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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-09-01 · 11 (1.9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
11 (1.9.1931)
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
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— 113 - ^Besucht auch die jüdischen QastsiäUeu Siuttqxuis! HOTEL WESTHEIMER, Rotestraße 2 RESTAURANT BLOCH, Cah PENSION AGULNIK, Eberha verstr. 4 rdatr. 69 seine schlechtere Religion, seine talmudische Gcheimlehre, sein wirtschaftliches Schmarotzertum, sein mangelndes Vaterlandsgefiihl. sein Streben nach der Weltherrschaft. Der Jude wies allerdings nach, daß seine Religion zuerst die .Nächstenliebe in das Programm der Menschheit eingeführt: er zeigte, daß der Talmud jedem zugängig ist, der den Zugung zu ihm sucht; er erbrachte den Beweis, daß er ein wertvoller wirtschaftlicher Mitarbeiter auf allen Gebieten menschlicher Arbeit war: er wies mit berechtigtem Selbstgefühl auf die schweren Blutopfer hin welche die Juden in allen vaterländischen Kriegen für das Vaterland gebracht; er konnte mühelos darlegen, daß Juden nirgends und niemals in der Geschichte der letzten Jahrtausende die Weltherrschaft erstrebt. Der Jude entkräftete alle diese Scheingründe, aber der Judenhaß blieb, nein, er steigerte sich bis zum Fanatismus. Die Wirkung auf die Juden war unerwartet: das S e 1 b s t b e w u ß t s e i n der Juden war erschüttert. Sie begannen zu grübeln und Zu klügeln: es muß doch irgend etwas an uns sein, was diesen lluß entzündet. So entstund die seltsamste Erscheinung in der neuzeitlichen Judenheit: cler j ü d i s ch c Anti s e ni i - t i s m ii s. Der Jude begann, das Jüdische in sich zu hassen, weil es den Juden minderwertig erscheinen ließ. Er scheute sich, den Namen Jude in Gegenwart von Nicht Juden auszusprechen. Er erklärte jede unschöne Handlungsweise für „echt jüdisch“. Er gab seinen Kindern nordische Vornamen. Die jüdische Mutter war selig, wenn man ihr erklärte, daß ihr Kind gar nicht jüdisch aussähe. Es begann das widerliche Versteckenspielen mit dem Judentum, das den Juden in den Augen aller Menschen lächerlich erscheinen ließ. Vor kurzem hat Theodor Lessing sechs Lebensbilder solcher Juden zusammengestellt. in denen sich der Selbsthuß zur pathologischen Erscheinungsform gesteigert. Es sind Juden, die sich als Uraricr gebürdet haben, die alles Jüdische mit krankhafter Leidenschaftlichkeit gehaßt, und die zumeist als Selbstmörder geendet, weil sie ihr Judentum nicht anders überwinden gekonnt. Wie ist das möglich gewesen? Nun. sie waren ausnahmslos Juden ohne Judentum. Zufallsjuden. die allerdings von jüdischen Eltern geboren, niemals den Willen bewiesen, sich selber klar zu machen, was denn eigentlich dieses rätselhafte Jüdische an ihnen war. Das ist das Bedauerliche an den modernen Juden und zugleich die einfachste Erklärung des jüdischen Selbsthasses, daß es nichts gibt, was die Juden weniger kennen als ihr Judentum. Man mache einmal den Versuch, in jüdischakademischen Kreisen zu fragen, was denn eigentlich das Judentum ist, was es lehre, was der Inhalt seiner religiösen Forderung ist, und man wird fast ausnahmslos die beschämende Tatsache bestätigt finden, daß nicht einmal die Leitgedanken des Judentums in seinen sogenannten gebildeten Kreisen bekannt sind, geschweige, daß diese eine wissenschaftlich einwandfreie Kenntnis von seinen Grundlehren besitzen. Daß diese Juden ohne Judentum den Judenhaß, unter dem sie leiden, doppelt schwer tragen, ist fast selbstverständlich, es gibt ja nichts, was so unnatürlich ist und dabei so wehe tut. als unter einer Anschuldigung zu leiden, deren Inhalt und Motiv unbekannt sind. Das einzige Heilmittel gegen den j ü d i s ch e n S e I b s t h a ß ist Kenntnis vom J ii d e ii t ii in. Sieh’ im Judentum, was es ist: die Religion der M e n s ch I i ch k e i t, die. wenn schon nicht besser, sicher picht schlechter ist als irgend ein anderes ßekcpi tnis! 