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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-04-16 · 2 (16.4.1931) · p. Seite 22

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
2 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
Seite 22 (sequence 4)
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22 TAPETEN LINOLEUM VORHÄNGE HIENERWADEL BUCHSENSTRASSE 25jährigen Bestehens des Vereins und an die bei dieser Gelegenheit allseitig geäußerte Anerkennung der seitherigen Tätigkeit des Scbwesternheimes. Auch in diesem Jahre konnte der V er ^ein den an ihn gestellten Ansprüchen in bezug auf die Bereitstellung von Schwestern nicht ganz entsprechen. Der \ erein hofft, im neuen Geschäftsjahre diesen Ansprüchen besser genügen zu können, du eine Schwester demnächst ihr Lehrjahr beendet und eine weitere im Cannstatter Krankenhaus ausgebildet wird. Das Schwesternheini hat sich bereit erklärt, dem seit langer Zeit von der Stuttgarter Jüdischen Gemeinde geänderten Wunsche zu entsprechen, eine 1 ürsorgeschwester. auch als Krankenschwester ausbilden zu lassen, die dann als Gemeindesch wester hier tätig sein soll, infolge größter Sparsamkeit schlieiit das Geschäftsjahr mit einem nur geringen Abmangel ab. Soll aber die Vereinstatigkeit ohne Einschränkung fortgesetzt werden, so sind Spenden und erhöhte Beiträge dringend notwendig. Der \ ersitzende schloff mit einem lebhaften Appell, das Schwesternheim, das eine bedeutende soziale und apologetische Y\ irk- -amkeit ausübt, überall zu fördern. An den Bericht schloff sich eine Aussprache an, an der sich Dr. llommel, f rau Oberkirchenrat Dr. krönet, Louis Hirsch, Direktor Gumbel, Leopold Levi, Arthur Kops und Sanitätsrat Dr. Ries beteiligten. Aus allen Aeufferungeu sprach die gleiche dankbare Wertschätzung des Schwesternheimes und seiner Schwesternschar. Nach der Verfassung des Vereins mußten in 'diesem Jahre die Neuwahlen zum Verwaltungsrat erfolgen. Die Stuttgart-Loge hatte entsprechend den Satzungen auch für die folgenden drei Jahre Dr. Gunzenhauser zum Vorstand sowie Max Wolf, Isidor Rosenstock, Louis Ullmann und Stadtrabbiner Dr. R i e - e r als Verwaltungsratsmitglieder bestimmt, ooi Gemeindevorsteheramt war wieder Dr. Hommel, für den Israelitischen Frauenverein Frau D. A. Gutmann gewählt, während die Wahl von Max Osterberg von der Zustimmung der demnächst stattfindenden Mitgliederversammlung des Männeyvereins abhängt. Die weiteren fünf bisherigen Verwaltungsratsmitlieder: Frau Oberpostrat Schloffberger, rau Ida Carlebach, Direktor Gumbel, Friedrich L. Kiefe und Dr. H e i n r i ch Wolf wurden durch Zuruf wiedergewählt. Nach Lrledigung der Tagesordnung dankte Rechtsanwalt Dr. Erlanger dem Verwaltungsrat für seine Tätigkeit und besonders den Schwestern, deren Opferfreudigkeit und Treue er rühmend hervorhob. Auch er sprach den Wunsch aus, daß das Schwesternheim zu seinen alten Freunden viele neue finden möge und daß durch reiche Spenden das Fortbestehen und der Ausbau des Vereins tätig gefördert werde. Möge dieser Wunsch reiche Erfüllung finden! Stuttgart Im Rahmen eines von der hiesigen Ortsgruppe des „Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten“ veranstalteten Kameradschafsabends sprach der Vorsitzende des württ. Landesverbands im R.j.F., Dr. Franz H i r s ch - Lim, über das Programm der Nationalsozialisten. ln sehr klaren und instruktiven Ausführungen wies der Redner den agitatorischen und demagogischen Charakter des Programms nach und zeigte an einer Darlegung der politischen Verhältnisse Lims, mit welcher Intensität auch dort — oder gerade dort — von den Nationalsozialisten gekämpft wird. Der Vortrag klang in einen Appell an die Anwesenden aus, unermüdlich Abwetararbeit zu leisten und durch engen Zusammenschluß auch mit nicht jüdischen Kreisen überall in versöhnlichem und aufklärenden Geiste zu wirken. — Die Ausführungen Dr. Hirschs fanden lebhaften Beifall und lösten eine augeregte Diskussion aus. — Dem Kameradschaftsabend selbst ging die Ordentliche Generalversammlung des Bundes voraus. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Ü. Merzbacher, begrüßte die Anwesenden und gedachte dann der im vergangenen Geschäftsjahre durch den Tod abberufenen Mitglieder. Die Anwesenden erhoben sich zu Lhren der Verstorbenen von ihren Sitzen, ln seinem Geschäftsbericht untersuchte Dr. Merzbacher die Frage, ob der R.j.F. Existenzberechtigung habe und zeigte dann im einzelnen, wie notwendig es gerade heute ist, die jüdischen Frontkämpfer zu einen und sie den anderen Abwehrorganisationen als geschlossene Kampftruppe zur Seite zu stellen. Er ging dann auf die Arbeit des verflossenen Geschältsjahres ein und erklärte, daß es der neue Vorstand als seine erste Pflicht betrachtet habe, den Bund wieder finanziell zu konsolidieren. Zehn Kameradschaftsabende und drei größere Veranstaltungen zeugen für den Arbeitswillender neuen Leitung. Den Ausschußmitgliedern — insbesondere dem Schriftführer und Kassier — sprach Dr. Merzbacher seinen Dank aus. Der Geschäftsbericht wurde mit der dringenden Bitte geschlossen, den Bund, der zurzeit 193 Mitglieder zählt, auch weiterhin nach Kräften ideell und materiell zu fördern. Den Kassenbericht erstattete Moritz L i n d a u e r. Darnach hat die Ortsgruppe im vergangenen Geschäftsjahre 4530 Mk. eingenommen und 3411 Mk. verausgabt. Leber die Art der Einnahmen und Ausgaben erhielten die Mitglieder durch eine spezifizierte Rechnungslegung genauen Aufschluß. Dem Kassier wurde dann Entlastung erteilt. Eine längere Diskussion wurde dadurch hervorgerufen, daß verschiedene Ausschußmitglieder sich gezwungen sahen, ihre Aemter zur Verfügung zu stellen. Es schieden aus: Julius Strauß und Hugo Davidsohn. Neu in den Ausschuß gewählt wurden: Alfred Wolf, Otto Bamberger und Theodor Rosenfeld. Landgerichtsdirektor a. D. Ludwig Stern wurde zum Ehrenmitglied der Ortsgruppe ernannt. Von seiten des Landesverbands soll ihm die gleiche Ehrung zuteil werden. Nachdem Dr. Richard Ney einen Bericht über die Abwehr-Organisation der Ortsgruppe erstattet hatte, wurden von Mitgliedern noch einige Anregungen gegeben. Alsdann trat man in den Kameradschäftsabend, zu dem auch die Damen erschienen waren, ein. Ihre Firma für Sanitär u. Heizung Stampf & MUller STUTTGART Panlineastr. M / Tal. 71951/2 Stuttgart Berthold Auerba ch - Verein. Am 31. März sprach Rabbinatskaudidat Karl R i ch t e r in einem ausgezeichneten V ortrag Uber „Die Angriffe gegen den Talinud“. Das Referat gliederte sien in einen glänzend aufgebauten historischen und systematischen Teil. Der Redner zeigte, wie der religiös bedingte Antisemitismus des Mittelalters in der Zeit des Humanismus und der Aufklärung an Lebenskraft verlor, wie sich dann aber nach und nach ein wissenschaftlich verbrämter Bibel- und Talmudantisemitismus herausbildete, dessen bedeutendster Vertreter der Heidelberger Professor Eisenmenger zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde. Rabbinatskaudidat Karl Richter legte anschließend dar, wie Eisenmengers „E u tdecktes Judentu m“ die Quelle für Rohlings Anwürfe gegen den Talmud wurde und gab dann eine sehr interessante Schilderung des Kampfes, den Dr. Josef Bloch - Wien seinerzeit mit Rohling siegreich ausfocht. Den Schluß des 1. Teils bildete eine Darstellung des gegenwärtigen Talmudantisemitismus’,' der im Nürnberger Talmud-Prozeß vom Jahre 1929 einen aufsehenerregenden Niederschlag fand. — Von ganz besonderem Interesse war auch der zweite leil des Vortrags, in dem der Referent eine Reihe von Angriffspunkten gegen den Talmud kritisch untersuchte und sie unter Berücksichtigung des sachlichen und historischen Zusammenhangs vom Standpunkt exakter Religionswissenschaft beleuchtete. Das Schlußwort gipfelte in der Feststellung, daß einzig Gerechtigkeit die jüdische Ethik bestimme und daß alle Apologetik ihren tiefsten Grund in der klaren Herausstellung dieser Tatsache habe. Die nach Form und Inhalt ebenso interessanten wie wertvollen Ausführungen des Redners fanden lang anhaltenden Beifall. Stuttgart. Der Berthold Auerbach- Verein veranstaltete am 2. April im Restaurant Bloch einen Seder-Abend, der von Rabbinatskandidat Karl Richter in schöner und würdiger Weise geleitet wurde. Wenn auch der Besuch dieser Veranstaltung hätte ein besserer sein dürfen, so nahmen die Anwesenden doch tiefe Eindrücke von der schönen Symbolik unseres Pesach-Festes mit nach Hause. Stuttgart. Eine Reihe von interessanten Veranstaltungen finden in der zweiten Aprilhälfte im Berthold Auerbach-Verein statt. Am 21. April findet ein Auspracheabend mit dem Thema „Der Nationalsozialism u s“ statt, der von Alfred Levy geleitet werden wird. — An Stelle des programmäßig vorgesehenen Vortrags über „Lassalle“ wird Rechtsanwalt Dr. Heinz Hayum -Tübingen am 28. April Uber „Gesetz und Volksmeinung“ sprechen. — Wir mach.m auf diese Veranstaltung, ebenso auf die am 24. April stattfindende Freitagabend-F'eier (Leitung: Rabbiner Dr. Auerbach) besonders aufmerksam. (Siehe Inserat Seite 20.) 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