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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-04-01 · 1 (1.4.1931) · p. Seite 10

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VIII (1931-1932)
Issue
1 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 10 (sequence 14)
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£utQescheak soll nicht nur billig sondern auch schön u. gut sein beides veceint finden Sie bei mir OSKAR BECKER Offenbacher Lederwaren Charlottenstr. 2 RotebUhlstr. 1 B in ilci Geineindopflege i-t Dr. Marlin ( ohn. Mover li.it »ich bi* ziilot/l auch als ein ausgc/e-iihnetei Lehrer der Jagend innl al- Do/put des Jüdischen l.ebrhauses bewähr! und beabsichtigt, in beiden Betätigungen auch fernerhin zu wirken. _" Aus den QemeUiden lüücttemAecgs. Stuttgart. Sit/ii na des Vor stehera ni I <■ > a in M i I t w n dl, den I 8. M ii r z. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende Oskar K o t Ii s eh i I d einen erpreifenden Nachruf auf den unlängst verstorbenen ehemaligen Präsidenten des Oherrates. Regierungsuit Dr. Niirrflinjer. den die Versammlung stehend anhörte. Den Bericht über die Finanzobteilnng erstattete Karl Levi: Die Mieten im Gemeindehaus in der GartenstraRe sollen auf Ersuchen der Mieter entsprechend herabgesetzt werden. Ebenso sollen die Mieten für die S>nagoee-nplütze eine Herabsetzung um 10 %—20 % je nacti ihrer Lage erfahren. Die am Sabbath. den .'S. März, von den zur Thora Aufgerufenen gespendeten Beträge sollen, soweit die Spender keine andere Zweckbestimmung angeben, der Arthur K s s i n g e r - S t i f t u n g zufließen, hin die notleidenden Glaubensbrüder in Rußland werden für die Pessachhilfe »00 Mk. aus Gemeindemitteln bewilligt: ebenso für das Büro der Statistik der Juden 2s Mk.. für das Heim in \eii-lsenburg s0 Mk. In der Aussprache über das Gesuch des Religionsoberlehrers Adler /weeks höherer Einstufung wurde auf Grund einer Mitteilung des Oberrates, daß dieser gegen eine solche durch die Gemeinde keinen Einspruch erheben werde, vorerst beschlossen, die dadurch entstehende Mehrbelastung der Gemeinde festzustellen Eine eingehende Aussprache veranlaßte der Antrag der Finanzabteilung, den Dr. T ä n z e r vertrat, der Mietung des Parterres im Hause Senefelderstr. 20 für die Zwecke des J u g e n d r i n g s für einen Mietpreis von 230 Mk. monatlich vorläufig für ein Jahr zuzustimmen, damit in dieser Zeit die Erfahrungen mit dem neuen Jugendheim festgestellt werden können. Das Jugendheim soll auch den Kinderhort, vielleicht auch einen Kindergarten in seinen Räumen beherbergen. Aus wirtschaftlichen Grinden sprechen si<b Dr. Flegenheimer und Ludwig S t e r n gegen den Antrag der FmanzabteUung aus. Dr. Flegenheimer ist noch besonders dagegen, daß der Mietvertrag vom seiten der Gemeinde wegen der dadurch entstehenden Haftung geschlossen werde. Ednard Weil bedauert besonders, daß die Einräumung des /weiten Stockes des Gemeindehauses für die Zwecke des Jagendringes niebt durchgeführt warden sei. Auch Dr. Auerbach tritt dafür ein. daß das Jugendhein im Gemeindehans untergebracht werde, da dieses eine gew isse Sicherung für den Zusammenhang der Jugend mit der Gemeinde biete. Für den Antrag der f inanzabteilung treten R o t h s ch i I d . Meyer und Kiele ein. Dr. Horamel und Stern sind für eine Verschiebung der Entschließung, bis alle Einzelheiten mit den Jugendringfiilirern eingehend verhandelt sind. K i e f e erwartet, daß