Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VIII (1931-1932)
- Issue
- 1 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
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- 6 - S^V** <lJ\Jt^ CcJvO^^ Sofort miliuntlinin! _J * 3 AI» Briof zu verwenden Schalldichte Aufnahmekabina und nur Mfc. t.SO PhOtOlTIatOII / Königsbaupassage 19 Am Ausgang Hotel Marquardt Sfkiaihimitt'i ilfii Juttt'ii dv- Rhi*in> ii«>di n>rlu-iimIicihI. »<• litt «Ml .illf-'t-tiii-in um 12t0 ilic mitteli lii'iiii»iln- Vliimkm iIiirdigeM-t/t. Dir \n- ./ulil «Irr Juden hiii da« J.ihr I UM» dürft«- 40M» Iii« "iiiii' 11M11 «tark lilxT-iH'ircn hälxrn. I m «las Jahr iV>n nadi i'lu.i l"><i Jahren. i«t mit einer jiidi- >«heii Bet iilkei Hilf: »<>M b«Ml*t«*H« IXIKKl /u n'iliui'ii. \inli die Immigration die .ins Deutsthland nadi Polen ^rht. wird /iftriiimaftiir (tewaltip iibertnel)eii. \<>n den einjrev» änderten Juden v> rrrdeu direkt lim wenige Gemeinden in Polen ' jretrriindel. Nor dein Jahre l^oo läßt «Mi in l'oli ii eine jii«li»the Bevölkerung hauptsächlich in Po«en. K.ili-ili I anscheinend \om Jahre IJs" In i1 und in einigen anderen Orten nachweinen. I >i<- Vnfiiiipe der indischen Gemeinden von \Nar- -iftun. Bromher^'. I 11 Mi». Sandomir. Krakau. I jinlteif: fallen in die /eil »on i"W)4 l%!>". wie \lei«l in '«ein« i (»esdikhti' der Jiuleu in Polen mitd ISiißland darlegl I - waren dentsdie Juden, hr Polen lir-ii (leiten. I - werden damals nach ■ '■ ii > 'i 11« -i-iMIi ii Xdl'.iIi« ii JO Iiis allerbikhstens "»•i t ■einfinden fnVi'M'h -ein. Wii können mit i teile nhi iikni I ami|ieh rechne», die \mi l)eut«<hl.nld du i\ i n. Reise in «las freilich' Land .111ir.ileli »ii dalVw Ii um das Jahr l^lO \ ielleicht mit einiri_' iüdi-iheu Kevolkerttiij! in Polen >«ui wmo ~""el« ii zu reclnii'ii haben. f.Jri iMnI-'e \.uli wuchs I m \ ol ki rl vwn den Hän- ■ li fs/iiii rcn ati« «las ühripe Land. \uf Grund tlei im J.iln« i"4'» «■inirefiihrtcn "Kopfsteuer ist die Zahl «In luden in'Polen im Jahre Ith» auf .10 <M0 Iii« »iiihki >eel<n zu K'ran*cJilagc-u. Die jüdische B< *<>lk<.....- ii.ilnn infolge di r übergroßen liwclnli.il ki ii -i.'nk zu. Mit' -Hilfe der Angaben voll \lei»l itii• I «li'i t nterlagen fur «Iii* Xeii/rit kalben w^u /n folgendem Schema: Die Zahl der |ii«Vn in < . 11 il'-Polen war: im Jahre l">o « a. 6O00:!4>0-<-a l"> IKK»: |T>0 ea. 40 tt)MIO: I6K)ca. 2t0UN): ""II ii ilKXHXI: |s_>s {a. JIHKIIMHI: l'IIHI ea. .....mimii |)je», Ziffern erfassen die jüdische Be- 1 >lk« .....j: in (■roR-Polen link). Ukraine) und f it.iiK'u. Da/11 kommen noch die Massen der . luden, die im |s.. |<». und Jo. Jahrhundert .111« den |iolni»ih«-ii Geliieten nach Rumänien. Tschechoslowakei. 1 nguru. Deutschland. Krankrekh. Kurland. Noril- und Südamerika. Vfrika. Asien ausgewandert sind. Ihre Zahl inbegriffen, w.ir die NacJlkomuif u«(haft dei |)olni«(hcu Juden im fahre Witt .ml ca. IJ Ii 000 MM» angewachsen. Mögen die t nterlagen. auf die sich das obige Schema stützt, mangelhaft sein, dies hindert nicht dal! ilurih die- Lrforschiing der \olks/ahl im« w esentliche KrkeniiU]is~r erschlossen w erden. Dir statistische Erforschung der jüdischen Siedeliingeu liiflt die Geschichte des jiidischeu Volke» vielfach in anderem Lichte erscheinen. Gewiti sind die in diesem Artikel angeführten Ziffern /um Feil srlion verstreut um anderen Autoren angedeutet. Aber erst ihre Zusammenstellung liefert uns das plastische, überraschende Bilil »on dein WerdegÄng; der deutschen Hnd politischen Juden. Das Denkmal des unbekannten jüdischen Soldaten. Eine Kriegserinnerung von Julius Flörsheim. Es war im Jahre l*M". Mil einem I ran-porl schwrer \erwundeter deutscher GrfangeiU'i war ich nach bangem Hoffen und sehnsüchtigem Warten, nach häufigen ärztlichen Untersuchungen riHlluh dem mörderischen I ieberkliiiiu eines nordafrikanischen Gefangenenlagers «Irr französischen Gefangenschaft entrönnen und in der Schwei/ int« i liiert worden. Die Gebirgsluft des Appenzellerlandes hatte ihre heilsame Wirkung ,ml des kranken Körper und die bedrückte Seele ausgeübt, und einigei inalleii gesund konnte idi meinen ersten I rlaub nach St. Gallen, der nächsten Stadt mit einer jüdischen Gemeinde, antreten. Es war Pessach. Wohl noch nie hatte ich am eigi-neu Leibe erfahren, vcas es heillt. von barter Kncsthtschaft. von ..Awaudo koscho". \on