Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 1 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 15)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5442751-5443181--3066-4907082- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Stattgart, bin ausgezeichneter Vortrag über ..M eine Reise nach Südamerika" wurde am 24. März von Gustav Gottschalk im Berthold Auerbach-Verein gehalten. Die interessanten, von erfrischendem Humor ae tragenen Ausführungen des Redners lieficn jeden der Anwesenden diese Reise miterfebcn. So folgte man im Geiste zunächst der Einschiffung im Hamburger Hafen und machte sich mit der Einrichtung des Dampfers „Cap Arbona'1 vertraut. Die Schiffsroute war: Hamburg, Boulogne Golf von Biscaya, Teneriffa, Fernando-Inseln. Rio de Janeiro. Montevideo, Buenos Aires. Sehr interessant war die Schilderung des großartigen Hafens von Rio. auch die Berichte über Buenos Aires, seinen Aufbau, sein Leben und Treiben und wirtschaftliche Luge sowie seine jüdischen Einrichtungen — ein Madchenwaisenhaus, Hospital, Asyl, die Synagoge, der Friedhof — wurden plastisch geschildert. Besonders wurden auch die jüdischen Siedlungen in Argentinien erwähnt, ebenso die Loge U.O.B.B. in Buenos Aires, die fler Redner gegründet hat. Mit einem Aufruf au alle jungen Leute, nur mit den nötigen Sprachkenntnissen und der sicheren Aussicht auf eine Anstellung nach Argentinien zu gehen, schloß der Redner seine Ausführungen. Für den interessanten A'ortrag. der mehr als ein Reisebericht war. erntete der Redner reichen Beifall. Stuttgart. Am 2. April verunstaltet der Bcrth o I cl A u e r b u ch - V e r e i n im Restaurunt Bloch wieder einen S e d e r - A b e n d , dem ein guter Besuch auch uns allen Kreisen unserer Gemeinde zu wünschen ist. Der Preis des Abendessens beträgt 1.50 Mk. — Cand. med. MaxLau- Ier spricht am 14. April im B.A.Y, über .. A n t i - s e in i t i s m u s". Auch diese Veranstaltung sei bestens empfohlen. (Siehe Inserat Seite 4.), Stuttgart. Auf Veranlassung des ..Vereins J ü d i s ch e r Handwerke r sprach um Samstag, den 14. März, im gut besetzten Saal der Stuttgart-Loge Dr. Fritz Bauer über das Thema ..S o z i a' I i s m u s und J u d e n t u in". Der Redner ging auf die Entwicklung des sozialen Gedankens im ullgemeinen ein und gab den Zuhörern ein Bild des Sozialismus von den Anfängen bis zur heutigen Zeit, in seinen Ausführungen erwähnte der Referent auch die Religionen und ihre offizielle Stellungnahme zum Sozialismus: besonders betoute er die sozialen Gedanken der Thora und des Urchristentums. Schon in den Uranfängen des jüdisdien Staatswesens war das Ziel der Gesetzgebung. daR das Volk im Lande sicher wohne und dali unter den Volksgenossen kein Armer sei. Als Quelle und Hort des sozialen Gedankens bezeichnete der Redner die jüdischen Propheten. Im wahren Judentum sieht er die Brücke zum Soziulismus. Zum Schluß entwickelte sich noch eine rege Diskussion, in der verschiedene Richtungen zum Worte kamen. Stattgart. Ordentliche Jahresversammlung des ..Vereins zur Abwehr des A u t i s e m i - t i s in ii s" (Ortsgruppe Stuttgart). Dienstag, den t". März. In Stellvertretung des Vorsitzenden, Stadtpfarrer a. D. L a m p a r t e r. eröffnete Landtagsubgeordneter Johannes F i s ch e r den Abend mit begrüßenden Worten. Er erteilt hierauf dem Vorsitzenden das Wort zu dem Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr. Dieser berichtet über die Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe» und insbesondere der Berliner Zentrale*, wobei er die Wirkung der Abwehrblätter, die nunmehr 40 Jahre erscheinen, rühmend hervorhebt. Er weist darauf hin, daß die katholische Kirche in der Abwehr sich freier betätigen.könne I als die evangelische, daß diese