Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 1 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 11)
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Gefangenschaft und niiiHto in einem Gefängenenlager an der französischen Kuiiulküstc mit vielen Kameraden ein schweres Geschick erdulden." Mein Freund konnte die Gefangenschaft nicht ertragen. Ein unbändiger Freiheitsdrang quälte ihn. und eines Tages brach er mit drei gleichgesinnten Genossen nach den notwendigen Vorbereitungen, mit Lebensmitteln und einem Kompaß ausgestattet im Dunkel der Nucht aus. dem unbekannten Süden entgegen, um über die Alpen die Schweiz zu erreichen. Bis in die Gegend von Grenoble dar man trotz aller Ge- - 7 - fahren und nur uuf Naditwanderungen gekommen. Schon leuchtete der schneebedeckte Gipfel de« Montblniicmassives. Freiheit verheißend, in der Kerne. F.rmattet und mit wunden Füßen suchten sie in einer Scheune kurz vor Grenoble Ruhe und Unterkunft. Da kam das Unheil. Bauern hatten wohl in der Scheune zu tun und entdeckten die Flüchtlinge. Der Fluchtversuch endete mit Gefangennahme und Festungshaft in den feuchten Kasematten der Festung Grenoble. Fine schwere Erkrankung folgte uuf die Strapazen und Aufregungen. Auch mein Freund brauchte nicht das Ende <lrs Krieges als Sträfling abzuwarten. Fines Tage« küin die langersehnte Kommission vom Roten kreuz. \ls amstausdif.ihip befunden, kam auch ei in die Schweiz, und dort wurden wir bekannt. Im Laufe der Zeit habe ich meinen Kameraden aus dem Auge verloren. Doch alljährlich, wenn am \olkstrauertag die Gräber der Gefalleneu geehrt werden, denke ich an das Grab! des iniekanuten jüdischen Soldaten und an »ein einfaches, aber rührendes Denkmal, di ■ Rödelheinter Tefilin. Als Kegicrcingsrat Dr. Karl Nördlinger im Januar des vorigen Jahres in der Israelitischen Landes>ersammlung erklärt hatte, daß er aus ernsten Gesundheitsrücksichten sein Amt als juristisches Mitglied und uls Präsident des (Verrates niederlegen müßte, wußten die Kin^eurillten, daß ihm nach menschlicher Voraussicht nur noch eine begrenzte Lebensdauer vergönnt sein würde. Trotzdem wirkte die Trauerbotschaft von seinem jähen Hinsterben in den Morgenstunden des l>. Mär/ tief erschütternd. Krfreute er sich doch bei allen, die ihn kannten, unbegrenzter Verehrung und ungeteilten Vertrauens. Diese allgemeine Wertschätzung offenbarte sidi nodi einmal bei seiner Beisetzung um Dienstag, den 17. März. Obwohl seine Bestuttuug nach seinen letzten Wünschen in der Stille erfolgen sollte, hatte sich doch im Krematorium eine außerordentlich große Trauergcmeiode eingefunden, um ihm die letzte Line zu erweisen. Die Liebe und Verehrung aller Kreise, denen er seine Kraft im Leben gewidmet, kam bei dieser Feier noch einmal zu ergreifendem Ausdruck. Neben den Mitgliedern der leidtragenden Familie hatten sich hier Vertreter aller Organi-; sationen eingefunden, in denen sich der Verstorbene so wertvoll betätigt hatte. Das Kultin i n i s t e r i u m war durch Ministerialdirektor Dr. M e y d i n g vertreten. Präsident Dr. v. Bälz, der seinerzeitige Präsident der Isr. Oberkirchenbehörde, und eine große Anzahl von richterlichen Beamten und Rechtsanwälten war erschienen. um dem geachteten Kollegen die letzte erweisen. Ehr Ein weihevoller Ernst erfüllte die Trauerfentrinde. Wehmütige Orgelklänge, und von rau Irma Flcgenheimer ergreifend gesungen klang der feierliche Psalm durch den Raum: „Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest?" Dann schilderte der S t .1 BiAer in seiner Gedächtnisrede die I leivciis« eisheil des \ erstorbenen, di Verbindung von geistiger Größe und abgeklärtri Menschlichkeit, in allen seinen Lebensbe/iehiin gen. Das natürliche Feingefühl für R Wahrheit paarte sich in ihm mit juristischem Scharfsinn und gelehrter Sachkenntnis /i\ einer vorbildlichen Einheit Aber dies all strahlte seine geläuterte Lebens* eishji sonnige Iler/ensgüte. Gerade in seine Leidenszeit, die er mit innerer Festigkeit Itra I'!>iblische ideale und philosophischer Gelassenheit getragen, hat skh [fiese llerzensweisheit wundervoll offenbar! welche die Bibel als höchste Tugend um Menschen preist. Nach der Gedenkrede rühmte Präsident des Oberrates. Ministeriallrat der Dr. Hirsch, die zwanzigjährige Tätigkeit Dr. N'örd liugers im Oberrat. wobei auch er die liehen Eigenschaften des Dahingeschied sonders hervorhob. Für die Israel L a 11 d e s v e r s a m m I 11 11 g und als freund sprach Rechtsanwalt Dr hingen tiefergreifende Dankesworte. .. S ü d cl e u t s eh e A r b e i t s g e 111 ein der j ü d i s ch e n La n d e s v e r l> ii 11 < e E I I b o g e 11 -Karlsruhe, für den ..Verein Lehrer** Oberlehrer Rothschild, al Mitarbeiter und dankbarer Freund Rechtsanwalt Dr. F I e g e n h e i m e r. Dann spielte ein Streichquartett Beethovens op. 132. und unter iien Gebetsworten des Stadtnibbiners und leisem Orgelii - [•it. ühci seine Im Meli menschneu bell k (he Jugenil- II u v u ni - Tu - für die s ch a f t Dr. isr. sein leberzeugen Sie sidi •' durch eine Besichtigung der größten Ausstellung für Möbel and Dekorationen Kriegsbergstraße 42 daß wir Ihnen auneröewdhnlidie Vorfeile bieten. Württemberger Vereinigte Möbelfabriken SdiiidKnedii u. Rad & Gerber k Herrenhüte Nur erste Erzeugnisse des In- und Auslandes e/ß&z^e*f< UNTERRICHT Königstrasse 40 ^het Schneidet dec eleganten Bcwte^ Siems JCoch Ludwigen. 33, Telephon 63503 Spezialität: Jackenkleider und Mantel^ , Jkrxen die taufen gesunden 3uöend Scnuhe 5chulsfT.? ©minberWblinneii in 1.50 ©minöerri^ Wl 1.70 ftets in allen Aiirbcit uorrätia (£t)rifttan 'PflctDerer Sunt JBelfeen SNaus yiauptftätteritr. <£&t ilorftr. 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