich Gelege ilieit. diese mildtätige Einrichtung kennen zu lernen: mein Interesse ist mit der l'eliei nähme der Stadtvorstandsgcsch.ifte gewachst* n. _Mit Genugtuung darf ich die X erbiindenh *i> zwischen Stadt und „XX ilhelmspflege' fest.*.teilen und gleichzeitig Dankbarkeit und A lerkennuug für die geleistete Arbeit ausspreelien. Ls ist mir aufrichtiges Bedürfnis, den israelitischen Gemeinden XX ijrite inberg s zum IIIOjährigen Jubiläum der „XX il heinispflege" namens der Stadtverwaltung und des Gemeinde rats cler Stadt Eßlingen herzliche üliick- und Segenswünsche zum Ausdruck zu »ringen. Ilierpiit verbinde ich den XX uns h. daß die „XX ilhelmspflege" die schweren /eiten über stehen möge, daß sich immer Genie ndcgliedcr finden für aufopfernde Tätigkeit in Dienste cler Menschenliebe, daß vor allet i gesunde, glückliche Kinder die Anstalt bevölkern und später klare t, Auges und urbeitsl räudig in» Leben treten. De. von TtläUecgec, Stuttgart: Oberbürgermeister a. D. der Stad t Eßlingen Sehr verehrte Frauen und Herren! Zu dem Jubiläum des Jsraelitiscfi n WuiseiThanses sende ich Ihnen vom fernen Süden die* herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Wer wie* ich beinahe 4(1 Jahre* an der Spitze* cler StücTtv erw altung von Eßlingen > tand. der weiß, welch eine Fülle von Arbeit und Menschenliebe sich in Ihrer Anstalt w ieelerspiegelt. dank der treuen Zusammenarbeit von Verwaltungsrat und Anstaltsleitung und immer angeregt durch Ihren mir seit Je hr/ehnten befreundeten Vorsitzenden des V e waltungsrüts. Es war mir stets eine besondere Freude und Genugtuung. Ihren Bestrebungen.förderlich sein zu können und durch Erwerb Ihres alten, ehrw iirdigen Hauses äußerlich einen inneren Zusammenhang zwischen Ihrer und cler städtischen Liebestätigkcüt zu s.haffen. Indem ich Ihnen noch alles Gulc fernere Zukunft wünsche, stets treuem Gedenken v erbleibc Ihr aufrichtig Dr. v. XI ii I I» (Ihcrhiirgc rinei ergebener i> r g e r - stc*r a. D— a. D. £udmig Steen, Stuttgart: 1. Vorstand des Israel. Waisenhawies Am 11. Oktober wird die Isr. Waisen- und Erziehungs-Anstalt „M ilhelmspflege " in Eßlingen ihre mit Rücksicht auf die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse iu den schlich für die* ich in

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