aber in letzter Zeit erfreuliche Anzeichen einer lebhaften Tätigkeit gegen den Judenhaß aufweise. Er berichtet schließlich über die wachsende Mitgliederzahl' der hiesigen Ortsgruppe. Den Kassenbericht erstattet Bankier Stephan Strauß. Bei Ausgaben in Höhe von >424 Mk. schließt das letzte Geschäftsjahr mit einem Kussenbestand von HV5 Mk. ab. Nachdem J o h u u n e s F i s dl e r daran erinnert, daß der Vorsitzende im letzten Jahre seinen 70. Geburtstag habe feiern dürfen, dankt VI a x Wolf für die Tätigkeit des Vereins im letzten Jahr. Die Versammlung erteilt hierauf dem Vorstand die nachgesuchte Entlastung. In einem mit gewohnter Sachlichkeit und Sorgfalt ausgearbeiteten Vortrag erinnert sodann Stadtpfarrer Lamparter daran, daß am 25. Februar 150 Jahre seit dem Tode Lessings vergangen. Er schildert Lessing als Wahrheitssucher und Wahrheitsgläubigen,' für den die Wahrheit kein Besitz, sondern ewiges Ziel gewesen. Als Feind jedes Fanatismus und als ein Fürsprecher aller um ihrer Wahrheit willen Verfolgten wird er zum Verteidiger der Juden. Der Redner zeigt an Lessings „Erziehung des Menschengeschlechtes", der Verteidigungsrede des Juden in der „Rettung des Cardanus" und an „Nathan demWeis e n" Lessings Abkehr von jedem Glaubensdünkel bis zur Predigt der unbedingten Tele-' ranz. Der vollendeten Geistesgröße eines Lessing setzt der Redner die Schilderung der jämmerlichen Erbärmlichkeit des modernen Judenhasses gegenüber. Er zeigt, wie die Darstellung des Judentums bei Hitler ein Beweis seiner Un- - II - kultur und Unbildung ist. In einer scharfen Kritik am Nationalsozialismus mahnt er zum Glauben an den Sieg der Wahrheit im Sinne und Geiste Lessings. Anhaltender Beifall lohnte den Redner für Seine gedankenreichen und mit jugendlichem Feuer vorgetragenen Darlegungen. In der Aussprache über den Vortrag stellte Stadtpfarrer Dr. S ch e n k e 1 die Stellung der evangelischen Kirche zum Antisemitismus dar. Er empfiehlt, daß die evangelischen Pfarrer beim Lundeskirchentag einen Antrag gegen das antisemitische Dogma einbringen, um eine klare Stellungnahme der Landeskirche herbeizuführen, Er spricht dann von weiteren Mitteln zur Bekämpfung des Judenhasses. Landgerichtsdirektor l. R. Stern bringt eine Reihe interessanter Beiträge zur Beurteilung der geistigen Fähigkeiten Hitlers vor. Der Vorsitzende gebt insbesondere auf Stadtpfarrer Schenkels Anregung ein. Nadidem S t e p h a n S t r a u ß zu einer lebhaften Werbung für den Verein aufgefordertr schließt Johannes Fischer den Abend mit einer temperamentvollen Mahnung zu tütiger Mitarbeit gegen die entgeistigenefe Bewegung des Nationalsozialismus und mit dem frohen Ausblick uuf eine erfolgreiche Arbeit im neuen Geschäftsjahr. Stuttgart. Die O i cl e n t I i ch e M i t g 1 i e d e rv e r s a m m I u n g des „V ereins Jüdisches L e h r h u ii s" fand am 26. März statt. Ihr voran ging ein Vortrag von Rabbiner Dr. A u e rba ch über ..E r z i e h u n g s I e Ii i e u a u s d e m Talmud". Wir werden über die Verunstaltung in nächster Nummer ausführlich berichten. Stattgart. Die 56.',Genera Iversa mm- I ii n g des ,. I s r. Mann e. r v e r e i n a für K r a n k e ii p f I e g e im d L e i ch e n b e s t a t - t u n g e. V, (Chewra Kadischa) findet am II. April statt. W ir inachen auf diese Veranstaltung, die sdion von jeher einen Mittelpunkt in der großen Reihe der Jahresversammlungen bildete, ganz besonders aufmerksam. (Siehe Inserat Seite 4.) Stuttgart. Am 21. Mai/ waren es 100 Jahre, eluli Rabbiner Dr. Jacob Lue» i sein Amt in F'ürth i. B.