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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-09-16 · 12 (16.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
12 (16.9.1931)
Date
1931-09-16
Page
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Dingt*. keinesfalls aber soll Brunner recht be* li.ilten mit «einem Traum: er «itzt mit unzählige» l nfrliiikshranken in dem großem Wartezimmer eine« Arzte'«. I)a spricht au« der Fin«tvrni« die Stimme eine« Gelachter«: kein Arzt I) irr! Die' I »glückliche» gehe», er allein bleibt zurück: und da ruft wie von einem bösen I ier de« < -elachler« Stimme: W orauf wartest Du? Ihr Ar/t bi«t Du Narr: z» dem die .Narrc'n nicht kommen. Ilore l«rael. du wirst die «i n Mann hören: virlleicht «chon darum, weil \on ihm auch Nicht- Israel zu hören bekommt, /u Nicht-Israel hat noch niemand «o gesprochen \on den Hexen und chm lle\enwahn. Gewaltig hat Brunner den alten Nb, rglanlx ii beschworen, zu taghelle r < .egenwartigkeit e in Albdruck w ird uns auf die Seele gelegt. Nm grollen geschichtlichen Beispiel zeigt er. dal! in der menschlichen Natur die Möglichkeit zu partieller \ erriiektheit vorhanden. die heute gegen die Juden tobt, wie «ie g, «lern ge gen die Hexen getobt hat. Mögen die \ erminftipen auf der Hut «ein vor der in ihnen latenten \ erriiektheit! Durchw ühlt und durchlautert werden wir von dieser Bede, in der die Wahrheit zum Schwert greift und - endlich der X erhe tzungskuust der l.iige und Demagogie Einhalt pebietet. Geschenk und W linder einer praklisch-|«iliti'chen lat. l inc' doppelte Züchtigung teilt Brunner au«: an dir Juden und au die Judenhasser, beides wahrliult au« der l.iebe. au« de m Pathos der grollen piephi ti'chen Liebe auch zu dem ..Andern", dein l-eind. Die durchschlagende Gewalt und I i< fr dieser I irbe wird jedem fühlbar: aber sie «oll. mul! und wild amh wirkliche Freiheit in die W It beeng, n. _ Reisen der Juden im Mittelalter. Hol In ein jüdischer Beisender im Mittelalter -• er n Wohnort verlassen, so inuilte er «ich zwei i'.i"e V ei schaffen, den einen von der Ort«- s> Ende, de» ande re n von der jüdische n Ge ur iidr Iler behördliche Pall war meist nur _■ -c a eine hohe' Zahlung zu erlange n. In Spann a -iii_' it die Behörden soweit, daß «ie sich —o_.it dt i W.ih-c-l de« Wohnsitze'« innerhalb de« Wohme!etfiier bezahlen lii-llen. Für die Fahrt de ' de; Kanal muhte in England eine hohe \ i.e in den Staat e ntrichtet werden. Aber ■ \ii-ir,«eerbühren für nichtjiidi«che Reisende w iou Z'.'icei't nicht viel niedriger. . s, i,,. |,-1;-or war der Ausreise paß von seiten ■ i' r 11d i-(he» ( Irt'petneinde zu erlangen. Jeder mii-ihe < Irt-einw ohner mußte ja zu den Steucr- ,-•‘11 d> r (.emeinde beitragen. X erließ er seinen Wolui«it/. so lag die Gefahr nahe, daß er sich hier 'Mciierverpflithtunp entziehe. Der Auso ■ -e11* 1 e brauchte darum eine Erklärung der Gc> uu tu!, . daß it «einen Steuerverpflichtungen ent- '(>!