Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 9 (1.8.1931)
- Date
- 1931-08-01
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- [Seite] (sequence 2)
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- 92 — — .und abends 2ns Cafe. Xaintann Seidenstr.6 Eck«Schiofl»tr./Tel.22979 unzulängliche Ergänzung der nrg.inNicrtcn "lautlichen V\ ohlfalirNpnege clnr-teilen. 'n jrj11 in einer I jp'. i» i> -ic die Gegenwart gi'chaffen li.tt. die* all«' I M'iuifr: Hilf dir -all,-,. ,1.1 n ti hilft <1 i r <-»'«' Ewäre *ia- -ih!inirn-fa /aithan '-aI /ait. wc n ii^sbc von liic.-u Villen MatrafTaiiai, m,ii nharall hcr\lilfc erwarteten, sie alter nicht in sich selbst suchten. Die Not in i, li schlafende Tatkraft wecken! Hilfe von außen bedeutet vorübergehende Unterstützung, aber keine Rettung. Um biblisch zu sprechen, kann der Bruder wohl dem -inkenden Bruder die stützende Hand auf steinigem Pfade reichen, aber ohne Mitschreiten, ohne eigenen Willen, ohne persönliche Tatkraft i-t ein Ausweg zur Rettung nicht zu finden. Die /ait verlangt Kntschließung. die sich zur Tat aufrafft. Dem Tätigen hilft Gott! ..Tu deine Pflicht, dann wird Gott seine Pflicht tun." Die Juden in So^ei-Ruijland. Von Theodor Seibert. I in \ erlag k norr & H i r t h in Miin- «heii erscheint soeben ein ungewöhnlich packendes Buch ..Das rote Ruß- I a ii d . mit dem Untertitel „Staat. Geist und Alltag der Bolschew ik!". Sein V erfasser. der als Vertreter großer Tageszeitungen vier Jahre (19^5—39) in Sowjetrußland zu dem ausschließlichen /.weck, das f and nach jeder Richtung zu studieren, gelebt hat. gibt das anschaulichste aus dem ungeschminkten l.eben selbst gewonnene Bild des heutigen Rußlands. Mit Erlaubnis des Verlages drucken wir im Folgenden einen Auszug aus «len Kapiteln über das russische Judentum und den russischen Antisemitismus ab. Die Schriftleitung. I: i ,1; J. Iirzi i .il lang waren weite Kreise .ii : .i'-i-cin-n. aber auch der russischen M j| :.i\ >11 iiiieizeugt, daß die bolschewistische I!' ■!>,'''■! ' ai den ru—Neben Juden”..gemacht" V "idl II -■ i. lind daß die Juden im Sowjetstaat i i'en. I -t der Aufstieg des Kaukasiers ' iii 'ei 'riin-ibriinkten Macht hat diese Vorüii'ig II, den I lintei gr.und treten lassen. Aber -pukt der ..jüdische Bolschewismus“, i - in den Köpfen jener merkw ürdigen f i > die Wilhelm II.. neben 99 Prozent aller anderen prominenten Europäer, ein Jude oder Judenstümmling ist. Die v ielbesthrieene bolschew istische Judenherrschaft hat es nie gegeben. Lenin war nicht Jude, sondern Sprößling einer Familie des russischen Kleinadels: er hatte seiner Physiognomie nach, wie viele russische Aristokraten, etwas tatarische Blutbeimischung. Die bolschewistische Revolution aber war allzusehr Geistesprodukt ihres Vaters Lenin, als daß sie. im Widerspruch zur Art Lenins, jüdisch-nationalen Charakter hätte tragen können. Die Vorstellung vom l oberwiegen des Judentums im frühbolschewistischen Rußland entstand natürlich nicht ohne jeden Anlaß. Tatsächlich hat das jüdische Element in der bolschewistischen Führerschaft bis vor wenigen Jahren einen Prozentsatz eingenommen. der in keinem Verhältnis zur allgemeinen Zahl der Juden im russischen Nationalitätenstaat«* stand. Diese Erscheinung erklärte sich aber sehr einfach daraus, daß das russische Judentum zur/arenzeit die bei weitem am stärksten bedrückte Nationalität war. und daß die jüdische Intelligenz den revolutionären Parteien infolgedessen besonders viele Führer gab. die vermöge ihrer hohen politischen Geschicklichkeit sich auch entsprechend in Szene zu setzen wußten. Der bolschewistischen Partei schlossen sie sich in besonders großer Zahl an. weil diese die r > Dr. med. Ludwig Weil Stuttgart / Paulinenstraße 19 Wohnung: Gustav Sieglestraße 32 ist im Monat August i verreist Vertreter: Dr. Robert Schmidt l.oemrnweg 22 - Telefon 22128 V__ r ‘•fli/i mehrjähriger Tätigkeit an der medizini> :en Klinik zu Tübingen (Prof. Dr. Otfried 'füiirri habe i<h midi hier, Kronprinzstr. 