das Jugendheim allen Richtungen und Parteien offenstehen werde, was der Vorsitzende entschieden bejaht. Dr. Tänzer verlangt, daß die Entscheidung über die Mietung der Räume noch heute erfolgt, und daß der Mietvertrag schon aus rechtlichen Gründen durch die Gemeinde vollzogen wird. Die beiden Anträge, daß probeweise für ein Jahr die Miete von »000 Mk. für die Räume des Jugendringes von der Gemeinde bewilligt werden sollen und daß die Gemeinde den Vertrag abschließt, werden angenommen. Ebenso findet ein Antrag Dr. Flegenheimer s. daß irgendwelche bauliche Veränderungen in den Räumen ohne Erlaubnis des Vorsteheramtes nicht vorgenommen werden dürfen, die Zustimmung des Kedlegiums. Der Mietvertrag soll vorerst nicht über den 1. April 1952 ausgedehnt werden. Im Auftrag der Friedhofsabteilung berichtete Eduard Weil über eine Reihe von Herabsetzungen der Kosten der Bestattungen. Die Abteilung schlägt eine neue Klassenteilung für die Beerdigungskosten vor, die aber vorher nochmals unter Zuziehung des Stadtrabbiners in der Kommission beraten werden soll. Im Anschluß - 10 - an den Bericht schlägt der Vorsitzende vor, Prof. B o n n a t /-Stuttgart neben Prof. W e t z e I und Baudirektor Otto zum Preisgericht über den Wettbewerb für den neuen Friedhof zuzuziehen. Der Wettbewerb soll auf die Architekten Erich -Mendelssohn. Nathan, Stern, Landauer, Levi-Freiburg sowie Bloch und Guggenheim er beschränkt werden. Die Preisrichter sollen vorher Vorschläge über die voraussichtlichen Aufwendungen des Wettbewerbes machen. Im Anftrag der Lnterrichtsabteilung erteilt der Stadtrabbiner Auskunft über die eingegangenen Schulberichte, der Religionslehrer und erklärt, daß diese Berichte keinen Grund zu irgendwelchen Einsprachen geben. Der Unterricht ist im letzten Schuljahre entsprechend dem Nörmallehrplan erteilt worden. Das Unterrichtsziel ist im wesentlichen erreicht. Als Obmann der Wohlfahrtsabteilung teilt Friedrich L. Kiefe mit, daß Ebstein sein Amt in diesem Ausschuß niedergelegt habe, um Oberrechnungsrat Meyer nach seinem Ausscheiden aus der Gemeindepflege den Eintritt in die Wohlfahrtsabteilung zu ermöglichen. Die Ersatzwahl Tür den aas dem Arbeitsausschuß des Fürsorgeamtes ausgeschiedenen Joseph Schwarzschild wird in dem demnächst zusammentretenden Wohlfahrtsrat erfolgen. In den Verwaltungsrat des Schwesternrates wird als Delegierter des Vorsteheramtes Dr. Hammel einstimmig wiedergewählt. Infolge des Ausscheidens des Oberrechnungs- >-ates M e j e r aus der Gemeindepflege wird die Geschäftsordnung insofern geändert, als die Finanzabteilung von jetzt an sechs Mitglieder zählen soll, damit Meyer in der Finanzabteilung verbleiben kann. Ebenso legt Dr. Flegenheimer den stellvertretenden Vorsitz im Kleinen Rat nieder, um Meyer die allseits gewünschte weitere Mitarbeit in diesem zu ermöglichen. Ueber die Austrittsbewegung aus der Gemeinde entspinnt sich eine Aussprache. Dem Kleinen Rat wird die Angelegenheit zu grundsätzlicher Vorbehandlung übertragen, bevor weitere Maßnahmen erlolgen. Eine Beschwerde des Bezirksrabbinats Göppingen wegen der Schächtungen durch den Stuttgarter Schächter Engelmaier in Eßlingen wird dahin entschieden, daß es ihm verboten wird, Schächtungen außerhalb Stuttgarts zu vollziehen. Da Oberrechnungsrat Meyer mit dem 11. März aus der Gemeindepflege ausscheidet, also als Gemeindepfleger zum letztenmal an der Sitzung des Vorsteheramtes teilnimmt, erinnert der Vorsitzende in einer die