Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 2 (16.4.1931)
- Date
- 1931-04-16
- Page
- Seite 21 (sequence 3)
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gesetzt; dies einem Rundbau, bei dem der Almemor nicht in der Mitte liegt, sondern gleichwohl im Osten; dies erscheint als unzeitgemäße Auffassung, welche gewiß nur dadurch von den entscheidenden gemeindlichen Ausschüssen zur Durchführung gebracht wurde, weil denselben andere logisch entwickelte Entwürfe nicht bekannt waren. Die jüdischen Zeitungen hätten in dieser Riditung nodi Wichtiges zu leisten. Der Rezensent bedauerte, daß die Allgemeine Kultbau-Ausstellung in Stuttgart verhältnismäßig sehr wenig jüdisches Material zeigte; dies ist aber wohl mit einer sehr gründlicben Auswahl des Qualitativen zu erklären. Es wäre nur unerfreulich gewesen, dem Publikum etwa jene Anzahl von kleinen Synagogen als Beispiele auszustellen, welche, soweit sie mir bekannt sind, im ganzen als unzulängliche Versuche eines Uebergangs-Stiles zu bezeichnen sind; leider werden solche Bauten bisher wahllos anläßlich ihrer Einweihung von den Israelitischen Gemeindezeitungen als Muster neuen Bauschaffens bezeichnet. Den Schriftleitungen wäre daher wärmstens zu empfehlen, die kritische Würdigung solcher Bauten besonderen Sachverständigen dieses Gebietes anzuvertrauen, damit nicht Verwirrung statt Klärung erreicht wird. Der Verfasser behandelt weiter die Frage der „Dekoration der Synagoge", welche er als noch nicht gelöst bezeichnet; dies mit Recht. Es herrscht hier für den Künstler ein noch viel schwierigeres Problem als beim christlichen Kultbau, da die Zulässigkeit von Darstellungen äußerst eingeschränkt ist. Ich habe schon wiederholt die Anregung gegeben, es mögen einmal in einer Rabbiner-Konferenz prinzipielle Leitsätze hierzu — für orthodoxe und freie Gemeinden getrennt — aufgestellt werden. Dies erscheint dringend erforderlidi; durch vielseitige Unterhaltung Uber diesen Gegenstand mit angesehenen Gemeindevorstehern und Rabbinern habe ich feststellen müssen, daß die Auffassung und Auslegung dieses Fragen-Komplexes auch innerhalb der Sachverständigen eine außerordentlich vielfältige und unterschiedliche ist In diesem Sinne ist auch die Meinung des Rezensenten meinerseits nicht anzuerkennen, daß die Ausschmückung des Ostraumes meiner Synagoge Plauen ein Fehlgriff sei Diese symbolischen Darstellungen wurden von anderen Seiten, prominenten Rabbinern und der ernsten Kunstwissenschaft als besonders gelungen bezeichnet und als erlaubte Darstellung anerkannt Die behandelten Flächen machen den Eindruck großer Teppiche, die — ohne unruhige Wirkung — das Ganze steigern. Das behandelte Thema selbst die Feiertage, und die Symbolik wurde vom zuständigen Geistlichen mitbearbeitet; der bearbeitende Künstler hat im Verein mit mir aus den alten Texten die einzelnen Symbole in ernster Arbeit entwickelt und die Details in schlichter und strenger Form gegeben. Die Ausführung wurde vom Meister mit seinen Schülern als ein gutes Beispiel kunsthandwerklicher Arbeit in den Putz geschnitten. Es wäre meines Erachten« zu wünschen, daß jede Ausschmückung eines neuen Kult-Raumes mit soviel Vorbedacht und Bemühen, unter Heranziehung der Zuständigen und in gleicher Qualitäts-Lösung stattfinden möge; ich war mir bei - 21 - der Unternehmung gerade des Beispielhaften derselben bewußt Die Kultbau-Ausstellung, welche zuletzt in Stuttgart stattfand, wird übrigens als Wanderausstellung in Deutschland von Stadt zu Stadt ziehen und im Verlaufe, wenn möglich, wohl durch neuen Zuwachs ergänzt werden können. Der Organisator für die jüdische Abteilung, Herr Dr. Schwarz -Berlin, scheint mir diese Aufgabe mit besonderem Ernst und Einstellung für Qualität durchzuführen. Aus dm QememdeH WäeUemUtqs, Stuttgart Die Hauptversammlung des Vereins JüdischesLehrhaus, die am 26. März stattfand, wurde durch einen anregenden Vortrag des Rabbiners Dr. Auerbach über „Erziehungslehren aus dem Talmud" wirkungsvoll eingeleitet Er ging davon aus, daß das Erziehungsziel und Erziehungsideal des talmudischen Zeitalters die Aneignung der Thorawissenschaft gewesen. In Schule und Lehrhaus ward sie vor allem dem heranwachsenden Geschlechte vermittelt Der Hohepriester Josua ben Gamala hatte sich das besondere Verdienst erworben, das Schulwesen auch außerhalb Jerusalems auszubauen. Aber auch schon vor ihm besaß jede Gemeinde ihre Thoraschule. Das Unterrichtssystem bestand in der Weckung und Befriedigung des Stoffhungers, für welche die Thora selbst die unerschöpfliche Quelle darbot Die Schuldisziplin verbot jede Drohung, weil diese die Kinder verschüchterte und damit den Lernwillen hemmte. Dagegen sollte der Ehrgeiz der Schüler geschickt angeregt werden. Die Lehrer durften nicht zu jung sein, da ihre Reife Voraussetzung ihrer Wirksamkeit erschien. Sie hatten die ihnen anvertraute Jugend zu Enthaltsamkeit zu erziehen, die durch gute Vorsätze wirksam gefördert werden sollte. Der Lehrer sollte dem Schüler gegenüber innere Neutralität bewahren, weder das Gute noch das Schlechte in ihm voraussetzen, sondern ihn zur Tugend anleiten. Selbstbeherrschung und Demut galten als erstrebenswerte Eigenschaften. Erziehung zur Sachlichkeit wurde verlangt. Gewohnheit sollte zur Natur werden. Frömmigkeit und Lebensfreude waren gleichzeitig Ziele der Erziehung. Die Erziehungslehren aus dem Talmud enthalten wertvolle Anregungen und Mahnungen auch für die Gegenwart Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. An ihn schloß sich der Geschäftsbe r i ch t über die Tätigkeit des Jüdischen Lehrhauses an, den der Vorsitzende, Ministerialrat Dr. H i r s ch, erstattete, in den Ausschuß ist Dr. S i ch e 1 neu eingetreten. Die Lehrkurse werden von jetzt an vom Oktober bis zum Mai veranstaltet, so daß im Sommer keine Kurse stattfinden. Im letzten Jahre nahmen 234 Hörer an den 20 Kursen des Lehrhauses teil. Die Sonderveranstaltungen des Lehrhauses behandelten das Judentum in außerdeutschen Ländern und das udentum in der Welt der Gegenwart. Sie waren sehr gut besucht. Der Vorsitzende dankte allen Organisationen, welche die Arbeit des Lehrhauses im letzten Jahre gefördert hatten. Den Kassenbericht gab Oberrechnungsrat Max Meyer. Es sind im letzten Jahre 1741 Mk. Mitgliedsbeiträge eingegangen. Einnahmen in Höhe von 4829 Mk. standen Ausgaben in Höhe von 5305 Mk. gegenüber. Der Vermögensbestand ist zurzeit 9204 Mk. An der Aussprache über die beiden Berichte beteiligten sich Dr. Sänger, Dr. Feldmann und M a x Osterberg. Es wurde empfohlen, der Jugend die Hörgelder ganz zu erlassen. Die Kurse sollten mehr unterhaltend als zu gelehrt gestaltet werden. Der Vorsitzende schloß den Abend mit der lebhaften Mahnung zur För- Arterienverkalkung, bober Blutdruck? Unübertroffene Heilwirkung durch die echten, fast geruchlosen Zur FrühjMhrs-Blutrainigungskur nur den echten, garant. naturrein. „Riforma"- AUeln echt zu haben im Wbrishofener Kräuterhaus e. m. b. k. Stattgart, a. Bollwerk, Seldenitr. 