•>■ h< i, habe. Nor der Ausreise wurde dann in dei n,;_ iLf,. uu-gc rufen. daß der oder jener im lieg,die siehe, den Wohnort zu verlassen, und - 124 — daß jeder, der Forderungen an ihn hatte, befriedigt werden sollte. Hatte der Beisende sich so die Erlaubnis zur Abreise erworben, so mußte er an die Beschaffung «einer Beisekleidung denken. Man trug auf Reisen meist schlechte Gewänder, tun die Habgier von Räubern und I.undstreichern nicht zu reizen. Dazu kam bei den Juden der Wunsch, auf der Reise möglichst nicht als Jude erkannt zu werden, da dies mit großen Gefahren für Leib und Eigentum verbunden war. Es war den Juden darum erlaubt, sich auf der Reise zu verkleiden. E« war sogar jüdischen Mädchen gestattet, entgegen der biblischen W arnung auf Reisen Männerkleider zu tragen. In Spanien war es den Juden auch von seiten der Behörde freigestellt, auf Reisen die Landestracht zu trugen und das Judenzeichen abzulegen. In Deutschland mußte für diese Erlaubnis eine besondere Abgabe entrichtet werden. In Rom durften die jüdischen Reisenden zehn Tage lang ohne den Judenfleck ausgehen. Von dieser E rleichterung der jüdischen Reisenden waren aber die..Marktbezieher ausgenommen. An den Marktplätzen sollte der Jude als solcher erkannt werden, da man sonst befürchtete*, dal! er sich den besonderen Steuer-, pflichten entziehen könnte*. Der jüdische Reisende ließ in den meisten Fällen «eine Familie zu Hause zurück. Er konnte aber seine Frau zwingen, mit ihm zu reisen, wenn er beschlossen hatte, nach Palästina au«- /uwandern. Es kam aber nur selten einmal vor. dal! sich jüdische Frauen an Pilgerfahrten beteiligten. Es sind allerdings Einzelfälle bekannt, wo Jüdinnen Pilgerfahrten unternahmen, um in allen Synagogen, die sie auf ihren Reisen vorfanden. zu beten. Dagegen hatte die Frau das Recht, dem Manne das Reisen in den ersten Jahren nach der Eheschließung zu verbieten. Von einer jüdischen Siedlung in Palästina kann man allerdings erst nach dem Jahre 1492 sprechen, in dem «ich viele au« Spanien Vertriebene dort niederließen und die noch heute bestehenden «paniolischen Gemeinden begründeten. Da« Reisen im Mittelalter war für die* Juden im allgemeinen «o gefährlich, dal! die meisten Reisenden vor ihrer Ausfahrt ihren letzten Willen niederschrieben, da sie bei der monat.e- Inngen Ausdehnung ihrer Fahrten'und bei den großen Gefahren, denen sie unterwegs ausgesetzt waren, notwendigerweise an den Tod denken mußten. E m «o auffallender ist es. daß Reisen von Juden im Mittelalter überaus häufig unternommen wurden. E« war dabei gar nicht selten, daI! z. B. deutsche Reisende bis nach den fernsten Ländern des Morgenlandes und einzelne sogar bis Japan und China vordrange». Der persische Postmeister Ihn Khorclatlbch berichtet in «einem Buche von den Postrouten um das Jahr H><) von jüdischen Kaufleuten, die vom Abend lande aus regelmäßig nach dem Osten reisten und ihre Fahrten bis nach Indien und China ausdehnten. Die Voraussetzung für diese Kaufmannszüge war eine ausgedehnte Kenntnis fremder Sprachen. Gerade von dieser Sprachenkenntnis geben mittelalterliche jüdische Bücher wic'derholt Kenntnis. Slawische, arabische, persische und neugriechische Worterklärungen hebräischer Begriffe in mittelalterlichen jüdischen Büchern sind Zeugnisse für die weit ausgedehnten Reisen der Juden im Mittelalter. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die* Reisebeschreibungen jüdischer Reisender im Mittelalter. Ueberaus wertvoll ist ein Reisebericht des Ibrahim ibn Jakub, der um 97» mit einer Gesandtschaft des Kalifen von Cordova nach Deutschland kam und die erste Reisebc'schreibung Deutschlands in arabischer Sprache verfallt hat. Ein Weltenbummler und Globetrotter war schon im neunten Jahrhundert E I d a d h a d a » i gewesen, der einen abenteuerlichen Reisebericht njedergeschrieben hat. Wissenschaftlich bedeutender ist das Reisetagebuch des Spaniers B e n j a m i n v o n T u d e I a , der von 1163—1173 einen großen Teil Europas und Asiens bereiste. Nicht ganz so wertvoll ist die Reisebeschreibung des deutschen Juden Pet a ch j a von R c g e n s b u r g aus den Jahren DJB—1185. Amüsant sind die gelegentlichen Mitteilungen des gelehrten Araham ihn Essa und des Dichters Juda A 1 ch a r i s i über ihre Reiserlebnisse in fremden Ländern. Auch an den Entdeckungsreisen des zu Ende gehenden Mittelalters haben sich Juden in verhältnismäßig großer Zahl beteiligt. Der Jude J u s s u f F'aquin hatte im Anfang des vierzehnten Jahrhunderts die ganze damals bekannte Welt umsegelt. Yasco da Gama ber richtet von seinem jüdischen Lotsen Gaspard da Gama. der zu ihm in Indien an Bord gekommen und der von König Manuel zum Ritter erhoben wurde. Auch auf den Schiffen des Christof Columbus befanden sich mehrere Juden, und einer von ihnen, der sprachenkundige Arzt de Tor re. hat als erster Europäer amerikanischen Boden betreten. Familienschutz durch Familicnselbsthilfc. Von A. Rheinländer. Zwei Gesichtspunkte verdienen in diesen schweren Tagen besondere Beachtung. Zunächst die Erkenntnis der wirtschaftlichen Labilität. Wir erleben, daß angesehene Firmen plötzlich wanken. jeder von uns kennt unzählige Familien, die* wirtschaftlich anscheinend durchaus gesichert waren, bei denen es sich jedoch nach dem Tod des Familienoberhauptes herausstellt, daß die gesamte wirtschaftliche Substanz geschwunden ist. Die Festigkeit, die Stabilität früherer Zeiten, scheint auf lange hinaus geschwunden, die Zukkungen und ununterbrochenen Veränderungen des Wirtschaftslebens im allgemeinen bedingen auch schnelle Veränderungen in der Wirtschaftssituation des einzelnen. Man darf sagen, daß diese Erkenntnis heute bereits Allgemeingut geworden ist. Nicht Allgemeingut ist jedoch der zweite Gesichtspunkt, daß es auch diesen Erscheinungen gegenüber im wesentlichen auf Selbsthilfe ankommt. Der Träger des jüdischen Lebens ist seit jeher die Familie. Zum ältesten jüdischen Erbgut gehört die heilige Aufgabe, die Familie zu erhalten und für sie auch über die Tage des eigenen Lebens hinaus zu sorgen. Die Erkenntnis muß sich wieder durchsetzen, daß dies auch heute nur auf dem Weg der Selbsthilfe möglich ist. Die jüdischen Gemeinden sind heute nicht mehr in der Lage, den an sie gestellten Wohlfahrtsanforderungen nachzukommen und die dringenden Nöte des Tages zu lindern. So gilt es. sich auf eigene Kräfte zu besinnen. N on größter Bedeutung ist dies für den jüdischen Mittelstand. Wer die zahllosen Bitten und Gesuche kennt, die sich in den jüdischen Wohlfahrtsämtern häufen, der weiß, wie groß die Ver- Sophienstraße Nr. 27 / Telephon Nr. 29727 w-, K8se>, MIIch*Spezlalhaiis Erstklassig« Molkarsiprsdukt« Feinkost, vorzügliche Qualitäten Reelle, aufmerksame Bedienung 12 Marienstr. 12 Telefon 62166 Modesalon nach verlegt haben. Durch Verminderung der Unkosten sind wir In der Lage, Ihnen das Neuest« In Nachmittags-, Abendkleidern u. 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