- antrat. Die bayerische jüdische Presse gedenkt des hervorragenden Mannes, dessen Wirksamkeit für die F Urther und die unter seiner Führung gegründete Nürnberger Gemeinde Uberaus segensreich war. in ehrendster Weise. Seine lautere Art, sein großes Wissen, seine glänzende Beredsamkeit und nie versagende Wohltätigkeit, von der dis Väter nicht genug zu rühmen wußten, sind heute uodi in lebendigster Erinnerung. Oberrabbiner Dr. Loewi war am »I. Januar 1803 in Adelsdorf (Oberfranken) geboren. Seine Gattin Snli geb. Kolin. geboren am II. Januar 1804 in Markt- Erlbuch, starb um 23. November 1882 in Stuttgart und fand auf dem hiesigen PragFriedhof ihre letzte Ruhestätte. Von ihren Nachkommen leben noch in unserer Gemeinde die-Enkelin Frau A n n a H « ch b e r g e r. Tochter des Rechtsanwalts Dr. Leopold Nördlinger. und ihr Sohn. Bankier Leo Hochberge r. Mit berechtigtem Stolz pflegen sie die Erinnerung an die edlen Großeltern und Urgroßeltern, deren Andenken wir in Ehrfurcht diese Zeilen weihen. )M. O. Stuttgart/ Am 16. April darf Ben Rose nfeld. Militärstr. 35. in voller kraft seinen 70. Geburtstag feiern. W sehen dem Jubilar, der sich überall Wertschätzung erfreut, noch viele Jahn neten Wirkens! Seh a in i n affenswün- Höchster geseplr Stuttgart. Frau S o f i e ¥ r a n k f u i t hannesstr. 95, die am 17. April ihren HO. tag begehen darf, gehört den ältesten Familien unserer Gemeinde an. Ihre fr Art, die ihr die Zuneigung weiter Kreise hat sich die Jubilarin bis ins hohe Grei bewahrt. Der allgemein verehrten Frau anläßlich ihres 80. Geburtstages die au sten W ünsche durgebrucht werden. Auch bieten ihr unsere herzlichste Grutulatio Gebui jüdi Jortsschen innige ichert. Halter neiden riehtigr ent-. Stuttgart. ..Lieder aussieben La n - d e r n". Ein Liederabend von Edith H o ch am 24. März im ..Haus des Deutschtums". Wenn Herder unermüdlich den Liedern aus aller Welt nachspürte und sie schließlich zu einem Buche vereinigte*, so trieb ihn mehr als elas literarische Interesse. Für He'rder waren diese Lieder „Stimmen der Völker". Ausdruck wahrer Volkspoesie und -Musikalität, in denen die Seele der Nalion schwang, Lawinen zu Tale donnerten. Nebtfl über die Heide krochen, südliche Sonne lachie und CcuutstcUt ^fWP^t^rW WW •'v—^ MM zur Kran ton pH?(je NährundKräftiguiijßmitlel Zentral-Brofvrit lUi»t«& Hünigstr. +0. Paul Bohrer i lUrtiTilc 11 anrol 50037 Möbelschreinerei Spezlalwerkstatte tflr Polieren and; Belsen Cafe Schweickhardt MARKTSTR. 24 TELEFON 50012 I EIGENE KONDITOREI Pünktlicher Versand n. auswärts NEU ERÖFFNET f H6 ♦ Anton Sdiimnano«r w,k....P.tI _ Badstrefie 31 MM Blattiw Wild / Geflügel TAglich Irische See- und Fluflfieche Lieferung frei Haus! Dienstag, Donnerstag u. Samstag auf dem Wodii Die kluge Hausfrau reinigt ihre Familienu. Farbwäscbe in der bekannt. WJbraercl B ROSS Bad*ir.42.Tel.51292 aler- * Arbeiten Carl Wetter moiir Tel. SOS 16. KarlatraAe 51 M BAUGESCHÄFT ERNST SCHULER Grab-, Betonier-, Maurer-, Eisenbetonarbelten, Neubauten, Umbauten Reparaturen, Hausentwasserungen H 0 r o- und Lagerplatz: D»nn»r»tr«6e 88 Telefon 81848 HERMANN FISCHER seneBisamnsssssssssjsmasssssssssm i TAPEZIER U. DEKORATEUR WERKSTÄTTE FÜR INNENAUSSTATTUNG I D W B CANNSTATT BADSTRASSE NR. 16 - TELEFON NR. 51209 eaauufet Kauft bei unseren Inserenten! Banflasconerei, Gasnnd Wasserleitung!-Geadiaft Sanitäre Anlagen Hermann Mridi Marienstraße 6 Telephon 51577 Emil Falken stein u. Sohn Spezialhaus für Obst und Südfrüchte Cannstatt, UlrlchstraBe 19, Tal. 50607 Früchtekörbe in jeder Preislage Auf oreparainr / SAwettwerltslitte Walt er ©Wen) «ifenbabnffrcifle SS Reparatur-Ausführungen an samtlichen Wagentvpen Ten» anläge Pneumatiks WianipHm Kundendienst Aufmerksame Bedienung m 3tr. sosos »oOrnfionfrafir. 42 / M. 31673 Stinhof» x "Prima «Bcia* > 0»(t , ecstüic «MI» / •cfiag'i I Siefifit| frei 8 « ■ s Ttlodeme Optik! Diplom-Optiker Widmaier Bahnhofstrasse 11 Krankenkassen - Liefere nt