1, Tel. «0172 derung des Lehrhauses, besonders zur {Teilnahme an seinen Kursen. Stuttgart Der von den „Kameraden", Deutschjüdischer Wanderbund, Ortsgruppe Stuttgart am 29.März veranstaltete Elternabend im Bürgermuseum war außerordentlich gut besucht. Vertreter der verschiedenen hiesigen Jugendbünde hatten sich mit den Eitern und Freunden der Kameraden eingefunden, um an dem Festabend teilzunehmen, der Einblicke in das innere Leben und Treiben des Deutschjüdischen Wanderbundes vermitteln sollte. Der Abend bot eine Fülle des Schönen und Guten. Die älteren und jungen Mitglieder des Bundes wetteiferten, um ihren Gästen einen anregenden Abend zu bereiten. Lieder, frisch und fröhlich vorgetragen, umrahmten 'die einzelnen Teile der Veranstaltung, deren interessantester Teil die programmatische Begrüßung durch Ernst Sänger, der Ortsgruppenbericht und der Arbeitsbericht waren. Aus ihnen gingder ernste Wille, die Jugend zu tüchtigen, charakterfesten und idealempfindenden Menschen heranzubilden, unzweideutig hervor. Die gymnastischen Uebungen bewiesen, daß der körperlichen Ertüchtigung der Jugend die verdiente Aufmerksamkeit gewidmet wird. Zwei Theateraufführungen boten Proben einer nicht ganz gewöhnlichen Begabung der jungen Künstlerschar für die Burleske wie für die Tragödie. Besonders drollig und lustig war das von den Jüngeren aufgeführte Theaterstück „Kai aus der K i s t e", in dem die kleinen Künstler sich als derbe Jungen voll überschäumenden Temperaments erwiesen. Eine ernste und auch künstlerisch beachtenswerte Leistung bot die Szenenfolge aus Friedrich Wolfs „Kolonne Hund". Die dramatischen Steigerungen waren! sorgsam herausgearbeitet; die Gefühlswerte der Dichtung kamen vollauf zur Geltung. Besonders wirkungsvoll war der Vortrag des Sprechchors, der eine Stelle aus dem J e s a i a in Bubers Uebertragung darbot. Mit dieser einen Ausnahme bot der Abend nur nichtjüdische Stoffe. Es wurde darum nicht grundlos beanstandet, daß das jüdische Element sonst völlig vernachlässigt worden ist Gibt es im deutschen Schrifttum der Gegenwart nicht auch noch anderes als gerade dierbeiden Erichtungen von Kästner und Wolfs „Kolonne Hund", deren Vortrag durch eine besondere Rechtfertigungsrede eingeleitet wurde, ein Beweis, daß der Bund selbst ihre Eignung für den Abend nicht unbedingt anerkannte? Die Pflege jüdischer Stoffe und die Vermeidung bestimmter golitischer Tendenzen sollte von der Leitung des undes besonders beachtet werden. Die einzelnen Darbietungen des Abends fanden verdienten Beifall und zeigten die überraschende Vielseitigkeit der Arbeit im Deutschjüdischen Wanderbund „Kameraden". Ii- Stuttgart. Die Ordentli di e Mitglieder Versammlung des Jüdischen Schwesternheims fand am 29. März im Schwesternheime statt und war von den Vertretern der jüdischen Organisationen und von Freunden des Schwesternheims recht gut besucht Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser, eröffnete die Versammlung mit einem Bericht Uber das Geschäftsjahr 1930. Er erinnerte an die in allen Teilen wohlgelungene Jubelfeier des Zwei koschere Pflanzenfette ... so sparsam, so bequem! Tomor, hergestellt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-MargarineI Sie können sie als Brotaufstrich unter Fleischbelag verwenden und für Kuchen und Torten, die Sie unmittelbar nach der Mahlzeit reichen wollen. Tomor enthält keine tierischen Fette und darf daher zu allen Speisen ohne Unterschied gebraucht werden. TOMOR Palmin koscher besteht zu vollen 100°/o au* reinem Cocosfett. Beim Kochen, Braten, Backen —immer freuen Sie sich über seine Ausgiebigkeit und seinen reinen Geschmack. Palmin koscher enthält keinen Tropfen Wasser — es spritzt daher nicht aus der Pfanne, das ganze verwendete Quantum wird voll ausgenützt. Und dabei ist Palmin koscher so leicht verdaulich, daß es selbst dem empfindlichsten Magen gut bekommt. -W3 PALMIN für die rituelle Küche IFleischig und milchig zu gebrauchenI TT» KS—III