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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1931-03-16 · 24 (16.3.1931) · p. Seite 290

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
24 (16.3.1931)
Date
1931-03-16
Page
Seite 290 (sequence 6)
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£in Geschenk * soll nicht nur billig sondern auch schön u. gut sein beides vereint finden Sie bei mir OSKAR BECKER Offenbacher Lederwaren CharlottenstraBe 2 RotebUhlstraße 1B . den Augen <l< r Mutter schlachte: denn es sei die> iIii- -ihr grolle Tierquälerei. Der Schmer/ des l ie"res sei hierbei ebenso groß wie der des Men- >ch<rh. I 'ii- Mutterliebe entspringe nämlich nicht .in* di r Vernunft, sondern aus dem Instinkt, der bei .anderen I el>e\*esen ebenso proä sei. wie bei ileir Menschen Aus ilem lalmud zitiere ich noch li.ii Witi (Siibb. Illshr: ..Wenn ein Tier am ■\ilrb.ilh <iiinh einen t nfall in eine Lage gerät. Ii i. i es Qual ei leidet, so darf man die Sabbathii verletzen, um das lier au* dieser lagtzu ix-freieii. Denn (K r I ierschnfe ist ein biblisches und lu llt selbst die Sabbathruhe auf. ml /mn S«IiIhH noch das Wort eines christlichen- Clelehrlen: '„Man kann siuon. das Gesetz na du Israel zu einem grölten I ierschut/verein. lijid seine Verordnungen sind zum Teil so genau in I iu/elheiteu und alle von solch /arter Hücfc- -icht durchdrungen, wie die modernen Vereine ilii-si \n es niilii liiiten. noch bieten können. I um/ kiiliel Die so/iale und volkswirtschaftluiit' (t'csei/geluing <les alten Testaments. S. 9h.) - »ml iia.ii dein Gesagten als-selbstverständ- ■ : cheinen. dal! auch bei dem Sehächten, der einzigen durch das Keligionsgesetz gestatteten I oiuilg*wci<e l im » l ieres. das Naliriingszwecken In nen soll, dem I i e r < ch u t z ge d a n k e n in im iiesiem Malle Redinung getragen wird. Der Schäthtschnitl muH in schnellem ununterbrochenerti Zuge mit.einein langen, haarscharfen Messer coll/ogcn werden. st) in 1 >nrcli*chiieidung \ :i I uli iiml Speiseröhre gleichzeitig die großen ll.ils-dil.ig.idc ra. dur<lil reimt weiden. Schon der geringste \ei »loß gegen die \ orschriften des s ..■lüieiis. die offenbar den Zweck haben, das SiIhhi/gefühl möglichst auszuschalten oder auf cm Mindestmaß herabzusetzen.' genügt, um das I irr Im den (ieimfi Für Juden unbrauchbar zu i. ieilen, /tu Ausführung des >cliä<litens darf ■ 'in frommer, sittlich einwandfreier Mensch!" rufen, werden, so daß die Beachtung der reli- . sen Vorschriften durch ihn gesichert ist ..Da uns der Zwang nötigt. Lebewesen zu genießen"'. «IsMgi dei schon e rwähnte Maimonides iMore Nebmhini III kup. Jt>): ..so ist es uns geboten, ihnen wenigsten* einen leichten lud zu bereiten.'" i - i-: gai keine Frage, daß Jahrhunderte hinlufdi. langel>e\or in l'uropa von einem Tierschutz iiml von I ierschiitzvereinen die Rede war. t. « Schächten die humanste Methode der lierlölmig gc-w esen ist. In neuerer Zeit hat man versucht, die Methode des Schächtens als eine Tierquälerei oder wenigstens als durch andere Methoden überholt, zu bezeichnen. Ob dem wirklich so ist, vermag nicht der nur nach dem Augenschein Richtende, nicht der Laie, nicht der Metzger, nicht einmal der Durchschnittstierarzt, der gewöhnlich nur ein Mann der Praxis ist, zu beurteilen. Das vermag nur die wissenschaftliche Forschung zu erweisen. Im Jahre 1894 sind In einem Sammelbande „Gutachten über das rituelle Schächten" 253 gutachtliche Aeuflerungen von anerkannten Autoritäten des In- und Auslandes veröffentlicht worden. Unter ihnen sind fünfzig Universitätsprofessoren der Physiologie und Pathologie, 14 Direktoren von Tierarzneischulen. 24 Professoren der Tierarzneikunde und 151 Tierärzte in verschiedenen Stellungen. Sie alle sind sich darüber einig, daß das Schächten eine durchaus humane Tötungsart ist. Männer wie Vifchow, Preyer, Dubois-Kaymond gehören zu diesen Gutachtern. Die Gutachten der letzten Jahre liegen diesem Schreiben bei Aus ihnen geht hervor, daß der Schächtsdiuitt selbst als beste Betäubung wirkt. Das Tier wird sofort bewußtlos. Das plötzliche Austreten des Blutes aus den Schlagadern bewirkt eine heftige Blutdrucksenkung im Gehirn und nach den Feststellungen, von Dr. Lieben auch eine sofortige starke Verminderung des Gehirnvoiumens. Das Gehirn ist sofort gelähmt, so daß kein Bewußtsein mehr vorhanden ist. Die Zuckungen nach dem Schächtschnitt sind lediglich reflektorische Bewegungen, also solche, die ohne Bewußtsein vor sich gehen. Sie sind selbst dann möglich, wenn das ganze Großhirn herausgenommen worden, eine