361, i ' praktischer /Irzt niedergelassen. Dr. med. Fritz Duvemoy Sp r c rh - t u n d.e n 11-1 und 5-7 Uhr \ tmstags 11-1 Uhr Telephon außerhalb der Sprechstundenzeit 208 72 Kl Telephon 2S\iO Dr. med. Julias Ottenheimer Facharzt für innere Medizin Friedridistr. 16 Feraspr. 29201 zurück Sprechstunden von 4 6 Uhr V. .j Ich habe meine Praxis nach Calwerstraße 301 Kck« GynmasiumstraS« varlagt Sprechstunden: ^b20. Juli Jill-i., i2 u.5-7, Sa.11-1 Dr. Walter Enderle Facharzt für innere Krankheijen speziell Herz- und Lungenleiden r K. Jlugenarzt Dr. Gramer verreist bis 24. JTugust Verein ffldlsdier Handwerker ln Stuttgart Es empfehlen s i dt: Mktzgcrcicn: Ed. Liebermann, Ochsenmetzgerei, Holzstraße 13, Telefon 29622 Leopold Dreifass, Metzgerei, feine Fleisch' und Wurstwaren. Nadierstraße 17, Telefon 24910 Hirrtnschntidsr: Herrmann Opatowskl, Maßschneiderei, Deutsche und engl. Stoffe. Schwarenbergstraße 161 O. Jontof- Hotter, Herrenschneider, Lager Deutscher und engl. Stoffe. Friedridistr. 6. Tel. 22694 N.Herskowits, Feine Herrenu. Damensdineiderei. Cannstatt, Karlstraße 54 Uhrmacher: Reparaturen an Wand-, Stand- und Taschenuhren bei billigster Berechnung. H. Kronenberg, Kronprinzstr. 30/32, Telefon 63167 Sanitäre Installation und Hetnungennlegen: Julias Kahn, Gas-, Wasser- und Entwässerungsleitungen sowie alle Reparaturen. Kolbstraße 12, Telefon 70076. Radio / Elektr. Bedarfsartikel s L. Landauer, Spezialreparaturwerkstätte sämtlicher Radioapparate sowie elektrischerHausgeräte. Postttraßc 7. Telefon 29421 Tapezier: Jakob Golperu, Anfertigung feiner Polstermöbel in Stoff und Leder bei billiger Berechnung. Paulusstraße 2 b Ooutf&ame, tüchtige Wirtschafterin, sucht wegen Todesfall neuen Wirkungskreis. Angebote unter L. B. -13 an die Gemrindezeltung. einzige wiihrhiift internationale, von großrussischen Vorurteilen nicht befangene Partei war. Historische Objektivität gebietet auch festzustelleu. daß die Greuel der Revolution nicht vorwiegend jüdischen Bolschewiki in die Schuhe zu schieben sind, wie es vielfach geschieht. Obwohl die Juden in den ersten Jahre» des Bolschewismus zahlenmäßig fast überall dominierten. ist es den breitem .Massen des russischen Judentums um kein Haar besser ergangen als allen andern Volksstämmen. Der bolschewistische Klassenkampf richtete sich genau so gegen den jüdischen Händler wie gegen den russischen und türkischen, die Kirchenverfolgung traf die Rabbiner und Synagogen nicht weniger schwer als die orthodoxen Popen und protestantischen Pfarrer, die christlichen Kirchen und Kathedralen. Eine gewisse Erleichterung verspürten nur hie und da Angehörige jüdischer Bolschewiki. die vermöge des angeborenen jüdischen Familiensinns Arbeitsplätze und Posten erhielten, auf die sic. auf Grund ihrer „sozialen Herkunft“, keinen Anspruch hatten. Aber auch hier darf man nicht verallgemeinern: ich kenne mehr als einen Füll, in dem sich jüdische Purteileute öffentlich von ihren Eltern lossagten, weil diese nicht vom „religiösen Aberglauben“ ließen und aus andern ähnlichen Gründen. Eine Sonderstellung nimmt die jüdische Nation in der-sowjetistischen Siedlungspolitik ein: kein zweites Volk Rußlands hat so ausgedehnte und guteingerichtete Landstellen zugewiesen erhalten wie jüdische Bauern in der Krim-Halbinsel. Diese Bevorzugung