Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 10 (16.8.1931)
- Date
- 1931-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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.sonders hohe Quote soll die Entwicklung dieser zurückgebliebenen Länder ganz besonders beschleunigen. Line vorbildliche Natipnalitäteupoiitik! Daß die insbesondere in diesen Landstrichen konzentrierten j ü d i s ch e n Muss e n von dieser ungeheuren Steigerung der Produktivkräfte Nutzen ziehen werden, ist unzweifelhaft: dies beweisen uns die Lrgebnisse der ersten zwei Planjahre. Die Tendenzen dieser Entwicklung sind: Mit dein Bau neuer Fabriken und Jndustrieunternchmiingcn aller Produktionszweige finden Juden in immer steigendem Maße Beschäftigung uls Fabrikarbeiter in der Großindustrie. Wir finden Juli 1929, also um Beginne der beschleunigten Entwicklung. in Weißrußland 14 000 jüdische Arbeiter in der Großindustrie. Das sind 34 Prozent aller in diesen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter. Man beachte, dtjß der Anteil der Juden an der Gesumtbevülkerung Weißrußlands nur 8 Prozent betrügt. Gleichzeitig mit der Produktivierung der jüdischen Müssen geht auch ein Eindringen in die Schwerindustrie und langsamer in die Urproduktion (HohstoffbeschafTung) vor sich, in welchen Zweigen sie bisher fast gar nicht beteiligt waren. Juli 1929 sind 37 Prozent der gesamten in der vveißrussischen Metullbearbeitungs- und Maschiueiiindustrie beschäftigten Arbeiter Juden. Viele Tausende jüdische Aroeiter arbeiten bereits im Douezbeckcn, im Ural und in der Krim, den Zentren der Schwerindustrie. Der fühlbare Mangel an qualifizierten Kräften zwingt die russische Negierung zur Krrichtung von technischen Schulen und Lehrwerkstätten für die Ausbildung der Jugend. Von diesem Prozeß zieht die lernbegierige jüdische Jugend weitestgehende Vorteile. Viele fansende jüdische junge Leute genießen professionelle Ausbildung in Fabriksschulen Weißrußlands, der Ukraine und Großrußlunds. Tausende werden im Lisenbahudienst instruiert.; Die Wandlung der gesellschaftlichen Moral, dos Verschwinden gewisser spezifisch jüdischer Vorurteile bringt auch die jüdische Frau immer mehr ins Berufsleben. Das Fehlen jeder A r b e i t s I o s i g k e i t und damit einle stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften fördertIdiese Ev.- w icklung in hohem Maße. Das Streben zur vollkommenste» Nationalisierung der Betriebe, zur Steigerung der Produktivität der Arbeit fördert den masjscnweise» Zusammenschlult der Handwerker und Heimarbeiter zu Produktivgenossenschaften, insbesondere* da dies die \ oruiujsctzung ist für staatliche* Belieferung mit den modernsten Maschinen, für Kreditgewährung und Regelung des Lin- und Verkaufes. > Die Ueberfiihrung der deklassierten Juden in die Landwirtschaft geht in gesteigertem Tempo vor sich. Bis Kode* 1930 steigt die Zahl der »t*nungesiceleltcn Familien bis 23 000 auf 300 000 ha Boden. Lin Großteil dieser Kolonisten lebt in Kollektiven. Daß auch die allgemeine Mechanisierung der Landwirtschaft in der Sovjjet-Union nicht vor den jüdischen Kolonien hältgemucht hat. zeigen folgende Ziffern: Anwachsen des Truktorenparkes in den jüdische» Kolonien der Krim ((„N'ajezcl“. Jaltrg. 1931, Nr. 3. Biga): 1923 34 Traktoren ' 1929 104 Traktoren 1930 471 Traktoren Ja. man stellt den Juden sogar im fernen Osten am Stillen Ozean ein großes Gebiet zwecks Besiedlung zur \crfiigung. Birobidjun heißt dieser Landstrich und soll im Laufe der Zeit die jüdische Republik im Bunde der Sowjetrepubliken werden. Mit der Stärkung des sozialistischen, des gemein Wirtschaft liehe» Sektors in der Industrie und der Ausbreitung der Konsumgenossenschaften wird der Nepmunn. der kleine Unternehmer und Händler, immer mehr aus dem Produktionsprozeß gestoßen. Die allgemein gute Lage des Arbeitsmarktes jedoch bietet ihm jedoch oft die Gelegenheit, entweder im selben Fache nun weiterhin als Angestellter, als Fachmann in Staatsdiensten tätig zu sein, oder abe*t gibt ihm die Möglichkeit der Umschichtung, der Produktiv ierung. Dies wären in groben Umrissen dargestellt, die Umwandlungsteiidenzen in der sozialen Struktur der Juden im neuen Rußland. Umwandlungen. die mit Riesenschritten vor sich gehen und innerhalb kurzer Zeit das Gesicht des russischen Judentums völlig verändern werden. *) Allerdings gibt es noch immer große Schichten der jüdischen Bevölkerung, insbesondere die älteren Generationen, die nicht mehr die Kraft zur Umschichtung hatten, und die ehemaligen Bourgeois", die sich in Not befinden. Doch das \ orhandenscin einer staatlichen Macht, die den Willen hat, diese Zustände