Tätigkeit Meyers voll anerkennenden Ansprache an dessen bleibende Verdienste um die Leitung der Gemeindepflege. Er freut sich, daß Meyers Mitarbeit dem Kollegium erhalten bleibt, da er auch in der Folgezeit als Mitglied des Vorsteheramtes Anteil an seiner Arbeit nehmen wird. Oberrechnungsrat Meyer dankt für die anerkennenden Worte und verspricht freudige Mitarbeit an den Aufgaben des Vorsteheramtes, solange ihm seine Gesundheit solche Mittätigkeit gestattet. An die öffentliche Sitzung des Vorsteheramtes schloß sich eine nichtöffentliche an. Stuttgart. Das Jüdische Schwestern- Ii e i m versandt anläßlich der Mitgliedervors u in in I ii n g vom 29. März an seine Mitglieder einen Geschäftsbericht für das Jahr 1930. den wir nachstehend im Auszug veröffentlichen: Das Geschäftsjahr 1930 stand im Zeichen unserer Jubiläumsfeier. Die~e hat zum Gedenken des 25jährigen Bestehens unseres Vereins um 9. \liirz 1930 stattgefunden. In erfreulicher Heise kamen hiebei die Sympathien der Stueltgemeinde Stuttgart, des Städtischen Fürsorgeamtes, des Israelitischen Fürsorgeamtes, des Israelitischen Oberrats, der Vorsteherömter. der Wohltätigkeits\ereine und vieler Vereinsmitglieder in Stadt und Land lebhaft zum Ausdruck. Die Behörden und Vereine waren bei der Feier \or- Ireten und hüben uns teilweise auch durch reiche Zuw endungen zu diesem Ehrentage erfreut, allen voran die Stadtgemeinde Stuttgart. Diese Kundgebungen erbrachten den Beweis der Anerkennung unserer seitherigen Tätigkeit und sind ein ne uer Ansporn zur weiteren Arbeit. Zurze it wird eine Lehrschwester im Kathai nicnhospital ausgebildet. Sie hat ihre Lehrzeit jetzt beendet und wird demnächst ihre Tätigkeit Krankenschwester für unseren Verein aufnehmen. Eine weitere Lehrschwester wird am!. Vprit 1951 eingestellt: l nsere Schwestern waren im laufenden Jahre sehr gut beschäftigt. Es mußte sogar eine Reihe miii Pflegen wegen Mangels an Schwestern abgelehnt werden. Schwester Erna hat wiederum in den Sommermonaten das Schwarzwaldheim .Mühringen für die Ferienkolonien der Stuttgart-Loge zu deren voller Zufriedenheit geleitet. Zur Fortbildung der Schwestern wurden eine Reihe von Vorträgen durch hiesige Aerzte abgehalten. Auch wurde den Schwestern Gelegenheit gegeben, die Vorträge im Lehrhaus zu besuchen, soweit ihre dienstliche Tätigkeit dies gestattet. linser früherer Vorstand und eifrig tütiges Mitglied Herr M a x VV o I f hat seinen 75. Geburtstag in bescheidener Zurückgezogenheit gefeiert. Der Verwaltungsrat und die Schwestern haben ihm den Dank und die- \erehmng für sein segensreiches Wirken in unserem Vereine zum Ausdruck gebracht. Während des Berichtsjahres ist Herr Oskar R o t h s ch i I d w egen Uebernahine des Vorsitzes im V orsteherunit aus unserem Verwaltungsrat ausgeschieden. An seiner Stelle hat die Stuttgart-Loge Herrn Stadtrabbiher Dr. Rieger in den Verwaltungsrat gern, ählt. \\ ie bekannt, hat das Vorsteberamt Stuttgurt die- Aufhebung der Thoraspenden beschlossen. Dies bedeutet für unseren Verein einen empfindlichen Ausfall. Wir können mir hoffen, daß der in Aussicht genommene Weg zur Entschädigung der betroffenen Vereine auch unserem Verein einen genügenden Ersatz, für den Ausfall bringt. Unseren Verein würde ein solcher Verlust im Hinblick auf die allgemein schlechte Wirtschuftslage, die sich in der Verringerung der Zuwendungen und PflegegHder auswirkt, recht hart treffen. \\ ir schließen unseren Bericht mit herzlichem Dank an