bat in Südrußland zum Teil böses Blut gemacht, besonders in den Gegenden, in denen andersstämmigen Bauern Land für jüdische Siedlungszwecke weggenommen worden ist. Diese Angelegenheit hat eine interessante Vorgeschichte: Das Siedlungswerk für die Juden ist eine Karte im bolschewistischen Kampfe gegen — England! Die Sowjetregierung hat die jüdische Kolonisation in Angriff genommen, um den in England entstandenen und von England Jurchgeführten Gedanken des jüdischen Heims in Palästina das Wasser abzugraben. Sie bekämpft den Zionismus mit einer Leidenschaft, die unverständlich bleibt, wenn man die praktischen Beziehungen zwischen Zionismus und britischer Kultur-Prestigepolitik nicht in Rechnung setzt. V or allem hat Moskau auch in Amerika Reklame für die jüdische Kolonisation gemacht, in dem Lande, um dessen Anerkennung es sich seit Jahren so heftig und liebedienerisch bemüht. Die Bevorzugung der jüdischen Bauern hat also mit Judeiifreunclschaft und „Judenherrschaft“ sehr wenig zu tun; sie ist ein Stück sowjetistischer Außenpolitik. — Im übrigen sind die anfänglich mehr versprechenden jüdischen Siedlungsergebnisse seit längerem im Rückgang begriffen. Mit der Abschwächung des außenpolitischen Beweggrundes ihrer Förderung hat auch diese* selber nachgelassen. Seit die jüd. Bauernkolonien nun auch von der Zwangskollektivierung erfaßt wurden. hat sich ihre Lage noch mehr verschlechtert. Der äußere Eindruck der „Judenherrschaft" w urde noch vertieft durch die Erscheinungen der im Jahre 1922 einsetzenden „Neuen Oekonomischen Politik“, die dem Privathandel wieder größeren Spielraum bot. Das war die Zeit, in der frisch erworbener, genauer: frisch erschollener Re ichtum sich in den Schlemmerlokalen der Städte breitmachte: das Ostjudentum nutzte diese* Konjunktur besonders freudig aus und trug, seiner Primitivität entsprechend, sein fadenscheiniges Glück besonders derb zur Schau. Obgleich diese Tage längst vorüber sind und die Neue Oekonoinische Politik einem endgültigen Vernicht u ngsfeldziig gegen den Privathandel Platz gemacht hat. erwedeen die primitiven Ost juden auch heute noch in den russischen Städten den Eindruck, als ob es ihnen allein gut ginge. Die«e kleinen Leute können es nun einmal nicht lassen, sich protzig heraus/.uputzcn und großspurig zu geben, sobald sie sich wirtschaftlich wieder etwas aufgerappelt haben, während der Russe etwa noch vorhandenen spärlichen Besitz ängstlich vor der Oeffentlichkeit verbirgt. Mir sind jüdische Familien in Moskau gezeigt worden, die bereits zweimal wegen „Spekulation“ nach Sibirien verschickt worden waren und schon wieder so auftraten, daß sie der Tscheka ein Dorn im Auge sein mußten. Da der Bolschewismus grundsätzlich alles umgekehrt macht, wie es früher gemacht worden ist. war es selbstverständlich, daß er den Antisemitismus mit größter Entrüstung ablehnte und als eine der „scheußlichsten Grimassen der alten Zeit" verpönte. Das russische antisemitische Schimpfwort „Schid“, gleich „Jud“, war in den ersten bolschewistischen Jahren unter Strafe gestellt: überhaupt jede Aeußerung des Antisemitismus wurde als Konterrevolution geahndet. Die heftige antisemitische Grundeinstellung der breiten Volksschichten wurde durch solche Maßregelungen. die im Verein mit der öffentlichen Betätigung jüdischer Bolschewiki den Eindruck einer Bevorzugung des Judentums erweckten, natürlich nur noch verschärft. Was man öffentlich nicht mehr sagen und zeigen durfte, erörterte man uin so fleißiger hinter verschlossenen Türen. Die Legende von der bolschewistischen „Judenherrschaft“ entstand und fand ihren Weg ins Ausland, was um so begreiflicher war, als neben