schwerer Sklavenarbeit befreit zu sein. So voibriritrt. brtrat ich nach zweijähriger Gefangenschaft zum ersten Male wieder ein jüdisches Gotteshans'. Meine kleine Rödelheimer TefiHo. die in allen Kämpfen und Leiden mein treuer Begleiter gewesen war. sollte mir auch diesesmal wieder, wie mi off. /nr Andacht verhelfen. Ni'bc-n mir Stand « in anderer jüdischer .Soldat, den ein gleiches Geschick in die Schwei/ peführt li.iit*-. \ucfi er hatte eine Tefilin vor sj(h liefen. Von iliesi-m Gebetbache möchte ich erzählen. \U Leidensgefährten wurden wir schnell bekannt, und im Laufe der nächsten läge des Befreinngsfestes. das uns bei einer gastfreien jüdisiiii n Familie beim altüberlieferten Seder zusammenhielt, auch bald befrenjndet. Mich fesselte von Anfang au die Tefilin meines Kameraden und ihr eigenartiges tassefcen. Der hintere Deikel und die meisten "seilen des Gebetbuches wären stark zerfetz). Der Miniere Deckel dapegen war noch gm erhalten. Ich blätterte und fand auf dem Deckcd in zitternder Sdirift die Worte: -Meinem Kinzigen mit auf den Weg? Di« Leberschrifl erscjfnitterte mich tief. Sir hatte eiintieftraurig* (rt+schichte. .die mir mein Kamerad erzählte. ..Ks war au einem regnerischen Herbsttage des Jahres |<)|>. w ir lagen in der Champagne, nachts sollte ein Sturmangriff auf die feindlichen Gräben stattfinden. Bang erwartungsvoll tbesdiäftigten uns die bevorstehenden Kämpfe. Der Feind war auf der Wacht. Ein gewaltiges Trommelfeuer sollte den Weg zu den feindlichen Gräben sperren. Granaten heulten, das Masdiinengewchrfeuer knatterte. Leuchtkugeln erhellten schaurig die heranbrechende Dunkelheit. Jetzt endlich kam der Angriffsbefehl. Die Spannung löste sich. ..Heraus aus den Gräben", hielt es. Inzwischen war die Nacht hereingebrochen. Dünner Regen rieselte hoffnungslos und eintönig hernieder, schwer drückte der Tornister. Stolpernd und fallend ging's über Löcher und Stachel-. drahthindernisse hinweg, den feindlichen Gräben entgegen, rechts und links fielen Soldaten. Stöhnen und Röcheln durchdrang die dunkle Nacht. Plötzlich fiel ich über einen Körper: nur schwerfällig konnte ich mich wieder, erheben. Ich tastete und fällte dabei ein Buch. Ganz mechanisch steckte ich es ein und dachte dabei: Vielleicht kann ich den Angehörigen des toten Kameraden dieses Buch als letztes Erkennungszeichen eines geliebten Sohnes zusenden. Stolpernd setzte ich meinen W eg fort. Plötzlich empfing ich einen heftigen Schlag gegen die Brust und stürzte hin. Eine halbe Stunde mochte ich wohl fast besinnungslos so gelegen haben. Der Schmerz hatte nadigelasseu. schwerfällig erhob ich mich, befühlte meinen Körper und konnte feststeilen, daß ich nicht verwundet war. Ein Granatsplitter hatte meinen Uniform rock zerfetzt, war in das Buch eingedrungen, und cluiiii hatte wohl seine- Durchschlagskraft versagt. So hatte mich das gefundene Buch vor schwerer Verwundung geschützt. Ein gutes Omen! Die feindlichen Gräben waren inzwischen erstürmt worden. Hinkend folgte ich meinen Kameraden, und im Morgengrauen griff ich zuerst nach meinem Buch, das mein Lebensretter geworden war. Ein tiefes Schaudern ergriff mich: es war eine P.ödelheimer Tefillo. Idi blätterte, um den Namen des Toten zu suchen und fand die Inschrift am Einbanddeckel: ..Meinem Einzigen mit auf den W eg". Tieftraurig flogen meine Gedanken in die Heimat. Dort saß gewiß eine jüdische Mutter und verging in Sorgen um ihr einziges Kind. Wie lange würde es dauern, dann traf die entscheidnngSvolle, kurze und trostlose Nachricht ein: ..Auf dem Felde der Ehre gefallen!" Der Gedanke an den unbekannten jüdischen Kameraden verließ mich seit dieser Zeit nie. Sobald wie möglich, versuchte ich durch eine Anzeige in einer jüdischen Zeitung der armen Mutter das letzte Erinnerungszeichen ihres Sohnes zuzustellen. Leider war mir das Regiment <les Gefallen unbekannt, und so blieben meine Bemühungen erfolglos. In allen weiteren Kämpfen blieb die Tefillo mein treuer Begleiter, der midi nie verließ. Doch auch mich ereilte buhl das Schicksal. Einige Monate später geriet ich in KOSCHER FÜR PESSACH Zwei koschere Pflanzenfette ... so sparsam, so bequem! noD Itf D Tomor, hergestellt unter Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf, ist reinste Mandelmilch-Margarine! 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