die Stadtgemeinde. die Vereine und Einzelmitglieeler und mit der Bitte, unserem Vereine1 auch fernerhin das seither bezeugte Wohlwollen zu bewahren. Stuttgart. B e r t b o I d A u e r b a eh - V e r e i B. Da der Referent für den Ausspracheabend über „Das neue jüdische Buch" erkrankt war, spradi Oberrechnungsrat Max Meyer am 10. März in dankenswerter Weise über ..D i e S ch ä ch t - ' frage", ein Thema, das starkem Interesse begegnete. Der Referent ging von den religionsgesetzlichen Grundlagen des Sdiächtwesens aus und betonte besonders den Ticrsohutzgedanken im jüdischen Religionsgesetz überhaupt und in den Schächt vorschriften insbesondere, durch die eine einwandfreie und schmerzlose Tötung des Tiere« gewährleistet wird. Sodann ging Oberrechnungsrat Meyer auf die gegenwärtigen Schächtfragen ein und behandelte dabei die Grundlagen der in letzter Zeit an einzelnen Stellen versuchten oder ergangeneu Schächtverbote. Er brachte besonders zum Ausdruck, daß die wesentlichen Gründe der Schächtgegner der Ideologie des Antisemitismus entnommen sind und daß ihre Gegnerschaft nur mit humanitären Gedanken verbrämt ist. — Die sehr interessanten Ausführungen fanden lebhaften Beifall. In einer anschließenden Diskussion und besonders in dem sehr warmen Schlußwort des Referenten kam zum Ausdruck, daß sich alle jüdischen Kreise ohne Ansehung der religiösen Richtung in der Schächtfrage zusammenschließen müssen, um einen unberechtigten Eingriff in die Gewissensfreiheit dos Judentums abzuwehren. Stattgart. Frau Frida Perlen, das führende Mitglied der ..Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit'*, sprach am 17. März im B e r t Ii o I d A u e r b a ch - V e r e i n über .,P a z i f i s in ii s". Die Rednerin gab zuerst einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der pazifistischen Bewegung, wobei sie deren einzelnen Ideen und Formulierungen vom Standpunkt der radikalen Friedensfreunde untersuchte, und sprach dann ausführlich Uber die Gründung und Entwicklung der ..Internationalen Frauenliga", die, im Jahre 1915 von Frida Perlen mitbegründet, heute die Erde umspannt, Frau Perlen zeigte, wie die ..Beschlüsse der Frauen vom Haag" von größter Bedeutung für den Gang der Ereignisse wurden, und bewies an vielen Beispielen und persönlichen Erinnerungen, wie schwer nicht nur in den Tagen des Weltkrieges, sondern auch heute noch der Kampf um die Verständigung der Völker ist Von ganz besonderer Aktualität waren ihre Ausführungen über die „In t e r n a t i ö'n ale Kommission gegendenwissen.schaftlichenKrie ff", der Frida Perlen für Deutschland angehört. Hier erfuhr man. welch' mühselige Kleinarbeit sowohl als auch großzügige Propaganda für die Aechtung der Giftgase und ähnlicher Kriegsmittel geleistet wird, wie in aller Welt Unterschriften gegen den wissenschaftlichen Krieg und den Völkermord überhaupt gesammelt werden, um dieselben als Material der kommenden großen Abrüstungskonferenz zu übergeben. — Die interessanten und fesselnden Ausführungen der Referentin ernteten stürmischen Beifall und lösten noch eine rege Debatte aus. Vergessen Sie Mite nicht, daß der Abonnements-Betrag für die Zeit vom 1. April 1931 bis 31. Marz 1932 in der Höhe von RM. 5.— fällig ist Derselbe kann auch halbjährlich mit RM. 2.50 bezahlt werden. Ueberweisen Sie umgehend! Ist. Verlaösanslall G.m.ü.H., Simtßarf, Kasernenslr. 13. PoitsdiedAsito Stitllirl 36258

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