zu ändern, gibt uns die Gewähr, daß diese Probleme früher oder später zur Gänze einer befriedigenden Lösung zugeführt werden. *) A. Manes sdiAtzt In der .Zeitschrift lür Wirtschaft und Leben", Februar 1930, das Duidudinittselnkommen des russischen Juden per Jahr und Kopf aut 140 Dollar, das des polnischen aut 100 Dollar. Allerdings ist es noch immer klein gegenüber dem Durchschnittseinkommen des Juden in der ganzen Welt, In der Hohe von 350 Dollar per Kopf. - 101 — Und nun noch zum Schluß ciiiö kleine Gegenüberstellung: Die W irtschufts}M)litik der kapitalistischen Regier u » g c> n in Osteuropa, wie Polen. Rumänien und Litauen zerstört und untergräbt systematisch die ohnehin schwachen wirtschaftliche» Positionen der jüdischen Bevölkerung, ohne ihnen andere einräumen zu können. Von Jahr zu Jahr steigert sich das Tempo des Verelendungsprozesses. Die Aussichten sind hoffnungslos. Die Wirtschaftspolitik der p r c» I e t a r i s ch c* n Regierung in Sowjetrulllund mußte zwar naturnotwendig vorerst die im produktionstechnischeu Sinne reaktionären wirtschaftlichen Positionen der Juden zertrümmern: sie bemüht sich jetzt jedoch, ihnen andere, gesündere, in der Wirtschaft verwurzelte cinzurüumcu. Von Jahr zu Jahr steigert sich das Tempo der Umschich- KSnlgstraßa 3 der Heul 12.52 WOLF SCHUHHAUS tung und Produktiv ierung. Die Aufsichten sind erfreuliche. j I- _ I Zur Geschichte der Juden in Neckarsulm. Von Oberlehrer Lbenso wurde auch im Jahre 1760 auf Klagen der Bürgerschaft den Juden das viele Aufkäufen und ..Koscher»" von Most im Herbste verboten, im Jahre I76I der Verkauf von Getreide ins Ausland untersagt, damit es nicht daheim verteuert werde. Doch nicht nur gegen die Juden, sondern auch für dieselben, als ihre „jüdischen Schutzleute", zugleich auch für ihre christlichen Untertanen, trat die hohe Deutschorelens-Regierung mit ihren Erlussen ein. So verfügte ein solcher vom Jahre I738. daß den vom Freiherrn v. Bauz in Oedheim aufgenommenen Judenfamilien aller Handelsverkehr mit den Ordensuntertanen — Juden wie Christen — unter Strafe der Vermögenskonfiszierung verboten, die Untertanen selbst im Falle des Zuwidcrhandelns mit 3 fl. Strafe angesehen werden sollen. Und ein andrer vom Jahre 1739 gibt zu erkennen, daß die Kochendoifer Juden bei Strafe nicht an Sonn- und Feiertagen bei den Ordens»ntertaneu Geld einziehen dürfen, daß gegen Zuwiderhandelnde mit Arreststrafen vorgegangen werden, und daß dem Hebräer Jakob Mayer in Kothendorf bei Strafe verboten sein solle, mehr , uls 3 Prozent zu nehmen. Doch sind auch die Neckarsulmer Juden hinwiederum mit einbezogen, ja hauptsächlich gemeint, wenn ein Erlaß vom Jahre 1732 verordnet, daß wegen Betrugs. Wuchers. Uebervorteilung der Juden jeder Kontrakt. Handel usw. bei über 20 fl. Kulb'Oehringen. Wert obrigkeitlich untersucht werden sollte: wo nicht, sollten die. Juden ohne weitees von den Gerichten abgewiesen werden. . Im allgemeinen scheinen die Juden während ihres ^400jährigen Aufenthalts stet^ in gutem, friedlichen Einvernehmen mit der christlichen Bevölkerung gelebt zu haben, unc weder die pfurrlichen noch die städtisch-bürgerlichen Akten wissen Ungünstiges über sie zu berichten. Ihre besonders anfänglich größere Anzahl erforderte eine Art von eigenem Gemeindeleben und von Gemeinde-Institutionen. So hatte die jüdische Gemeinde in Neckarsulm bis etwa zpr Mitte des vorigen Jahrhunderts ihre eigene, freilich höchst bescheidene Synugoge. im Volksmund heute poch „die Judenschul" genannt, die not ft steht und nunmehr in eine Scheune umgeU nudelt ist (Eigentum des Landwirts Heinrich Krämer in der Nähe des Benediktinerklosters in der Lammgusse). Die Innenwände zeigen heute noch in Quadratschrift geschriebene, zum Teil »och gut erhaltene hebräische Verse auf. Außer der Syäagpgc hatte die jüdische" Gemeinde ihr eigenes rituelles Fraiienhatl und ihren eigenen Friedhof in Wal desnühe — am Fuße der Westseite (fes Scheuerbergs. Er weist eine* ansehnliche Zahl von alten, interessanten Grabsteinen auf. Map wird wohl in der Annahme nicht irre gehen) daß dieser Friedhof bald von den im Jahre I5ß9 aus Heil- 3UiS6totm Zeitgemäße fhißßekleidlMQ. elegant und preiswert OTTO WALCH Bruckmannfilbar-Bastacka Karl Gertler Kaiserstr. —R—■i erttRL tauniKi ShUMpfe, «wit TrlMMwastfeC WHWMf CilCndCF a. Nma" V«T1 Damenstrümpfe Damenwäsche mir bei Hugo J. Sänger SQImerstrate Nr. 42 Japeten - £ittoleum Hermann Schieferer ■CUferMI. Friedensstraße 46 Telefon Nr. 343t Stark & Hartmann ■ Heflbronn KlodergtMC 5 -r- Fcraraf durch "Nr, 1404 Spezialgeschäft für Zentralheizungen Hochu. 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