Sdimerzeuipfindung also absolut unmöglich ist. (Versuche von Prof. Dexler in Prag.) Bekannt ist auch, daß eine enthauptete Taube uoch auf das nächste Dach fliegt. Daß das .Niederlegen des Tieres in möglidist humaner Weise zu erfolgen hat. liegt selbstverständlich ganz und gar im Sinne des jüdischen Religionsgesetz.es. Lin neues .Niederlegeverfahren von Weinberg ermöglicht ein qualfreies Umlegen selbst der schwersten Tiere, ohne dal! eine Fesselung erforderlich ist. Es wird Suche der jüdischen. Gemeinden sein, sich einen soldieu Apparat zu besorgen. (.A gl. Zeitung des deutschen lierschutzvereins zu Berlin Nr. 12. XII. 1950.1 Und zum Schluß noch die Antwort auf die Frage, warum eigentlich das gläubige Judentum gezwungen ist. auf Grund seines Religionsjfesetzes. ungeachtet aller damit verbundenen Erschwerungen und sonstigen Unzuträglichkeiten, die bei anderen Schlachttieren üblidie Betäubung abzulehnen. Das Schächten des Tieres ist dem gesetzestreuen Juden in den durdi das Religionsgesetz vorgeschriebenen Formen eine ewige, u n a b - änderliche gottgewollte Satzung. Es dürfen nun keine Tiere geschächtet werden, die eine Verletzung lebenswichtiger Organe aufweisen. Bei den üblidien Betäubungsmethoden treten aber leider solche Verletzungen ein. Daß dies für den Kopfsdilag. aber auch für den 15olzenschuß. der in W ahrheit auch nur eine Gehn u/ertrümmerung darstellt, gilt, ist ohne weiteres, klar. Auch die elektrisdu- Methode führt nachweisbar schwere innere Verletzungen herbei, abgesehen davon, daß es zweifelhaft erscheint, ob das l ier durch den elektrischen Strom nur gelähmt, aber nicht bewußtlos gemacht wird. Ein geeignetes Betäubungsmittel, d. h. ein solches, das für das Schächten zulässig wäre, ist noch nicht gefunden. Gäbe es ein solches, so würde es selbstverständlich trotz des aufs neue erwiesenen humanen Charakters des rituellen Schächtens auch hierfür zur Anwendung kommen, schon um die gegen dieses Religionsgesetz betriebene Agitation aus der Welt zu schaffen. Die Forderung einer Betäubung mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln kommt einem Verbote des Schächtens gleich. Sie würde vielen Personen des jüdischen Glaubens, namentlich solchen vorgerückten Alters, die bekanntlich das Religionsgesetz besonders beachten, fleischliche Nahrung außerordentlich erschweren oder ganz unmöglich machen. Sie würde die Gewissensfreiheit des jüdischen Bevölkerungsteiles in unerträglicher Weise beeinträchtigen. Das Judentum und das Schrifttum der Gegenwart. Vortrag im Jüd. Lehrhaus. Die letzte Veranstaltung des Lehrhauses vermittelte am Samstag, den 28. Februar, deren Zuhörerkreis die Bekanntschaft mit einem gedankenreichen Redner, dem jungen Privatdozenten Dr. Ludwig Strauß von der Aachener I echnisdien Hodischule. der über das interessante Problem ..Das Judentum und das Schrifttum der Gegenwart" in fesselnder Weise sprach. Sein Vortrag wirkte besonders anregend dadurch, daß er nicht etwa abschließende Urteile bot, sondern die Fragen objektiv beleuchtete und die Entscheidung über die Antwort dem Hörer selbst übertrug. Nur die Auswahl seiner Beispiele war subjektiv. Vieles, was von der Presse gepriesen wird, verwarf er oder schied es wenigstens aus dem Kreise seiner Betrachtungen aus. So entstand ein reizvolles eigenartiges Gedankenbild, das jeden Hörer zu ernstlidier Nadidenklichkeit mahnte. Der Redner versuchte zuerst in gewissen Figentümlichkeiten die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, welche die jüdischen Dichter innerhalb des deutschen Schrifttums aufweisen. Da die deutschen Juden das Ghetto erst seit 150 Jahren verlassen, ihre Eingliederung in das Deutschtum also erst fünf Geschlechter zurückliegt, sind solche Gemeinsamkeiten schon infolge der religiösen, familiären und kulturellen Bindungen naturnotwendig gegeben. Die deutschen Juden befinden sidi immer noch gleichsam im Uebergang vom Ghetto zum Deutschtum. Ihre geistige Arbeit zeigt die Uebergangsform von der einen zur anderen Weltanschauung und die Neigung zum politischen und kulturellen Radikalismus, der mit dem Wandel der Anschauungen gegeben ist Mit dem Einbruch des Naturalismus beginnt in den achtziger Jahren die Revolution im deutschen Schrifttum. Auffallenderweise sind Juden an dieser Neugestaltung als .Mitschöpfer noch nicht tätig. Vielleicht lag die naturalistische Aufleberzeugen Sie sidi durch eine Besichtigung der größten Ausstellung für Möbel and Dekorationen Kriegsbergstraße 42 daß wir Ihnen auf) eröewöhnlidte Vorteile bieten. 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