'Sieh’ in den Juden, was sie sein sollen: <lcis Volk der Propheten! Sieh' auf die Leistung der Juden und des Judentums in der Menschheitskultur! Sieh’ in deinem Judentum den Steinl und Kern des Besten in dir — und du wirst cfen-Selbsthuß als eine pathologische Entartung bekämpfen und in dir überwinden! I ' Sterben die deutschen Juden Von Dr. Fred Alstern. Es ist in den letzten Jahren viel über die großen Gefahren geschrieben worden, die der deutschen Judenheit durch das immer mehr in Erscheinung tretende Wachsen der Sterbeziffer und das gleichzeitige Sinken der Geburtenziffer drohen. Erst kürzlich haben wir an Hand der Statistik des kirchlichen Lebens der Israel. Gemeinden Württembergs im Jahre 1910 auch an dieser Stelle feststellen müssen, daß diese württembergischen Zahlen ein weiteres Zeugnis für den unaufhaltsamen Rückgang des deutschen Judentums darstellen. Im folgenden unterzieht Dr. Fred Alstern diese trüben Verhältnisse einer eingehenden Betrachtung. Die Schriftleitung. ..Seit fruchtbar und mehret Euch!“ — diese biblische Mahnung scheint unter den Juden Deutschlands gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein: denn mit unerbittlicher Strenge weist cler Statistiker nach: Die deutschen Jiitlen sterben aus! Während die übrige Bevölkerung Deutschlands — ungeachtet der auch bei ihr stark abnehmenden Kinderzahl — immer noch eines Geburten Überschusses sich erfreut, wird bei den deutschen Juden die Zahl der Geburten durch die Zahl der Todesfälle bereits beträchtlich überwogen. Lieber die Ursachen dieser Erscheinung gibt Ernst Kahns Buch „Der internationale Geburtenstreik“ *J interessante Aufschlüsse, und zwar in einem Kapitel, das den schonungslos eindeutigen Titel führt: „Die deutschen Juden in der Auflösung". Es wäre verfehlt, zu meinen, hier liege ein rein jüdisches Problem vor, das für das übrige deutsche Volk kein Interesse habe: war es doch ein amtlicher deutscher Statistiker, der hessische Regierungsrat Knöpfei, der schon zu Beginn dieses Jahrhunderts erklärte, die Geburten-, Sterbe- und Eheziffern der deutschen Juden bildeten förmlich ein Barometer, das immer schon um einige Jahrzehnte früher die zu erwartenden quantitativen Veränderungen innerhalb cler gesamtdeutschen Bevölkerung anzeige. Knöpfeis *) SocletAtzverlag, Frankfurt a. M. J un^ie du~giilt fü US? de die niedilas De übrige uralten ckten sich Hygiene, so fünf Jahrgeringer war rung. Inauch die Vorhersage hat sich bis nun mit Genauigkeit bestätigt. Es ist noch nicht lange her. rige jüdische Sterbeziffer als ei Deutschland unerreichbares Ideal. GesundheitsVorschriften der Juden mit den Forderungen der modernen daß die jüdische Sterbeziffer noch vcjr zehnten um etwa vierzig Prozent als die der gesamtdeutschen Bevüljkc i zwischen aber ist erfreu lieber webe Sterblichkeit unter der gesamtdeutschen Bevölkerung gewaltig gesunken, die günsiige jüdische Sterbeziffer aber wurde im Fallen ülsrräolt durch... die mit rasender Geschwindigkeit hinut stürzende i'üdischc Geburtenziffer. Entfielen vor fünfzig aliren auf tausend preußische Juden noch 11.7 Geburten, so 192s nur noch 10.8, während tausend nichtjüdische Preußen es immer noch auf 18.6 Geburten bringen, Der bedeutend .* Berliner Stuatsw issenschaftler Geheimrat P|ol ossor Dr. Julius "Wolf hat in seinem Büchel..Die neue Sexualmoral und das Geburtenprob lern.unserer Tage" den Zusammenhang zwischen zunehmender Intellektualisierung und ulinehlmender Geburtenzahl aufgezeigt: vielleicht silitl es diese Beziehungen, in denen die Ursache zju n+chen ist. warum bei den deutschen Juden der Geburtenrückgang um so viel früher cinsetztcj als bei den anderen Deutschen. Die deutschen j J lden sind ja seit langem schon zu weit höheren Prozentsatz intellektuellen Berufen zugewcjnclt, als die uichtjüdische Bevölkerung Deutschen Is. Fäne nach rationalistischen Gesichtspunkten vorgehende. durch Vernunfterwägilnj;en planmäßig geleitete Geburtenkontrolle und damit Geburtenbeschränkung konnte bei den jüdischen Deutschen darum viel früher einsefze n als bei den nichtjüdischen. Inzwischen hat der ungeheure Aufschwung der deutschen A beiterbildung auch die übrige deutsche Bevölkerung intellektualisiert, und die rapid sinkende Geburtenziffer Deutschlands gibt bered es Zeugnis dafür. Allein die gesamtdeutsche Bevölkerung zehrt heute noch von ihre i großen Geburtenüberschüssen aus den ersten Jahren dieses Jahrhunderts, verfügt daruni über eine abnorm große Zahl von Menschen iin Mter von 20 bis 50 Jahren und erfreut sich so gegenwärtig einer beispiellos günstigen Heiratskonjunktur. Wenn man Mmtteqame, Quati* tat und, Ixeisweeüqkeit speicht, dann meint man In München ORLJANSKY, das führende und größte Pelzhaus am Platze. Unsere Stuttgarter Filiale wird nach gleichen Grundsätzen geleitet. 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